Kino: Hobbit – Smaugs Einöde

Martin Freeman (foto: wikipedia/ranZag)
Erinnern wir uns an das Jahr 2011. Da machte Regisseur Peter Jackson allen Fans der Herr-der-Ringe-Filme ein hübsches Weihnachtsgeschenk: den ersten Trailer zum langersehnten „Hobbit“. Darin sangen Thorin Eichenschild und seine Zwerge „Over the misty mountains cold“, dass einem wonnige Schauer über den Rücken liefen. Ein Jahr später kam der Film ins Kino – und mit ihm die Ernüchterung. Jetzt ist der zweite Teil des „Hobbits“ in den Kinos angelaufen. Der ist zwar besser als sein Vorgänger – überzeugen kann er kaum.
„Smaugs Einöde“, das Mittelstück der „Hobbit“-Trilogie, führt den ersten Teil nahtlos weiter: Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman), Gandalf (Ian McKellen) und die 13 Zwerge, angeführt von Thorin Eichenschild (Richard Armitage), sind immer noch auf der Flucht von einer Orkbande und von ihrem Ziel, dem Einsamen Berg Erebor, den sie vom bösen Drachen Smaug zurückgewinnen wollen, noch weit entfernt. Auf ihrem Weg schlittern die Zwerge von einer Falle in die nächste, doch Bilbo kann sie – dank des Einen Rings, den der Hobbit im ersten Teil in Gollums Höhle gefunden hat und der ihn unsichtbar macht – sowohl aus den Klauen der Waldspinnen als auch der Elben des Düsterwalds befreien. Deren König Thranduil (Lee Pace) schottet sein Reich gegen die Außenwelt ab und sieht wenig Anlass, den Zwergen, denen die Orks weiter auf den Fersen sind, zu helfen. Sein Sohn Legolas (Orlando Bloom), der zwar in der Buchvorlage nicht vorkommt, dagegen schon – allerdings nicht, weil ihm viel an den Zwergen läge, sondern wegen der hübschen Elbenkriegerin Tauriel (Lost-Star Evangeline Lilly). Die hat Regisseur Jackson frei erfunden – wohl, um die Frauenquote zu erhöhen und dem Film eine romantische Note zu geben. Denn Tauriel hat sich verguckt – allerdings nicht in den Königssohn.
Eine zarte Liebesgeschichte, eine abenteuerliche Reise, ein Schuss Humor, spektakuläre Kulissen und Kämpfe, gefährliche Gegner wie Orks, ein Drache, Sauron, und mittendrin ein kleiner Hobbit, der über sich hinauswächst – eigentlich enthält der Film alle Zutaten für eine spannende, mitreißende Geschichte. Eigentlich. Denn wirklich mitfiebern mag man während der 160 Minuten nicht. Daran krankte bereits der erste Teil des „Hobbits“. Wo ist die Magie von Mittelerde geblieben?
Die ist vor allem deshalb auf der Strecke geblieben, weil Peter Jackson anscheinend krampfhaft versucht, den „Hobbit“ dem „Herrn der Ringe“ anzugleichen. Schon in „Eine unerwartete Reise“ hatte man bei etlichen Szenen das Gefühl, sie irgendwie schon einmal gesehen zu haben – allerdings um Längen besser. In „Smaugs Einöde“ ist das nicht anders. Legolas‘ Gastauftritt zum Beispiel ist zwar ein schönes Geschenk an die Fans, schadet aber mehr, als es nützt: Zum einen hat Jackson dadurch noch weniger Zeit, den eigentlichen Hauptfiguren, den Zwergen, Kontur zu geben, zum anderen fordert es einmal mehr den direkten Vergleich mit der ersten Trilogie heraus – und gegen das Original kann eine Kopie nur selten gewinnen. Der Versuch, stets noch eine Schippe drauf zu legen, klappt allein inhaltlich schon nicht: Bilbo ist nicht Frodo, die Zwergentruppe nicht die Gefährten, Erebor nicht der Schicksalsberg und Smaug nicht Sauron.
Und dann die Optik. Ja, mit 3D, massenhaft CGI und der High Frame Rate von 48 Bildern pro Sekunde sind die Hobbit-Verfilmungen auf dem neuesten Stand der Technik. Aber nur, weil etwas möglich ist, ist es noch lange nicht
sinnvoll. So kommt es zur paradoxen Situation, dass die Technik zwar ein Jahrzehnt weiter ist als beim „Herrn der Ringe“, Mittelerde aber nicht einmal annähernd so real darstellt. Stattdessen lässt die Videospielästhetik die Geschichte gelegentlich sogar in den Hintergrund rücken: So einige Kampfsequenzen wurde wohl nur eingebaut, um zu zeigen, was die Technik heute so alles hergibt. Eigentlich sollte man staunen, wenn Legolas von einem Zwergenkopf zum nächsten springt, während die in Fässern einen reißenden Fluss hinabdonnern, und er dabei mühelos einen Ork nach dem anderen skalpiert – stattdessen fühlt man sich ein Jump’n’Run-Videospiel erinnert. Eigentlich sollte man sich vor der bösen Orkmeute fürchten – doch die Animation verblasst gegenüber den (nicht am PC, sondern in der Maske entstandenen) Uruk-Hai aus der ersten Trilogie, und das nicht nur aufgrund der fehlenden Körperfarbe der Orks. Stirnrunzeln statt Sprachlosigkeit, „What the heck?!“ statt „Wow“.

Einige versöhnliche Momente gibt‘s – zum Glück – dann doch. Etwa, wenn Gandalf, anders als im „Herrn der Ringe“, endlich mal so richtig seinen Zauberstab schwingen darf. Etwa, wenn Bilbo erkennt, welche Macht (und welches Unheil) vom Einen Ring ausgeht. Überhaupt jene Szene, in der Martin Freeman genug Zeit hat, Bilbo zum Leben zu erwecken. Was für ein gewitzter Hobbit er ist, zeigt sich dann im Rededuell mit Drache Smaug. Der animierte Lindwurm lässt einen – dank der Leistung Cumberbatchs, der genau die richtige Mischung aus Charme und Bösartigkeit in Smaugs Stimme legt – dann zumindest ein bisschen erschauern. Was einen kleinen Hoffnungsschimmer fürs Finale zulässt. Eigentlich.

Text: Natalie Sudermann

 

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