Neu im Plattenschrank: Januar 2014

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Bruce Springsteen – High Hopes

Label: Sony VÖ: 2014

Der Boss meldet sich zurück. Ein Jahr nach „Wrecking Ball“ liefert Springsteen mit „High Hopes“ sein nunmehr 18. Studioalbum ab. Zur Seite gestanden hat ihm dabei Gitarrist Tom Morello (Audioslaves, Rage Against The Machine). Dessen Präsenz ist es wohl auch zu verdanken, dass der unermüdliche Boss auf diesem Werk so rockig klingt wie schon lange nicht mehr. Allerdings: es handelt sich nicht nur um neue Songs. Einige Stücke (High Hopes, American Skin (41 Shots) oder The Ghost of Tom Joad) hat der Altmeister schon seit vielen Jahren in seinem Live-Repertoire oder sogar schon mal aufgenommen. Auch finden sich einige Coverversionen auf „High Hopes“. Etwas untypisch für Springsteen kommt das Album daher, fehlt doch der thematische Bogen, der rote Faden, der die einzelnen Tracks miteinander verbindet. Etwas stückwerkartig wirkt das Ganze daher. Dennoch sind die Stücke für sich genommen allesamt hörenswert. Und Springsteen-Platten sowieso ein Pflichtkauf. PS: In der Deluxe-Version ist noch eine Live-DVD dabei.

Fazit: Kaufempfehlung

Anspieltipps: American Skin (41 Shots), The Ghost of Tom Joad, Harry’s Place

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Boy George – This Is What I Do

Label: Very Me/Kobalt VÖ: 2014

Nein, die Zeit ist nicht spurlos an George O’Dowd vorbeigegangen. Etwas tiefer, dunkler, kratziger ist die Stimme des Barden geworden, der die Welt in den Achtziger Jahren mit Liedern wie „Do You Really Want to Hurt Me“ oder „Karma Chameleon“ verzückte. Dass das keineswegs schlimm ist, zeigt Boy George, der sich zwischenzeitlich mehr oder weniger erfolgreich als DJ verdingte, auf seinem Comeback-Werk „This is what i do“. Dort gibt sich der Brite erstaunlich selbstreferenziell, teils auch selbstironisch. Auch vor seinen selbstzerstörerischen Lebensabschnitten, mit denen er die Spalten der Klatschpresse füllte, verschließt der mittlerweile 52-Jährige nicht die Augen. Augenscheinlich hatte der gute Mann eine Menge Spaß bei der Arbeit im Studio, was ja nicht unbedingt typisch für ihn ist. Gilt er doch als ausgewiesener Studio-Muffel (die letzte Solo-Scheibe ist nun auch schon 18 Jahre her). Diese neue Spielfreude überträgt sich auf den Hörer. Am Ende mischt der gute Mann zwar etwas zu viel Reggae und Dubstep bei, dennoch ist das Comeback des einstigen Culture-Club-Frontmanns als gelungen zu bezeichnen. Schon alleine wegen des Yoko-Ono-Covers „Death Of Samantha“, bei dem Boy George fast wie Leonard Cohen klingt.

Fazit: Erste (positive) Überraschung des Jahres.

Anspieltipps: Death of Samantha, King of Everything, Bigger Than War

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Eleni Mandell – Let’s fly a kite

Label: Make My Day Records VÖ: 2014

Locker, leicht und beschwingt kommen die zwölf Songs daher, die die Sängerin aus Los Angeles für ihr neustes Werk „Let’s fly a kite“ da aufgenommen hat. So locker, leicht und beschwingt, dass man fast meinen könnte, bereits das unangefochtene Sommeralbum des Jahres in den Händen zu halten. Wenn wir nicht erst Januar hätten. Selbstsicher experimentiert Mandell auf ihrem neuen Werk mit verschiedenen Stilrichtungen, und mixt Americana mit Gospel, Blues, Country, Jazz und Mariachi-Elementen. Der Clou: Trotz aller Eingängigkeit sind die Songs keineswegs eindimensional, sondern durchaus mehrschichtig angelegt. Ein würdiger Nachfolger für Mandells Crooner-Album „I can see the future“, zweifellos.

Fazit: Absolute Kaufempfehlung.

Anspieltipps: Something to think about, Put my baby to bed

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Andrea Schroeder – Where the wild oceans end

Label: Glitterhouse/Indigo VÖ: 2014

Dass die Wahl-Berlinerin Andrea Schroeder eine großartige Sängerin ist, hat sich schon vor einem Jahr mit ihrem Album „Blackbird“ bewiesen. Ihr zweites Album „Where the wild oceans end“ ist nun die konsequente Weiterentwicklung ihres Debütalbums, eine sinnliche Sammlung melancholischer Songs, die zwischen Blues, Folk und Rock mäandern, vorgetragen durch Schroeders unverwechselbar-rauchige Stimme; aufgenommen irgendwo in einem kleinen Studio an der norwegischen Atlantikküste. Es fällt eigentlich schwer, aus dieser so hochwertigen Platte noch einzelne Perlen hervorzuheben. Müsste man dies, würde man sich wohl unter anderem für „Helden“ entscheiden: eine Art musikalisch untermalte Lesung von David Bowies „Heroes“ in deutscher Fassung. Aber eigentlich will man das gar nicht. Sondern die Platte als Ganzes genießen.

Fazit: Großartig!

Anspieltipp: Helden

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Katey Sagal – Covered

Label: Membran/Sony VÖ: 2014

„Aaaaaal“ – lassen Sie sich durch diesen markerschütternden Schrei nicht in die Irre führen. Zwar ist Katey Sagal den meisten immer noch aus der Serie „Eine schrecklich nette Familie“ bekannt, von ihrer legendären Rolle als „Peggy Bundy“ hat sich die Schauspielerin aber längst emanzipiert. Nicht zuletzt durch ihren Part in „Sons of Anarchy“. Dass die Sagal aber nicht nur schauspielern, sondern auch singen kann, beweist sie auf „Covered“, das wie der Name schon sagt, eine Sammlung von Cover-Hits ist, denen Katey ihren eigenen Stempel aufdrückt. Ein bisschen Soul, ein wenig Americana, ein bisschen Singer/Songwrriter-Stuff hat sie sich ausgesucht. Songs, die ihr etwas bedeuten. Tom Petty, Joni Mitchell oder Laura Nyro sind nur einige der Namen, denen Segal die Ehre erweist. Dass sie tatsächlich singen kann, steht außer Frage. Oder hätte Bob Dylan sie sonst einst für seinen Background-Chor ausgewählt? Begleitet wird sie auf dem Album übrigens von den „Forest Rangers“, sozusagen der Hausband von „Sons of Anarchy“.

Fazit: Nicht nur für Peggy-Fans!

Anspieltipps: Free Fallin‘, Secret Heart

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Chrysta Bell – This Train

Label: QQ5 VÖ: 2014

„Chrysta Bell sieht aus wie ein Traum und Chrysta Bell singt wie ein Traum. Und der Traum wird Wirklichkeit.“ Mit den Worten David Lynchs ist irgendwie schon alles gesagt. Zwar hat der gute Mann durchaus ein Eigeninteresse am Erfolg des Albums, produziert er Chrysta Bell doch und gilt als ihr musikalischer Ziehvater, dennoch liegt er mit der Aussage über Bells Debütalbum goldrichtig. Übertriebenes PR-Gewäsch ist ihm also nicht zu unterstellen. In elf Songs schafft die dunkle Sirene Chrysta Bell düstere und gleichzeitig anmutige Klanglandschaften und kreiert damit eine Atmosphäre wie man sie aus Lynch-Filmen kennt. Ein bisschen schimmert da ab und an Massive Attack durch, möchte man meinen. Kein Wunder also, dass die rothaarige Texanerin Lynch praktisch als Muse dient. Chrysta Bell lässt einen mit ihrer fantastischen Stimme und den spektakulären Melodien einfach nicht mehr los.

Fazit: Absolute Kaufempfehlung. Düsterer Sex-Appeal.

Anspieltipps: Right Down To You, Friday Night Fly

 

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Painted Palms – Forever

Label: Polyvinyl/Cargo VÖ: 2014

E-Mail für Dich – so könnte man in Kürze den Entstehungsprozess von „Forever“ zusammenfassen. Für Reese Donohue und Christopher Prudhomme ist das Internet bei der Zusammenarbeit unabdingbar. Obwohl mittlerweile beide in der San-Francisco-Area leben, tauschen sie ihre Ideen vor allem elektronisch aus. Dieses Gefühl der Isolation, es breitet sich auch auf dem Album aus. Obwohl die Melodien keineswegs kalt klingen, so spürt man doch eine gewisse Distanz. 1960’s Pysch Pop meets moderne electronische Produktion.

Fazit: Hörenswert

Anspieltipp: Spinning Signs

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Paint Me Picasso – Bygones

Label: Modern Noise VÖ: 2014

Mit „Bygones“ legt die Hamburger Rockband „Paint Me Picasso“ um Sänger Can, Gitarrist Jules, Bassist Pdx und Schlagzeuger Steven im Februar ihr Erstlingswerk „Bygones“ vor. Gegenüber ihrer ersten EP (2012) hat sich der Stil der Nordlichter doch etwas verändert. Die Band hat für ihr Debütwerk auf die Zusammenarbeit mit den Produzenten Chris Rodriguez (Jennifer Lopez, Ricky Martin) und Jeff Glixman (Gary Moore, Black Sabbath) verzichtet und die Dinge selbst in die Hand genommen. Mit Ludwig Maier und Johannes Rothenaicher holte sich die Combo zwei befreundete Produzenten mit ins Boot und schuf ein Album, dass sich zwar nicht so richtig entscheiden will, ob es Rock oder Pop sein will, aber durchaus hörenswert ist.

Anspieltipps: New York Streets

Fazit: Ganz nett.

Backkatalog

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The Everly Brothers – Songs Our Daddy Thaught Us

Label: Bear Records VÖ: 2013 (1958)

Gerade eben haben Norah Jones und Billie Joe Armstrong mit „Songs Our Daddy Thaught us“ eine 1-zu-1-Adaption dieses Everly-Brothers-Albums veröffentlicht, da wird auch schon das Original wieder neu aufgelegt. „Songs Our Daddy Thaught Us“ gilt als eines der ersten Konzeptalben überhaupt.1958 beschlossen die Everlys mal keine Teenie-Hits aufzunehmen, sondern eine Hommage an jene Country-Songs, die ihnen ihr Vater (ein Wandergeselle, Country-Musiker und Fingerpick-Gitarrist) beibrachte. Sie wählten Stücke, die zwischen dem 17. Jahrhundert und 1950 geschrieben worden waren. Sie sangen und spielten Gitarre, lediglich von einem Kontrabass begleitet. Ein waghalsiger Schritt für das Duo, von dem das Publikum Rock&Roll erwartete, und keine Songs über Dunkelheit, Verlust und Tod. Aus heutiger Sicht eine Zeitreise zu den Wurzeln amerikanischer Musik.

Fazit: Ein Stück Musikgeschichte.

Anspieltipps: Barbara Allen, Who’s Gonna Shoe Your Pretty Little Feet

 

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