Neu im Plattenschrank: August 2014

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Tom Petty & The Heartbreakers – Hypnotic Eye

Label: Reprise/Warner VÖ: 2014

Manchmal brauch’s halt mehrere Anläufe: „Hypnotic Eye“ ist bereits das 13. Studioalbum von Tom Petty und seinen Heartbreakers – aber das erste, das sich in den USA an die Spitze der Billboard-Charts setzen konnte. Dieser fun fact verwundert schon ein wenig, haben die Jungs doch bisher rund 60 Millionen Platten abgesetzt, sind in der Rock and Roll Hall of Fame verewigt und hastenichtgesehen. Sei’s drum. Die Kollegen des „Rolling Stone“-Magazins bezeichneten die Platte der Combo – die erste seit dem blueslastigen „Mojo“ 2010 – als „maximalen Rock ’n‘ Roll“ und liegen dabei goldrichtig. Petty (immerhin 63 Jahre alt mittlerweile) haben sich auf dem neuen Silberling nicht neu erfunden, sie klingen eigentlich wie immer und das heißt im Klartext: meistens sehr gut. Er und seine Boys widmen sich auf ihrem neuen Machwerk diesmal dem Sixties-Garage-Rock, politisch aufgeladenem obendrein. Der Rocker mit der nasalen Stimme wirft dabei einen kritischen Blick auf die finanzstarke Schicht der USA: „Sehr wenige Menschen wissen, wie man mit Macht umgeht. Werden sie dann auch noch komplett unmoralisch, dann sind sie gefährliche Menschen. Es ist diese Haltung, die in meinen Augen die Mittelschicht auslöscht.“

Fazit: Making some noise once again.

Anspieltipps: American Dream Plan B, Faultlines, U Get Me High

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Jason Mraz – Yes!

Label: Warner : 2014

Ein Ja-Sager sein – was für die meisten Menschen eine Beleidigung darstellt, ist für Singer/Songwriter Jason Mraz eine Auszeichnung. In seiner Karriere, so Mraz, habe er sehr oft „Ja“ gesagt, und geschadet hat es ihm im Normalfall nicht. Ein alle Rekorde brechender Hit, „I’m Yours“, und 48 Millionen verkaufte Singles sprechen eine deutliche Sprache. „Ja“ hat auch die mit Mraz befreundete Frauen-Band „Raining Jane“ gesagt, als dieser die Idee hatte, das bei einer alljährlich stattfindenden Session entstandene Material für ein gemeinsames Album zu verwenden. Gesagt, getan. Schließlich kennt (seit 2006) und schätzt man sich. Mit „A Beautiful Mess“, das auf Mraz‘ Album „We Sing. We Dance. We Steal Things“ zu finden ist, hatte man ja auch schon mal gemeinsam aufgenommen. Mit „Yes“ ist nun ein komplett akustisches Album entstanden. Ein Konzept, das Mraz schon immer mal umsetzen wollte. „Es hat Jahre gedauert, die richtigen Songs zu entwickeln und die passenden Musiker und Arrangements zu finden“, so Mraz. Das Warten hat sich gelohnt. „Yes!“, wieder mal hoffnungslos optimistisch und romantisch geraten, ist easy listening vom Feinsten. Die perfekte Sommerplatte, wenn denn das Wetter endlich mal mitspielen würde.

Fazit: Mraz auf gewohnt hohem Niveau, auch wenn ein natürlich ein Hit der Marke „I’m Yours“ fehlt.

Anspieltipps: Love Someone, Everywhere, Best Friend

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Sinéad O’Connor – I’m not bossy, I’m the boss

Label: Nettwerk VÖ: 2014

Für mich persönlich ist Sinéad O’Connor ja verantwortlich für eines der eindrucksvollsten Musikvideos aller Zeiten. Wen es kalt lässt, wie ihr  da in dem Clip zu „Nothing Compares 2 U“ eine dicke Träne über die Wange kullert, der hat doch ein Herz aus Stein. Mit dem möchte ich gar nichts zu tun haben. Mit „I’m not bossy, I’m the boss“ legt die Irin ihr mittlerweile zehntes Studioalbum vor. Sinéad knüpft damit nahtlos an den Erfolg des Vorgängers „How About I Be Me (And You Be You?)“ aus dem Jahre 2012 an, der ja ein Schlussstrich zog unter ein Jahrzehnt, in dem O’Connors Output starken Qualitätsschwankungen unterworfen war. Mit 47 Jahren scheint es irgendwie, als habe sich die Sängerin neu erfunden. Autobiografische Selbstentblößung hat sie nun nicht mehr nötig, in den Tracks wahrt die Künstlerin ganz ungewohnt gehörige Distanz zu sich selbst. Die neue Scheibe klingt überdies kommerzieller als das üblicherweise bei ihr der Fall ist, ja, auch rockiger. Den Klang des Albums bringt die Sängerin im Song „James Brown“ treffend auf den Punkt: „In the words of James Brown. I came to get down.“

Fazit: Absolute Kaufempfehlung.

Anspieltipps: How About I Be Me, Dense Water Deeper Down

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Tina Dico – Whispers

Label: Finest Grammophone/Kobalt VÖ: 2014

In ihrer Heimat Dänemark ist Tina Dico ein richtiger Superstar. Fünf ihrer Alben haben dort die Spitze der Charts erklommen. Nach einem Umweg über London hat die Folk-Sängerin mittlerweile ihr Zuhause in Island gefunden, was sie aber nicht davon abhält, regelmäßig durch Deutschland zu touren. Live habe ich die Gute schon mehrfach in Mannheim gesehen (und gehört), ihre CDs habe ich alle im Schrank und entsprechend groß war die Vorfreude auf „Whispers“. Eins vorweg: Ich wurde nicht enttäuscht.  Es geht back to the roots, auf großes elektronisches Tamtam verzichtet die Dänin jetzt und auch die groß angelegten Orchester-Arrangements gehören der Vergangenheit an. Eine Sängerin, ihr Songwriting und ihre Gitarre – that’s basically it. Dico: „Das Intime, das Story-Telling, diese spezielle Gewichtung, das Ausblenden von vordergründigen Attitüden und von Bühnen-Inszenierungen des Performers und der Musik, lässt nichts übrig, hinter dem man sich verstecken kann.“ Entstanden ist das neue Machwerk übrigens während Dicos Arbeit am Pernille-Fischer-Christensen-Film „En du elsker“, zu dessen Soundtrack sie fünf Songs beisteuerte. Diese Tracks bilden das Grundgerüst von „Whispers“. Die Tatsache, dass Dico beim Songschreiben dabei die Sichtweise des männlichen Protagonisten des Films einnehmen musste, eröffnete ihr völlig neue Perspektiven – und erklärt Titel wie „The Woman Downstairs“. Und trotz dieser Tatsache wirkt das neue Dico-Werk so ehrlich und authentisch wie nie.

Fazit: „Manchmal trifft man Zuhörer viel effektiver mit Flüstern“, sagt Tina Dico. Mit „Whispers“ hat sie den Beweis angetreten.

Anspieltipps: Someone You Love, Whispers

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Liz Lawrence – Health & Safety (EP)

Label: Liz Lawrence Music VÖ: 2014

Es war an irgendeinem verregneten Nachmittag in Dublin im Jahr 2012, als mir Liz Lawrence erstmals zu Gehör kam. In einer Buchhandlung suchte ich Schutz vor den dicken Regentropfen, stöberte in der Joyce-Abteilung, als „Monday Morning“ von Liz Lawrence plötzlich über die Lautsprecher des Geschäfts ertönte. Die entsprechende CD „Bedroom Hero“ (empfehlenswert) sofort gekauft, und nie bereut. Seither gehört Lawrence fest zum Soundtrack meines Lebens, weshalb ich natürlich hocherfreut war, als ich von ihrer neuen EP „Health & Safety“ hörte. Fünf Tracks kredenzt die junge Britin hier, allesamt wieder mit feinem Storytelling versehen und dem typischen Lawrence-Sound, der einem direkt zum mitsingen verführt. Reinhören und wohlfühlen.

Fazit: Kaufempfehlung!

Anspieltipps: Health & Safety, Rooftops


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The Majority Says – The Majority Says

Label: Warner VÖ: 2014

Linköping, umgeben von Wäldern, südlich von Stockholm gelegen – das ist die Heimat von The Majority Says, einer sechsköpfigen Indie-Folk-Pop-Band um Sängerin Hannah Antonsson. Der eine oder andere mag die Musik der Skandinavier vielleicht bereits aus den Filmen „Vaterfreuden“ oder „Irre sind männlich“ kennen. Die Musik der schwedischen Pop-Exporte ist ja für gewöhnlich auch sehr eingängig – und  „The Majority Says“ bilden da keine Ausnahme. Nun legen sie – obwohl bereits seit 2005 existierend – mit ihrem gleichnamigen Album ihr internationales Debüt-Album vor. Das kommt mal mit Power (Followers, All The Things I Didn’t Do), mal stripped back (Feet Back On The Ground) daher. Und über allem thront die zuckersüße, fast kindliche Stimme von Hannah Antonsson. Musik zum Chillen und Träumen.

Fazit: Zucker.

Anspieltipps: Silly Ghosts, Feet Back On The Ground

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Kimbra – The Golden Echo

Label: Warner VÖ: 2014

Kimbra, wie die Zeit vergeht! „The Golden Echo“ ist bereits das zweite Studioalbum der neuseeländischen Sängerin. Drei Jahre sind seit ihrem Debüt „Vows“ vergangen und ebenso lang ist ihr Duett mit Gotye („Somebody That I Used To Know“) her. Sie erinnern sich? Das war das Video mit dem Body-Painting.  Zwei Grammys – das war das Resultat der Zusammenarbeit mit dem Belgier. Nach dem großen Erfolg zog sich die Singer/Songwriterin auf eine Farm bei Los Angeles zurück, tüftelte an Songs – und war dabei umgeben von Lämmern und Schafen der Vermieterin. „Ich hatte die Gotye-Geschichte und die Grammys gerade hinter mir und war viel getourt. Davon wird man sehr vereinnahmt. Plötzlich chillst du dann mit einer Schafherde, die sich nicht darum schert, wer du bist“, so Kimbra, die ihrer Kreativität freien Lauf ließ. Das Ergebnis ist ein sehr eklektisches Klangbild, das von 70er Disco („Miracle“), Funk („Madhouse“) über Hip Hop („Goldmine“) bis hin zur Ballade („As You Are“) reicht.

Fazit: Abenteuerlustig.

Anspieltipps: Miracle, 90s Music

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Chuck Prophet – Night Surfer

Label: Yep Roc Records VÖ: 2014

„Never change a winning team“, das hat sich der Roots-Rock-Barde Chuck Prophet nach seinem erfolgreichen letzten Album „Temple Beautiful“ (2012) wohl gedacht, und mehr oder weniger die selbe Mannschaft, die ihm damals zur Seite stand, auch wieder für die Aufnahmen zu „Night Surfer“, seiner nunmehr 13. Veröffentlichung, verpflichtet. So traf man sich also wieder, in San Francisco und Nashville, und gab sich Prophets dystopischer Vision hin, die den roten Faden des Albums darstellt. „Ich habe mir meine Heimatstadt (San Francisco) angeschaut und versucht, 20, 30 Jahre in die Zukunft zu schauen.“ Titel wie „Lonely Desolation“ und „Felony Glamour“ verraten es ein Stück weit: Es ist eher ein düsteres Bild, das Prophet da zeichnet. Als nörgelnder Pessimist will sich Prophet jedoch nicht verstanden wissen: „Es geht mir darum, zu zeigen, wie die Welt aussehen könnte, wenn wir unseren jetzigen Weg weiter gehen.“ Und: „Die Zukunft wird uns vielleicht retten. Wenn wir sie erreichen.“ Übrigens: Pete Buck (R.E.M.) ist als Gaststar auf dem Album zu hören.

Fazit: Hörenswert.

Anspieltipps: Wish Me Luck

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Twin Atlantic – Great Divide

Label: Red Bull Records VÖ: 2014

Das Intro, „The Ones That I Love“, ist schon ein bisschen irreführend. Lässt es doch mit seinen sanften Piano-Klängen keine Rückschlüsse zu, auf das, was danach folgt: satter Stadionrock. Jener Sound, der Twin Atlantic zu beliebten Festivalgästen gemacht hat. Ein bisschen Snow Patrol, eine Prise Bon Jovi und etwas Biff Clyro – das ist der Mix, den die Schotten um Sänger Sam McTrusty da angerührt haben. Die meisten Songs, so heißt es, seien on tour entstanden, nach den schweißtreibenden Gigs, irgendwo hinten im Tourbus. Und sie beweisen, dass Twin Atlantic seit „Free“ (2011) nicht verlernt haben, catchy Rock-Melodien und optimistische Texte zum Mitgrölen zu schreiben. Folgerichtig kletterte das Ding in Schottland auf die Nummer eins der Charts.

Fazit: Bringt gute Laune.

Anspieltipps: The Ones That I Love, Heart and Soul, Brothers And Sisters

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Luke Nicholson – Mad Love

Label: Make My Day Records VÖ: 2014

Ein bisschen klingt er ja mit seinem Piano-Pop wie Elton John, der gute Luke Nicholson. „Mad Love“ ist bereits das dritte Album des kanadischen Musikers, dessen Werke man uns aber bislang unverschämterweise in Deutschland vorenthalten hat. In seiner Heimat wurde die Scheibe bereits 2012 veröffentlicht. Was man uns hierzulande hingegen nun endlich vorlegt, ist romantischer Retro-Pop at its best. Nicholson: „Ich bin sehr happy damit, wie Mad Love sich entwickelt hat. Der härteste Part war der, zu sagen, dass die Arbeit an dem Album zu Ende ist.“

Fazit: Hätte man auch früher importieren können!

Anspieltipps: We All Need, All Night Fever

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My Glorious – Hold What We Can Hold

Label: My Glorious Productions VÖ: 2014

Dass man nicht unbedingt befreundet sein muss, um gemeinsam gute Musik zu machen, dass bewiesen ja diverse Bands. Axl Rose und Slash konnten auch nie wirklich gut miteinander, die Gallagher-Brüder ebenso wenig – und doch ist da (bis zur Auflösung der jeweiligen Band) immer was bei rumgekommen. Schenkt man den Worten von Sami Goodenough Glauben, dann ist das Fundament, auf dem die Indie-Rocker von My Glorious stehen, nun auch nicht gerade auf allzu festem Grund gebaut: „Getroffen habe ich Gregor und Paul (die Sailer-Zwillinge, die das Trio komplettieren; Anm. d. Red.) auf einem Event, wo wir gemeinsam Musik machen sollten. Wir hätten uns gehasst, hätten wir uns unter anderen Umständen kennengelernt, weil sie der Inbegriff des Braven waren und ich das absolute Gegenteil.“ Nun, irgendwie schwammen sie dann musikalisch doch auf einer Wellenlänge und so sind bisher ganz töfte Alben entstanden. „Hold What We Can Hold“ ist das nunmehr dritte Album des Trios, das zwar nicht an „Home Is Where The Heart Breaks“ (2010) heranreicht, aber mit seinen zwölf Tracks immer noch ordentliches Niveau besitzt. Besonders gefällt: „Sparks“, das ein bisschen 80s-Feeling versprüht.

Fazit: Ordentlich.

Anspieltipps: Spark, I Was Always The Suspicious One

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Zeus – Classic Zeus

Label: SO Recordings VÖ: 2014

Es war offenkundig ein steiniger Weg bis zum Release von „Classic Zeus“, dem nunmehr dritten Studio-Album der Rocker von Zeus. Die anstrengende Tour nach „Busting Visions“ (2012) forderte ihren Tribut, Sänger Neil Quin sowie seine Mitstreiter Carlin Nicholson und Mike O’Brien waren sich nicht mehr so grün wie vorher. Die Band schien vor der Auflösung. „Hundreds of nights on the dark lonely road / Has hardened me and tampered with my soul“, singt Quin denn auch vielsagend. Die Combo aus Toronto raufte sich allerdings noch mal zusammen, zog sich im Osten der Stadt ins Studio zurück und begann, an ihrem neuen Machwerk zu tüfteln. Das Ergebnis kann sich sehen, beziehungsweise: hören, lassen: Elf Songs, irgendwo zwischen 70’s-Rock und Pop angesiedelt. Kann man so lassen.

Fazit: Hörempfehlung.

Anspieltipps: Where Is My Love, Miss My Friends, Bonnieview, Throw It On The Fire

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Mutter – Text und Musik 

Label: Clouds Hill VÖ: 2014

Ein bisschen schade finde ich die Umbenennung ja immer noch. „Mutter“ hießen nicht immer „Mutter“, sondern anfangs so: „Campingsex“. Unter diesem griffigen Banner veröffentlichte die Kreuzberger Band dereinst „1914!“, das Sonic Youth als großen Einfluß bezeichneten. 1986 folgten dann die Namensänderung in „Mutter“ und elf Alben. Die Rockband um Sänger und Songwriter Max Müller, auch als „linkes Rammstein“ bezeichnet, ist immer schwer in eine Schublade zu stecken, und das ist auch mit ihrem neuen Werk „Text und Musik“ so. In ihrer Radikalität ist die Combo durchaus schwankend. Zuletzt klang sie etwas freundlicher, mainstreamiger – und den Weg setzt die Band auf „Text und Musik“ fort. Fast poppig klingen sie, die deutschsprachigen Texte haben es aber durchaus in sich. In „Wer hat schon Lust so zu leben“ wird’s sogar politisch, Müller macht auf die  Situation der Sinti und Roma in Berlin aufmerksam.

Fazit: Interessant.

Anspieltipps: Wer hat schon Lust so zu leben, Qui

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The Rentals – Lost in Alphaville

Label: Polyvinyl/Cargo VÖ: 2014

Sie haben ihre Fans ganz schön lange warten lassen: 15 Jahre ist es her, seit die 2006 wieder formierte Alt-Pop-Combo um Ex-Weezer-Bassist Matt Sharp ihr letztes richtiges Album unters Volk gebracht hat. Nun ist es also da, das dritte: „Lost in Alphaville“. Bis auf Sharp ist aber eigentlich niemand mehr von der Urbesetzung dabei: Patrick Wilson ist raus, dafür trommelt derzeit Patrick Carney (The Black Keys). Ryen Slegr spielt Gitarre. Und Jess Wolfe und Holly Laessig von Lucius liefern die weiblichen Background-Stimmen. Immerhin noch dabei: der Moog-Synthesizer, weshalb sich am eigentlichen Sound der Combo nicht wahnsinnig viel verändert hat. Das klingt immer noch alles wie beim Debüt „Return of the Rentals“ (1995). Die Tatsache, dass einem das alles so bekannt vorkommt, mag daran liegen, dass die Songs allesamt schon mal auf EPs kredenzt wurden. Doof für den Fan, der schon alles hat, für Neueinsteiger aber ein Fest. Sharp hat die Dinger nämlich nochmal etwas gepimpt.

Fazit: Absolut hörenswert.

Anspieltipps: It’s Time To Come Home, The Future

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Generationals – Alix

Label: Polyvinyl/Cargo VÖ: 2014

Seit 2008 machen Ted Joyner und Grant Widmer als Generationals bereits Musik zusammen, jedoch kennen sich die beiden bereits seit High-School-Tagen und sind dicke befreundet. Ihre ersten drei Alben nahm das Duo daheim mit dem gemeinsamen Kumpel Daniel Black auf. Irgendwann geriet die Band aber in den Treibsand der Routine. Ein neuer Produzent musste her. Einer, der neue Impulse gibt. Diesen Impulsgeber fanden die Generationals schließlich in Robert Swift. Mit ein paar Demos im Gepäck pilgerten sie zu ihrem Guru. In der Hoffnung, dass dieser die Aufnahmen mit seinem magischen Touch veredele. Dieser fand die Tapes allerdings zur großen Überraschung der Jungs aus Louisiana aber album-worthy und musste nur noch ein wenig dran herum schrauben. Das Resultat: Zehn Tracks, tanzbarer Elektro-Pop mit RZA-Beats und poppigen Vocals. Wäre das Wetter derzeit nicht so mies, wäre das das perfekte Album für eine Sommer-Party.

Fazit: Neue Wege gehen ist gut, aber Generationals beweisen, dass man dafür nicht wieder komplett zurück zum Startpunkt muss.

Anspieltipps: Black Lemon, Gold Silver Diamond

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Marion Raven – Songs from a Blackbird

Label: Sony/Epic VÖ: 2014

Wer von Meat Loaf, P!nk oder Nikki Sixx geadelt wird, kann so viel nicht falsch machen. In der Tat heimste Marion Raven 2005 viel Lob für ihr Debütalbum „Here I Am“ ein. Damals ging die Singer/Songwriterin – die Lobspendenden lassen es erahnen – noch rockiger zu Werke. Auf ihrem aktuellen Album „Songs from a Blackbird“ beweist die Norwegerin nun, dass sie auch die weniger krachenden Töne beherrscht. Stimmlich erinnert die Gute an Joni Mitchell; musikalisch klingt das eher wie eine Mischung aus ABBA, Fleetwood Mac und den Bee Gees. Süffiger, gefälliger Pop mit Songwriter-Anstrich, der niemandem weh tut. Fun fact: Dereinst bildete Raven (eigentlich: Ravn) mit Marit Larsen ein Duo namens M2M.

Fazit: Ordentlich.

Anspieltipps: Scandal, Driving Home

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Fofoulah – Fofoulah

Label: Glitterbeat : 2014

Sabar-Rhythmen treffen hier auf Dub-Basslines und Sci-Fi-Synthesizer; beschwingte Melodien und Wolof Rap werden mit Trance verknüpft; Gitarren, Bläser und Samples vermischen sich mit west-und nordafrikanischen Liedformen.Verantwortlich für diesen Sound zeichnen Fofoulah, eine im Jahr 2011 in London gegründete Band, die sich der trommellastigen westafrikanischen Musik verschrieben hat und diese mit urbanen Einflüssen kreuzt. Nach Auftritten in East London und Bristol wurde 2013 die EP „Bene Bop“ veröffentlicht, bei der die Kapelle mit dem senegalesischen Sänger Biram Seck kooperierte. Das nun vorliegende Debütalbum entstand in den bekannten Real World Studios, produziert von Drummer Dave Smith (Robert Plant, JuJu). Mit dabei übrigens: Hip-Hop-Star Ghostpoet und die algerische Sirene Iness Mezel. 

Anspieltipps: Hook Up, Reality Rek

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Monkeeman – Lo-Fi Against Low Lifes

Label: Rookie Records VÖ: 2014

Nach drei Alben war erst mal Schluss. Monkeeman Ralf Lübke brauchte eine Auszeit. Eine Pause. Die hat er sich auch genommen. Lübke ging nach eigener Aussage dahin, „wo die Musik tobt“, nach Belfast, um genauer zu sein. Lübke hatte schon immer eine Schwäche für UK-Bands, deren emotionalen Zugang zur Musik und Live-Stärke. Gefunden hat er in der nordirischen Hauptstadt letztlich drei musikalische Mistreiter, deren Vornamen er sich wohl schnell merken konnte: Alle drei heißen nämlich Marty. Mit den drei neuen Musikern im Schlepptau sind so zwölf neue Monkeeman-Songs entstanden, die wieder mal den Mod-Rock streifen. Gut, Veränderungen gibt es schon: Monkeeman klingen diesmal kantiger, ja, dreckiger, was auch daran liegen mag, das der eine oder andere Song live eingespielt worden ist.

Fazit: Energiegeladen.

Anspieltipps: Pressure, Pretty Fool