Neu im Plattenschrank: November 2014

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Zaz – Paris

Label: Warner VÖ: 2014

Rückblende: Ihr Debütalbum „Zaz“ katalputierte die charmante Chanteuse im Jahr 2010 an die Spitze der französischen Charts, „Je Veux“ wurde zu einem internationalen Smash-Hit. Das Ding verkaufte sich wie geschnitten Brot, und Zaz wird seither in jedem Pressetext mindestens einmal mit Edith Piaf verglichen (hätten wir den Vergleich also ungemein elegant damit auch unbemerkt untergebracht). Auch der Nachfolger „Recto Verso“ ging gut ab und war ein kommerzieller Erfolg, auch wenn Zaz da den einen oder anderen Kritiker nicht mit ins Boot holen konnte. Viele vermissten da den fröhlichen Charme des Debüts. Den versprüht Zaz aber auf „Paris“ definitiv wieder, weshalb sich Fans und Kritiker zu den Klängen wohl gemeinsam in den Armen liegen werden. Zu Paris unterhält Isabelle Geffroy eine innige Beziehung. Zum einen, weil die Haupstadt natürlich der Nabel Frankreichs ist, zum anderen, weil sie seit acht Jahren, seit ihrem Wegzug von Bordeaux, auch die Wahl-Heimat der Sängerin ist. Hier sang sie vor ihrem großen Durchbruch in Cabarets und den Straßen von Montmartre. Und so ist das Album als Liebeserklärung zu verstehen. Eine Liebeserklärung an die Stadt der Liebe, an die Stadt des Lichts und die Stadt der Freiheit. Um diese in Worte und Musik zu fassen, hat sich Zaz allerlei namhafte Unterstützung mit ins Boot geholt. Allen voran Thriller-Produzent Quincy Jones und Charles Aznavour, der schon für die Piaf schrieb. Erstmals überhaupt wird Zaz zudem von einer Big Band begleitet. Und so entstanden zehn Neuinterpretationen bekannter Songs, die den Status der Künstlerin als erfolgreichster französischer Export (neben David Guetta und Daft Punk) weiter zementieren werden.

Fazit: Eine Ode an Paris, die alle Klischees bedient, aber nicht zu einem verkommt.

Anspieltipps: Paris Sera Toujours Paris, Champs Elysées, I Love Paris – J’aime Paris

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Foo Fighters – Sonic Highways

Label: Roswell/RCA VÖ: 2014

Einen „Liebesbrief an die Geschichte der amerikanischen Musik“ wollte Foo-Fighters-Mastermind Dave Grohl mit „Sonic Highways“ schreiben und hat das Album in acht verschiedenen amerikanischen Städten eingespielt. Klingt ambitioniert und erschließt sich möglicherweise mehr, wenn man die parallel zum Album erschienene HBO-Serie gesehen hat. Denn rein musikalisch betrachtet bietet „Sonic Highways“ hauptsächlich den gewohnten Foo-Fighters-Sound. Das ist allerdings weniger negativ gemeint, als es vielleicht klingt, denn Grohl und seine Mitstreiter verstehen es einfach blendend, eingängige Rock-Hymnen mit großen Melodien zu schreiben, ohne dabei in allzu flache Gewässer á la Nickelback abzudriften.

Fazit: Auch mit guter Musik kann man erfolgreich sein.

Anspieltipps: Something from Nothing, Subterranean

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Gentleman – MTV Unplugged

Label: Universal Music VÖ: 2014

Die MTV-Unplugged-Sessions sind seit der Nirvana-Episode für den Autor dieser Zeilen geradezu heilig. Der Reihe liegt ein gewisser Zauber inne, den es aufrecht zu erhalten gilt. Und so ist es für jeden nachfolgenden Künstler eine große Verantwortung, hier an- und aufzutreten. Gentleman wird dieser Verantwortung glücklicherweise gerecht. Und das obwohl der Druck besonders groß für den Barden mit dem Sonnenschein in der Stimme war: Immerhin ist der Kölner der erste Reggae-Künstler, dem die Ehre eines Auftritts bei MTV Unplugged zuteil wurde. Aufgenommen wurde das Ganze schließlich bei einem Gentleman-Heimspiel in der Domstadt, für das sich der Sänger nicht nur die Unterstützung seiner Band The Evolution, sondern auch von nationalen und internationalen Künstlern gesichert hatte. Diese nimmt er mit auf einen Streifzug durch die eigene musikalische Geschichte, kleidet seine Hits wie „Dem Gone“, „Superior“, „Send a Prayer“ oder „Different Places“ in ein neues, akustisches Gewand und kredenzt mit „Warn Dem“ (featuring Shaggy) gleich einen Klassiker in the making mit dazu. Erwähnenswert außerdem: das Bob-Marley-Cover „Redemption Song“ mit Campino (!) von den Toten Hosen sowie „Big City Life“, das Gentleman mit Marlon Roudette performt.

Fazit: Edles Ding.

Anspieltipps: It No Pretty, Warn Dem, Big City Life, Redemption Song

 

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Olly Murs – Never Been Better

Label: Sony Music VÖ: 2014

„Never been better“, das ist natürlich eine vollmundige Ansage, mit der Olly Murs, Englands Everybody’s darling und ehemaliger X-Factor-Kandidat, da um die Ecke kommt. Kann sich aber einer erlauben, der mittlerweile zur ersten Riege der britischen Popstars gehört, dank Hits wie „My Heart skips a Beat“ oder  „Troublemaker“. Immerhin: Der Album-Titel ist kein leeres Geschwätz, Murs backs it up und präsentiert sich in ausgezeichneter Form. Und so arrogant, wie es rüber kommt, meint es der sympathische Brite ja auch gar nicht. Eigentlich, erklärte er jüngst in einem Interview, wollte er damit ausdrücken, dass es ihm niemals zuvor so gut ging wie eben aktuell. Und an seinen Glücksgefühlen wolle er die Menschen jetzt, zwei Jahre nach seinem letzten Album, teilhaben lassen. Man muss kein Prophet sein, um zu erraten, was dabei herausgekommen ist: 13 Songs, denen die Sonne aus dem Hintern scheint. Das ist gerade jetzt im grauen November (Schrägstrich: Dezember) gar nicht mal so verkehrt. Besonders gefällt „Did You Miss Me?“, das in seiner timberlake-prince-haftigen Funkyness zu überzeugen weiß.

Fazit: Let the sunshine, let the sunshine come in …

Anspieltipps: Did You Miss Me?

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Herbert Grönemeyer – Dauernd Jetzt

Label: Universal VÖ: 2014

Er ist ja schon ein Phänomen, der gute Herbert. Seit 1984 konnten sich hierzulande all seine Alben auf Platz eins der Charts platzieren. Das muss ihm erst mal einer nachmachen. Und weil er künstlerisch und kommerziell so erfolgreich ist, darf der Herbert auch manchmal Sachen machen, die anderen nicht so leicht verziehen würden. Das eher hüftsteife „Zeit, dass sich was dreht“ 2006 zur WM verbrechen beispielsweise. Man hatte den Song schon fast verdrängt, da legt der Grönemeyer den nächsten eher peinlichen Fußball-Titel nach: In „Der Löw“ packt der Göttinger im Weltmeisterschaftsrausch die Dschungel-Rhythmen aus. „Der Löw war los / Sie war’n grandios / Und endlich war’s ihre Zeit“. Aua. „Der Löw“ ist glücklicherweise der einzige peinliche Ausreißer, ansonsten kann man sich „Dauernd Jetzt“, Grönemeyers 14. Album, ganz gut anhören. Interessant etwa das von Annette Humpe geschriebene „Einverstanden“, oder „Uniform“, in dem der Knödler sozialkritische Töne anschlägt und unseren Umgang mit den sozialen Netzwerken geißelt. Insgesamt strotzt das Ding – gewohnt ans Pathetische grenzend – aber vor Optimismus. Da wird der eine oder andere Fan bestimmt Flugzeuge im Bauch haben.

Fazit: So darf er ruhig weiter knödeln, der Herbert. Nur Fußball sollte man ihn nicht mehr gucken lassen.

Anspieltipps: Einverstanden, Uniform

 

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Madison Violet – Year of the Horse

Label: Passenger Sounds VÖ: 2014

Es grenzt ja fast schon an ein Wunder, dass Brenley McEachern und Lisa MacIsaac überhaupt Zeit finden, neue Songs aufzunehmen. Das kanadische Duo tourt gefühlt ununterbrochen seit der Jahrtausendwende, 200 Konzerte pro Jahre sind keine Seltenheit. Richtige Arbeitspferde also. Und so passt der Titel ihres neuen Albums, „Year of the Horse“, wie die Faust aufs Auge. Ob 2015 das Jahr der Arbeitspferde wird? Erreichen wollen die beiden das, indem sie einen Stilwechseln vollziehen: Die Band, die sonst für Alternative-Country, Folk, Bluegrass und Akustik-Pop bekannt ist, hat jetzt im Indie-Pop ein neues Steckenpferd gefunden – und klingt dabei ein bisschen wie Arcade Fire. Ein radikaler Stilwechsel nach rund 15 Jahren Bandgeschichte, an dem der eine oder andere Hardcore-Fan sicher etwas zu knabbern haben wird.

Fazit: Gewagtes, aber gelungenes Experiment.

Anspieltipps: Year of the Horse, Under fire

 

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Sound of Yell – Brocken Spectre

Label: Chemickal Underground VÖ: 2014

„Brocken Spectre“, zu deutsch: Brockengespenst – der Titel ist Programm. Wirkt schon etwas sperrig, sprich: verkopft, das Debütalbum von Stevie Jones, das der Gute  mit seinem Kammerorchester „Sound of Yell“ da in die Läden gebracht hat. Bisher war der Schotte ja ein gefragter Kollaborateur, den andere Musiker gerne mal angerufen haben, wenn sie einen fähigen Mann im Studio brauchten. Mit „Brocken Spectre“ wagt er sich nun selbst ins Rampenlicht, greift dabei auf namhafte Unterstützung zurück – etwa Stevie Jackson von Belle & Sebastian oder Norman Blake von Teenage Fanclub) – und dazu tief in seine musikalische Trickkiste. Komplexe Arrangements und Kompositionen, den experimentellen Folk streichend, und ganz schwer katalogisierbar. Der schottische Soundtüftler zieht den Hörer mit seiner Tonmalerei raus in die Natur, ohne dabei kitschig oder zu gefällig zu werden.

Fazit: Eskapismus zum Hören.

Anspieltipps: Scuttling

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Machine Head – Bloodstone & Diamonds

Label: Nuclear Blast VÖ: 2014

Mit dem Neo-Thrash-Klassiker „Burn my Eyes“ haben Machine Head vor 20 Jahren mit dafür gesorgt, dass der Heavy Metal die Grunge-Welle überlebt hat. Nachdem eine immer Nu-Metal-lastiger werdende Ausrichtung in die Sackgasse führte, wandte sich der Oakland-Vierer um Frontmann Robb Flynn traditionelleren Klängen zu, integrierte beispielsweise Elemente der New Wave of British Heavy Metal in ihren Sound. Auf dem letzten Output „Unto the Locust“ zeigte sich die Band von ihrer melodisch-eingängigen Seite – und überzeugte. „Bloodstone & Diamonds“ knüpft daran an, bedient sich aber auch aus allen anderen Phasen der Bandgeschichte. Und hier liegt der Hase im Pfeffer: Immer wieder stellt sich das Gefühl ein, den ein oder anderen Part schon mal so oder so ähnlich gehört zu haben. Zudem schwächelt die Scheibe nach starkem Beginn in Hälfte zwei.

Fazit: Da wäre mehr drin gewesen

Anspieltipps: Now we Die, Sail into the Black

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Various – The Art of McCartney

Label: Arctic Poppy/Kobalt VÖ: 2014

Man kommt sich ja fast schon albern vor, ein Intro über Paul McCartney zu schreiben. Machen wir’s also kurz: Beatles, Wings, einer der besten und legendärsten Songwriter der vergangenen fünf Jahrzehnte. Ein Leben ohne seine Musik wäre möglich, aber sinnlos. Das sehen nicht nur wir so, sondern auch eine ganze Reihe an Künstlern, die sich nun mit McCartneys Begleitband ins Studio begeben haben, um Sir Paul ihren Respekt zu zollen. So ist ein 34-Track-Tribut-Album entstanden, auf dem sich das Who-is-Who des Musik-Biz tummelt. Ein bisschen Name-Dropping gefällig? Brian Wilson, Cat Stevens, Billy Joel, Kiss, The Cure (!), Alice Cooper, B.B. King oder Corinne Bailey Rae sind beispielsweise vertreten. Und: Selbst Bob Dylan erweist McCartney die Ehre. Die Idee zu diesem Mega-Projekt hatte der Produzent und McCartney-Fan Ralph Sall, der von Paule bereits 2003 dessen Segen dafür bekam. Elf Jahre sollte es bis zur Umsetzung dauern. Das Warten hat sich gelohnt, den offensichtlich waren alle Beteiligten vom Ehrgeiz gepackt, den Original-Songs keine Schande zu machen. So entstand nicht nur eine Liebhaber-Platte, sondern ein Sammelsurium großartiger Interpretationen. Von lebenden Legenden für eine lebende Legende.

Fazit: Magisch.

Anspieltipps: Hello Goodbye (The Cure), Eleanor Rigby (Alice Cooper), On The Way (B.B. King), Things We Said Today (Bob Dylan)

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Son Little – Things I Forgot

Label: Anti/Indigo VÖ: 2014

Wenn die erste Single vom NME als „pure, heart-spilled-over-the-road soul“ bezeichnet und von BBC 1 zum Track des Monats gekürt wird, dann ist das schon so etwas wie ein Ritterschlag. Aaron Livingston aka Son Little – der bereits mit den Roots und RJD2 zusammengearbeitet hat – ist das Ende 2013 mit „Your Love Will Blow Me Away When My Heart Aches“ passiert, und so hat man seither darauf gewartet, dass der Mann mit der eindrucksvollen Stimme nachlegt. Das tut er jetzt mit seiner Debüt-EP „Things I Forgot“: Sechs Stücke, auf denen Son Little mal wie Prince abgeht, und mal wie Curtis Mayfield den Ball flach hält. Musik mit Seele – wunderschön.

Fazit: Absolute Kaufempfehlung

Anspieltipps: Your Love Will Blow Me Away When My Heart Aches

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Spencer – Echoes of Loneliness

Label: Ambulance Recordings VÖ: 2014

Die Österreicher haben Falco und Ja, Panik, die Schweizer hingegen fliegen immer etwas unter dem Radar, wenn es um Musik geht. Und so laufen auch Spencer hierzulande immer noch unter „Geheimtipp“, obwohl die Kapelle mittlerweile seit rund zehn Jahren aktiv und „Echoes of Loneliness“ das nunmehr dritte Album ist. In der Schweiz wurde das Ding groß gefeiert, jetzt kommt es auch endlich bei uns auf den Markt. New-Wave-Dream-Pop-Rock ist das, was die Zürcher da fabriziert haben. Weshalb sie von der heimischen Presse auch gerne mit den Editors, The National und Nick Cave verglichen werden. Kommt schon hin, auch wenn man die verzerrten Gitarren nicht vergessen sollte, die an den englischen Indiepop der Neunziger Jahre erinnern. Den Vergleich zu R.E.M. würden wir da auch gerne noch mitanbringen wollen, das das Organ von Frontmann Leo Niessner doch dann und wann an Michael Stipe erinnert. Hat Ohrwurm-Pozenzial.

Fazit: Gern mehr davon.

Anspieltipps: Until She Walks on By

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Bar – Bar

Label: Rookie Records VÖ: 2014

Der eine oder andere kennt Bar vielleicht unter einem anderen Etikett: Ursprünglich zog die Freiburger Band mal als Liquid Laughter Lounge Quartett durch die Lande. Zwölf Jahre lang, um genau zu sein. Dann ging der Schlagzeuger, die Karten wurden neu gemischt, inhaltlich gab’s Neuorientierungen – und um das zu unterstreichen, gleich einen neuen Band-Namen dazu. Und so ist „Bar“ also ein Debütalbum, und irgendwie wieder doch keins. So ganz hat die Combo ja ihre LLLQ-Wurzeln nicht vergessen: Da gibt es immer noch Country-Billy-Blues, Country Doom, Ultra Lounge , nur eben weiterentwickelt. Insgesamt wirkt das recht düster, recht missmutig, doch der unterschwellige, lakonische Humor des Quartetts lockert das Ganze dann doch rechtzeitig wieder auf.

Fazit: Högscht interessant.

Anspieltipps: We’re all going to die, Decent Clothes

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Tom Fuller Band – Freedom

Label: India Media Group/Rough Trade VÖ: 2014

„Freedom“ nennt sich das vierte Werk des Manns aus der Windy City mit den feuerroten Haaren und der rauchig-wildledernen Stimme. Hier legt Fuller mittlerweile sein viertes Album vor, bei dem er – wie er sagt – erstmals sein Innerstes nach außen kehrt. „Ich habe mich bislang immer hinter Metaphern versteckt. Aber auf ‚Freedom‘ wende ich mich nun dem wahren Leben zu“, sagt er. Eigentlich aufgenommen in Chicago und Nashville, klingt es zum Teil so, als stamme das Ganze geradewegs aus den Abbey Studios. Zumindest Songs wie „Roller Coaster Free Fall“ erinnern dann und wann doch stark an die Beatles. Nun ja, den Geist der Fab Four durch die eigene Arbeit wehen und wabern zu haben, ist ja auch nix Schlechtes.

Fazit: Hat Charme.

Anspieltipps: Roller Coaster Free Fall

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Hubert von Goisern – Filmmusik

Label: Capriola VÖ: 2014

Hubert von Goisern werden die meisten nur als krachledernen Alpenrocker kennen. Der Mann kann aber mehr, was er in den vergangenen 25 Jahren unter Beweis gestellt hat. Nämlich Bilder zum Klingen bringen, musikalische Landschaften erschaffen. Wer’s nicht glaubt, hat jetzt auf „Filmmusik“ die Chance, sich davon zu überzeugen. Hier wurden einige der beliebtesten Titel aus den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten zusammengetragen und – mit früheren Filmkompositionen – neu arrangiert. Der österreichische Musiker, Komponist und Orchesterleiter Robert Opratko setzt dabei mit von Goisern orchestrale Begleitungen seiner Melodien um. Nah am Original. Aber tragender, schwebender. „Filmmusik“ ist übrigens der Soundtrack zum Streifen „Österreich: Oben und unten“.

Fazit: von Goisern kann mehr als jodeln.

Anspieltipps:

 

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Queen – Forever

Label: Virgin Records VÖ: 2014

„Muss das denn noch sein?“, ist so eine Frage, die man immer wieder hört, wenn eine Altherren-Combo meint, doch noch mal nachlegen zu müssen. Die Frage stellt sich natürlich auch bei dieser Compilation, die Queen hier auf den Markt werfen. Zumal Queen ja mit ihrem „Greatest Hits“-Album ja bereits einen wahren Bestseller in dieser Kategorie verzeichnet hat, und neues Material seit dem Tod von Freddie Mercury vor mehr als 20 Jahren nun doch eher rar ist. Wer einen leichten Einstieg in den Queen-Kosmos sucht, der ist auch mit „Greatest Hits“ besser dran. „Queen Forever“ ist vor allem ein Goodie für Fans, der Kaufanreiz sind hier die drei unveröffentlichten, zu Mercurys Lebzeiten aufgenommenen Tracks, wovon einer davon „There Must Be More To Life Than This“ ist, ein 33 Jahre altes Duett mit Michael Jackson, wegen dem im Vorfeld natürlich das meiste Tamtam gemacht wurde. Der Rest des Pakets besteht aus Hits, Klassikern und neuen Versionen bekannter Songs mit Bandaufnahmen, von denen Brian May sagt, dass sie “unser Wachstum zeigen, und nicht unbedingt unsere großen Hits”. Der Fokus liegt hier vor allem auf Liebesliedern. Das Ganze erscheint als Standard- (20 Songs) und Deluxe-Edition (36 Tracks).

Fazit: Für Fans.

Anspieltipps: There Must Be More To Life Than This, Love Kills

 

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Various Artists – Mauerfall: Das legendäre Konzert für Berlin ’89

Label: Deutsche Grammophon VÖ: 2014

Ja, auch ich habe sie gespürt, diese besondere Atmosphäre, die im Vorfeld der Mauerfall-Feier diesen Monat in Berlin herrschte. Die Betonung liegt auf Vorfeld, denn dummerweise musste ich am 9. November bereits die Heimreise antreten, während in der Hauptstadt buchstäblich der Bär steppte. Das Konzert mit den Fanta 4 und Konsorten habe ich also leider verpasst, dafür findet sich nun ein anderes, historisch wertvolleres im Plattenschrank. Das legendäre und bisher unveröffentlichte Mauerfall-Konzert aus dem Jahre 1989. Rückblende: Am Morgen des 10. November 1989, nur wenige Stunden, nachdem die Grenzübergänge geöffnet worden waren, stellten die Mitarbeiter des Senders Freies Berlin (SFB) mirnixdirnix zur Begrüßung der Westbesucher ein Gratis-Konzert auf die Beine. Und bereits zwei Tage darauf strahlte der Sender das elfstündige Event im Fernsehen aus. 20 Rock- und Popstars traten vor rund 50.000 begeisterten Zuschauern auf, eine illustre Liste der großen Namen der damaligen Zeit. Als da wären: Udo Lindenberg, Wolfgang Niedecken, Nina Hagen, Konstantin Wecker, Silly, Die Zöllner und Pankow beispielsweise. Es ist ein besonderer Moment der deutschen Musikgeschichte, als Udo Lindenberg seinen „Sonderzug nach Pankow“ nach Berlin umleitet. Oder als Musiker aus Ost und West Joe Cocker bei „Have a little help from my friends“ begleiten. Geschichte, die klingt. PS: Dass ich mal Steffen Simon auf dem iPod habe, hätte ich mir auch nicht träumen lassen. Der gab damals den Moderator der Show.

Fazit: Prädikat besonders wertvoll.

Anspieltipps: Have a little help from my friends (Cocker), Sonderzug nach Pankow (Lindenberg)

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Gravenhurst – Flashlight Seasons / Black Holes in the Sand / Lost Songs 2000-2004

Label: Warp VÖ: 2014

Warp – das stand, das steht vor allem für Singer-Songwritertum, Gitarrenmusik. Kein Wunder also, dass Gravenhurst seinen sicheren Hafen bei eben dieser Plattenfirma gefunden hat. Sein Zehnjähriges bei dem Label feiert der Musiker mit Re-Releases seiner Alben „Flashlight Seasons“ und „Black Holes in the Sand“ aus dem Jahre 2004. Besonderes Schmankerl: eine Kollektion unbekannter, zum Teil unveröffentlichter Frühwerke unter dem Titel „Offerings: Lost Songs 2000 – 2004“. Oft sind solche lang im Archiv verstaubten Songs nicht unbedingt Perlen, meist hatte es ja einen Grund, dass der Künstler nicht wollte, dass die Dinger das Licht der Öffentlichkeit erblickten. Bei „Offerings (…)“, dass sich zum großen Teil aus Folksongs zusammensetzt, ist das anders. Das Werk hat durchaus Albumcharakter, und man möchte Nick Talbot, diesen melancholischen Briten, nicht ausschimpfen, dass er die Tracks doch noch veröffentlicht hat. Die drei Alben wird es auf Vinyl mit Digital Download Codes geben sowie als Triple CD.

Fazit: Lohnt sich.

Anspieltipps: Who Put Bella in the Wych Elm?

Texte: Benjamin Fiege, Timo Leszinski

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