Paramore – After Laughter

Paramore (foto: warner)

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Die einstigen Emo- und Alternative-Rocker von Paramore haben Gefallen am Pop gefunden. Aber keine Sorge: „After Laughter“, das fünfte Album der Band, die sich gerade wieder zusammen gerauft hat, ist deswegen keineswegs oberflächlich geraten.

Klar, derzeit geben vor allem Bands aus den neunziger Jahren reihenweise ihr Comeback. Dabei wird aber schnell vergessen: Auch die achtziger Jahre sind gerade wieder en vogue. Paramore hatten den Charme dieses so bunten Jahrzehnts schon vor einigen Jahren erkannt und ihm auf dem selbstbetitelten Album von 2013 erstmals gehuldigt.

Fast wäre es auch das letzte Mal gewesen. Denn die Band zerstritt sich nach der Veröffentlichung heillos. Der Zwist fand seinen Höhepunkt 2015 in dem Ausstieg des Bassisten Jeremy Davis, auf den ein Rechtsstreit mit der Band folgte. Auch Zac und Josh Farro verließen die Gruppe, zumindest Drummer Zac ist jetzt zum Neuanfang wieder mit dabei. Als Produzenten hat sich die Band wie schon 2013 Justin Meldal-Johnson geangelt, den der eine oder andere auch als Bassisten von Beck kennen mag. Sein Bass-Sound prägt dieses Album. Unterstützt wurde er vom Paramore-Gitarristen Taylor York.

Die Idee des Albums lässt sich wie folgt beschreiben: Oft nachdenkliche, gar traurige Texte in ein buntes 80er-Jahre-Pop-Gewand zu kleiden. Der eingängige, von Synthesizern dominierte Opener „Hard Times“ verbreitet aber erst Mal gute Laune. Kein Wunder, dass das Stück als erste Single ausgewählt wurde. Bleibt direkt haften und ist tanzbar. Wird aber auch einige Fans der ersten Stunde verprellen. Ähnlich haften bleibt „Told You So“, mit seinen wilden Gitarren und dem Funk-Bass. „Rose-Colored Boy“ wird zwar wohl eher kein Hit, überzeugt aber durch einen beinahe souligen Refrain und stimmige Cyndi-Lauper-Anleihen.

Erstmals etwas ruhiger wird es mit der Mid-Tempo-Nummer „Forgiveness“, deren Bass etwas an Tears for Fears erinnert, und durchaus Radio-Potenzial hat.

Dann schlägt das Album einen neuen Weg ein. Paramore klingen wieder mehr nach Paramore. „Fake Happy“ atmet den College-Punk-Spirit vergangener Alben und überzeugt durch seinen Lo-Fi-Sound.  „Caught In The Middle“ lässt im Refrain einen Ska-Beat von der Leine und bei „Idle Worship“ kann Sängerin Hayley Williams ihr ganzes Talent ausspielen, wütend und verletzlich zugleich klingen. Bemerkenswert ist hier auch der Einsatz eines Samples von heulendem Wind.

Ruhiger wird es dann wieder im Song „26“, der aber auch ob des Streicher-Einsatzes etwas kitschig geraten ist. Der Track gehört ebenso wie die mittelmäßigen Liedern „Pool“ und „Grudges“ zu den negativen Ausreißern des Albums.

Keine schlechte Platte, aber: Am Ende verspielen Paramore mit diesem Mid-Album-Turn die Chance, sich neu zu erfinden und fallen stattdessen wieder in alte Muster zurück.

Fazit: Da war mehr drin.

Anspieltipps: Hard Times, Told You So, Forgiveness, Idle Worship

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