Neu im Plattenschrank: Mai 2016

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Udo Lindenberg – Stärker als die Zeit

Label: Warner VÖ: 2016

Udo, wohin man schaut. Echo-Auftritt hier, literarische Hommage („Panikherz“ von Benjamin von Stuckrad-Barre) da, TV-Doku dort. Und warum auch nicht, zum 70. Wiegenfest hat sich Lindenberg das ganze Tamtam ja auch irgendwo verdient. Gefeiert wird der Geburtstag unter anderem mit einem neuen Album (seinem 35. !). „Stärker als die Zeit“ heißt das gute Stück und ging, ja wohin wohl, direkt auf Platz eins der Charts. Die 15 Songs hören sich ein bisschen an wie der eigene musikalische Nachruf. Viel Balladen, viel Piano, viel Bilanz. Viel Wehmut. Die Platte ist immer dann sehr gut, wenn sie auf sanfte, zurückhaltende Instrumentierung setzt. Dennoch muss man konstatieren: Das Ganze ist manchmal recht seicht geraten, da wurde doch viel ans Formatradio gedacht. Spaß macht aber einfach immer wieder das Udo-Deutsch, dieser besonders schnoddrige „Gesang“, die Intonation. Der Mann ist ein spezieller Typ Wortakrobat, mit die Grenze zur Banalität oft überschreitenden Texten, die er, und nur er, so vortragen kann, so dass sie berühren und nicht lächerlich klingen. Wer sonst kann Zeilen wie „Ich bin doch eigentlich Atheist/ Du hast mich heilig geküsst/ Du bist die Göttin, die mich aus meinen grünen Socken raushaut/ Göttin sei Dank“ singen, ohne dafür ausgelacht zu werden? Udo kann’s. Der Mann ist weder Dichter noch Sänger, findet aber doch immer wieder den Weg in Ohr und Herz.

Fazit: Chapeau, Udo!

Anspieltipps: Plan B, Mein Body und Ich, Eldorado

 

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Kristin Kontrol – X-Communicate

Label: Sub Pop/Cargo Records VÖ: 2016

Dee Dee beschreitet neue Wege. Die Frontfrau der Dum Dum Girls löst sich von ihrem Künstlernamen und startet als Kristin Kontrol nun nochmal durch. „Ich fühlte mich als Anführerin der Dum Dum Girls sehr stoisch und ernsthaft; und ich bin ernsthaft, aber jeder der mich wirklich kennt weiß, dass ich auch albern sein kann. Ich lache viel,“ sagt Kristin. „Im Laufe der Jahre wurde es so seltsam, dass ich so viel von mir außen vor ließ bei dem was ich kreativ tat.“ Logisch, dass KK solo denn auch anders klingt als zu Band-Zeiten. Der Rockmusik kehrt sie den Rücken und wendet sich Pop und Disco zu: 62 Songs hatte Kristin Welchez (so ihr bürgerlicher Name) für ihr Album „X-Communicate“ geschrieben, oft am Keyboard komponiert, am Ende haben es zehn davon aufs Album gepackt. Produziert wurde das Ganze von Kurt Feldman und Andrew Miller; der langjährige Dum-Dum-Girls-Produzent Richard Gottehrer hat sie „akustisch beraten“. Soundtechnisch ist das Ganze auch eine richtig gute Angelegenheit, Kristin Kontrols Pop klingt spannend, die Melodien sitzen. Bringt Laune. Nur an den Lyrics muss die Gute noch feilen. Hier ist sie leider noch zu oft mit Allgemeinplätzen unterwegs, hat wenig Gehaltvolles zu sagen. Da ist noch Luft nach oben.

Fazit: Gute Ansätze.

Anspieltipps: X-Communicate, (Don’t) Wannabe, Going Thru The Motions

 

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Cyndi Lauper – Detour

Label: Mutzarella VÖ: 2016

Mit Songs wie „Girls Just Wanna Have Fun“, „True Colours“ oder „Time After Time“ hat sich Cyndi Lauper einen Platz an der Sonne der Pop-Geschichte längst verdient. Da könnte sie sich längst entspannt zurücklehnen. Doch auch nach drei Jahrzehnten im Business und mehr als 50 Millionen verkauften Platten hat sich Lauper die Lust auf Neues, aufs Ungewöhnliche bewahrt. Nun hat sich die Gute also mal der Country-Musik gewidmet und diverse Klassiker des Genres neu interpretiert. Das funktioniert überraschend gut, was natürlich auch an Laupers wichtigstem Instrument liegt: ihrer ikonischen Stimme. Das passt einfach wie die Faust aufs Auge. Überhaupt nimmt Lauper auf diesem – in Nashville aufgenommenen – Album die eine oder andere überraschende Abzweigung und macht die ganze Chose damit unheimlich interessant. Schön sind zwar die Gastauftritte (Vince Gill, Emmylou Harris, Willie Nelson und Alison Krauss), am besten ist die Lauper aber solo. Etwa auf dem Patsy-Cline-Cover „I Fall To Pieces“ oder „Misty Blue“.

Fazit: Yee-haw!

Anspieltipps: Walkin‘ After Midnight, I Fall To Pieces, Misty Blue

 

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Beth Orton – Kidsticks

Label: Anti/Indigo VÖ: 2016

Einen Kurswechsel schlägt auch Beth Orton ein. Die Gute kehrt wieder zu ihren Wurzeln zurück. Wenn Musiker das sagen, dann ist das meist so: Sie stecken sich eine Blume ins Haar und entdecken die Akustikgitarre wieder. Bei Beth Orton läuft es aber genau anders herum: Es geht weg vom reinen Singer-Songwritertum, dem sie zuletzt so gefrönt hatte. Offenbar hat sich die Britin an jene Zeiten in den 90er Jahren erinnert, in denen sie mit William Orbit, Red Snapper und den Chemical Brothers kollaboriert hat. Back to Folktronica! Auf „Kidsticks“ klingt Orton nämlich wieder erfrischend experimentell, spannend und geheimnisvoll. Die Musik klingt rastlos. Ein radikales Re-Design, ein Kulturschock. Kurzum: ein mutiger Schritt, der sich ausgezahlt hat.

Fazit: Großartig.

Anspieltipps: Petals, 1973, Dawnstar

 

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Sam Beam & Jesca Hoop – Love Letter For Fire

Label: Sub Pop VÖ: 2016

Er hat es getan, und nicht zum allerersten Mal. Die Rede ist von Sam Beam. Der hat augenscheinlich Geschmack an Kollaborationen gefunden. Nach seiner Zusammenarbeit mit Band-Of-Horses-Frontmann Ben Bridwell hat er sich nun Jesca Hoop ausgeguckt. Die Gute hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Die Eltern waren Mormomen, trennten sich, Jesca ließ Heim und Glaube hinter sich und verdingte sich als Survival-Guide oder als Nanny. Bei letzterem Job lernte sie Tom Waits kennen, der ihr die ersten Schritte ihrer musikalischen Karriere ermöglichte. Bislang hat sie fünf Alben und zwei EPs veröffentlicht, die letztlich Sam Beam (Iron & Wine) auf sie aufmerksam machten. Der suchte nämlich gerade eine Duett-Partnerin für eine wahrhaftige Duett-Platte, in der es im gesanglichen Männlein-Weiblein-Dialog natürlich um die Liebe geht. Und was soll man sagen: Das Ganze funktioniert prächtig, ist manchmal Pop, manchmal Folk oder irgendwas dazwischen. Zauberhaft.

Fazit: Hat was.

Anspieltipps: One Way To Pray, Midas Tongue, Kiss Me Quick

 

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Milow – Modern Heart

Label: Universal VÖ: 2016

Wir bleiben bei Kurswechseln. Scheinen derzeit in Mode zu sein. Auch bei Milow soll jetzt alles anders sein. Fünftes Album, eine neue Ausrichtung. Der belgische Musiker wollte mit „Modern Heart“ alternativen R’n’B und Hip Hop – wie ihn auch Frank Ocean, Drake und The Weeknd offerieren – in seine „Welt mit akustischer Gitarre einfließen lassen“. Dabei hatte Milow vielversprechende Unterstützung an Bord: etwa den Produzenten und Sänger James Fauntleroy (Beyonce, Kendrick Lamar, Justin Timberlake) und den Songwriter Brian Kennedy (Rihanna, Chris Brown). Das hört man dem Album auch an. Milows Sound klingt zeitgemäßer und moderner, der eine oder andere Radio-Erfolg wird sicher auch dabei sein („Howling At The Moon“), inhaltlich ist das Ganze aber doch eher seicht.

Fazit: Wäre besser, er hätte da angeknüpft, wo er vor zwei Jahren aufgehört hatte.

Anspieltipps: Howling At The Moon

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1000 Gram – Grebbestadt (EP)

Label: Fixe Records VÖ: 2016

Deutsch-schwedisch, schwedisch-deutsch? Sei’s drum. 1000 Gram sind ein Quartett, dessen Mitglieder aus Berlin, Stockholm und Göteborg kommen. Der Legende nach wollte die Kapelle bei einem Kurztrip nach Grebbestad, einem Seebad an der schwedischen Westküste, einfach mal den Bimbam baumeln lassen. Aber wie das bei Musikern eben so ist: Ganz ohne geht auch nicht und so sammelte die Band allerlei Ideen, die sie nun auf ihrer neuen EP zusammenführen. Die sechs Songs sind die erste Veröffentlichung seit dem Album „Dances“ (2014) und die Combo – Moritz Lieberkühn, Jacob Öhrvall, Alexander Simm, Volker Wendisch – lässt auf ihr richtig die Sonne strahlen. Beschwingt, locker, lo-fi kommt das Ding daher – und versetzt einen direkt in Urlaubsstimmung. Ihre Wurzeln, die im Hippie-Sound und den Alternative-Klängen der 80er liegen, verraten die vier hier aber keineswegs.

Fazit: Herrlich.

Anspieltipps: Longer Stay

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Long Distance Calling – Trips

Label: Inside Outmusic VÖ: 2016

Nach drei Alben, auf denen Long Distance Calling jeweils einen von einem Gastsänger veredelten Song unter ihre instrumentalen Post-Rock-Perlen gemischt hatten, waren die Münsteraner offenbar auf den Geschmack gekommen und holten mit Martin „Marsen“ Fischer einen festen Sänger an Bord, der die auf dem letzten Album die Hälfte der Tracks einsang. Der Halb-halb-Mischung, was instrumentale und Gesangsnummern angeht, bleibt die Band auch auf dem neuen Album „Trips“ treu. Allerdings hat Fischer die Band bereits wieder verlassen. Er wurde durch Petter Carlsen, den man auf einer gemeinsamen Tour vor einigen Jahren kennen- und schätzen lernte, ersetzt. Die Stimme des Norwegers passt gut zu den neuen Kompositionen, die mit den Post-Rock-Wurzeln nur noch stellenweise etwas zu tun haben. Die ganz großen Gänsehaut-Momente früherer Großtaten stellen sich zwar nicht mehr ein, dafür gibt es stilistisch mehr Abwechslung denn je: vom Miami-Vice-Flair verströmenden „Getaway“ über düstere Alternative-Metal-Nummern wie „Rewind“ bis zum proggig-post-rockigen zwölfeinhalb-Minüter „Flux“. Und ein Händchen für eingängige Melodien hatten Long Distance Calling schon immer. Macht unterm Strich ein klasse Album. (Timo Leszinski)

Fazit: Mutiges und starkes Album, auch wenn es nicht alle Post-Rock-Nostalgiker mögen werden.

Anspieltipps: Getaway, Lines

 

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Kvelertak – Nattesferd

Label: Roadrunner Records VÖ: 2016

Innovationen in der Rock-Musik musste man in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit der Lupe suchen. Das Kvelertak-Debüt aus dem Jahr 2010 bildete da eine rühmliche Ausnahme. Die freche Mischung aus Black-Metal , Punk und Rock’n’Roll hatte man so bis dato jedenfalls noch nicht gehört. Die unbändige Energie des Erstlings, die sofort Lust machte ein paar Hörner Met zu leeren und die eigene Bude zu zerlegen, ist auf dem wieder komplett in norwegischer Sprache eingebrüllten Drittwerk „Nattesferd“ nicht mehr vorhanden, was zunächst mal als kleine Enttäuschung zu verbuchen ist. Stattdessen hat man den Bandsound mit Classic-Rock-Einflüssen angereichert. „1985“ kommt mit Thin-Lizzy-Harmonien um die Ecke und die ersten Takte von „Ondskapens Galakse“ könnten fast von den frühen Manowar stammen, was dann irgendwie auch schon wieder verdammt cool und innovativ ist. Und siehe da: Nach ein paar Durchläufen zünden die Songs immer mehr und offenbaren ihre Qualitäten. So klingt das wohl, wenn eine Band erwachsen wird. (Timo Leszinski)

Fazit: Nicht ganz so genial wie die Vorgänger, wächst aber mit der Zeit.

Anspieltipps: 1985, Nattesferd

 

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Jasmin Tabatabai – Was sagt man zu den Menschen, wenn man traurig ist?

Label: Jadavi VÖ: 2016

Wenn Schauspieler singen, kommt dabei selten etwas Gutes raus. Selten mehr als seichter Pop. Anders ist das bei Jasmin Tabatabai. Die Dame hat sich dem Jazz verschrieben – und bewegt sich in diesem Genre doch gekonnt. „Was sagt man zu Menschen, wenn man traurig ist“ heißt ihr neues Album und der Titel verrät, wohin die Reise hier geht: Es geht doch recht melancholisch zu. Wie schon beim Debütalbum „Eine Frau“ steht ihr auch hier wieder Arrangeur David Klein zur Seite. Zusammen mit Peter Gall (Drums), Matthieu Michel (Trompete), Olaf Polzieh (Piano) und Ingmar Heller (Bass) bastelte der Gute einen entspannten Jazz-Sound, bedient sich dabei Kompositionen von Kurt Weill bis zu den Puhdys. Ein Konzept, das bis auf wenige Ausnahmen („Catch Me“) funktioniert, auch weil Tabatabai stimmlich abliefert. Highlight des Albums ist Weills „Youkali“, das gerade angesichts der Flüchtlingsdebatte wieder an Relevanz gewonnen hat.

Fazit: Kann man sich anhören, auch wenn eigenes Material spannender gewesen wäre.

Anspieltipps: Youkali, Gole Sagam

 

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James McCartney – The Blackberry Train

Label: Maybenot/Kobalt VÖ: 2016

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: James McCartney ist der Sohnemann vom früheren Beatle Paul McCartney. Kinder von solchen Legenden haben es immer schwieriger, sich aus dem Schatten des übermächtigen Elternteils zu lösen. Und so überrascht es auch nicht weiter, wenn James im Waschzettel zu seinem neuen Album mit seiner Abstammung nicht hausieren geht. Konsequenterweise hat sich der Gute denn in Steve Albini (u.a. Nirvana) auch einen Produzenten gewählt, für den Namen Schall und Rauch sind. Bei Albini weiß man, was man bekommt: einen rauen, straighten, schmutzigen Sound. „The Blackberry Train“ ist ein Album geworden, dass mit Alternative Rock und Grunge spielt, sich Anleihen aus Country und Folk nimmt, sich aber auch im psychedelischen anmutenden Rock wohlfühlt. Abwechslungsreich ist das, aber das Songmaterial ist im Großen und Ganzen dann doch recht dünn.

Fazit: Kein Vergleich …

Anspieltipps: Unicorn, Too Hard Straight

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Silly – Wutfänger

Label: Island VÖ: 2016

„Wutfänger“ – der Titel des neuen Silly-Albums ist Programm. Erst kürzlich zog die Kapelle um Anna Loos den Unmut der Fans von RB Leipzig auf sich, als die Band zum Gig bei der Aufstiegssause des Zweitligisten in den Trikots traditionsreicher Ostklubs erschien. PR können sie also. Und was kann das Album? „Wutfänger“ sei „ein Blick auf unsere Welt geworden. Eine Welt voller Liebe und Hoffnung, aber auch eine Welt voller Zweifel und Krieg“, sagt Sängerin Loos, aus deren Feder die Texte zum Großteil stammen. Verbal geschossen wird gegen Neider, Klugschwätzer, Kriegstreiber und Perfektionisten – kurzum: alle, die es verdient haben. Ein intelligentes Album. Eines zum Nachdenken also, wobei die Gedankenspiele von Rock und Pop begleitet werden. Mal ruhig und melancholisch, mal krachend rockend. Und das ganz old school: Das alte Teisco-Keyboard, der Juno60, das Wurlitzer und das Rhodes-Piano wurden zum Beispiel wieder herausgeholt, und wenn man hier einen Flügel hört, dann ist es auch einer.

Fazit: Deutschrock/pop kann so gut sein.

Anspieltipps: Die Anderen, Mona Lisa, Kampflos

 

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Mor Karbasi – Ojos De Novia

Label: Mint VÖ: 2016

Auf zu neuen Ufern heißt es für Mor Karbasi mit ihrem nunmehr dritten Album “Ojos de Novia”. Schon auf dem Vorgänger “La Tsadika” begann die Dame ja bereits zu experimentieren und modernisierte die sefardische Musik. Nun geht Karbasi einen Schritt weiter und bereist musikalisch Nordafrika, widmet sich dabei nun auch der Musik der Berber. Nur noch wenige Songs werden in Ladino gesungen und wenn, dann werden dabei zumindest musikalisch Grenzen überschritten. Mors marokkanische, persische und maurische Abstammung kommt gerade in den Liedern über Liebe und Tragödie, die von ihrem sefardischen Familien-Background geprägt sind, zu Tage. Ihr Umzug nach London sorgt für die musikalische Grenzüberschreitung, unterlegt das Ganze aber mit einer Prise Heimweh. Erwähnenswert überdies: die Gaststars wie Richard Bona, Kai Eckhardt (John McLaughlin Trio) oder die Tomatito Family.

Fazit: Spannend.

Anspieltipps: Hayken Juar, Ojos de Novia

 

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Reinhard Mey – Mr. Lee

Label: Universal VÖ: 2016

Reinhard Mey hütet ein Geheimnis. Die Frage, wer dieser Mr. Lee ist, dieser stille Reisende aus dem Titel-Track, der sich vor den Seelen der Geschundenen im S21, dem Folterkerker, verneigt, den die barfüßigen Kinder in den Slums von Phnom Penh lieben, weil er ihnen ihre Postkarten oder Zigaretten abkauft. Mey verrät es nicht. Was wir wissen: „Mr. Lee“ ist das 27. Studioalbum von Reinhard Mey und erscheint genau 50 Jahre nach seinem Debüt „Ich wollte wie Orpheus singen“. So lange muss man sich erst mal halten. Man muss dem Liedermacher zu Gute halten, dass er nie zum Nostalgie-Act verkommen ist, sondern immer irgendwie irgendwas zu sagen hatte. Das ist auch auf „Mr. Lee“ so, wo wieder mal die Texte im Vordergrund stehen. Meist mehr als vier, aber bis zu sieben Minuten kann eine solche musikalische Erzählung hier schon mal dauern. Da geht es um den Heim-Flüchtling Herr Bölke in „Herr Fellmann, Bonsai und Ich“. In „Heimweh nach Berlin“ besingt der 73-Jährige „Friedrichshain mit seinen idyllischen Partywinkeln, wo dir die Partygänger nachts gern in den Hausflur pinkeln“. Ernster wird es in „So lange schon“, in dem er sich mit dem Tod seines Sohnes (2014) beschäftigt.  Musikalisch umrahmt wird das Ganze meist mit Bass, Gitarre und Keyboards, doch es ist natürlich Meys sanfte Erzähler-Stimme, die einen immer noch einlullen kann und Ohrensessel-Atmosphäre erzeugt.

Fazit: Wehmütiger als sonst, was aber keinesfalls schlecht ist.

Anspieltipps: Mr. Lee, Heimweh nach Berlin, So lange schon

 

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Andy Shauf – The Party

Label: Anti VÖ: 2016

Nein, um eine wilde Sause musikalisch zu untermalen, dafür ist „The Party“ trotz des Titels nicht das richtige Album. Gute Laune verbreitet das Ding nicht wirklich. Der Folkpop des kanadischen Singer-Songwriters Andy Shauf ist eher ruhiger, melancholischer angelegt. Wenn Shauf etwa den Raucher Alexander besingt, der nach seinem Entschluss mit dem Qualmen aufzuhören, nach seiner letzten Schachtel das Zeitliche segnet, dann wird man dazu nicht auf dem Dancefloor abhotten. Es sind solche Geschichten, oft schwarzhumorig, meist tiefsinnig, die Shauf erzählt und mit denen er eine gute Beobachtungsgabe beweist. Seine Figuren wirken dreidimensional. Einen Teil der Platte hat Shauf in Dresden aufgenommen, allerdings lief dieser Prozess nicht so dolle, so dass er den Rest dann doch in Kanada geschrieben und eingespielt hat. Dazu verwendete er zumeist Gitarre, Piano, Klarinette, Streicher und Orgel-Klänge. Klingt nur mittel spektakulär, aber mehr brauchen gute Songs auch nicht.

Fazit: Erinnert etwas an Nick Drake.

Anspieltipps: The Magician

 

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Sycamore Age – Perfect Laughter

Label: Santeria/Woodworm VÖ: 2016

Was wir wissen: Das italienische Rock-Septett mit dem klingenden Namen Sycamore Age – benannt nach einer nordamerikanischen Baumart – existiert seit 2010. Mit „Perfect Laughter“ legt die aus Sesto Fiorentino (Toskana) stammende Kapelle ihr nunmehr  drittes Album vor. Was wir nicht wissen: In welche Schublade wir das Machwerk dieser Artrock-Gruppe stecken sollen. Da macht es uns die Band nicht leicht, sondern mäandert irgendwo zwischen Rock, Pop und experimentellen Sounds und nutzt dafür eine ganze Palette an Instrumenten, darunter auch mal eine Bouzouki oder ein Spielzeug-Keyboard. Kein Wunder, dass Sycamore Age bereits mit jedem verglichen wurden, der mal ein Instrument in die Hand genommen hat.

Fazit: Unberechenbar.

Anspieltipps: Unberechenbar.

 

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Melanie De Biasio – Blackened Cities

Label: PIAS VÖ: 2016

25 Minuten kurz ist das neue Mini-Album von Melanie De Biasio. „Blackened Cities“ ist der Nachfolger des 2014 so gefeierten Albums „No Deal“, mit dem sich die Belgierin als Jazz-Stimme einen Namen machte.  „I don’t think anyone, including me, was expecting a 25-minute piece which wasn’t a successor to No Deal, or anything other than a collection of new songs. I followed what the music told me, like a gut feeling.” Insgesamt ist das Ganze sehr sphärisch geraten. Ein einziges, sphärisches Stück, das langsam beginnt und sich stetig steigert. Mysteriöse Film-noir-Atmosphäre, ein Instrument nach dem anderen steigt langsam ein, die Flöte, der Bass, das sanfte Klavier. Und über allem thront De Biasios wunderbare Stime.

Fazit: Wunderbar.

Anspieltipps: – Gesamtkunstwerk

 

 

LIVE

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Zaz – Sur La Route

Label: Warner VÖ: 2016

Zaz gehört ohne Zweifel zu den erfolgreichsten Chanteusen der Welt. Erfolgreichste französische Musikerin der Gegenwart ist sie obendrein. Die Zahlen sprechen für sich: Ihre ersten drei Studioalben verkauften sich mehr als 3,5 Millionen Mal. Im August 2014 beendete die Künstlerin mit der stets leicht heiseren Stimme eine ausverkaufte Tour, die sie in 93 Konzerten über fünf Kontinente führte. Das Ganze wurde auf CD und DVD/Blu-ray  dokumentiert: „Sur laRoute“ (On the Road) lässt einzigartige Konzert-Momente wieder aufleben, aufgezeichnet beispielsweise in Chile, Brasilien, Kanada oder auch Deutschland. Dazu viel Behind-the-Scene-Stuff. Das Live-Album enthält eine Sammlung von Live-Versionen der größten Zaz-Hits aus den Jahren 2010 bis 2014, darunter natürlich „Je veux“, „La fée“, „Eblouie par la nuit“, „On ira“ und „Si“. Außerdem hält das Album als Bonus einen neuen Studiosong bereit: „Si Jamais J’oublie“ (If ever I forget), produziert von Martin Terefe (Jason Mraz, James Morrisson, KT Tunstall). Die Single „Si Jamais J’oublie“ ist in Frankreich bereits ein Top-5-Erfolg und Zazs größter Radiohit seit „Je Veux“.

Fazit: Gelungene On-the-Road-Werkschau.

Anspieltipps: Si Jamais J’oublie, Je Veux, On Ira

 

SOUNDTRACK

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Adam Green – Aladdin

Label: Revolver VÖ: 2016

Adam Green ist ein Mann der vielen Gesichter. Der Indie-Minimalist war schon Clown, Narr, großer Crooner und Performer ebenso wie netter Spinner und verpeilter Drogenjunkie. Immer aber war Green vor allem eins: hard arbeitender Künstler. Der Mann hat immerhin den Antifolk auf den Weg gebracht (mit den Moldy Peaches), hat sieben Soloalben rausgebracht, an Filmprojekten mitgewirkt, Musik für ein Theaterstücke geschrieben, Kunstausstellungen abgehalten und ja, sogar einen Gedichtband veröffentlicht. Zuletzt brachte Green 2013 ein Duett-Album mit Binki Shapiro in der Tradition von Lee Hazlewood und Nancy Sinatra auf den Markt. Ein Mann der vielen Talente und Neigungen. Auf „Aladdin“, dem Soundtrack zu Greens gleichnamigem Spielfilm (mit Macaulay Culkin!), führt der Gute diese Fäden nun zusammen. Green gibt in diesem futuristischen Märchen selbst den Helden aus 1000 und einer Nacht. Der Protagonist bewegt sich zwischen zwei Polen: einer konsumsüchtigen Frau Mama und einer kapitalismuskritischen Schwester. Auch der Sultan hat’s nicht so mit Aladdin. Immerhin: Nachdem Aladdins Dschinni ein paar Millionen Space-Bucks hergezaubert hat, kann sich Aladdin Green der schönen Prinzessin – die laut Adam aber eher an eine Kardashian erinnert – nähern. Ein etwas kruder Plot, aber eine liebevolle Umsetzung. Die bunte Pappmaché-Welt, die Green in einer Lagerhalle in Brooklyn entstehen ließ, ist schon eindrucksvoll. Parallel dazu entstanden ist der Score des Films, der aber integraler Bestandteil und nicht bloße Hintergrundmucke ist. 19 Tracks, darunter auch Dialogschnipsel, finden sich auf dem knapp 30-minütigen Soundtrack, der von Noah Georgeson produziert wurde. Am Schlagzeug sind Rodrigo Amarante (Little Joy) und Stella Mozgawa (Warpaint), am Bass ist Josiah Steinbrick zu hören. Ein Gesamtkunstwerk, das ab und an auch Erinnerungen an frühere Green-Werke wie „Friends Of Mine“, „Minor Love“ oder „Gemstones“ wachruft.

Fazit: Märchenhaft.

Anspieltipps: Life in a Videogame, Fix My Blues, Me From Far Away, Never Lift A Finger

 

BACKKATALOG

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Grateful Dead – Red Rocks 7/8/78

Label: Rhino VÖ: 2016

In der Live-Geschichte von Grateful Dead (gegründet 1965) – die Live-Alben waren gemeinhin magischer als die Studio-Veröffentlichungen – gilt das Jahr 1978 als eines der besten Jahre der Band. Nun ist ein 3CD-Set auf den Markt gekommen, das das Debüt der Kapelle im legendären Red Rocks Amphitheatre umfasst, eine Show, die von vielen Dead Heads und Tape-Tradern lange gesucht wurde. Es ist die erste offizielle Veröffentlichung, aufgenommen von Betty Cantor-Jackson („Betty board“ recording). Gut, dass es sie gibt, den jetzt kommt jeder in den Genuß zu hören, welch geile Show das damals war. Die Performance der Band ist top notch, der Sound lebendig und klar, die Gitarre schön zu hören, die gut gewählte Setlist voller toller Songs, die Verpackung wertig und einen netten Essay von Dave Lemieux zur Bedeutung des Konzerts gibt’s obendrein (wenn auch leider kein Booklet).

Fazit: Eines der besten Grateful-Dead-Konzerte, hands down.

Anspieltipps: Bertha, Dire Wolf, New Minglewood Blues, Deal, The Other One, Wharf Rat

Pink Floyd – ReReleases auf Vinyl

Gute Nachrichten für alle Pink-Floyd-Fans: Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist der Floyd-Katalog nicht mehr auf Vinyl erhältlich, aber das ändert sich jetzt: Die LPs wurden remastert, und Pink Floyd veröffentlichen zum 3. Juni 2016 das erste Batch mit den vier Alben „The Piper at the Gates of Dawn“, „A Saucerful of Secrets“, dem Soundtrack zum Film „More“ und „Ummagumma“. Wir haben für euch direkt mal reingehört:

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Pink Floyd – The Piper At The Gates of Dawn

Label: Pink Floyd Music VÖ: 1967 (2016)

Für Pink-Floyd-Puristen ist klar: „The Piper at the Gates of Dawn“ ist vielleicht das wichtigste psychedelische Album aller Zeiten. Ja, noch vor den Beatles und ihrem „Sgt. Pepper …“. Weil: Die Platte ist das musikalische Vermächtnis von Syd Barrett, der beinahe das komplette Ding alleine schrieb. Dummerweise drehte der Mann mit zunehmender Popularität am Rad, auch bedingt durch seinen Drogenkonsum, und musste kurz darauf die Band verlassen. Aber der Reihe nach. Erschienen ist das Debütalbum der Band 1967, benannt wurde es nach einem Kapitel des Kinderbuchs „Der Wind in den Weiden“ von Kenneth Grahame. Die Texte des Albums reichen von kindlich-naiven Erzählungen von Vogelscheuchen, Zwergen oder einem Fahrrad bis hin zu futuristischen Visionen des Weltalls. Zwei Stücke entstanden in Koproduktion Barretts mit den anderen drei Bandmitgliedern: „Pow R. Toc H.“ und „Interstellar Overdrive”. „Pow R. Toc H.“ ist bei allem psychedelischen Zinnober nocht relativ eingängig, die Klangcollage „Interstellar Overdrive“ kommt zunächst etwas sperriger daher. Da muss man sich als Hörer reinfuchsen, vor allem zur damaligen Zeit, denn etwas Vergleichbares ist vorher nie auf Platte gepresst worden. An einer Nummer auf der Platte war Syd Barrett überhaupt nicht beteiligt: Für das psychedelische „Take Up Thy Stethoscope And Walk” zeichnete Roger Waters verantwortlich, es war allerdings nicht sein größter Wurf. Ansonsten ist die Platte Barrett, Barrett, Barrett. Zum Klassiker avancierte dabei vor allem  das sphärische „Astronomy Domine”.  Der Rest? Hat meist psychedelische Anklänge, spiegelt aber doch den Pop der 60er Jahre wieder („Lucifer Sam“, „Mathilda Mother“, „Flaming“, „The Gnome“, „The Scarecrow“, „The Bike“). „Chapter 24“ ist hingegen mehr psychedelisch denn poppig.

Fazit: Unerhört ungehört. Pink Floyd reißen hier Mauern ein, auch wenn der Pop hier noch eine größere Rolle spielt. Mit „Interstellar Overdrive“ wurde die Idee des Popsongs völlig neu gedacht.

Anspieltipps: Interstellar Overdrive

 

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Pink Floyd – A Saucerful of Secrets

Label: Pink Floyd Music VÖ: 1968 (2016)

Die zweite Pink-Floyd-Platte läutet direkt eine neue Ära in der Bandgeschichte ein: die Post-Syd-Barrett-Zeit. Der gute Syd war hier schon nicht mehr Teil der Kapelle. Barrett wurde durch David Gilmour ersetzt. Auch musikalisch ist das Ding ein Kurswechsel: Der 60er Pop des Debüts ist hier nun verschwunden. Es wird stattdessen raumgreifender, sphäriger, atmosphärischer. Die Stücke sind ruhiger und fließender als auf dem Erstlingswerk. Von psychedelischen Experimenten lässt man dennoch nicht ganz die Finger, weshalb man die Aufnahme durchaus als Übergangsplatte bezeichnen kann. Herausragend sind hier maximal „Set the controls…“, ein Song, zu dem bestimmt die eine oder andere Tüte durchgezogen wurde, und das albumtitelgebende Stück. Der Rest ist eher durchwachsen und unausgegoren. Barretts „Jugband Blues“ wirkt hier eher wie ein Fremdkörper und hätte viel besser auf „The Piper …“ gepasst.

Fazit: Durchwachsen, aber trotzdem richtungsweisend.

Anspieltipps: Set the controls …, A Saucerful of Secrets

 

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Pink Floyd – More

Label: Pink Floyd Music VÖ: 1969 (2016)

„More“ ist Filmmusik, das Album darf man daher nicht ohne den Film denken, dessen Szenen die in acht Tagen zusammengeschusterte Mucke untermalen soll. „More“ erzählt eine Hippie-Geschichte – und die Musik? Entsprechend weed-getränkt und drogenumnebelt. Hauptsächlich geht es hier akustisch zur Sache, die Melodien sind beinahe hypnotisch. Wabernd. Entrückend.  Vieles ist akustisch, die Percussions sind oft mehr getupft als geschlagen. Drogengeschwängerte Songs mit schönen, hypnotischen Melodien. Allerdings mit schwankender Qualität. „Up the Khyber“, „Crying Song“ und „Cirrus Minor“ sind bombe, andere wiederum doch eher mau („The Nile Song“, „More Blues“) oder sogar schlecht („Green is the colour“, „Ibiza Bar“). Richtig entfalten können sich die Tracks selten, dafür sind sie zu kurz.

Fazit: Funktioniert vor allem in Kombi mit dem – eher mäßigen – Film.

Anspieltipps: Up the Khyber, Crying Song, Cirrus Minor

 

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Pink Floyd – Ummagumma

Label: Pink Floyd Music VÖ: 1969 (2016)

Der Titel des vierten Albums der Band kommt etwas sperrig daher. „Ummagumma“ heißt das gute Stück, der Name war der Legende nach ein Cambridge-Slang-Ausdruck für „Geschlechtsverkehr“. „Ummagumma“ ist ein Doppelalbum, bestehend aus einer Studioplatte, die Solo-Stücke von jedem der vier Musiker umfasst, sowie eine Konzertplatte. Das Live-Machwerk ist gar nicht schlecht geworden, die Band überzeugt hier vor allem in Klassikern wie „Astronomy Domine“, aber auch „Set the controls…“ oder „Careful with that Axe, Eugene“. „Saucerful of Secrets“ klingt live besser als im Studio. Schade nur, dass die Platte mit vier Songs etwas kurz ist. Womit wir schon beim Studioalbum wären. Das ist mit Sicherheit nichts für Johnny Mainstream. Das Teil ist schon sehr experimentell und avantgardistisch geraten. Rick Wrights Komposition „Sysyphus“ besteht aus vier Teilen. Das Ding geht durchaus eingängig, geradezu bombastisch los, es wird georgelt, was das Zeug hält. Kurz darauf geht das Ganze in einen Piano Solo Part über, der immer atonaler wird, ehe wir uns im dritten Part von jedweder Form an Melodie verabschiedet haben. Im vierten Teil wird es wieder ruhiger. Roger Waters kommt uns hier mit einem ruhigen, beinahe folkigen Song um die Ecke. „Grantchester Meadows“ startet mit Vogelgezwitscher, dazwischen gibt’s ein bisschen Gesang, eine akustische Gitarre – und noch mehr Vogelgezwitscher, ehe am Ende einer brummenden Fliege die Lebenslichter ausgeblasen werden. Waters steuert überdies auch „Several Species Of Small Fury Animals Gathered Together In A Cave And Grooving With A Pict” bei – eine einzige Rumwuselei. Das Stück besteht nur aus bearbeiteten Stimmen, Instrumente gibt es nicht. Weird! David Gilmours dreiteiligebis hin zu elektrisch verstärkt reicht. Am Ende mündet es schließlich in eine klassische Songstruktur. „The Grand Vizier’s Garden Party” von Nick Mason ist ebenfalls in dreiteilig. Das Ding geht mit Querflöte los und endet mit ihr, dazwischen gibt es aber ein avantgardistisches Drum-Solo. Das totale Chaos.

Fazit: Insgesamt ein ebenso schönes und aufregendes wie verstörendes Pink-Floy-Werk.

Anspieltipps: Saucerful of Secrets, Grantchester Meadows

 

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