Pet Shop Boys – Nightlife

Nightlife (foto: label)

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6 Parlophone

6

Die Pet Shop Boys schwelgen gerade in Erinnerungen. Gerade hat das britische Pop-Duo mit „Catalogue: 1985 – 2012“ eine Reissue-Reihe all ihrer bei Parlaphone veröffentlichten Alben angekündigt. Den Anfang machen Chris Lowe und Neil Tennant mit ihrem 1999 erschienenen Album „Nightlife“. 

Sind wir ehrlich: Das siebte Album der Pet Shop Boys war eine Art Nebenprodukt. Die Band arbeitete damals mit Jonathan Harvey an dem Musical „Closer To Heaven“, das 2001 Premiere feiern sollte (und nur durchwachsene Kritiken erntete). Einige der dabei entstandenen Songs wurden schließlich auf dieses Album gepackt.

Die Band verkaufte das Ding damals als Konzeptalbum. Und sicher: Es gibt hier einen roten Faden, der sich durch die Songs zieht. Das Nacht und die verschiedenen Gestalten, die sie aus ihren Löchern lockt. Der Mensch verhält sich anders, wenn es dunkel ist, und dieser Erkenntnis wollten die Pet Shop Boys seinerzeit mit diesem Album Tribut zollen. Es geht also weniger darum, dem Publikum hier eine Latte euphorischer Tanznummern zu kredenzen, als vielmehr darum, die ganze Palette an Emotionen abzubilden, die die Nacht zu bieten hat.

Los geht es mit der radiofreundlichen Trance-Nummer „For Your Own Good“, die von den Gefahren der Prostitution erzählt, und stark nach Faithless klingt. Kein Wunder – Rollo Armstrong diente hier als Produzent. Ein seltsamer Opener, vermag er nicht wirklich mitzureissen. Beim später folgenden „Radiophonic“ machen die Pet Shop Boys und Rollo ihre gemeinsame Sache besser.

Auch der Midtempo-Track „Closer To Heaven“, für den Tennant sein höchstes Falsett aufbietet, kommt nicht über das Mittelmaß hinaus.

Immerhin: Mit „I Don’t Know What You Want But I Can’t Give It Anymore“ geht es dann langsam aufwärts. Ein gesellschaftskritischer Song, der die These aufwirft, dass materielle Güter alleine nicht glücklich machen. Hat ein bisschen was von Everything But the Girl.

Am stärksten ist jedoch „In Denial“, jenes Duett mit Kylie Minogue, in dem es um einen homosexuellen Vater geht, der sich im Sex- und Drogenrausch verliert und der von seiner Tochter deswegen tief verachtet wird. Der dramatische Dialog gehört zu den besten Nummern des Albums.

Leider schließt der Longplayer nicht auf diesem Niveau: „New York City Boy“ ist eine britische Version des Village-People-Klassikers „Go West“. Manche würden auch schamlose Kopie dazu sagen. Auch das seichte „Footsteps“ vermag nicht zu überzeugen.

Das düster orchestrierte „Nightlife“ gehört sicher nicht zu den Vorzeige-Alben der Pet Shop Boys, erreichte hierzulande aber immerhin Platz zwei der Charts und Platz sieben in Großbritannien.

Die Neuauflage erscheint nun mit zwei „Further Listening“-CDs, die exklusive und unveröffentlichte Tracks wie „Tall Thin Men“ und „For All Of Us“ sowie Demo-Versionen von „Vampires“, „Call Me Old-Fashioned“ und „Radiophonic“ enthalten. Ein Highlight: das bisher unveröffentlichte „Believe/Song For A Guy“, eine Kollaboration mit Elton John.

Fazit: Für Sammler.

Anspieltipps: In Denial, Believe/Song For A Guy, I Don’t Know What You Want But I Can’t Give It Anymore

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