Radio Heimat

Radio Heimat (foto: verleih)

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Wilde Parties, Herzschmerz und Mettbrötchen: Die im Ruhrpott der achtziger Jahre angesiedelte Komödie „Radio Heimat“, die auf dem Kult-Roman von Frank Goosen beruht, liegt jetzt fürs Heimkino vor.

Wagen wir uns zurück ins Bochum des Jahres 1983. Der 16-jährige Frank (David Hugo Schmitz) und seine Freunde Pommes (Jan Bülow), Spüli (Hauke Petersen) und Mücke (Maximilian Mundt) haben nur eins im Sinn: Frauen. Vor allem Carola Rösler (Milena Tscharntke) hat es den Jungs angetan. Franks Vatter (Stephan Kampwirth), ein typischer Pott-Malocher, hat in Sachen Eroberung natürlich einen guten Tipp für seinen Sohnemann parat: die Tanzschule. Da hat es bei ihm schließlich auch gefunkt. Aber lassen sich die Kuppelgesetze von damals so einfach ins Jetzt übertragen? Einen Versuch ist es wert. Und so schwingen die vier Freunde wenig später das Tanzbein, nur um festzustellen, dass der vermeintlich todsichere Plan daneben geht. Ausgerechnet der „Laberfürst“ (Uwe Lyko) gibt den vier Jungs einen wichtigen Ratschlag: Wenn sie Mädchen erobern wollen, müssen sie eine eigene Disco starten. Gesagt, getan. Im Partykeller steigt kurz darauf eine denkwürdige Fete. Leider schlägt jedoch der Plan, Carola betrunken und beim Strip-Poker nackig zu machen, fehl. Aber so schnell geben Frank, Pommes, Spüli und Mücke nicht auf. In der Kneipe „Zum Sportfreund“ bei Wirt Siggi (Heinz Hoenig), wo es schon morgens zum Bier handgemachte Frikadellen, Mettbrötchen und die Riesenbockwurst namens „Jungferntraum“ gibt, hecken die Jungs wenig später schon den nächsten Coup aus …

Von wegen früher war mehr Lametta und so: Pubertät war auch in den achtziger Jahren keine einfache Sache. Oder wie es in dem Film heißt: „Damals war auch scheiße“. Das gilt nicht für den Film selbst, der auf Goosens gleichnamigem Roman basiert. Der ist nämlich richtig gut geworden. Das liegt zum einen am hervorragenden Schauspieler-Ensemble. Und zum anderen natürlich an der gelungenen Inszenierung der achtziger Jahre. Der Streifen lebt von den vielen Referenzen, von den eigenen Erinnerungen an Party-Keller und Klassenfahrt, an Fönwelle und durchgewetzte Turnschuhe, an Urzeitkrebse und Bockwürste. Der Dortmunder Drehbuchautor, Regisseur und Kabarettist Matthias Kutschmann hat dieses Jahrzehnt hier in seinem Kino-Debüt ganz hervorragend in Szene gesetzt.

Fazit: Witzige Coming-of-Age-Geschichte.

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