Neu im Plattenschrank: November 2015

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Adele – 25

Label: XL/Beggars VÖ: 2015

Mit „25“ hat Adele direkt mal mehrere Chartsrekorde gebrochen. Unter anderem ist sie in 106 von 119 Ländern auf die Spitzenposition geschossen, hat innerhalb von drei Tagen mehr als zwei Millionen Exemplare des neuen Machwerks abgesetzt und stellt damit schon jetzt das meistverkaufte Album des Jahres. Scheint sich zu rechnen, dass die Gute ihren neuen Longplayer nicht über Streamingdienste anbietet. Und sonst? Das Album, Adeles drittes, spiegelt die Veränderungen, die sich im Leben der britischen Musikern in den vergangenen Jahren so zugetragen haben. Im Herbst 2012 gebar sie ihr Sohn Angelo, eine Zeit lang überlegte Adele offenbar, dem Showbiz deswegen ganz den Rücken zu kehren. Auch, weil ihr dem Vernehmen nach keine neuen Songs einfielen. Dann aber hörte sie „Ray of Light“, Madonnas erste Platte als Mama (1998), und plötzlich war die Inspiration da. Und so beherbergt das neue Album folgerichtig das eine oder andere Lied zum Thema Nestbau und Nostalgie. „Remedy“ etwa, eine schöne Piano-Ballade. Oder „When We Were Young“, das jungen Eltern aus der Seele spricht, die sich an eine Zeit erinnern, als noch alles einfacher schien. Bei letzterem Track hatte überdies Tobias Jesso Jr. seine Finger im Spiel. Nicht die einzige namhafte Kollaboration: Bruno Mars mischte bei „All I Ask“ mit. Musikalisch hält sich Adele sonst am Bewährten fest, es gibt viel Radiofutter, wenig Überraschendes. Aus diesem Grund hat offenbar die Zusammenarbeit mit Damon Albarn auch nicht funktioniert. Nach den missglückten gemeinsamen Aufnahmen lästerte der Blur-Frontmann über die Grand Dame des Mainstream-Pop kräftig ab. Die Verkaufszahlen geben Adele allerdings recht.

Fazit: Selbstläufer.

Anspieltipps: When We Were Young, Hello, I Miss You, All I Ask

 

neilyoung

Neil Young – Bluenote Café

Label: Warner VÖ: 2015

Nimmermüde: Neil Young haut mal wieder einen raus. Mehr oder weniger pünktlich zu seinem 70. Geburtstag hat der Gute im Rahmen seiner Serie „Neil Young Archives“ nun das Live-Doppelalbum „Bluenote Café“ veröffentlicht.  Das 23 Songs umfassende Machwerk (4-fach Vinyl) wurde während Youngs Tour 1988 aufgenommen. War nicht so seine Zeit damals, die Achtziger Jahre. Nur wenige interessierten sich damals noch für den heute legendären Singer-Songwriter. Und weil sich eben niemand mehr für ihn interessierte, hatte Young damals so ziemlich alle Freiheiten, die man als Musiker so haben kann. Und die nutzte er. Er rief ein paar Kumpels an, gründete die Bluenotes und nahm „This Note’s for You“ auf, ein Album im alten Rhythm & Blues-Stil. Ein Karriereschritt, der ihn in der damaligen Zeit umso mehr als Dinosaurier wirken ließ. Dennoch ging Young mit der Band auf Tour. „Bluenote Café“ ist nun ein Zusammenschnitt dieser Konzerte und enthält auch sieben bisher unveröffentlichte Songs. Allerdings keinen der typischen Young-Klassiker. Mal abgesehen von „Tonight’s the Night“ – und das kommt in einer spektakulären 19-minütigen Version daher. Kann man mal so machen. Eine gelungene Reminiszenz an eine der tiefsinnigsten und zeitgleich funkigsten Phasen von Neil Young.

Fazit: Happy Birthday, Neil! Das Geburtstagsgeschenk macht er aber uns.

Anspieltipps: Tonight’s the Night, Crime in the City, Fool For Your Love

 

Hausswolff

Anna von Hausswolff – The Miraculous

Label: City Slang VÖ: 2015

Wenn eine nordschwedische 9000-Pfeifen-Kirchenorgel auf einem Album zum Einsatz kommt, dann sollte klar sein: Easy Listening ist woanders. Tatsächlich setzt Anna von Hausswolff der Hörerschaft mit „The Miraculous“ einen zunächst einmal gar nicht so leicht zu verdauenden Brocken vor, der dafür auf die lange Distanz umso mehr überzeugt. „Hits“ wie „Mountains Crave“ vom ebenfalls fantastischen Vorgängeralbum „Ceremony“ sucht man auf dem neuen Werk vergebens. Die feierliche Atmosphäre ist einem düsteren Grundton gewichen, Drone-Elemente haben Einzug gehalten, von Hausswolffs Orgelspiel ist weniger im Vordergrund, aber nicht weniger eindrucksvoll. Die Schwedin nimmt den Hörer mit auf eine Reise zu jenen mystischen Orten in den dunklen Wäldern ihrer Heimat, die sie in der Kindheit prägten. Als „Funeral Pop“ hat von Hausswolff ihre Musik vor Jahren einmal bezeichnet. Dem ist sie längst entwachsen. Pop hat sich in Prog verwandelt und Trauer ist allenfalls eine von vielen Emotionen, die sie mit ihrer Musik erweckt. (Timo Leszinski)

Fazit: Intensiv, bedrohlich, faszinierend

Anspieltipps: Discovery, Evocation

 

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Seal – 7

Label: Warner VÖ: 2015

Das relativ unspektakulär betitelte „7“ ist Seals erstes Album seit der Trennung von Heidi Klum. Und so verwundert es nicht, dass der Soul-Barde auf seinem neuen (dem neunten) Longplayer die Liebe und alle ihre Verwicklungen, Besonderheiten und Nuancen intensiv behandelt. „Ich habe versucht, all die wundervoll unterschiedlichen Dynamiken einzufangen, ob es der Zorn ist, die Akzeptanz, die Glückseligkeit, die Traurigkeit, das Hochgefühl oder die Rücksichtslosigkeit. Es geht um diese ganz bestimmte Emotion und darum, wie sie uns fühlen lässt.Um die extreme Freude und den extremen Kummer und all die anderen verrückten Dinge, die Liebe mit uns anstellt“, kommentiert Seal. Trevor Horn, Seals langjähriger Produzent, hat auch hier wieder mitangepackt. Und überraschenderweise haben die beiden musikalisch eine Reise in die Vergangenheit gewagt. Genauer: in die 90er Jahre. Der Zeit, in der Seal („Kiss from a Rose“) seine größten Erfolge feierte. „Let Yourself“ hätte auch von Jon Secada sein können; die Akkorde von „Every Time I’m With You“ erinnern stark an Oasis‘ „All Around The World“.

Fazit: Nicht sehr tiefsinnig, aber wohlklingend.

Anspieltipps: Every Time I’m With You, Let Yourself

 

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Dave Gahan & Soulsavers – Angels & Ghosts

Label: VÖ: 2015

Ein Beispiel für wunderbare transatlantische Kooperation: Nach ihrer Zusammenarbeit bei dem 2012 erschienenen Album “The Light The Dead See“ veröffentlichen Depeche-Mode-Frontmann Dave Gahan, mittlerweile auch schon 53 Jahre alt, und Soulsavers-Mastermind Rich Machin ihr zweites gemeinsames Studioalbum. Und was soll man sagen: ein unfassbar gelungenes, düsteres Machwerk. Gahan klingt so klar, so frisch wie schon lange nicht mehr. Es scheint, als hauchen ihm die Soulsavers neues Leben ein. Und die Band weiß, wie sie mit dem guten Dave umzugehen hat und lässt ihm genug Raum zur stimmlichen Entfaltung. Mutet fast schon majestätisch-erhaben an. Macht Lust auf die Zukunft. Nicht nur von Gahan, sondern auch die von Depeche Mode.

Fazit: Bockstark.

Anspieltipps: Shine, You Owe Me, All Of This And Nothing, My Sun

 

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Enya – Dark Sky Island

Label: Warner VÖ: 2015

No doubt: Enya gehört zu den erfolgreichsten Künstlerinnen der Gegenwart. 75 Millionen verkaufte Alben, vier Grammys, Oscar- und Golden-Globe-Nominierungen – das kann sich sehen lassen. Mit „Dark Sky Island“ schlägt die Gute nun das nächste Kapitel in ihrer illustren Karriere auf. Enya, ihr Produzent und Toningenieur Nicky Ryan und Lyrikerin Roma Ryan begannen im Frühjahr 2012 mit der Arbeit an dem Album. Inspiriert von Romas Arbeit an Gedichtbänden, die sich thematisch mit Inseln befassten und besonders um die Entscheidung von Sark, sich zum Lichtschutzgebiet erklären zu lassen, war der Titeltrack der erste, der für die Sammlung geschrieben wurde. Ist wieder ziemlich atmosphärisch und magisch geworden, das Ganze, und so dicht, dass die Songs miteinander zu verschmelzen scheinen. Post-New-Age könnte man dazu sagen. Klanglich hat das ab und an etwas Spectoreskes.

Fazit: Zurücklehnen und aufsaugen.

Anspieltipps: Gesamtkunstwerk.

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The Wainwright Sisters – Songs in the Dark

Label: Maplemusic/PIAS VÖ: 2015

Gemeinsames Schwelgen in Erinnerungen an eine getrennte Kindheit: Obwohl Martha und Lucy Schwestern sind, wuchsen sie nicht zusammen auf, und abgesehen von ihrer Blutsverwandtschaft war es vor allem ihre musikalische Verbindung, die die beiden zu diesem Projekt antrieb. Beide verbrachten ihre Kindheit in einem sehr musikalischen Umfeld, wo ihre Mütter (Kate McGarrigle beziehungsweise Suzzy Roche) ihnen regelmäßig Lieder vorsangen. Heute, 30 Jahre später, interpretieren Martha und Lucy auf ihrem neuen Album “Songs In The Dark” viele eben jener Songs. Einige davon stammen aus der Feder ihrer Mütter oder des gemeinsamen Vaters, Loudon Wainwright III. Bei fünf von 16 Songs, die das Wort „Lullaby“ im Titel tragen, ist klar, wohin die Reise geht: Es geht vor allem um Schlaflieder. Das macht das Ganze also zu einer etwas dickflüssigen Angelegenheit. Nach einer gewissen Zeit macht sich, sicher nicht ungewollt, auch Müdigkeit beim Hörer breit. Stilistisch bewegt sich das Machwerk im Country- und Folk-Bereich, auch Stücke von Townes Van Zandt und Jimmie Rodgers sind auf der Scheibe zu finden.

Fazit: Ja, doch, ganz hübsch, aber aus Sicherheitsgründen besser nicht beim Autofahren hören.

Anspieltipps: Lullaby, Long Lankin, El Condor Pasa

 

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Queen – A Night at the Odeon

Label: Virgin VÖ: 2015

Wir schreiben den 24. Dezember 1975, und befinden uns im legendären Hammersmith Odeon in London. Auf der geschichtsträchtigen Bühne spielen Queen gerade die finalen Akkorde einer außergewöhnlichen, von der BBC live im Fernsehen übertragenen Show. Der Auftritt war der Höhepunkt eines aufregenden Jahres für die Band, die in diesem Zeitraum den Sprung von England in die Vereinigten Staaten und  nach Japan geschafft hatte und somit zum internationalen Top-Act avancierte. Die Zeit der muffigen Stadthallen war endgültig vorbei, wofür auch der immense Erfolg von „Bohemian Rhapsody“ verantwortlich zeichnete. Der Titel ist natürlich auch Teil der Setlist. Queen performten 15 Songs aus ihren ersten vier Alben sowie vier Coverversionen von Rock’n’Roll-Klassikern wie etwa „Jailhouse Rock“. Und boy, liefern Queen und vor allem Frontmann Freddie Mercury an diesem Abend ab. Eine Band in Top-Form. Heute, 40 Jahre danach, gibt’s den Live-Mitschnitt dieses Abends nun auf CD, DVD, SD Blu-Ray, 2 LP Vinyl, Super Deluxe Boxset und digital auf Virgin EMI, mit allerlei Bonus-Material. „Das war schon ein besonderer Abend, denn das war das erste Mal, dass eines unserer Konzerte in voller Länge live im Fernsehen übertragen wurde … das Weihnachtskonzert“, erinnert sich Brian May.

Fazit: Wunderbar. Kein Wunder, dass die Show wohl zu den am meisten gebootlegten Konzerten der Briten gehört.

Anspieltipps: Bohemian Rhapsody, Killer Queen, Keep Yourself Alive

 

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Nive Nielsen & The Deer Children – Feet First

Label: Glitterhouse/Indigo VÖ: 2015

„Feet First“ nennt sich das neue Album der aus Grönland stammenden Folk-Pop-Sängerin Nive und ihrer Band The Deer Children. Drei Jahre, zwischen 2012 und 2015 werkelte die Dame an ihrem neuen Machwerk. Aufgenommen wurde es weltweit: Grönland, Dänemark, Belgien, England sowie in diversen Locations in den USA. „I thought it was an amazing experience to travel while making this record. I feel that if you constantly change your surroundings and not get stuck in one place, you will constantly change your perception and not get stuck with just one idea“, so Nive, die nebenbei auch als Kinderbuchautorin, Schauspielerin und Model arbeitet. Pikant: Unter den vielen Mitwirkenden an dem Album befanden sich sowohl ihr Ex als auch ihr neuer Lebensgefährte. Hat der Arbeit offenbar nicht geschadet. Entstanden sind zwölf gelungene Songs zwischen Jazz, Kammermusik, Vaudeville, Indie-Pop, Country und Folk. Gern mehr davon.

Fazit: Spannend.

Anspieltipps: Still the Same, Are You Ready, Wrong

 

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Pelzig – Medium Cool World

Label: Cargo Records VÖ: 2015

Ja, doch: Mittlerweile elf Jahre ist es her, seit Pelzig ihr letztes Album „Safe In Its Place“ veröffentlicht haben. Nun melden sie sich endlich mit ihrem neuesten Werk zurück: „Medium Cool World“. Die seit 1995 existierende Band aus Ingolstadt und München hat ihre Einflüsse und Erfahrungen, die sie in der letzten Dekade gesammelt hat, in ihren neuen Longplayer verpackt und den richtigen Zeitpunkt für die Veröffentlichung abgewartet. Sänger Christian Schulmeyr und seine Kapelle offerieren dem geneigten Publikum jetzt ein regelrechtes Post-Punk-Fest. Geile Gitarren, geschickt eingesetzte Synthies – gefällt. Am Ende ist das Ding nur einen Tick zu homogen geworden, viel Abwechslung gibt’s nicht.

Fazit: Hoffentlich versteckt sich die Combo nicht wieder elf Jahre.

Anspieltipps: Style Kills All, Battles

 

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Tommy Guerrero – Perpetual

Label: Grand Palais VÖ: 2015

Tommy Guerrero? Kennt man. In den Achtziger Jahren war der Gute stolzes Mitglied der sogenannten Bones Brigade, einer berühmten Skatergruppe, zu der auch Tony Hawk, Steve Caballero und Rodney Mullen gehörten. Heute, genauer: seit 1998, ist Guerrero eher als Musiker unterwegs und hat schon mit Größen wie den Beastie Boys kollaboriert. Auf seinem neusten Streich „Perpetual“ gibt sich der Mann eher Surf- denn Skate-Sounds hin. Er liefert atmospährische Instrumentals mit verhalltem Gitarrensound, hypnotischen Bassläufen wie aus einem Santana-Track, einem Latin-geschwängerten Drum-Beat und Kiffer-Melodien.

Fazit: Für Gitarren-Geeks.

Anspieltipps: Thoughts of Tomorrow, The Fire Remains

 

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Naytronix – Mister Divine

Label: City Slang VÖ: 2015

Aufmerksame Leser kennen Naytronix bereits aus unserer „Video der Woche“-Rubrik. Hinter dem roboterhaften Pseudonym steckt Nate Brenner, der mit „Mister Divine“ unter diesem Moniker sein nunmehr zweites Album vorlegt. Die Musik darauf? Blubbert, zuckt und pluckert, ist sehr basslastig, lotet die Grenzen des Synthesizers aus – und lässt sich überhaupt nicht zu- beziehungsweise einordnen. Brenner spielt mit Elementen aus Rock,  Dub, Dream-Pop, Jazz und Elektronik und baut sich nebenbei sein ganz eigenes Elektro-Pop-Universum auf. Immer wieder werden die Songs durch den Einsatz von Sax und Synthie gebrochen, bleiben so jederzeit spannend.

Fazit: Melancholisch, aber beschwingt.

Anspieltipps: Back in Time, The Wall

 

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Cristobal and the Sea – Sugar Now

Label: City Slang VÖ: 2015

Der Sommer. Erinnern Sie sich noch? Diese jetzt, in diesem grauen November, so fern scheinende paradiesische Jahreszeit, in der man nicht in vier Pullovern schlafen musste, um nicht schockgefroren aufzuwachen. „Sugar Now“ von Cristobal and the Sea ist zwar im Oktober erschienen, für uns aber ist die Scheibe die Platte, die den Sound des Sommers am besten eingefangen hat. Diese Lebenslust. Diese Leichtigkeit. Diese Wehmut. Alles drin. Hier, in diesen zehn – in vier Sprachen gesungenen – Songs. Der Sound ist multikulti, bunter Sommer in der Großstadt. Kein Wunder, bei der Bandzusammensetzung: Ein Spanier (Bassist und Sänger), ein Portugiese, (Gitarrist, Sänger), eine Querflötistin aus Korsika und ein britischer Drummer arbeiten hier Hand in Hand. Ein musikalisches Statement für Europa. Gegründet wurde die Combo dem Vernehmen nach in einer Londoner WG. Es folgte 2014 die Mini-LP „Peach Bells“, mit „Sugar Now“ legt die Band nun ihr reguläres Debüt vor, das in Lissabon aufgenommen wurde. Von der Düsternis, die „Peach Bells“ ausstrahlte (lag’s an London, der Aufnahme-Location?) ist kaum noch etwas zu spüren.

Fazit: Wann wird’s mal endlich wieder Sommer?

Anspieltipps: Counting Smiles, Sunset of Our Troubles, Bear Paws

 

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Peter Maffay – Tabaluga: Es lebe die Freundschaft

Label: RCA/Sony VÖ: 2015

1983 erschufen Peter Maffay und Rolf Zuckowski die Figur des kleinen grünen Drachen Tabaluga, fünf Alben mit seinen musikalischen Geschichten sind seither erschienen. Nach vier Jahren Pause folgt nun mit „Es lebe die Freundschaft!“ das sechste. Maffay und seine Band haben dabei viele prominente Gäste um sich geschart: Samy Deluxe, Helene Fischer, Laith Al-Deen, Johannes Oerding, Bully Herbig, Udo Lindenberg, Uwe Ochsenknecht, Olga Peretyatko, Otto Waalkes, Tim Bendzko und Ilse DeLange sind beispielsweise zu hören. Im Mittelpunkt steht des neusten Tabaluga-Abenteuers steht diesmal das Thema Freundschaft. Eine Rock-Story mit Botschaft. „Was bedeutet Freundschaft? Wie lebt man sie, wie fühlt man sie? All das wollen wir gemeinsam mit Tabaluga herausfinden“, verrät Maffay. Der Sänger hat mit dem Album direkt zwei Rekorde aufgestellt: Mit „Es lebe die Freundschaft!“ feiert der 66-Jährige seine 17. Nummer-eins-Platte und legt außerdem die insgesamt 1092. Chartplatzierung seiner Karriere hin. Kann man mal so machen.

Fazit: Gutes Weihnachtsgeschenk für Kinder.

Anspieltipps: Nessaja

 

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The Mighty Stef – Year of the Horse

Label: Burning Sands Records VÖ: 2015

Stefan Murphy, der Kopf hinter The Mighty Stef, den wir auch schon in unserer „My Soundtrack“-Reihe vorgestellt haben, weiß um die Schwierigkeiten, denen ein Musiker so begegnen kann. Der Mann aus Dublin/Irland hat in seiner Karriere schon so einige Höhen und Tiefen erlebt. Blut, Schweiß und Tränen, die sich in der Leidenschaft wiederfinden, die bei „Year of the Horse“ aus jeder Zeile, aus jedem Riff strömt. Das Thema des Machwerks: „Trying to turn the situations, feelings of desperation, into something that is colourful, acceptable and understandable to people“, so Stefan. Murphy hat eine fantastische Band im Rücken, die es versteht, gleichermaßen schmutzig-rockig wie radio-friendly zu agieren. Geile Platte.

Fazit: Voller Leidenschaft und Power.

Anspieltipps: Everybody Needs A Grave; Stella; Vampire, Hold Me Tight

 

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Kylie Minogue – Christmas

Label: Polyphone/Warner VÖ: 2015

Lasziv räkelt sich Kylie Minogue im knappen roten Kleid auf einem Schlitten – bei diesem Cover-Motiv wird sich der eine oder andere männliche Fan wohl freuen, „Kylie Christmas“ unterm Weihnachtsbaum zu finden. Außer dem Cover fallen außerdem die illustren Namen auf, mit denen die kleine Australierin auf ihrem Weihnachtsalbum den Pulverschnee vom Dach trällert: Iggy Pop, James Corden, Frank Sinatra (posthum) und Schwester Danii Minogue (auf der Deluxe-Edition) feiern hier mit. Produziert wurde das Ganze von Kylies langjährigem Musical Director Steve Anderson; mit Ausnahme der Songs „White Dezember“ und „Cried Out Christmas“, die unter der Aufsicht von Producer/ Komponist Matt Prime entstanden, sowie „Every Day`s Like Christmas“, das mit dem norwegischen Producerteam Stargate aufgenommen wurde. Alle 13 Tracks wurden in den Angel Studios und im Sarm Music Village in London eingespielt. Musikalisch fällt das Ganze erwartbar aus: zuckersüß, ohne Ecken und Kanten, mit viel Xylophon und Heiteitei. Nur der Discogroover „100 Degrees“ (mit Danii) und „Christmas Wrapping“ (mit Iggy Pop) bleiben länger im Gedächtnis. Schade, dass aus dem Yazoo-Cover „Only You“ nicht noch mehr rausgeholt wurde.

Fazit: Wenig Überraschendes. Tut aber auch niemandem weh.

Anspieltipps: 100 Degrees, Christmas Wrapping

 

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The Ocean / Mono – Transcendental (EP)

Label: Pelagic Records VÖ: 2015

Die japanischen Post-Rocker von Mono und die musikalisch deutlich härter ausgerichteten The Ocean um den Berliner Robin Staps steuerten jeweils einen neuen Song (die allerdings beide über 11 Minuten lang sind) zu dieser Split-EP bei. Hintergrund ist die gemeinsame Tour beider Bands zusammen mit den Isländern Solstafir. The Ocean, die sich in der Vergangenheit eher als Musikerkollektiv mit wechselnden Besetzungen denn als Band begriffen haben, pflegen einen Sound irgendwo zwischen (Post-)Metal, Prog, Sludge und Hardcore-Anleihen, der auch diesmal wieder hervorragend funktioniert. Die dichte Atmosphäre des letzten Albums „Pelagial“, das die perfekt umgesetzte Vertonung einer Reise durch die verschiedenen Schichten des Meeres war, erreicht der neue Song dabei nicht ganz. Mono liefern einen guten, für die Band typischen und natürlich rein instrumentalen Song ab. (Timo Leszinski)

Fazit: Eher was für Ohnehin-schon-Fans.

Anspieltipps: Erübrigt sich wohl bei nur zwei Songs.

 

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Fiddler’s Green – 25 Blarney Roses – Live in Cologne

Label: Def Shepherd Recordings VÖ: 2015

Ein Vierteljahrhundert voller Irish Indie Speedfolk aus Erlangen – Fiddler’s Green feiern mit einer Live-CD/DVD: „25 Blarney Roses – Live in Cologne“, aufgezeichnet im restlos ausverkauften Kölner E-Werk. Ein Konzert mit den beliebtesten Songs aus 25 Jahren, darunter aber auch neue Stücke wie „Take Me Back“. Der Sound ist großartig; Band und Publikum sind überaus gut drauf, was sich gerade bei „Old Dun Cow“ bemerkbar macht. Abgerundet wird die DVD neben dem Livekonzert von mannigfaltigem Bonusmaterial: Die Dokumentation „Greens & Fellows – 25 Years On The Road“ gibt unter Einsatz von viel Bildmaterial aufschlussreiche Einblicke in 25 Bandjahre. Die stimmungsvollen Gastauftritte von Anna Kränzlein (Schandmaul), Alea (Saltatio Mortis), Eric Fish und Frau Schmitt (Subway to Sally) sowie Holly Loose (Letzte Instanz) sind obendrein ein Bonbon für Genre-Fans.

Fazit: Brodelnd.

Anspieltipps: Take Me Back, Old Dun Cow, Blarney Roses

 

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The BossHoss – Dos Bros

Label: Universal VÖ: 2015

Die Urban-Cowboys von The BossHoss feiern Geburtstag. Zehn gemeinsame Jahre hat das Berliner Duo mittlerweile auf dem Buckel. Gefeiert wird mit einem neuen Doppel-Album – und Geburtstagsgäste gibt es natürlich auch: Nena, Xavier Naidoo, Rea Garvey, Aura Dione, die Common Linnets und die Graveltones. Die tauchen allerdings in der Deluxe-Version auf einer CD voller Cover auf. Wer sich die Standard-Edition zulegt, bekommt elf hausgemachte Stücke des Duos, das sich dem Vernehmen nach für die Arbeiten an dem Machwerk stilecht in Nashville/TN einquartiert hatten. Viel Erwähnenswertes ist dabei nicht herausgekommen. Allenfalls das groovende „Wait for Me“ und „I’m Coming Home“ bleiben hängen, ansonsten liefern Alec Völkel und Sascha Vollmer hier leider viel Klischee ab.

Fazit: Die Deluxe-Version lohnt immerhin wegen der gelungenen Kollaborationen.

Anspieltipps: Wait For Me, I’m Coming Home

 

SOUNDTRACK

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Kurt Cobain – Montage of Heck: The Home Recordings

Label: Universal VÖ: 2015

„Montage of Heck“ war ohne Zweifel eine der besten, innovativsten und intimsten Musik-Dokumentationen, die je gedreht worden sind. Da waren wir uns ja bereits Anfang des Jahres sicher. Regisseur Brett Morgen hatte von Kurt Cobains Familie Zugriff auf dessen Privatarchiv bekommen und ein hochgelobtes, filmisches Porträt gezaubert. Das Ganze erschien so intim, dass man sich beim Zuschauen ab und an fast voyeuristisch vorkam. Mit „Montage of Heck: The Home Recordings“ erscheint nun der Soundtrack zum Film. Und das Gefühl, als Voyeur unterwegs zu sein, stellt sich auch hier wieder ein. Denn das Ding besteht natürlich zum Großteil aus vielen Fragmenten, aus Unfertigem und hält private Momente fest, die der Künstler mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie zur Veröffentlichung vorgesehen hätte. Von einem Solo-Album kann man daher keinesfalls sprechen. Wer diesen Umstand ausblenden kann, für den ermöglichen diese frühen und rohen Kassetten-Mitschnitte, die Kurt ohne Band aufnahm, einen seltenen und ungefilterten Einblick in Cobains kreatives Schaffen, in seine kreative Entwicklung von den ersten Song-Schnipseln über kurze Demos hin zu musikalischen Experimenten und letztlich zu Songideen, die auch auf späteren Nirvana-Alben auftauchen. Der Soundtrack erscheint auf Kassette, digital, CD (Standard und Deluxe) sowie als Doppel-LP.

Fazit: Historisch wertvoll oder Voyeurismus? Den inneren Disput muss jeder mit sich selbst austragen.

Anspieltipps: And I Love Her (das einzig komplette Stück), Burn the Rain, Sappy (Early Demo)

 

BACKKATALOG

 

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Bob Dylan – The Best of the Cutting Edge: The Bootleg Series Vol. 12 (und diverse Versionen)

Label: Columbia VÖ: 2015

50 Jahre ist es her, und noch immer nötigt das, was Bob Dylan in diesen 14 Monaten zwischen Januar 1965 und März 1966 geschaffen hat, größten Respekt ab. Egal wie man zu dem Mann steht: Das, was damals entstanden ist, ist ein monumentales Stück Musikgeschichte. Dylan ist Anfang 1965 noch der Hoffnungsträger des populären Folkrevivals. Doch als er vom 13. bis 15. Januar unter der Regie des Produzenten Tom Wilson sein fünftes Album, „Bringing It All Back Home“, aufnimmt, überrascht der gute Mann alle: Zwar erfüllt die Seite zwei des Machwerks  mit Folkballaden wie „Mr. Tambourine Man“ und „It’s Alright, Ma (I’m Only Bleeding)“ die Erwartungen, die erste Seite kredenzt aber – surprise, surprise – sieben harte Rocknummern, darunter der aggressive Titeltrack. Schon im Juli ist His Bobness wieder im Studio und nimmt  „Highway 61 Revisited“ (mit Band) auf, das unter anderem das grandiose „Like A Rolling Stone“ beinhaltet. Als Dylan und Kapelle im Frühling 1966 in Australien und Europa gegen diverse Widerstände  anspielen (Dyland wird aufgrund seiner Hinwendung zum Rock gar als „Judas“ beschimpft), ist sein nächstes Album „Blonde on Blonde“ bereits im Kasten. Es soll das erste Doppelalbum der Popgeschichte sein. 14 atemlose Monate also, 14 Monate, in denen allerlei passiert ist und die die Pop-Geschichte verändert haben. Dylan hat den Crossover erfunden und hat einer ganzen Generation ihre Hymnen geschenkt: „Like A Rolling Stone“, „Maggie’s Farm“, „Subterranean Homesick Blues“, „Visions Of Johanna“ und „Ballad Of A Thin Man“ – just to name a few. Heute ist der Entstehungsprozess dieser drei Alben detailgetreu nachzuvollziehen. Das in drei verschiedenen Versionen erhältliche Package „The Bootleg Series Vol. 12: The Cutting Edge 1965-1966“ bietet einen Einblick in die Aufnahmesessions. Die Geburt von „Like A Rolling Stone“ beispielsweise ist in mehr als 20 Takes verfolgen. Außerdem stellt die Sammlung neben Outtakes und Alternative-Versionen bekannter Tracks auch einige bislang offiziell nie veröffentlichte Songs vor. Die Albumtrilogie ist in drei verschiedenen Editionen erhältlich: als Deluxe-6-CD-Anthology wie auch unter dem Titel „Best Of The Cutting Edge 1965-1966“ als 2-CD/3-12“-LP-Paket. Für Besserbetuchte gibt’s die auf 5.000 Exemplare limitierte Ultra-Deluxe-18-CD-Edition ab, exklusiv über bobdylan.com zu haben und beinhaltet buchstäblich jeden einzelnen Ton, der während der Sessions zu „Bringing It All Back Home“, „Highway 61 Revisited“ und „Blonde On Blonde“ aufgenommen wurde.

Fazit: Historisch wertvoll.

Anspieltipps: Keine. Durchhören, Prozesse nachvollziehen.

 

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Die Fantastischen Vier – Vier und Jetzt (Deluxe)

Label: Sony VÖ: 2015

Es gibt wenige deutsche Bands, die ein aus drei CDs bestehendes „Best Of“ auf den Markt werfen können, ohne sich für zwei Drittel der Platte dann zu schämen beziehungsweise sich dafür rechtfertigen zu müssen, wie sie es denn mit dem Begriff „Best Of“ denn so halten. Die Fantas gehören zu den wenigen Auserlesenen, die sich ein solches Ding leisten können. „Vier und Jetzt“ heißt diese Greatest-Hits-Sammlung, auf der sich das Wichtigste seit „Jetzt passt auf“, dem ersten Song vom 1991 erschienenen Debütalbum „Jetzt geht’s ab“, bis zur neuen Single „Name drauf“ findet. Im Klartext: 14 Hit-Singles, drei Album-Tracks, die längst ins Fan-Lieblingsrepertoire von Thomas D, Smudo, And.Ypsilon und Michi Beck gewandert sind und das frisch verfasste und mit dem Schweizer Soul & Funk-Star Seven aufgenommene „Name drauf“ in der Standard-Version, 29 Tracks auf der Deluxe-Edition. Letztere kommt überdies mit einer DVD daher, die einen Film über die Fanta-4-Bandgeschichte mit unveröffentlichten Live-Ausschnitten sowie alte und neue Interviews enthält. Noch luxuriöser: die Superdeluxe-Megabox, die in einer wertigen Holzbox  20 x 7“ Vinyl-Singles, das „Vier und Jetzt“ Deluxe-Set, ein Fotobuch und ein Fantuch mit Band-Logo enthält.

Fazit: Ein würdiges Best-Of einer Band, die ein großes Stück deutscher Musikgeschichte mitgeschrieben hat. Vom Einsteiger bis zum Super-Fan wird hier jeder bedient.

Anspieltipps: Die Da!?!, Sie ist weg, Mfg, Troy, Populär, …

 

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Alanis Morissette – Jagged Little Pill (Deluxe Edition)

Label: Warner VÖ: 2015

Erinnert sich noch jemand an den Slacker? Jenen planlosen, jungen, sich nie stressen lassenden, in den Tag hinein lebenden Herumhänger, der in den Neunzigern eine richtige gesellschaftliche Nummer war? Niemand hat diese Figur schöner besungen als Alanis Morissette auf dem „Jagged Little Pill“. Jenem Album, das die kanadische Sängerin 1995 zu Weltruhm katapultierte und auch ihr erfolgreichstes war. Es versteht sich von selbst, dass die meisten Aufnahmen auf dem Machwerk – ganz slackermäßig eben – erste Takes sind. Die Botschaft der Platte, gehüllt in einfachen Pop-Rock: Dir kann nichts passieren. Life happens. Und wenn doch was Schlimmes passiert, dann einfach die Sache in aller gebotenen Todesverachtung mit Humor nehmen: „He waited his whole damn life to take that flight / And as the plane crashed down he thought: Well isn’t this nice / And isn’t it ironic, don’t you think?“, singt sie da in ihrem Überhit „Ironic„. Die große Hymne der Slacker-Bewegung ist allerdings eine andere: „One Hand in My Pocket“:  „I’m broke but I’m happy / I’m poor but I’m kind / I’m short but I’m healthy“. Heute sagt zwar keiner mehr Slacker, der Typus ist aber in der Mitte der Gesellschaft angekommen, die plötzlich Worte wie „Downshifting“ kennt. Isn’t it ironic, dass der ganze Wirbel um das Slacker-Album schlechthin damals bei der guten Alanis für ein Burn-Out sorgte? Ist halt eine historische Scheibe gewesen, die entsprechend Resonanz fand. Und die wird jetzt zum 20-Jährigen mit einer Neuauflage und einer Deluxe-Version gefeiert, die mit allerlei unveröffentlichten Songs/Demos und ein paar ansprechenden Liner Notes daherkommt.

Fazit: Absolute Kaufempfehlung.

Anspieltipps: Ironic, One Hand in My Pocket, Not The Doctor

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Neko Case – Truckdriver, Gladiator, Mule

Label: Anti VÖ: 2015

„Truckdriver, Gladiator, Mule“ heißt ein Vinyl-Boxset, das die komplette Diskografie von Neko Case umfasst. Heißt im Klartext: Alle acht Alben der amerikanischen Singer-Songwriterin, remastered, gepresst auf 180 Gramm Vinyl, inklusive hübscher Box und 80-seitigem Booklet. Eine Reise zurück zu den steinigen Anfängen der Musikerin, die zu Beginn ihrer Karriere ihr eigener Manager, Booker und Fahrer war. Eine Reise, die den Weg vom Honkytonk zum Country Noir nachzeichnet. Eine Reise, auf die man unbedingt mitgenommen werden will.

Fazit: Schmuck!

Anspieltipps: Set Out Running,

 

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Erasure – Always: The Very Best Of

Label: BMG VÖ: 2015

Wer hätte damals gedacht, das das Ding so langlebig sein würde? Als Vince Clarke mit seinem Kumpel Andy Bell Mitte der 80er Jahre unter dem Namen Erasure die Charts aufmischte, hatte er schließlich schon zwei außerordentlich erfolgreiche Musikerkarrieren und ein Mini-Projekt hinter sich. Clark war Gründungsmitglied der Synthie-Pop-Band Depeche Mode, später arbeitete er mit Alison Moyet als Yazoo oder auch Ex-Undertones-Sänger Feargal Sharkey als The Assembly zusammen. Nirgendwo hielt es den introvertierten Briten lange und so ist es schon etwas überraschend, dass es mit Erasure nicht ebenso schnell vorbei war. Stattdessen hauten Andy Bell und Clark in den Eighties Hit um Hit raus. Die Band überdauerte dabei auch kleine und große Tiefen in den 90ern und 00er Jahren – und hält sich nun schon seit 30 Jahren wacker die Treue. Das Jubiläum feiern die beiden nun, wie man das eben so macht, mit einem Best-Of. Die Werkschau umfasst Songs aus allen Alben von Erasure und erscheint in zwei Formaten: einem Single-CD-Digipack- sowie einer Deluxe-Edition mit 3CDs. Mit “Sometimes ´15“ ist überdies ein Re-Work ihres größten Hits auf beiden Versionen vertreten. Dieser wurde von David Wrench (Hot Chip, Jamie XX & Caribou) in Szene gesetzt. Die Deluxe-Edition enthält Remixes von Moby, William Orbit, BT und The Grid (Dave Ball / Soft Cell) und zudem vier brandneue Versionen.

Fazit: Nostalgische Anwandlungen garantiert.

Anspieltipps:  A Little Respect, Sometimes, Always

 

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Natalie Merchant -Paradise Is There

Label: Warner VÖ: 2015

„Tigerlily“ war das erste Solo-Album von Natalie Merchant, veröffentlicht 1995, nach ihrem Weggang von 10.00o Maniacs. Und ein überaus erfolgreiches. Mehr als vier Millionen mal hat sich das Ding verkauft und ist somit zu einem der wichtigsten Alternative-Alben der 90er Jahre avanciert. Verantwortlich für den Erfolg war Merchants Songwriting, in dem sich die Künstlerin auf eine Art und Weise offenbarte, wie man es in diesem von so viel Unbekümmertheit geprägten Jahrzehnt kaum gewohnt war. Nun ist das Album von Warner in einer Sonderdition neu aufgelegt worden, die Songs wurden von Merchant neu aufgenommen (ohne ihnen Schaden zuzufügen!). Clou dieser Jubiläumsausgabe: der Film „Paradise is There“, eine Doku, die der CD-Box als DVD beiliegt. „Tigerlily ist mein wichtigstes Album, da es mich nach zwölf Jahren bei 10.000 Maniacs als unabhängige Songwriterin definierte“, so Merchant. „Es hat außerdem eine besondere Bande zwischen mir und dem Publikum geknüpft, das mich seit 20 Jahren unterstützt und trägt. Ich habe mich entschlossen, das Album und den Film ‚Paradise is There‘ zu machen, um die Reise zu würdigen, die wir und sie Songs gemeinsam unternommen haben.“

Fazit: Begeistert mit jeder Note. Kein Füller. Der Kauf lohnt sich schon allein wegen der Doku.

Anspieltipps: Carnival, Wonder, Beloved Wife, River, Cowboy Romance

 

The Beatles 1 - BluRay

Beatles – The Beatles 1

Label: Universal/Apple Corps Ltd. VÖ: 2015

Sie waren vier der Urväter des Musikvideos: Nachdem die Beatles ihre letzte Tour gespielt hatten und es sich als zu knifflig erwies, um die Welt zu reisen, um neue Veröffentlichungen zu promoten, nutzten die Fab Four zunehmend das Medium so genannter „Minispielfilme“ als Promo-Vehikel. Viele davon kann man sich nun hier auf  „The Beatles 1“ zu Gemüte führen. Die jeweils 27 Tracks umfassenden CD/DVDs und CD/Blu-rays stellen jedem Song ein restauriertes Video zur Seite. Die brandneue Edition The Beatles 1+ würdigt deren Karriere mit insgesamt 50 Promotionfilmen und Videos mit einer Gesamtlänge von über 200 Minuten. Sie beinhaltet neben allen 27 No.1-Hits und den entsprechenden Videos auf einer weiteren Disk nochmals 23 Videos, darunter neben alternativen Versionen auch selten gezeigtes und frisch restauriertes Film- und Videomaterial. Sämtliche Songs auf den beiden Deluxe CD/2-DVD und CD/2-Blu-ray Editionen sind hier in neuen Audio-Mixen enthalten. Die einfache, 27 Tracks umfassende Audio-CD enthält ebenfalls die neuen Stereo-Mixe. Auch eine Vinylausgabe soll es geben.

Fazit: Für Einsteiger.

Anspieltipps:

 

Zaz

Zaz – Paris, Encore!

Album: Warner VÖ: 2015

Seit den schrecklichen Anschlägen von Paris muss man sich ganz schön strecken, den Namen der französischen Hauptstadt nicht zuerst mit Terrorismus zu assoziieren, sondern mit Liebe, Magie, Leichtigkeit und diesem ganz besonderen Lebensgefühl, das diesen Ort schon immer ausgezeichnet hat. Bereits im vergangenen Jahr veröffentlichte Zaz ihr Album „Paris“, eine wunderbare Hommage an ihre Heimatstadt, das der Sängerin unter anderem einen Echo einbrachte. Mit „Paris, Encore“ ist nun eine erweiterte Fassung dieses Machwerks erschienen (zur Info: bereits eine Woche vor den Anschlägen). Die neue Version enthält den neuen Bonustrack „Sous le Ciel de Paris“ feat. Pablo Alborán, der im Original von Edith Piaf stammt. Überdies gibt es eine Live-DVD mit 12 Songs, die den Mitschnitt des Jazz Open-Konzertes mit der SWR Big Band in Stuttgart vom Juli 2015 enthält. Das Konzert beginnt zunächst mit Zaz und einer zehnköpfigen Band plus einem vierköpfigen Chor, bevor die SWR Big Band, die als eine der besten Big Bands der Welt gilt, Zaz bei sieben weiteren Songs begleitet. Das Konzert ist auch separat auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Fazit: Eine damals wie heute gelungene Hommage an Paris. Und gerade jetzt ein Statement.

Anspieltipps: Sous le Ciel de Paris, Paris Sera Toujours Paris, Champs Elysées, I Love Paris – J’aime Paris

 

geschenk

Erdmöbel – Geschenk

Label: Jippie/GoodToGo/Rough Trade VÖ: 2015

Und das nächste Weihnachtsalbum. 2014 lief das schon für Erdmöbel richtig gut und so hat sich Combo kurzerhand entschlossen, „Geschenk“ ein Jahr nach dem Original-Release nochmal neu aufzulegen. Natürlich nicht einfach so, sondern mit drei neuen Songs. Mit „Geschenk“ gelang der Band um Sänger Markus Berges das Kunststück, den Fans kein idiotisches Kitsch-Album unter den Baum zu legen, sondern eines, das den Spagat zwischen Gefühl und Ironie meistert. Das man sich anhören kann, ohne sich gleich mit der Zuckerstange schächten zu wollen. Das dem Thema Weihnachten mit einer gewissen Ernsthaftigkeit begegnet: Die Texte regen, ganz genre-untypisch, nämlich sogar zum Nachdenken, an, sind teilweise sozialkritisch. Nicht weniger als eine Revolution des Weihnachts-Pop.

Fazit: Gehört unter den Baum.

Anspieltipps: Goldener Stern, Ding Ding Dong, Der letzte deutsche Schnee

 

Scorpions_Edition_Cover_1160Scorpions – 50th Anniversary Deluxe Editions

Label: BMG VÖ: 2015

Die Scorpions sind so etwas wie die deutschen Stones: Seit nunmehr 50 Jahren stehen Klaus Meine und Konsorten mittlerweile auf der Bühne. Ihren runden Geburtstag feiern die Hannoverander mit einer Deluxe-Neuauflage von acht Alben, die die Band zwischen 1977 und 1988 eingespielt haben: „Taken By Force“ (1977), „Tokyo Tapes“ (1978), „Lovedrive“ (1979),  „Animal Magnetism“ (1980), „Blackout“ (1982), „Love At First Sting“ (1984),  „World Wide Live“ (1985) und „Savage Amusement“ (1988). Die Zeit also, in der die Scorpions zu Superstars und Deutschlands erfolgreichstem Musik-Export wurden. Ein Stück Hardrock-Geschichte. Für die Veröffentlichung der 50th Anniversary Deluxe Editions öffnete die Combo ihre Archive und kredenzen den Fans jede Menge bisher unveröffentlichte Titel, Alternativversionen berühmter Hits, rough mixes und seltene Live-Mitschnitte. Neben Dutzenden Studio-Tracks und Live-Aufnahmen, die noch nie zu hören waren, gibt es zu jeder CD ausführliche Booklets mit Fotoraritäten, Single-Covers, Backstage-Pässen und ergänzenden Begleittexten von Edgar Klüsener, der als früherer Chefredakteur von „Metal Hammer“ den Werdegang der Band jahrzehntelang aus der Nähe verfolgt hat. Zu fünf der acht Alben gibt es jeweils eine DVD mit Konzert-Videomitschnitten, Fernsehauftritten und Band-Interviews. In diesen Interviews verraten die Scorpions zu jedem der fünf Alben „Lovedrive“, „Blackout“, „Love At First Sting“, „World Wide Live“ und „Savage Amusement“ die jeweilige Entstehungsgeschichte und geben Einblicke in die Schaffensprozesse dieser Alben.

Fazit: Schmankerl für Fans.

Anspieltipps:

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