Neu im Plattenschrank: Juli 2016

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Jeff Beck – Loud Hailer

Label: Warner VÖ: 2016

Mehr als 50 Jahre steht Jeff Beck schon auf der Bühne, doch selten klang die Gitarren-Legende so aggressiv und so rockig wie auf seinem neuen Album „Loud Hailer“ (dem ersten übrigens seit nunmehr sechs Jahren). Ein Werk, dass geradezu dazu gemacht wurde, dass man im Stadion die Faust dazu gen Himmel reckt. Da passt der Titel des Longplayers, der auf Deutsch „Megaphon“ bedeutet, doch ganz gut. „Ich wollte meine Meinung zu einigen verrückten Sachen abgeben, die ich in der Welt heute bemerke, und ich fand die Idee, auf einer Kundgebung zu sein und ein Megaphon zu benutzen, um meine Sicht der Dinge hinauszurufen, einfach perfekt“, erzählt der achtfache Grammy-Gewinner, den viele in einem Atemzug mit Größen wie Steve Vai, Jimi Hendrix, Eric Clapton und Joe Satriani nennen. Hilfe bei der Komposition der elf sehr text-orientierten Songs bekam Beck durch zwei wilde junge Musikerinnen aus London: von der Sängerin Rosie Bones und der Gitarristin Carmen Vandenberg. Vandenberg begegnete Beck auf der Geburtstagsparty von Queen-Schlagzeuger Roger Taylor. Auf neun von elf Songs ist Bones als Sängerin zu hören, darunter auf dem Album-Opener „The Revolution Will Be Televised“, der nachdenklichen Ballade „Sacred For The Children“ oder dem funkigen „O.I.L.“. Ihre Stimme passt wie die Faust aufs Auge. Ganz großes Kino. Dazu offeriert der Gitarrenvirtuose zwei typische Beck-Instrumentals, „Pull It“ und „Edna“.

Fazit: Beck gehört auch mit 72 noch nicht zum alten Eisen. Rente

Anspieltipps: The Revolution Will Be Televised, Live in the Dark, Scared for the Children

 

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Jeremy & The Harlequins – Into The Night

Label: Yep Roc/H’art VÖ: 2016

Lederjacken, hübsche Frauen, schnelle Autos. Aufmerksamen Lesern wird nicht entgangen sein, dass wir Jeremy & the Harlequins kürzlich schon in der Rubrik „Video der Woche“ vorgestellt haben. Und womit? Mit Recht. Das titelstiftende Stück des Albums, „Into the Night“, hat es uns einfach angetan. „Into the Night“ ist das zweite Album des New Yorker Quintetts Jeremy & the Harlequins. Ein Album, mit dem die Band das Momentum ihres Debüts „American Dreamer“ mitnehmen will, das mit „Trip Into The Light“ ja sogar einen Song für Tom Cruises „Edge of Tomorrow“ umfasste. Ein Song, dem auch Bruce Springsteens rechte Hand, Steve Van Zandt, öffentlich Beifall klatschte. Nun also „Into the Night“. Jeremy & the Harlequins mischen hier den rockigen Sound der 1950er und 60er und von heute. Es geht um Liebe und Verlust, um Tragödien und Romantik, alles wunderschön in bester Rock’n’Roll-Manier vorgetragen von Sänger Jeremy Fury, Craig Bonich, Patrick Meyer (beide Gitarre), Stevie Fury (Drums) und Bobby Ever (Bass).

Fazit: Macht richtig Spaß.

Anspieltipps: Into the Night, For Angels, Let Her Run

 

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Steven Tyler – We’re all Somebody From Somwhere

Label: Universal VÖ: 2016

Steven Tyler, seines Zeichens Frontmann bei den Rocklegenden von Aerosmith, zählt mit seinen 68 Jahren bereits zu den Dinosauriern der Musik-Branche. Das hält den guten Mann jedoch nicht davon ab, nochmal auf neuen Pfaden zu wandeln. Tyler hat nämlich gerade sein erstes Solo-Album veröffentlicht. Und als wäre das nicht schon Premiere genug, so wandelt er auch genretechnisch gleich auf mehr oder weniger neuem Terrain: Steven Tyler goes Country. Nicht ganz überraschend. Auch Aerosmith nahmen sich ja dann und wann mal Anleihen aus diesem Bereich („Pump“, 1989). „Country ist der neue Rock’n’Roll“, stellte der Hard-Rocker bei seiner Promo-Arbeit denn auch gleich mal fest. Klar, dass die Arbeiten an dem Machwerk daher ganz stilecht in Nashville stattfinden mussten. Hat aber nicht viel geholfen: Das Album startet zwar stark, lässt dann aber ebenso stark nach, verliert sich in seifigem Pop und jeder Menge Country-Klischees. Die ersten drei Nummern und das „Piece of my Heart“-Cover sind aber durchaus in Ordnung.

Fazit: Lohnt sich zumindest wegen der ersten drei Titel.

Anspieltipps: Hold On, Piece Of My Heart

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Blink-182 – California

Label: BMG/Warner VÖ: 2016

Kann man’s fassen? Satte 24 Jahre sind Blink-182 bereits gemeinsam unterwegs. Da kommt man sich doch recht alt vor. Die einstige Garagen-Rock-Band aus San Diego hat mittlerweile rund 50 Millionen Platten verkauft. 2005 trennte sich die Combo, kam wieder zusammen, 2015 stieg dann aber Sänger und Gründungsmitglied Tom DeLonge endgültig aus. Ersetzt wurde er durch Sänger und Gitarrist Matt Skiba (von Alkaline Trio), der im März 2015 beim MusInk Tattoo and Music Festival erstmals mit der Band auftrat. Anfang 2016 ging Skiba dann mit Mark Hoppus und Travis Barker ins Studio. Obwohl die Band in den Monaten vor der ersten Session schon über 30 Songs geschrieben hatte, verwarf sie das alte Material dem Vernehmen nach wieder, nachdem sie die Arbeit mit Produzent John Feldmann aufnahm. Das Resultat dieser Kollaboration liegt nun in Form des siebten Studioalbums der Band vor – und ist ganz vielversprechend. Die personelle Umstrukturierung scheint der Band gut getan zu haben, sie wirkt frischer als in der jüngeren Vergangenheit und auch das gesangliche Wechselspiel zwischen Skiba und Hoppus klappt hervorragend. Nur der eine Hit fehlt dem Album, die Eindrücke bleiben flüchtig.

Fazit: Macht für den Moment Laune, bleibt aber nicht haften.

Anspieltipps: Bored To Death, Home Is Such A Lonely Place

 

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Magic! – Primary Colours

Label: RCA/Sony VÖ: 2016

Wir erinnern uns: 2014 landeten Magic! mit „Rude“ einen Megahit. Und zwar weltweit. Der Song über das Ungemach eines schwiegerväterlichen Eheschließungs-Vetos war mit knapp neun Millionen verkauften Exemplaren die neuntmeistverkaufte Single des Jahres, erreichte Platz eins der UK- und US-amerikanischen Charts sowie den von knapp vierzig weiteren Ländern. Nun meldet sich das kanadische Quartett mit seinem zweiten Album zurück, auf dem es seinem Erfolgskonzept – nach so einer Nummer wenig überraschend – treu zu bleiben versucht: Wieder wird hier Reggae mit Dancehall und seichtem Pop vermengt. Wieder werden hier Frauen nach allen Regeln der Kunst angeschmachtet. Schade nur, dass die Kanadier dabei textlich doch recht dünn und äußerst klischeehaft unterwegs sind. Da hilft dann auch die Unterstützung durch Größen wie Sean Paul, der auf der Single „Lay You Down Easy“ zu hören ist, nicht viel.

Fazit: Recht dünn, auch wenn mit „Lay You Down Easy“ ein potenzieller Sommerhit auf der Scheibe zu finden ist.

Anspieltipps: Lay You Down Easy, No Regrets

 

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In Extremo – Quid Pro Quo

Label: Vertigo Berlin VÖ: 2016

Die Mitbegründer des Mittelalter-Metal-Genres waren zuletzt zunehmend in die bräsige Deutschrock-Ecke abgedriftet. Auf „Quid Pro Quo“ ist die Balance aus mittelalterlichen Klängen und hartem Rock nun wieder deutlich besser gehalten. Klar, das Ganze ist immer noch ziemlich massentauglich und echte Neuerungen im Bandsound sucht man auch vergebens, aber Spaß macht die Scheibe trotzdem: Mit „Störtebecker“ legen In Extremo maritim-eingängig los (den Gedanken an eine Verwandschaft mit den grausligen Santiano verdrängen wir ganz schnell wieder). Überraschend abwechslungsreich geht es weiter: „Roter Stern“, eine Liebeserklärung an Russland, überzeugt mit Blind Guardians Hansi Kürsch als Gast am Mikro, bei „Pikse Palve“ werden die Mittelalter-Roots beschworen und „Lieb Vaterland, magst ruhig sein“ beweist, dass man eine Anti-Krieg-Message auf Deutsch auch ganz ohne Fremdscham-Faktor rüberbringen kann. Letzterer droht sich allenfalls kurz beim albernen Trinklied „Sternhagelvoll“ einzustellen, aber selbst das macht irgendwie Laune. (Timo Leszinski)

Fazit: Wer In Extremo schon abgeschrieben hatte, sollte hier nochmal ein Ohr riskieren.

Anspieltipps: Störtebecker, Lieb Vaterland, magst ruhig sein

 

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Jonah Tolchin – Thousand Mile Night

Label: Yep Roc Records VÖ: 2016

Auf seinem neuen, zehn Titel starken Album „Thousand Mile Night“ gräbt Singer-Songwriter Jonah Tolchin tief nach den Wurzeln des Americana. Was er dann aber im Studio in Muscle Shoals/Alabama auf die Platte gezaubert hat, klingt dann trotzdem ziemlich modern. Dem Vernehmen nach holte sich Tolchin seine Inspiration während seiner ausgiebigen Rumtourerei, badete dabei mental in Frohsinn und Schmerz gleichermaßen. Und so klingt das Ding ziemlich erwachsen. Und das ebenso persönlich wie künstlerisch.

Fazit: Coole Scheibe.

Anspieltipps: Thousand Mile Night

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Run Liberty Run – We Are

Label: Ear Music VÖ: 2016

Schwer in eine Schublade zu stecken: Die Karlsruher Band Run Liberty Run – vormals Rune – gibt sich auf ihrem Debütalbum „We Are“ äußerst vielfältig. Da gibt es Metalsounds („Rain“), Achtziger-Jahre-Klänge („Hold on“) und Balladen („Start a Fire“). Aufgenommen und produziert wurde das Ding in den legendären Chameleon Recording Studios Hamburg, in denen schon Tina Turner und Udo Lindenberg aufgenommen haben. Bei der richtigen Vermarktung kann man dem Teil eine größere Hitdichte prophezeien. Der Gesang ist stimmig, die Rhythmen passen, die Songs eingängig – da sehen wir auch mal gnädig über Street-Credibility-Verlust durch die Teilnahme an „X-Factor“ 2013 hinweg.

Fazit: Eine beeindruckende Visitenkarte, die die Band da abgibt.

Anspieltipps: Bengal Fires, Rain, Hold On

 

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Bear’s Den – Red Earth & Pouring Rain

Label: Caroline VÖ: 2016

Bear’s Den wandeln derzeit auf den Spuren von Marcus Mumford. Das Duo ist im Begriff, ihren Folk-Sound aufzupimpen. Man möchte fetter und moderner klingen. Und so kommen auf dem neuen Album „Red Earth & Pouring Rain“ auch allerlei elektronische Spielereien zum Einsatz. Mehr Synthies, mehr E-Gitarre. „Wir wollten ein großartigen Album für nächtliche Autofahrten machen“, kommentierte Kev Jones, Multiinstrumentalist und neben Sänger Andrew Davie das Herz der Londoner Band. Stichwort Herz: Die Themen sind natürlich die Klassiker: Es geht um Liebe, Herschmerz, Kitsch. Kurzum: Das Ganze ist durchaus radiotauglich. Zu einem Großteil sind die Tracks auch schlicht zu lang, der eine oder andere Titel erreicht hier fast die Fünf-Minuten-Marke.

Fazit: Bear’s Den befreien sich aus ihrem Korsett.

Anspieltipps: Dew On The Vine, Gabriel, Auld Wives

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Einhorn – Galactica

Label: LasVegas Records VÖ: 2016

Zugegeben, der Bandname „Einhorn“ wirkte zunächst etwas abschreckend, und so wäre dieses Album fast ungehört in unserem „Keine Zeit“-Promo-CD-Stapel verschollen. Hätten wir uns kurz vor Redaktionsschluss nicht doch nochmal der Platte zugewendet. Und man muss sagen: Glücklicherweise haben wir das getan. Denn sonst hätten wir wohl nie erfahren, dass Disco-Glam-Funk auf Deutsch gar nicht so abwegig ist, wie es zuerst klingt. Das österreichische Quartett bedient sich einfach in der Musikgeschichte und mischt aus Funk, HipHop, Indie und Electronic einen Gute-Laune-Sound.  Inhaltlich geben sich die vier Nerds aus dem Burgenland laut Waschzettel durchaus eine bewusste Blöße: Mit „Lara Croft“, „Battlestar Galactica“ „Das Lied das sonst keiner kennt“ und „Tuxedo Mask“ dreht es sich bei vielen der Songs um nerdige Themen wie Computerspiele, Comics oder Sciencefiction-Serien. Die Songs sind eingängig, das Ganze wirkt frisch – das passt.

Fazit: Die Ösis haben es derzeit einfach drauf.

Anspieltipps: Das Lied das sonst keiner kennt, Lara Croft

 

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Hotei – Strangers

Label: Universal VÖ: 2016

Hotei? Der Name wird hierzulande eher wenigen Menschen etwas sagen. Dabei ist der Japaner zumindest in seiner Heimat ein absoluter Superstar, hat dort schon rund 40 Millionen Platten verkauft. Der Rest der Welt hat aber wenigstens schon einen Song von ihm gehört: „Battle Without Honor Or Humanity“, den Quentin Tarantino in „Kill Bill“ verwendete. Schön, dass sich dieser Titel auch auf dem internationalen Debütalbum des Musikers wiederfindet, der in Japan seit den Achtziger Jahren eine nationale Ikone ist. Für sein internationales Debüt hat sich der Gute eine Menge namhafter Mitstreiter ins Boot geholt: Der Gitarrist, Komponist, Sänger und Produzent kollaboriert hier unter anderem mit Iggy Pop (für gleich 2 Tracks!), Richard Z. Kruspe von Rammstein/Emigrate, Matt Tuck von Bullet For My Valentine, Noko von den Electro-Pionieren Apollo 440 und der aus Texas stammende Sängerin Shea Seger. Die vielen Legenden – ein schöner Bonus, aber Hotei wäre nicht auf sie angewiesen gewesen. Sein Songwriting und virtuoses Gitarrenspiel hätten auch ohne die großen Namen beeindruckt.

Fazit: Sehr abwechslungsreich.

Anspieltipps: Move it, How the Cookie Crumbles, Battle Without Honor or Humanity

 

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Drowners – On Desire

Label: Frenchkiss Records/The Orchard VÖ: 2016

Auf ihrem zweiten Album verbeugt sich die New Yorker Band Drowners vor dem Indie-Gitarrenrock der letzten drei Jahrzehnte. Auf dem Debütalbum orientierte man sich noch vor allem an Suede und an den Smiths, diesmal scheint die 2005er-Generation Pate für den neuen Longplayer gestanden zu haben. Aufgenommen und gemixt von Claudius Mittendorfer (Interpol, Johnny Marr, Neon Indian), bietet das neue Album auf  Tracks wie „Conversations With Myself“ und „Human Remains“ klingende Gitarren, sich erhebende Melodien und antreibende Rhythmen. Matthew Hitts Stimme hypnotisiert dabei wie eh und je. Alles also genau wie erwartet. Am Ende ist das zwar recht solide, der Hörer wird aber an keiner Stelle überrascht oder herausgefordert. Irgendwann muss sich die Band von ihren Einflüssen doch mal emanzipieren …

Fazit: Routiniertes Handwerk, dem aber irgendwie das Eigene fehlt.

Anspieltipps: Dreams Don’t Count,  Another Go

 

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Garbage – Strange Little Birds

Label: PIAS VÖ: 2016

Garbage sind nun auch mittlerweile in einer Phase ihrer Karriere angelangt, in der das Publikum vor allem die alten Sachen gerne hören möchte, in der es immer schwieriger wird, Neues unters Volk zu bringen, das dann auch haften bleibt. Ginge es nach vielen Fans bräuchte es  „Push it“, „Stupid Girl“ und „Only Happy When It Rains“, dann ist aber auch mal gut. Interessiert die Band zum Glück aber nur so mittel. Nach ihrer langen Pause haut die Gruppe nämlich nun das zweite Album mit neuem Material heraus. Man ist also produktiv und will sich nicht auf alten Lorbeeren ausruhen. Löblich, löblich. Vor allem wenn das dann so klingt wie auf „Strange Little Birds“. Hier versprüht die Band durchaus Spielfreude, obwohl ihr Mix aus Alternative Rock, Electronica und Synthie-Pop reduzierter klingt als zuletzt. Dafür aber auch direkter. Die Platte ist vor allem im Downtempo gehalten, sieht man mal von poppigen Ausreißern wie „Empty“ ab.

Fazit: Runde Angelegenheit.

Anspieltipps: Empty, Teaching Little Fingers To Play

 

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Melvins – Basses Loaded

Label: PIAS VÖ: 2016

Der bloße Fakt alleine, dass die Melvins überhaupt noch existieren, ist eigentlich schon mal einen Applaus wert. Aber gehen wir objektiv an die Sache ran. „Basses Loaded“ – der Name des neuen Melvins-Albums ist auf jeden Fall Programm. Gleich sechs verschiedene Bassisten hat die Band für die Aufnahmen zu diesem Machwerk verpflichtet: Steve McDonald von Redd Kross, Krist Novoselic (ehemals Nirvana), Jeff Pinkus von den Butthole Surfers, Trevor Dunn von Mr. Bungle und Fantomas, Jared Warren von Big Business und Dale Crover. Ein Who is Who des internationalen Bass-Spiels. Kann man mal so machen. Schön, dass jeder dieser Bass-Virtuosen seine ganz persönliche Note einbringt, was die Angelegenheit zu einer abwechslungsreichen macht. Mit der Verpflichtung von Novoselic schließt sich auch irgendwo ein Kreis. Schließlich ist die 1983 gegründete Kapelle dafür berüchtigt, dereinst Kurt Cobain als Gitarristen abgelehnt zu haben …

Fazit: Hörenswert.

Anspieltipps: Maybe I’m Amused, Captain Come Down, War Pussy

 

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Augustines – This is Your Life

Label: Caroline VÖ: 2016

Wir hatten es bei Bear’s Den schon erwähnt: Unter Indie-Folkern ist es en vogue, alte Verkrustungen aufzubrechen. Da machen auch die Augustines keine Ausnahme. Auf ihrem dritten Album unternimmt die Band den Versuch, ihren Sound zu modernisieren. Das klappt zunächst auch ganz gut, der Opener „Are We Alive“ mit seiner E-Gitarre ist noch recht vielversprechend. Danach flaut das Ganze aber dann doch merklich ab, man hat den Eindruck, dass die Band den roten Faden verliert und selbst nicht so recht weiß, was sie denn eigentlich will. Schade. Die Gruppe kann mehr.

Fazit: Besser zu den früheren Werken greifen.

Anspieltipps: Are We Alive, Landmine, This is Your Life

 

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Band of Horses – Why Are You Ok?

Label: Caroline VÖ: 2016

So ein bisschen herrschte im kreativen Bereich bei Band of Horses zuletzt Ebbe. Man war verzweifelt auf der Suche nach Inspiration. Für ihr fünftes Studioalbum holte sich die Gruppe daher mit Jason Lytle von Granddaddy frischen Wind ins Studio. Und obwohl der Gute bis dato als Produzent kaum in Erscheinung getreten war, scheint die Mischung gefruchtet zu haben. Auch Rick Rubin eilte dem Vernehmen nach zur Hilfe. Man igelte sich im kalifornischen Stinson ein und begann zu werkeln und zu tüfteln. Am Ende sind dabei zwölf Songs herausgekommen, die die Band mit Stolz vorzeigen kann. Da ist zwar immer noch viel Indierock und Americana in der Mixtur, aber vor allem die West-Coast-Sound-­Anleihen 1970er Jahre sorgen für einen neuen Glanz in der alten Sound-Hütte.

Fazit: Empfehlenswert.

Anspieltipps: Dull Times/The Moon, Hold On Gimme A Sec, Lying Under Oak, Solemn Oath

 

BACKKATALOG

Simple Minds - New Gold Dream

Simple Minds – New Gold Dream

Label: Charisma Records/Universal VÖ: 2016 (1982)

„Don’t You Forget About Me“ – immer noch einer meiner liebsten Hits, weshalb die Simple Minds immer einen speziellen Platz in meinem musikalischen Herzen haben werden. Als „New Gold Dream  (81-82-83-84)“ 1982 erschien, lag dieser Song aber noch in der Zukunft. „New Gold Dream“ war bereits das fünfte Studioalbum der Schotten und so etwas wie ihre Metamorphose vom Geheimtipp zur Chartband. Verantwortlich dafür waren vor allem die Singles „Promised You A Miracle“ und „Glittering Prize“. Das Album erreichte Platz drei der britischen Albumcharts und hielt sich dort ein ganzes Jahr lang. Die harte Arbeit hatte sich für die 1977 gegründete Kapelle endlich ausgezahlt. Der Longplayer wird nun in mehreren Versionen neu aufgelegt: So gibt es beispielsweise nun eine 5CD/1DVD-Deluxe-Box. Zu finden sind darauf etwa 12”-Remixe und Instrumentalversionen der Singles von diesem Album, von denen einige erstmals hier auf CD erscheinen. Außerdem umfasst die Box die bisher unveröffentlichten BBC John Peel- und Kid Jensen-Radio Sessions, aufgenommen im Februar und August 1982, mit Songs des Albums sowie „Love Song“ und „Sons And Fascination“. Disc fünf besteht aus alternativen Mixen und Demos. Abgerundet wird das Boxset durch eine DVD mit einem 5.1-Mix des Albums von Charlie Burchill und Ronald Prent, der 2005 schon einmal in limitierter Auflage erschien und jetzt ein gesuchtes Sammlerstück ist. Dazu gibt es Promovideos und – zum ersten Mal im Handel erhältlich – Top-Of-The-Pops-Performances von „Promised You A Miracle“ und „Glittering Prize.“ Der wahre Fan darf dann noch in einem 36-seitigen Booklet schmökern, mit umfangreichem Begleittext von dem Journalisten und Radiomann Billy Sloan und neuen Interviews mit Jim Kerr und Charlie Burchill. Das remasterte „New Gold Dream“ kommt aber auch als Download, Standard-CD oder 2CD-Version (mit einer gekürzten Fassung des Begleittextes), Bluray und LP auf den Markt.

Fazit: Ein Muss für Fans.

Anspieltipps: Glittering Prize, Love Song, Promised You A Miracle

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