Neu im Plattenschrank: Mai 2014

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Michael Jackson – Xscape

Label: Sony/Epic Records VÖ: 2014

Posthume Veröffentlichungen sind immer eine heikle Sache, vor allem wenn es um nicht vollendete Songs eines Künstlers geht. Hat das, was da letztlich das Licht der Welt erblickt, wirklich noch etwas mit dem zu tun, was der Musiker da im Sinn hatte? Diese Frage stellt sich auch bei Michael Jacksons neuem Album „Xscape“. Ex-Jacko-Produzent Quincy Jones beantwortete sie bereits entschieden mit „Nein“. Aber der Reihe nach: Die Jungs von Sony/Epic Records hatten wieder mal im Archiv gestöbert und Gesangsspuren des King of Pop ans Tageslicht befördert. Executive Producer L.A. Reid fungierte als Kurator einer finalen Liste von Aufnahmen, die an diverse Produzenten gegeben wurde, um die Songs mit einem frischen, aktuellen Sound zu versehen. Als Hauptproduzent stieg Timbaland in den Ring, dazu kamen Rodney Jerkins, Stargate, Jerome Harmon und John McClain. „Michael hinterließ uns einige Aufnahmen, die wir mit Hilfe der Vision einiger Musik-Produzenten vollendeten, mit denen er direkt zusammen gearbeitet hatte oder mit denen er noch zusammen arbeiten wollte“, so L.A. Reid.

Nach dem Fiasko „Michael“, dem ersten posthumen Album Jacksons, ist man geneigt, bei solchen Aussagen vorsichtig zu sein. Diesmal machen die Produzenten ihre Sache aber deutlich besser und werden Jacko mit dieser Retrospektive schon eher gerecht.Glücklicherweise sind auf der Deluxe-Edition von „Xscape“ aber auch die Original-Tonspuren vorhanden, also das Rohmaterial, das Jackson hinterließ. Welch musikalisches Genie in Jackson steckte, zeigt allein die Tatsache, dass seine Unvollendeten verglichen mit den bearbeiteten Tracks um ein Vielfaches dieses gewisse Etwas versprühen.

Fazit: Lieber zur Deluxe-Version greifen.

Anspieltipps: Love Never Felt So Good, Chicago, A Place With No Name

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The Pictish Trail – „Secret Soundz Vol. 1 + 2“

Label: Moshi Moshi (Rough Trade) VÖ: 2014

Auf den ersten Blick ist Johnny Lynch alias The Pictish Trail ein rätselhafter Zeitgenosse. Ein bescheidener, haariger, ständig zu Späßen aufgelegter Hobo einerseits, ein außergewöhnlicher Sänger andererseits. Das Label Moshi Moshi hat den jungen Mann nun unter Vertrag genommen und veröffentlicht seine bisher nicht in Deutschland erschienen Werke „Secret Soundz 1 + 2“  als Doppelalbum. Was uns also bisher vorenthalten wurde: eine unverwechselbare Stimme, eloquente, variantenreiche Songs, die durchaus mal nur von einer Gitarre, aber auch mal ein paar Dance-Beats getragen werden.

Fazit: In Zukunft gern mehr davon.

Anspieltipps: The Handstand Crowd, Of Course You Exist,

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Ray La Montagne – Supernova

Label: Sony VÖ: 2014

Auf seinen bisherigen vier Alben bot der US-Amerikaner meist tieftraurigen Folk. Oft wurde der Singer-Songwriter daher mit Nick Drake verglichen. Irgendwann hatte der Mann mit dem croonigen, sandpapierhaften Tenor  aber die Nase voll von all der Tristesse, LaMontagne ging in sich. Vier Jahre hat der Barde an seinem neuen Album, das den Titel „Supernova“ trägt, gewerkelt, sich von Dan Auerbach („The Black Keys“) unter die Arme greifen lassen und in dieser Zeit zu sich selbst gefunden. Und so schlägt er nun keine tristen, sondern fröhliche Töne an. Fast poppig wirkt das Ganze, versprüht dabei aber trotzdem einen gewissen Hippe-Charme.


Ray LaMontagne – „Supernova“ Exklusiver Albumstream on MUZU.TV.

Fazit: Erfrischend anders als die Vorgänger.

Anspieltipps: Supernova, Drive-In-Movies

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Chet Faker – Built on Glass

Label: Future Classic/PIAS Coop. VÖ: 2014

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Justin Bieber und Nicholas Murphy aka Chet Faker? Wohl nicht allzu viele, aber zumindest doch eine: Beide Musiker starteten dereinst als Internet-Hype. Als Murphy 2011 seine Coverversion von Blackstreets „No Diggity“  online stellte, löste er damit einen echten Hype um seine Person aus. Nach seiner ersten EP „Thinking in Textures“ musste die Welt geschlagene zwei Jahre auf das Debüt-Album des Sängers warten. Das Ausharren hat sich jedoch gelohnt. Perfektes, souliges Downtempo-Electro, ein bisschen R’n’B, House, Singer/Songwriter-Stuff und Pop – das ist die Mixtur, die der Australier in seinem heimischen Studio zusammengerührt hat. Nichts weltbewegend Neues zwar, aber absolut hörenswert.
Fazit: Der bärtige Australier hat den Grundstein für eine vielversprechende Karriere gelegt.
Anspieltipps: Release Your Problems, Cigarettes & Loneliness, Dead Body
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Poliça – Raw Exit (EP)
Label: Memphis Industries VÖ: 2014
Vorsicht, Nachzügler: Poliça haben sozusagen im Nachgang zu ihrem Album „Shulamith“ (2013) die EP „Raw Exit“ in den Startlöchern. Diese umfasst neben der neuen gleichnamigen Single  (erhältlich als Download bei iTunes), die Stücke „Baby Blue“, „Great Regret“ und die Coverversion „You Don’t Own Me“, der ursprünglich von Lesley Gore aus dem Jahr 1963 stammt. Nehmen wir gerne mit, zumal der Sound der Band aus Minneapolis um Sängerin Channy Leaneagh einzigartig ist: R&B, Dub, Jazz und Elektro fügen sich zu einer eindrucksvollen Klangwelt zusammen. Wer das live erleben will, hat in diesem Jahr hierzulande mehrfach die Gelegenheit. Einfach mal auf die Homepage schauen.
Fazit: Umwerfend
Anspieltipps: Raw Exit, You Don’t Own Me
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Mark Chadwick – Moment
Label: On the Fiddle (Rough Trade) VÖ: 2014
Ein Quickie  – so könnte man „Moments“ beschreiben. Denn nur sieben Tage hat Mark Chadwick (The Levellers) gebraucht, um das Ding – sein zweites Solo-Album –  aufzunehmen und abzumischen. Geschrieben hat er die Songs an seinem Küchentisch, hat sie anschließend einmal der Band vorgespielt, ihr einen Testlauf gegönnt – und das Ganze dann direkt eingespielt. Maximal in drei Takes fanden die Songs dann ihren Weg auf den Silberling. Als „honest look on drink, life and love“ bezeichnet der Musiker sein eigenes Rock-Erzeugnis und man möchte ihm beipflichten.
Fazit: Simpel, aber beeindruckend.
Anspieltipps: Red Sky, Moment
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Anastacia – Resurrection
Label: BMG VÖ: 2014
Anastacia ist wieder da. Die Gute hat ja in der Vergangenheit den ein oder anderen gesundheitlichen Rückschlag hinnehmen müssen: Morbus Crohn und Brustkrebs stehen da in ihrer Krankenakte, letzterer machte ihr wiederholt das Leben schwer. „Songs schreiben hilft“, sagt Anastacia über diese dunklen Kapitel. Das Ergebnis dieser schwarzen Stunden nennt sich „Resurrection“ und der Titel passt wie die Faust aufs Auge. Kämpferisch gibt sich die mehr als 30 Millionen Platten verkauft habende Sängerin auf der neuen Platte – der ersten seit fünf Jahren. Und dabei kommt die blonde Power-Frau mit ihrem typischen Anastacia-Sound um die Ecke. Und der ein oder andere Song hat durchaus Hit-Potenzial.
Fazit: Auferstanden.
Anspieltipps: Stupid Little Things, Staring at the Sun
Giana Factory
Giana Factory – Lemon Moon
Label: Questions and Answers VÖ: 2014
Musikalisch haben die Skandinavier ja irgendwie den Bogen raus. Vor allem die Schweden. Die Dänen standen da im Vergleich zu ihren Nachbarn immer etwas zurück, scheinen jetzt aber endlich auch ihren Moment  zu bekommen. Verantwortlich dafür: Giana Factory. Loui Foo (Gesang, Drums), Sofie Johanne (Bass, Synthesizer) und Lisbet Fritze (Gitarre) entstammen der Kopenagener Kunstszene und machen seit 2008 gemeinsam Musik. Ihr Sound? Wunderbarer elektronischer Dream-Pop, getragen von tollen Harmonien und tanzbaren Rythmen. Etwas kontrovers, zumindest bizarr: das Video zu „Lemon Moon“, in dem angeblich Real-Life-Exorzismus zu sehen ist. Kann aber auch nicht davon abhalten, dass die Mucker der Däninnen traumhaft beziehungsweise himmlisch ist.
Fazit: Dänemarks Antwort auf Warpaint.
Anspieltipps: Walking Mirror, 

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Karl Hector And The Malcouns – Unstraight Ahead
Label: Now-Again Records (Rough Trade) VÖ: 2014
Es sind schon ein paar Jahre ins Land gegangen, seit dem letzten Karl-Hector-Release. 2008 veröffentlichte Hector (alias JJ Whitefield alias Jan Weissenfeldt) das afrikanisch beeinflusste „Sahara Swing“ und eroberte sich damit direkt eine treue Fan-Gemeinde, die es daraufhin zu be-touren galt. Aufgrund des harten, Zeit raubenden Schedules ließ der Sahara-Swing-Nachfolger etwas auf sich warten. Jetzt ist es aber endlich soweit: „Unstraight Ahead“ heißt das neue Machwerk, auf dem sich westafrikanische Sounds (Ghana, Mali) mit ostafrikanischen (äthiopischer Jazz) und Krautrock mischen.
Fazit: Interessant.
Anspieltipps: Transition S, Sharpville Massacre
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Noura Mint Seymali – Tzenni
Label: Glitterbeat VÖ: 2014
Tzenni bedeutet auf Hassaniya in etwa so viel wie „kreisen“, „wirbeln“, „sich drehen“. Es bezeichnet eine rotierenden Tanz zur Musik der maurischen Griots, oft unter Khaima-Zelten zum Besten gegeben, die für Straßenfeste in den sandigen Quartieren von Nouakchott aufgespannt werden. Und es ist der Titel des neuen Albums von Noura Mint Seymali, einer Mauretanierin, die einer alten Familie von Griots entsammt. Aufgenommen hat sie das Werk unter anderem in New York City, Dakar und Nouakchott. Mint Seymali öffnet so diese Form der Roots Music der Welt,  wie es auch ihr Vater, der Musikgelehrte Seymali Ould Ahmed Vall bereits getan hat – und macht so die maurische Folk-Musik fit fürs 21. Jahrhundert. Unterstützt wurde sie dabei von ihrem Mann Jeiche Ould Chighaly. Mit ihm fokussierte sie sich auf zwei wesentliche Aspekte: Azawan (Zusammenspiel zwischen Ardine und Tidinit oder Gitarre) sowie Backbeat. Dazu kommen Funk – und Popelemente.
Fazit: Geheimtipp!
Anspieltipps: Eguetmar, Tzenni

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Bonaparte – Bonaparte
Label: Warner VÖ: 2014
Für die Berliner Rocker von Bonaparte könnte es derzeit kaum besser laufen. Eben erst absolvierte die Combo eine Tour durchs Reich der Mitte: 7500 Kilometer quer durch China. Da prallten tatsächlich Welten aufeinander. Eine der wohl abgespacesten Bands der Republik tourt durch die Clubs eines der restriktivsten Länder der Erde. Sie kamen, sahen und siegten und kehrten natürlich auch nicht mit leeren Händen heim. Gedreht haben sie in Shanghai nämlich auch das Video zur Single „Into the Wild“. Und die wiederum ist auf dem neuen Album „Bonaparte“ zu hören, auf dem es die Band richtig krachen lässt. Geiler Garagen-Rock.
Fazit: Spannende Band, energiegeladene Platte.
Anspieltipps: Me So Selfie, Into The Wild

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The Phantom Band – Strange Friend
Label: Chemical Underground VÖ: 2014
„Strange Friend“ ist das nunmehr dritte Album von The Phantom Band. Die Schotten bleiben sich dabei treu und bieten eine Fusion von Indie, Folk und Krautrock an. Die Einflüsse von John Carpenter, Kraftwerk und Neu! sind dabei weiterhin evident. Aber das Ganze klingt diesmal geradliniger, aufgeräumter. „Strange Friend wurde aus dem Wunsch heraus geboren, wieder zu dem Gefühl zurückzukommen, einfach nur eine Gruppe Freunde zu sein, die in einem Raum zusammen Musik macht“, so Sänger Rick Anthony. Zuvor hatte die Band nämlich immer wieder mit internen Reibereien zu kämpfen. Aber wenn’s der Kreativität dient, soll es uns recht sein.
Fazit: Geht ab.
Anspieltipps: Doom Patrol, The Wind That Cries The World
Backkatalog
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Oasis – Definately Maybe
Label: Big Brother Recordings VÖ: 2014 (1994)
„Definately Maybe“ hat Geburstag: Zum 20. Wiegenfest ihres Debütalbums legen die Britpop-Legenden von Oasis ihre ersten drei Alben neu auf. Den Anfang macht logischerweise „Definately Maybe“, jenes Werk, dass mit „Supersonic“, „Shakermaker“, „Live Forever“ und „Cigarettes & Alcohol“ gleich vier Kracher-Singles hatte. Wäre es nach der Plattenfirma gegangen,  wäre damals auch „Slide Away“ ausgekoppelt worden. Noel Gallagher legte aber Widerspruch ein. Ein Album, das den Rock ’n‘ Roll der Neunziger definierte und erahnen ließ, welch steile Karriere die Jungs aus Manchester noch vor sich haben würden. Nur einer hat definitiv keinen Bock auf den Re-Release des Klassikers: Liam Gallagher. Der schimpfte kürzlich wie ein Rohrspatz: „Wie kann man etwas remastern, was bereits gemastert ist?“ Und Recht hat er: Bei der neuen Standard-Version des Albums braucht man schon arg viel Fantasie, um einen Unterschied zur vorherigen Version rauszuhören. Lohnender ist da schon eher die „Special Edition“, die auf drei CDs (oder auf LP) alle B-Seiten der Singles, unveröffentlichte Demos, alternative Mixe und, und, und vereinen. Das „Super Deluxe Boxset“ kommt dazu noch mit allerlei Merchandising-Kram daher. Wir freuen uns schon auf die Re-Issues von „(What’s the Story) Morning Glory“ und „Be Here Now“.
Fazit: Absolute Kaufempfehlung.
Anspieltipps: Supersonic, Live Forever, Cigarettes & Alcohol
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KISS – KISS40
Label: Universal VÖ: 2014
Über das 20-Jährige der Gallagher-Brüder können die Jungs von KISS nur müde lächeln. Die Rock-’n‘-Roll-Legenden sind nämlich bereits doppelt so lange dabei und feiern ihre 40-jährige, illustre Karriere mit einem neuen Best-Of: KISS40. Die Compilation enthält mindestens einen Track aus jedem wichtigen KISS-Album, dazu drei Live-Titel aus der 2000er-Ära. Vertreten sind natürlich die wichtigsten Klassiker: „I Was Made For Loving You“, „Lick It Up“ oder auch „Heaven’s on Fire“. Erstmals offiziell veröffentlicht werden Live-Aufnahmen von „Deuce“ (2004), „Cold Gin“ (2009) und „Crazy Crazy Nights“ (2010) sowie ein Demo von „Reputation“.
Fazit: Ideal für Einsteiger.
Anspieltipps: I Was Made For Loving You, Reputation, Down On Your Knees
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Soundgarden – Superunknown
Label: Universal VÖ: 2014 (1994)
In den Neunziger Jahren war Seattle eine Zeit lang der Nabel der Musikwelt. Neben Nirvana zeichneten dafür auch Soundgarden verantwortlich. Die Grunge-Combo um Chris Cornell veröffentlichte 1994 mit „Superunknown“ ihr viertes Album – eine düstere, geheimnisvolle Platte. Etwas überproduziert obendrein, die Band hatte anfangs Probleme, die Stücke live umzusetzen. Die Songs auf dem Machwerk waren nämlich um einiges experimenteller als die vorherigen Aufnahmen der Gruppe. Einige Songs wiesen orientalische Einflüsse auf, andere wiederum bezogen sich auf die Beatles. Dennoch wurde das Album zu einem Riesenerfolg, in den USA erreichte es sogar Platz eins der Charts. Die mittlerweile wiedervereinigte Band feiert das Jubiläum mit einem Re-Issue und gleich zwei Sondereditionen: Die Deluxe-Edition enthält auf zwei CDs das remasterte Album plus Demos, Probe-Aufnahmen und B-Seiten. Die Super-Deluxe-Ausgabe umfasst sogar fünf CD beziehungsweise Blu-Rays. Dazu gibt’s ein Buch mit Liner Notes.
Fazit: Schmankerl für Fans.
Anspieltipps: Black Hole Sun, Spoonman, Fell on Black Days

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