R.E.M. – Automatic For The People (25th Anniversary)

R.E.M. - Automatic for the People (foto: craft recordings/universal music)

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8 Universal Music
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25 Jahre hat “Automatic For The People”, jenes legendäre Album der Alternative-Rocker von R.E.M., mittlerweile auf dem Buckel. Die Band feiert den Umstand jetzt mit einer Anniversary Edition, die in mehreren Formaten daherkommt. 

Sie hatten den Olymp erreicht: Nach der Veröffentlichung von “Out Of Time” waren R.E.M. ganz oben angekommen. Natürlich war die Erwartungshaltung an das Nachfolge-Album entsprechend groß. Als wäre das nicht bereits Stress genug, machten auch Gerüchte um Frontmann Michael Stipe die Runde. Dem gingen nämlich auf dem Höhepunkt des Erfolgs die Haare aus, der eine oder andere vermutete dahinter eine böse Krankheit. Ein Umstand, der Stipe und die Band nervte. Beirren ließ sie sich von dem Rauschen im Blätterwald nicht – aber wohl beeinflussen. Denn Themen wie das Altern, das Sterben – sie spielen eine große Rolle auf “Automatic For The People”. Stipe kommentiert das so: “Sterblichkeit war für Künstler schon immer ein Thema. Es erinnert an die Zerbrechlichkeit und die Schönheit des Lebens und daran, das Leben und den Moment voll auszukosten. Es geht viel zu schnell, das wissen wir alle.”

Die Arbeiten zu dem Machwerk begannen kurz nach der Promo-Phase von “Out Of Time” im Juni 1991. Gitarrist Peter Buck, Drummer Bill Berry und Bassist Mike Mills verschanzten sich im Studio, begannen an neuen Songs zu basteln – und wechselten dabei munter die Instrumente. Buck zog es zur Mandoline, Mills ans Piano oder die Orgel und Berry an den Bass. Man merkt schon: Die Band wollte es auf dem Album ruhiger angehen lassen, obwohl der Zeitgeist (Grunge!) zu jener Zeit eigentlich ein anderer war. Die Band nahm die Demos ohne Michael Stipe auf, dieser trat erst Anfang 1992 im Studio ans Mikro, wo immer das in diesem Moment auch war. Aufgenommen wurde die Platte nämlich in New Orleans, Seattle, Athens und Miami. Im März holten sich R.E.M. dann Produzent Scott Litt dazu, um die Sache rund zu machen.

Und es wird eine runde Sache. Mit dem hervorragend getexteten Mid-Tempo-Country-Rock-Song “Man On The Moon”, einer Hommage an den 1984 (angeblich) verstorbenen Komiker Andy Kaufman, und dem herzzerreissenden, sehr direkten Kopf-hoch-Song “Everybody Hurts” finden sich auf der Platte gleich Mal zwei Nummern für die Ewigkeit.

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Es sind aber bei weiten nicht die einzigen starken Songs auf “Automatic For The People”. Gut gefällt auch der ruhige, aber eindringliche Opener “Drive”, bei dem eine subtile, politische Message mitschwingt. Konkreter im politischen Sinne, aber nicht ganz so stark, ist das trotzige “Ignoreland”.

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Ansonsten eben: viel Nostalgie, viel bewusste Sterblichkeit. Die Ballade “Nightswimming” erinnert sich wehmütig ans Nacktbaden zu Jugendzeiten, im Shanty “Try Not To Breathe” wünscht sich ein älterer Mensch einen schnellen, erlösenden Tod und “Monty Got A Raw Deal” ist eine Art musikalisches Klagegedicht. “The Sidewinder Sleeps Tonight” sorgt dagegen zwischendurch für eine gewisse Leichtigkeit, die dem Album sonst eher abgeht.

Nach seiner Veröffentlichung 1992 erreichte das Album Platz eins  der britischen Charts und Platz zwei in den USA. Es verkaufte mehr als 18 Millionen Exemplare weltweit und wurde 1994 als “Album of the Year” und “Best Alternative Music Album” für den Grammy nominiert. Die Singles “Man on the Moon” und “Everybody Hurts” wurden ebenso gewürdigt.

Nun kommt die Platte also in mehreren Deluxe-Formaten wieder auf den Markt. Natürlich ist das Original-Album in allen Varianten Bestandteil des Pakets. Das 2CD-Set und die von Stephen Marcussen von den original Analogbändern geremasterte Deluxe-Version der 25th Anniversary Edition enthalten einen kompletten Livemitschnitt, “Live At The 40 Watt Club 11/19/92”. Das Konzert fand in Athens/Georgia, der Heimatstadt von R.E.M., statt und war ihr einziger Auftritt in besagtem Jahr. Teile davon finden sich bereits auf anderen R.E.M.-Veröffentlichungen, in Gänze macht der Gig aber auf jeden Fall Spaß.

Zusätzlich enthält die 3CD+1Blu-ray-Deluxe Edition bisher unveröffentlichtes Materials. Die Band hat 20 bisher unbekannte Demos von den Album-Sessions ausgewählt, darunter der vollkommen fertige, aber nicht veröffentlichte Track “Mike’s Pop Song” und das sagenumwobene “Devil Rides Backwards”.

Die “Deluxe Anniversary Edition” kommt in einer 12” x 12” Box mit abnehmbarem Deckel daher und enthält ein 60-seitiges Buch mit bisher ungezeigten Fotos von Anton Corbjin und Melodie McDaniel, sowie einen ausführlichen Begleittext von dem schottischen Musikjournalisten Tom Doyle, der Gespräche mit allen Bandmitgliedern geführt hat. Überdies enthält das Set eine Blu-ray mit dem Dolby Atmos Mix und ein high-resolution Master von “Automatic For The People”, sieben Musikvideos und das original EPK-Video von 1992. Das Album wird außerdem auf 180g-Vinyl erscheinen (mit Download-Card).

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Fazit: Ein Klassiker – und das verdient.

Anspieltipps: Drive, Everybody Hurts, Man On The Moon, Nightswimming, Drive (Live), Country Feedback (Live)

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