Neu im Plattenschrank: September 2013

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Rykka – Kodiak

Label: Vissen Records VÖ: 2013

Es klingt ja schon irgendwie leicht abgedreht: Auf ihrem Debütalbum „Kodiak“ nimmt die in Vancouver geborene Kanada-Schweizerin Rykka unterschiedliche Tier-Perspektiven ein! Auf jedem der zwölf kryptischen Songs kommt ein anderes zu Wort, mal sind es Krähen („Blackie), mal Fische („Deep in the Depths“), mal Rehe („Shotgun“). Merkt man oft nicht beim ersten Hören, gibt den Liedern aber einen sehr eigenwilligen Spin. „Ich wollte eine Brücke zwischen Mensch und Tier schlagen“, begründet das die Singer-Songwriterin Rykka, die mit diesem Werk ihre Folk-Wurzeln mehr oder weniger hinter sich lässt. Es habe ein ganzes Jahr gedauert, um „Kodiak“ zu schreiben, erzählte die Künstlern in einem Interview neulich, oft sei es für sie ein Kampf gewesen. Zumal sich Rykka ja auch mehr oder weniger auf Dauer-Tournee befindet. Die Arbeit an dem Album aber hat sich zweifellos gelohnt. Herausgekommen ist nämlich ein Werk, dessen Rock-Songs beim Hörer hängenbleiben. Rykka weiß, wie man „catchy“ Songs schreibt, beinahe jeder Titel verfügt über einen sehr eingängigen Chorus.Dazu kommen laute Gitarren, elektronische Sounds, Synthesizers, krachende Drums und auch mal eine tiefe Männerstimme als Kontrast. Allerdings – keine Sorge – ist das kein billiger Top-40-Kommerz, dazu sind die Songs dann doch zu exzentrisch. Wohl auch dank Producer Ryan Guldemond.

Fazit: Hörenswert!

Anspieltipps: Blackie, Down In The Depths

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Tunde Baiyewu – Diamonds in a Rock

Label: Waking Dreams VÖ: 2013

Lange war es still um Tunde Baiyewu, den die meisten sicherlich noch als Frontmann der Lighthouse Family kennen. Vor dieser Band gab es ja in den Neunziger Jahren praktisch kein Entrinnen. Die Hits der Combo wurden im Radio rauf und runter gedudelt. Rund 20 Millionen Alben hat das Duo weltweit verkauft, 2003 trennten sich Baiyewu und Paul Tucker jedoch. Tunde legte bereits ein Jahr später sein erstes Solo-Album vor. Mit dem Nachfolger „Diamonds in a Rock“ ließ er sich aber nun ganze neun Jahre Zeit. Fast schon „Chinese Democracy“- Dimensionen, mögen manche ulken. Schuld daran war jedoch eine kurzzeitige Wiedervereinigung der Lighthouse Family (2010). Tunde hatte schon ein paar Songs für ein gemeinsames Bandalbum geschrieben, wollte aber dann doch die kreative Kontrolle über sie behalten und entschied sich letztlich, doch lieber solo weiterzumachen. Und so hat das alles eben ein wenig gedauert. Nun legt er also ein Pop-Album vor, dem ein Mix aus afrikanischen und westlichen Rhythmen und Mustern zugrunde liegt. Tundes soulige Stimme dominiert, die Songs sind alle hörbar, hinterlassen aber leider keinen bleibenden Eindruck. Zu vorhersehbar, zu risikolos. Ausnahmen wie „Move“ oder „Effigy“ lassen erahnen, was möglich gewesen wäre. Gerade bei letzterem Song werden Erinnerungen an Bill Withers wach, den Tunde als großen Einfluss nennt.

Fazit: Nett. Mehr Risiko hätten dem Album aber gut getan.

Anspieltipps: „Move“, „Effigy“

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Tanger Trio & Ensemble Mondaine

Label: Series Aphonos VÖ: 2013

Moderner, Klavier-dominierter, ein bisschen cinema-noir-esquer Jazz – das liefert das Projekt „Tanger Trio & Ensemble Mondaine“. Thema des Albums ist es, den bitteren Berliner Winter gegen ein Engagement in einer Art-Deco-Hotelbar im marokkanischen Tanger einzutauschen – eine Idee des deutschen Musikers und Komponisten Hans-Jörn Brandenburg. Unterstützt wird er dabei von Thomas Wydler, seines Zeichens Drummer bei Nick Cave und seinen Bad Seeds. Bassist Sirone Jones verstarb während der Album-Aufnahmen, er wurde schließlich durch Andreas Henze ersetzt. Das Ensemble besteht aus Musikern aus Griechenland, Ägypten, Deutschland und Frankreich und setzt sich aus Holzbläsern, Streichern und Stimmen zusammen. Das Trio verleiht dem Ganzen dann einen mediterran-europäischen Touch. Musik, die danach schreit, mit Bildern in Verbindung gebracht zu werden. Man wird wohl nicht lange warten müssen, bis die Tracks einem Film als Soundtrack dienen.

Fazit: Lädt zum Träumen ein

Anspieltipps: Pour Alfred, Rag Time Neuve

Text: Benjamin Fiege

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