Mario Adorf: „Plane nicht mehr weit voraus“

Mario Adorf (foto: nik konietzny/agentur reinholz)

Schauspieler-Legende Mario Adorf eröffnete die ihm gewidmete Duttenhöfer-Ausstellung in Tiefenthal (Pfalz) mit einer Lesung. Wir haben ihn vorab gesprochen.

Arrogant und dumm sei er in seiner Karriere manchmal gewesen, erzählte Mario Adorf im vergangenen Jahr in einem „Bunte“-Interview. Ein Umstand, der ihn heute noch ärgere, hätten diese Eigenschaften ihn doch große Rollen in Filmklassikern wie „Der Pate“ gekostet. Arrogant und dumm? In Tiefenthal sind das wohl die letzten Vokabeln, die einem zur Umschreibung des Auftritts des mittlerweile 86-jährigen Schauspielers einfallen würden. Als wortgewandter, bodenständiger Mann präsentiert sich der Mime da, als Weltstar zum Anfassen. Immer wieder wird Adorf – gekleidet in sandfarbener Hose und bunt gestreiftem Harmont & Blaine-Hemd – von irgendwem von der Seite angequatscht, von Fans, Veranstalter, Lokalprominenz und der Presse, doch nichts, aber auch wirklich nichts scheint den Grandseigneur des deutschen Films auch nur ansatzweise aus der Ruhe bringen zu können. Stattdessen verbreitet er mit seinem Charme und Witz gute Stimmung. Tiefenthals Ortsbürgermeister Edwin Gaub (CDU) läuft nur noch mit Dauergrinsen umher, dem Veranstalter Wolfgang Thomeczek nimmt Adorf durch seine ruhige Art die spürbare Nervosität.

Adorf kennt Tiefenthal und das Kunstkabinett. Im vergangenen Sommer war er das erste Mal hier, als der aus Speyer stammende Bildhauer Thomas Duttenhoefer ihn porträtierte. Damals war das Gebäude allerdings noch im Rohbau-Stadium. „Schön ist das hier geworden“, schwärmt Adorf vor seiner Lesung im Gespräch mit uns. „Sehr schön. Nur ist da momentan so viel Adorf drin – das ist mir ja fast schon peinlich. Aber das kommt ja alles irgendwann wieder weg“, spielt er scherzhaft auf die vielen Fotos, Büsten (Bronze und Gips) sowie Zeichnungen an, die noch bis zum 20. August im Kunstkabinett zu sehen sind. Es habe knapp fünf Jahre gedauert, ehe das Projekt zustande kam. Er sei froh, dass es schließlich geklappt habe. „Auch wenn es natürlich etwas anstrengend war. Ich habe ja während des Porträtierens stundenlang gestanden“, blickt Adorf zurück. Die Mühe habe sich aber gelohnt, die entstandenen Bronze- und Gips-Büsten gefallen ihm. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis, mit der Ähnlichkeit. Vor allem, weil die Skulpturen nicht nur bloßer Abklatsch sind, sondern weil eine künstlerische Absicht erkennbar ist.“ Es sei nicht das erste Mal, dass er porträtiert wurde, erzählt er. Schon in den 50er Jahren habe jemand mal eine Skulptur nach seinem Charakterkopf geformt. „Wahrscheinlich steht die irgendwo in Mayen, wo ich ja bis zum Abitur lebte.“

Er verriet auch, dass weniger das Ergebnis, sondern viel mehr der Prozess des Erschaffens der Duttenhöfer-Skulptur interessant für ihn war. „Ich wäre ja gerne selbst Maler oder Bildhauer geworden, aber das war damals nach dem Krieg nicht so einfach. Ich bin dann eben bei der Schauspielerei gelandet“, so Adorf. Es war mit Sicherheit nicht die schlechteste Karriereentscheidung. Heute zeichne er immerhin hobbymäßig. Wenn er nicht gerade vor der Kamera steht – die Lust am Filmen ist ungebrochen. Gerade stehe er in Verhandlungen, sich einen Lebenstraum zu erfüllen: einmal Karl Marx zu spielen. Und dann? „Ich bin in einem Alter, in dem man nicht mehr weit voraus plant …“

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