R.E.M. – Out Of Time (25th Anniversary Edition)

R.E.M. - Out Of Time (foto: concord/universal music)

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10 Concord Bicycle

10

Kann man das glauben? „Out Of Time“, jenes legendäre siebte Studio-Album von R.E.M. hat nun auch schon 25 Jahre auf dem Buckel. Jenes Album, mit dem die Band den Durchbruch vom Indie-Geheimtipp zum globalen Mainstream-Wunder schaffte. Zum Geburtstag der Platte haben R.E.M. nun eine 25th Anniversary Edition auf Concord Bicycle veröffentlicht.

Und plötzlich kam der Motor ins Stottern: Nach der (Ochsen-)Tour zum Album „Green“ (1988) ging R.E.M. die Puste aus. Die Platte war ihre erste unter dem Dach eines Major Labels gewesen, war ein kommerzieller sowie ein Kritiker-Erfolg und sorgte dafür, dass man auf beiden Seiten  des großen Teichs plötzlich über die Jungs aus Athens/Georgia Bescheid wusste. Die vielen Konzerte rund um den Globus sorgten aber auch dafür, dass R.E.M. müde waren. Erschöpft. Und eine fast einjährige Tour-Pause einlegen mussten. In dieser Zeit, so der Vorsatz, wollte man ausschließlich kleinere Brötchen backen, hier und da mal vielleicht eine Radio- beziehungsweise Akustik-Show hinlegen. Konnte man sich ja jetzt leisten.

Für ihr darauf folgendes Album „Out of Time“ nahmen sich R.E.M. entsprechend Zeit. Wohin die Reise gehen sollte, schien schnell klar: Das, was „Green“ so erfolgreich gemacht hat, ausbauen und um weitere Facetten ergänzen. Dem bereits von „Green“ bekannten Folk- und Pop-Mix wurden Elemente aus Funk, Country und Klassik beigemengt. Das Ding wurde viel aufwendiger produziert, es wurden mehr Instrumente und Gastmusiker eingesetzt, als es bei den Vorgängern je der Fall war.

Klare Sache: die Nummer schlechthin auf der Platte ist natürlich das wunderbare „Losing My Religion“ mit seinem markanten Mandolinen-Part, bis heute der Signature Tune der Band. Ein Song, der nichts mit Religion, sondern mit obsessiver Liebe zu tun hat. Der Legende nach hatte Gitarrist Peter Buck die Idee dazu, während er gerade ein Baseball-Spiel ansah und dazu auf seiner Mandoline vor sich hin spielte. Frontmann Michael Stipe verfasste dann die Lyrics dazu, Sessionsmusiker Peter Holsapple übernahm den Gitarrenpart. Bassist Mike Mills ließ sich bei der Bassline von Fleetwood Mac inspirieren; Bill Berry kümmerte sich letztlich um den passenden Beat. Ein Klassiker war geboren.

Der Song überstrahlt natürlich viele der Perlen, die sich außerdem noch auf dem Album befinden. Die meisten beschäftigen sich auf die eine oder andere Weise mit dem Thema Liebe – in dieser geballten Fülle recht untypisch für R.E.M.. Aber was ist auf dem Album schon typisch für diese Band? Nicht der funkige Opener „Radio Song“, der mit einem Rap-Part von KRS-One daher kommt. Nicht die Tatsache, dass Mike Mills bei „Near Wild Heaven“ die Vocals komplett und bei „Texarkana“ zum Teil übernahm. Und nicht der fast schon alberne, unheimlich eingängige Gute-Laune-Song „Shiny Happy People“, dessen Erfolg R.E.M. sogar ein bisschen peinlich war und bei dem Kate Pierson (The B-52s) Michael Stipe im Chorus zur Hand ging.

Dem eigentlich als Pop-Persiflage gedachten „Shiny Happy People“ gegenüber stehen die melancholischen, fast schon depressiven Songs wie „Half A World Away“ und das zum Teil improvisierte „Country Feedback“ – wunderbare Nummern. Ehe der Zuhörer aber komplett in der Tristesse versinkt, liefern R.E.M. ihm mit dem schließenden „Me in Honey“, das sich mit der Gedankenwelt eines werdenden Vaters beschäftigt, aber wieder etwas Hoffnung.

Die Jubiläumsauflage von „Out Of Time“’ erscheint nun in drei unterschiedlichen Formaten: Das 2CD-Set enthält eine restaurierte Version des Originalalbums, Demos der Albumtracks und zweier B-Seiten sowie einen bisher unveröffentlichten Song. Das 3LP-Set hingegen umfasst die neu gemasterte Vinylversionen des Originalalbums und die Demos. Die 25th Anniversary Deluxe Edition von „Out Of Time“ kommt mit vier CDs daher, die das remasterte Album, die Demos, den Mountain Stage-Auftritt von 1991 und eine BluRay-Disc mit Hi-res Audio und 5.1 Surround Sound-Versionen von „Out Of Time“, allen Musikvideos des Albums und dem EPK „Time Piece“ von 1991 mit Studiomaterial, exklusiven Auftritten und mehr daher. Alle Versionen beinhalten überdies Liner Notes von Annie Zaleski, Interviews mit allen Bandmitgliedern und den Produzenten Scott Litt und John Keane.

Wer R.E.M. kennt, der weiß, dass die Jungs hier nicht mit Material von Rudis Reste-Rampe aufwarten. Die Demos sind allesamt hörenswert und geben einen Einblick in den Schaffensprozess der Band: So gibt es etwa frühe Instrumentals oder alternative Texte bei „Losing My Religion“ und „Texarkana“ zu hören. Und es hat eine ganz nette Version von „Radio Song“, auf der Schlagzeuger Bill Berry teilweise die Leadvocals übernimmt. Eine echte Seltenheit.

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Fazit: Großartige, würdige Neuauflage einer Platte, die jeder besitzen sollte.

Anspieltipps: Losing My Religion, Shiny Happy People, Half A World Away, Country Feedback, Radio Song

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