Neu im Plattenschrank: Juli 2015

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Joss Stone – Water For Your Soul

Label: Stone’d Records/Membran VÖ: 2015

Hip Hop, Reggae – nicht unbedingt Genres, die man zuallererst mit Joss Stone in Verbindung bringt. Und doch ziehen sich Elemente aus diesen Bereichen wie ein roter Faden durch das neue Werk der Soul-Bardin. Ergänzt durch Anleihen aus der Weltmusik und beseeltem R&B. Möglicherweise das Ergebnis der vielen Reisen, die die 28-Jährige in den vergangenen vier Jahren im Rahmen ihrer Welttournee unternommen hat. „Es ist wirklich eine Kombination aus allen Dingen, die ich mag“, erklärt die Britin ihren eklektischen Ansatz. „Ich werde immer diesen ‚bluesy‘ Soul-Sound in meiner Stimme haben. Aber diese Songs zu singen ist neu und aufregend für mich.“ Eine dieser vielen musikalischen Spuren führt sicherlich zu den L.A.-Sessions für das Projekt „Superheavy“ mit Dave Stewart und Mick Jagger zurück. Dort lernte die Gute nämlich Damien Marley, den jüngsten Sohn von Reggae-Legende Bob Marley, kennen. Mit dem Jamaikaner hat Stone die eine oder andere Stunde im Studio drangehangen. „Wo auch immer er hingeht, hat er ein Studio zur Verfügung, einfach um die Freiheit zu haben etwas einzuspielen oder seinen Vibe auszuleben. Es ist wie jeden Tag eine Party zu feiern – mit warmem Guinness und einer sehr großen Menge Gras.“ Marley war es, der Stone das Selbstbewusstsein gab, sich in ihrer alten Liebe Reggae auszuprobieren. Den Status, das zu tun, wozu sie Lust hat, hat Joss mittlerweile. Was auch der Titel „Wake Up“, ein Sacktritt für die Plattenindustrie, unterstreicht.

Fazit: Gut für uns, dass sich Stone ihrem Retro-Soul-Korsett entledigt und frei durchatmet.

Anspieltipps: Stuck On You, Let Me Breathe, Sensimilla, Wake Up

 

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Flo Morrissey – Tomorrow Will Be Beautiful

Label: Glassnote/Caroline VÖ: 2015

Mit ihrem Hippie-Folk-Debütalbum begeistert die junge Flo Morrissey zurzeit die Fachpresse. Ist halt schon ein echtes Ausmahmetalent, die junge Damen aus London. Die ersten Lieder (etwa „Show Me“) für dieses Werk hat die mittlerweile 20-Jährige bereits mit 15 Jahren geschrieben.  Und doch wirkt sie, wenn man sie denn so singen hört, wie eine alte Seele. Eine old soul. Liegt vielleicht an der Musik, die sie in der Kindheit – dank ihres Vaters – konsumierte. Devendra Banhart,  Antony and the Johnsons, Jeff und Tim Buckley, Bob Dylan. Gerade Banhart hört man stellenweise doch ganz gut raus. Was auch an Produzent Noah Georgeson liegen mag, der bei „Tomorrow Will Be Beautiful“ die Finger im Spiel hatte und zu dessen Klientel der gute Devendra gehört. Traumverhangen, schwärmerisch, betörend kommt Morrissey in ihren zehn Tracks daher.  Zehn Tracks, die binnen zweieinhalb Monaten in Los Angeles aufgenommen wurden – in einer Stadt, die sie zugleich als „aufregend“ und „verlassen“ empfand. Die Songs hatte sie unter derart persönlichen Umständen geschrieben, dass sie jegliche Angebote für Co-Writing ablehnte. „Ich wollte, dass es eine sehr persönliche und ehrliche Sache wird“. Naheliegend, dass es zu Beginn eine etwas beklemmende Angelegenheit war, die Songs im Studio zunächst einmal in ihrer ursprünglichsten Fassung vorzutragen. Doch Georgeson half ihr dabei, die Songs auf eine neue Art und Weise von außen zu betrachten und verschiedene Arrangements zu entwickeln, die Harmonium, Piano und Harfe mit einbezogen. Hat sich gelohnt, die Frickelei fernab der Heimat.

Fazit: Längst kein Geheimtipp mehr.

Anspieltipps: Show Me, Pages of Gold

 

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Samantha Crain – Under Branch & Thorn & Tree

Label: Full Time Hobby/Rough Trade VÖ: 2015

Samantha Crain legt nach. Nach ihrem überaus erfolgreichen 2013er-Album „Kid Face“ kommt die Crain nun mit einem neuen – dem mittlerweile vierten – Machwerk um die Ecke. „Under Branch & Thorn & Tree“ heißt das Teil sperrigerweise. Überhaupt nicht sperrig ist hingegen das, was uns die amerikanische Singer-Songwriterin da inhaltlich offeriert. Wieder mutet das Album sehr intim an, wieder steht die warme, rauchige Stimme Samanthas im Vordergrund. Dazu: sanft gezupfte Akustikgitarren. Textlich fängt sie vor allem Alltäglichkeiten im Leben von Frauen der amerikanischen Arbeiterklasse ein. Americana-Geschichten. Protest-Songs. Und das in ihrer gewohnt düsteren Art und Weise, aber mit wunderschönen Melodien.

Fazit: Einfache Schönheit.

Anspieltipps: Big Rock, Kathleen, Elk City, When You Come Back

 

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MS MR – How Does It Feel

Label: Columbia VÖ: 2015

Als Lizzy Plapinger und Max Hershenow 2014 nach New York zurückkehrten, um die Arbeit am zweiten MS MR-Album zu beginnen, waren gerade mal drei Jahre seit ihrer ersten Begegnung vergangen. Damals hatten sich die beiden am College kennengelernt und an Max‘ Laptop mit musikalischen Fragmenten eine Popwelt erschaffen, die sie in Form ihres Debütalbums „Secondhand Rapture“ unters Volk brachten. Mehr als 30 Millionen mal wurde das Teil gestreamt. Viel ist seither auf das Duo eingeströmt. Sehr viel. Und so sehnten sich die beiden ein wenig zur Atmosphäre ihrer Anfagstage zurück, als sie sich an die Arbeit zum neuen Longplayer „How Does It Feel“ machten. Gut, ein paar mehr Dollars als die 500 Piepen, die sie in „Secondhand Rapture“ investierten, wird das neue Machwerk schon gekostet haben. Dennoch war die Arbeit an dem neuen Silberling dem Vernehmen nach recht old school: Lizzy und Max mieteten sich ein Zimmer in Bushwick und holten MS MR-Drummer Zach Nicita als Co-Produzenten dazu. Drei Monate lang arbeiteten sie wie in ihren early days:  den ganzen Tag, die ganze Nacht, ohne Toningenieur, ohne outside interference und ohne besonderes Zusatz-Equipment. Und genau wie früher kleidete Max Lizzys Gesangskabine mit schweren Laken aus, die er an die Wände drapierte. Mit dem Album wollte sich die Band erden. Herausgekommen ist ein glamouröses Werk, das den Disco-Sound wieder auferleben lässt. Poppig zwar, aber stellenweise tiefsinnig: Es geht um romantische Stürme, das Gefühl des Verlorenseins und existenzielle Krisen.

Fazit: Disco Fever!

Anspieltipps: Painted, Wrong Victory, No Guilt in Pleasure

 

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Janosch Moldau – Minor

Label: Motor Entertainment/Edel VÖ: 2015

Mit seiner melancholischen Mischung aus Dark Wave, Synthiepop und Electroclash hat sich der Ulmer Janosch Moldau in den vergangenen zehn Jahren eine treue Fangemeinde erarbeitet. Sein nunmehr viertes Album, „Minor“, ging der Musiker, der uns übrigens schon bei „My Soundtrack“ Rede und Antwort stand, dennoch anders an. Er holte sich erstmals externe Hilfe mit ins Boot: unter anderem vom Wiener Elektro-Urgestein Gerhard Potuznik. Hat sich offenbar gelohnt, „Minor“ ist die beste Arbeit, die Janosch bisher abgeliefert hat. Erinnert ab und an etwas an Depeche Mode, kopiert aber nicht, sondern bewahrt sich eine ureigene Identität. Melodisch kräftig, textlich für dieses Genre überdurchschnittlich, melancholisch, aber nicht weinerlich.  Ein gelungener Drahtseilakt.

Fazit: Raffiniert.

Anspieltipps: Minor, State of Hurt

 

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Florence + The Machine – How Big, How Blue, How Beautiful

Label: Island/Universal VÖ: 2015

Schluss mit dem Eskapismus: Auf ihrem neuen Album kehrt Florence Welch von der Transzendenz ab und wendet sich der Realität zu. „Es handelt davon, die Welt, in der wir leben, lieben zu lernen, anstatt vor ihr zu fliehen“, erklärt Welch diesen Sinneswandel, der sich auch in ihrer Bühnenperformance widerspiegelt. Die Elfe gibt sie hier nur noch selten. All das mag Resultat ihrer vierjährigen Pause sein. Vier Jahre, in denen sie loszog. Lebte. Liebte. Was man eben so macht, wenn man seit seinem 21. Lebensjahr Popstar ist und Nachholbedarf hat. Und so geht es auf dem neuen Werk diesmal ganz klassisch um das Leben, das Lieben, Beziehungen, Verwirrungen. Verpackt in Bombast-Pop. Ein bisschen Fleetwood Mac, ein bischen Laurel Canyon klingen da durch. Die Amerikanisierung der Florence Welch. Hardlinern mag das zu beliebig, zu gefällig sein. Der Mainstream wird es lieben.

Fazit: Immer noch eine Göttin.

Anspieltipps: Ships to Wreck, St. Jude, Third Eye

 

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Kid Astray – Home Before The Dark

Label: Cosmos Music/Membran VÖ: 2015

Ein italienisches Vogue-Model, ein Ex-Golf-Champion, eine Klaviervirtuosin – sie alle sind Teil der sechsköpfigen norwegischen Indie-Pop-Band Kid Astray. Die musikalischen Einflüsse der 2010 gegründeten Combo reichen von M83 und Phoenix bis hin zu The Wombats zurück. Heute  erscheint hierzulande ihr Debüt-Album „Home Before The Dark“. Geboten wird vor allem Pop: eingängige Melodien und Hooks, indie-gefärbte Dance-Tunes. Dann und wann wirkt das Ganze repetitiv, aber insgesamt doch überzeugend. Stark für dieses Genre: die Lyrics.

Fazit: Macht gute Laune.

Anspieltipps: The Mess, Still Chasing Nothing, Not A Kid Anymore

 

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\\GT// – Beats Misplaced

Label: Communicating Vessels VÖ: 2015

Scotty Lee, Byron Sonnier und Mark Beasley kommen aus Birmingham/Alabama und haben sich mit ihrem psychedelischen Sound in ihrer Heimat bereits eine große Fangemeinde erspielt. Auf „Beats Misplaced“ laden \\GT// den Hörer dazu ein, die Merkwürdigkeit des amerikanischen Südens wahrzunehmen. Da mischt sich Blues mit Noise Rock und der Boogie pulsiert unter tosender Verzerrung. Produziert von \\GT// und Taylor Hollingsworth, dem ein oder anderen bekannt als Gitarrist und Komponist für Conor Oberst, gemischt von Lynn Bridges (Devendra Banhart) und zu guter Letzt gemastert von Paul Logus (Anthrax, Public Enemy, NiN, Clutch), ist das Ding mit acht Songs etwas knapp gehalten. Aber immerhin fordert es einen so schnell zum erneuten Hören auf.

Fazit: Messy rock at its best.

Anspieltipps: Growing Together, Something Wrong With My Mind, Real Good Sex

 

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The Acorn – Vieux Loup

Label: Paper Bag Records VÖ: 2015

Fünf Jahre ist es her, da jubelten die Kritiker Rolf Klausners Bandprojekt The Acorn mit Freudentränen in den Augen zu. Next big thing, next big thing. Das 2010er-Album „No Ghost“? Vielversprechend. Sogar einen Track auf dem Soundtrack zum Film „Crazy Stupid Love“ mit Steve Carell konnte platziert werden. Dann wurde es erstmal still um The Acorn. „I wasn’t ready to commit to anything, musically or otherwise. I’d lost perspective of the project’s place in my life, and felt saddled to a horse I didn’t recognize, or even know how to ride“, erzählte er mal in einem Interview. Die Pause hat ihm offenbar gut getan. Mit „Vieux Loup“ wagt der Kanadier nun ein Comeback. Offenbar hat er in der Zwischenzeit etwas am Sound gefeilt. Minimalistischer ist das Ganze geworden. In acht Titeln wird Indie-Folk kredenzt, zum Teil gar akustischer Electro.

Fazit: Interessanter, hörenswerter Ansatz.

Anspieltipps: Cumin, Dominion, Influence

 

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The Church – Further/Deeper

Label: Unorthodox Records VÖ: 2015

Besser spät als nie: Musikfans aus Down Under oder den USA können schon seit Oktober 2014 dem neuen The-Church-Marchwerk lauschen. Unsereiner musste ein paar Montage länger auf die neue Scheibe der Rocker warten. Als ob die Wartezeit seit dem letzten Album (2009!!) nicht eh schon lang genug gewesen wäre. Ist aber auch irgendwie symptomatisch. The Church und die Musikindustrie, das ist seit jeher eine Hassliebe. Immer wieder pleite, immer wieder ohne Label-Vertrag, Konzerte als Lebensversicherung, Personalprobleme, Drogenkonsum – es war nie ein Zuckerschlecken für das Quartett aus Sydney, das aber trotzdem nie aufsteckte. Auch nicht, als kürzlich mit Marty Willson-Piper wieder mal ein Gründungsmitglied die Segel strich. Denn: Ersatzmann Ian Haug (Ex-Powderfinger) schlug ein und sorgte gleich dafür, dass sich der Sound der Band von schlurfend zu dynamisch verwandelt hat. Die Texte? Der Rolling Stone schreibt: „Geschichten, als hätte Kafka mit einem Aborigine in einer Hütte gesessen und über Traum und Wirklichkeit geredet.“ Nuff said.

Fazit: Welcome back! Please stay this time.

Anspieltipps: Vanishing Man, Miami

 

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Dfalt – Dfalt

Label: Grand Palais VÖ: 2015

Dfalt ist das, was man gemeinhin einen echten Tausendsassa nennt: Produzent, Mit-Initiator eines Mode-Labels, bislang vor allem unter dem Moniker Cassettes Won’t Listen aktiv, Marketing-Boss einer HipHop-Plattenfirma und, und, und. Kürzlich hat der gute Mann, der bürgerlich Jason Drake heißt, sein selbstbetiteltes Debütalbum vorgelegt. Das besticht durch einen Downtempo Hip-Hop-Vibe, groovige Beats und dubby Bässe. Klingt nach Los Angeles, jedoch nicht nach Sonne und Strand, sondern an dunkle L.A.-Nächte, in denen man nach durchzechter Nacht gedankenverloren durch die düsteren Straßen vagabundiert. Löst ein irgendwie behagliches Unwohlsein aus.

Fazit: Düster, aber chillig.

Anspieltipps: A Few Began To Smoke, Sunrise Soldier, Bath Tub

 

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Mumford & Sons – Wilder Mind

Label: Universal VÖ: 2015

Sich neu erfinden. Weiter entwicklen. Für eine Band, die mega-erfolgreich ist, ist genau das wohl die größte Herausforderung. Und so muss man es den Jungs von Mumford & Sons hoch anrechnen, das sie genau das wenigstens versucht haben – challenge accepted, würde Barney Stinson wohl sagen. Das Resultat ist ein radikaler Wandel, eine völlige Abkehr vom Stil der ersten beiden so erfolgreichen Alben. Der Folk, er ist verschwunden auf dem neuen Machwerk „Wilder Mind“. Rockiger klingen sie nun, ohne aber wirklich rockig zu sein. Rock, wie ihn auch die Kings of Leon, Rea Garvey oder Coldplay verstehen. Not very badass like. So richtig im Ohr bleibt kein Song. Und die Texte? Klischeehaft. Schade.

Fazit: Besser wieder zurück zum Folk, Jungs.

Anspieltipps: The Wolf, Just Smoke

 

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Zhala – TBC

Label: Konichiwa/Caroline VÖ: 2015

Eine Mischung aus Rhythmus und Instrumentierung, die ihre kurdische Herkunft widerspiegelt, und skandinavischem Pop, wie man ihn von Tove Lo oder Niki and the Dove kennt – das ist es, was uns die schwedische Musikerin Zhala auf ihrem Debütalbum kredenzt. Ein Song, auf dem dieses Konzept vielleicht am exemplarischsten offenbar wird, ist „Prince in the Jungle“: Bubble Gum Pop trifft auf Tradition. Ein interessanter Ansatz. Auf dem Dancefloor sind wir eben alle gleich. Fun fact: Zhala ist der einzige Signee auf Robyns eigenem Label Konichiwa. Neben Robyn selbst, versteht sich. Und so verwundert es nicht, dass Zhala dann und wann klingt, als hätte man eine Robyn-Single geremixt. Schwedens nächstes großes Ding? Wahrscheinlich.

Fazit: Spannend, weil oft unvorhersehbar.

Anspieltipps: Prophet, Prince in the Jungle, Aerobic Lambada

 

BACKKATALOG

 

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Roger Waters – Amused to Death

Label: Columbia/Legacy VÖ: 2015 (1992)

Mit seinem denkwürdigen Album „Amused to Death“ prangerte Roger Waters 1992 das Mediennutzungsverhalten jener Tage an, weil er den Eindruck hatte, dass die Menschen mehr und mehr zu Sklaven ihrer Fernsehgeräte geworden wurden, ohne sich darüber bewusst zu sein. “Die Kritik, die ich vor [über] 20 Jahren mit meinem Album äußerte, hat heute leider immer noch Gültigkeit. Wahrscheinlich ist es 2015 sogar noch wichtiger, sich die Probleme zu vergegenwärtigen als damals im Jahr 1992,“ sagt Roger Waters über die Thematik des Albums, das nun remastered neu aufgelegt wurde. Das Fernsehen ist dank Laptop, Tablet und Smartphone nur noch eine von unzähligen Möglichkeiten, sich von der Realität abzulenken. Und während wir gebannt auf die Displays unserer Geräte starren, verschwinden die Probleme der Welt oft genug aus unserem Blickfeld. Die 2015er Edition von „Amused to Death“ wird unter anderem als Blu-ray-Audio im 5.1 Surround Mix und als neuer Stereomix erscheinen, remastered vom langjährigen Roger Waters/Pink Floyd Mitstreiter und Co-Produzenten James Guthrie.  Dem Produzentenduo Roger Waters und Patrick Leonard gelang es, für „Amused to Death“ Ausnahmekünstler anzuheuern. So drückt Gitarrist Jeff Beck acht Songs seinen Stempel auf und auch die Gäste am Gesangsmikro können sich sehen lassen: Don Henley ist auf „It’s a Miracle”, Rita Coolidge auf „Amused to Death” und Soulsängerin P.P. Arnold auf Part I und Part II von „Perfect Sense” zu hören.

Fazit: Visonär und provokativ. Ein paar Bonus-Tracks wären toll gewesen.

Anspieltipps: Late Home Tonight
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The Rolling Stones – Sticky Fingers

Label: Universal Music VÖ: 2015 (1971)

„Sticky Fingers“ ist eines der wichtigsten Alben aus dem Katalog der Rolling Stones und zu einer Zeit erschienen, als der Gruppe offenbar alles gelang. Auf ihm finden sich allerlei zeitlose Tracks wie „Brown Sugar“, „Wild Horses“,  „Bitch“,  „Sister Morphine“ und „Dead Flowers“. Nun wurde dieses musikhistorische Dokument von Universal Music neu aufgelegt. Und das gleich in verschiedenen Formaten: 2CD Deluxe Ed., 2CD+DVD Limited Deluxe Ed., Super Deluxe Edition (3CD + DVD & Buch), 2LP 180gr. Fans werden sich dabei vor allem auf das umfangreiche, bisher nicht erhältliche Material der Deluxe und Super-Deluxe-Versionen freuen. Darunter ist beispielsweise eine alternative Version des Nummer-1-Hits „Brown Sugar“ mit Eric Clapton (das Glanzlicht der Re-Release), unveröffentlichte Interpretationen von „Bitch“, „Can’t You Hear Me Knocking“ und „Dead Flowers“, eine Akustikversion des hymnischen „Wild Horses“ und fünf 1971 live im Roundhouse aufgenommene Tracks; darunter auch „Honky Tonk Women“ und „Midnight Rambler“. Die Super Deluxe Edition enthält auch ‘Get Yer Leeds Lungs Out!’ – den 13-Track Audiomitschnitt des Stones-Gigs in Leeds im März 1971, kurz bevor sie nach Frankreich auswanderten. Da haben sie also nochmal tief in den längst leergefegt geglaubten Archiven gegraben. Fun fact: Mit dem integrierten Reißverschluss gehörte das Artwork von Andy Warhol zu den innovativsten der Rockgeschichte. Es wird in der neuen Super Deluxe Edition und der Doppel-Vinyl Deluxe Edition nachgebildet.

Fazit: Gehört in jeden Plattenschrank.

Anspieltipps: Wild Horses, Brown Sugar (mit Eric Clapton)

 

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Roxette – The Roxbox!

Label: Warner VÖ: 2015

Ihr 20-jähriges Bestehen feierten Roxette 2006, wie es sich gehört: mit einem Boxset. Eine Werkschau, die die größten Hits des schwedischen Duos umfasste, aber auch allerlei unveröffentlichte Songs, B-Sides und Demos. Machte sich gut im Schrank. Ein paar Montage sind seither vergangenen, Roxette haben seither mehrfach getourt und Alben veröffentlicht. Und weil die Roxbox damit plötzlich nicht mehr aktuell war, hat sich das Label nun entschlossen, das Set in einer geupdateten Form wieder neue aufzulegen. Wer braucht’s? Roxette-Gutfinder, die das erste Set nicht hatten. Wer’s nicht braucht? Roxette-Gutfinder, die das erste Set bereits haben. Außer ein paar Songs aus den neuen Alben hat man nämlich nichts dazu gepackt. Jaaa, gut. Ein neues Coverfoto. Aber: keine neuen Demos, keine neuen Unveröffentlichten. Dafür fallen sogar ein paar Tracks weg – und die DVD aus dem ersten Set ebenso. Schade.

Fazit: Das erste Set besser behalten.

Anspieltipps: The Look, Cry, Joyride, Spending My Time, It Must Have Been Love, ….

 

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Tina Turner – Private Dancer

Label: Warner VÖ: 2015

Es war ein Comeback mit Ansage: Mit ihrem fünften Soloalbum „Private Dancer“ erfand sich Soul-Röhre Tina Turner 1984 völlig neu und stilisierte sich als Powerfrau. Das Produzententeam um Rupert Hine und Terry Britten leistete ganze Arbeit und verpasste Turner einen satten, modernen Sound. Mark Knopfler steuerte aus seinem privaten Fundus „Private Dancer“ bei, Ann Peebles‘ „I Can’t Stand The Rain“ und Al Greens „Let’s Stay Together“ wurden in die Achtziger Jahre übersetzt. Ein Album, das Turners Rettung, Turners Überlebenswillen feiert, nachdem sie an der Seite von Ike jahrelang durch die Hölle ging. Ein Album, das auch die Abwendung vom Soul hin zum Pop-Rock markiert, den Turner für den Rest des Jahrzehnts dominieren sollte. Warner legt das Album nun neu auf, ein Jahr zu spät zwar, um den 30. Geburtstag, dafür aber mit ein paar ganz netten Extras: „It’s only Love“ mit Bryan Adams oder „Tonight“ mit David Bowie. Nur die Extended-Versions hätte es nicht unbedingt gebraucht.

Fazit: Ein Muss.

Anspieltipps: What’s Love Got To Do With It, I Can’t Stand The Rain, Private Dancer

 

 

 

 

 

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