Neu im Plattenschrank: Februar 2015

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Nneka – My Fairy Tales

Label: Bushqueen Music VÖ: 2015

Als 2005 Nnekas Erstling erschien, hätte die Begeisterung um die 1981 in Nigeria geborene Sängerin nicht größer sein können. Nneka sei Lauryn Hills würdige Nachfolgerin, hieß es, und „Victim of Truth“ mindestens ebenso gut wie „The Miseducation of Lauryn Hill“. Lorbeeren, mit denen man erst mal umgehen muss. Nneka hat das geschafft und drei Jahre später mit „Heartbeat“ einen würdigen Nachfolger hingelegt, der sie auch international bekannt machte. Bekannter als in Deutschland wohlgemerkt. Auch „Soul is Heavy“ wurde ein Kritiker-Liebling. Mit „My Fairy Tales“ erscheint nun Nnekas fünfter, aber erster Independent-Longplayer. Es ist ein Konzeptalbum geworden, das sich mit dem Leben von Afrikanern in der Diaspora und ihren Problemen beschäftigt und sich dabei sowohl den positiven Seiten des Verliebens und dem Verantwortungsbewusstsein gegenüber Kindern, als auch der Bedeutung von Kultur, Bildung und identitätsstiftenden Werten widmet. Thematisch schwere Kost zum Teil also, wie man es von Nneka gewohnt ist. Die nötige Leichtigkeit schafft die Musik, die vor allem auf Roots Music und Afrobeat fußt.

Fazit: Ihr bisher stärkstes und experimentellstes Album.

Anspieltipps: My Love, my Love; Book of Job

 

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John Carpenter – Lost Themes

Label: Sacred Bones/Cargo Records VÖ: 2015

Es ist selten zu früh und niemals zu spät: John Carpenter werden die meisten vor allem als Regisseur und Filmemacher kennen. Immerhin zeichnet der Mann verantwortlich für Klassiker wie „Halloween“ oder „Die Klapperschlange“. Viele seiner Streifen sind Kultklassiker geworden. Jetzt, mit 67 Jahren, veröffentlicht der Gute mit „Lost Themes“ sein Debütalbum. Klar, ganz neu ist das Fach „Musik“ für Carpenter nicht, mischte er doch immer wieder als Komponist bei den Soundtracks seiner Horrorfilme mit. Nun hat Carpenter sozusagen einen Soundtrack ohne Film geschaffen. „Ich hoffe, dass dieser Soundtrack Leute dazu inspiriert, Filme zu drehen, die mit dieser Musik abgerundet werden könnten“, sagt der US-Amerikaner. Im Zweifel wären das natürlich vor allem, logisch, Horrorfilme. Kalt, bedrohlich, etwas 80’s-lastig und gespenstisch wirken die Instrumental-Tracks und lassen Bilder vor den Augen des Zuhörers entstehen. Unheimlich. Unheimlich gut.

Fazit: Den Film zu den Tönen will man sehen. Ist jedoch keine Playlist, der man nachts beim Schlendern durch dunkle Gassen lauschen möchte.

Anspieltipps: Vortex, Fallen

 

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Blind Guardian – Beyond The Red Mirror

Label: Nuclear Blast (Warner) VÖ: 2015

Es soll Leute geben, die Blind Guardian vorschnell in die „Peinlicher Metal für pubertierende D&D-Rollenspieler“-Schublade stecken. Doch damit würde man die Krefelder sträflichst unterbewerten – insbesondere vor dem Hintergrund der Entwicklung, die die Band seit ihrer Gründung vor drei Jahrzehnten genommen hat und deren vorläufiger Höhepunkt „Beyond The Red Mirror“ darstellt. Zwar bildet der Speed-/Power-Metal, der die Gruppe groß gemacht hat, noch immer die Basis des unverwechselbaren Band-Sounds, doch mittlerweile basteln Blind Guardian daraus progressive Epen, die durchaus einige Durchläufe benötigen, dann aber umso heftiger zünden und immer wieder neue Details offenbaren. Wie bereits beim Vorgängeralbum „At The Edge Of Time“ wird mit Orchester und Chören gearbeitet, was Blind Guardian besser gelingt als 99 Prozent der Konkurrenz, da die klassischen Instrumente den Songs tatsächlich mehr Tiefe verleihen und nicht nur billiger Bombast-Boost sind. (Timo Leszinski)

Fazit: Mehr als guilty pleasure.

Anspieltipps: The Throne, At The Edge Of Time

 

 

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Champs – Vamala

Label: PIAS VÖ: 2015

Gerade mal ein Jahr ist es her, dass Champs „Down like Gold“ veröffentlichten. Nun legen die Gebrüder Champion, Michael und David, mit „Vamala“ ihren zweiten Longplayer nach. Fleißig, fleißig.  Der Grund? Ein ökonomischer, da sind die Brüder ehrlich. „Die Aufmerksamkeitsspanne der Leute, Platten zu kaufen, ist heute niedriger als früher. Es gibt so viel neue Musik da draußen, daher wollten wir schnell nachlegen. Aber natürlich nur, wenn wir das entsprechende Material haben“, verrät Michael. 12 Tracks haben die Brüder offenbar zusammengekratzt – Acoustic Folk, 70s Piano Balladen, verbunden mit elektronischen Elementen – und einen würdigen Nachfolger für „Down like Gold“ geschaffen. Die Up-Tempo-Songs knallen mehr, die Ballade sind einfühlsamer, der Sound fetter. Insgesamt poppiger, ohne dabei weniger melancholisch zu sein. Ob’s am Location-Wechsel liegt? „Vamala“ haben die Champs in London aufgenommen und nicht auf der Isle of Wight.

Fazit: Die Champs sind auf dem richtigen Weg.

Anspieltipps: Vamala, Desire

 

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Baltic Sea Child – Baltic Sea Child

Label: SPV Recordings VÖ: 2014

Moment … Sag mal … Ist das nicht? Ja, er ist es. Ex-Fury-in-the-Slaughterhouse-Sänger Kai Wingenfelder! Eigentlich wollte der Gute ja ein Solo-Akustik-Album machen. Daraus wurde aber nix. Stattdessen tat sich der former Fury-Frontmann mit seinm Kumpel Lars Jensen (Tears for Beers) zusammen – und nahm in klassicher Besetzung – unterstützt von weiteren Tears-for-Beers-Musikern – ein Irish-Folk-Album auf. Das klingt nun um einiges fröhlicher und glatter, als man es vom sonst oft eher pessimistischen Irish Folk sonst so kennt. Das liegt zum einen am Songwriting selbst, zum anderen natürlich auch an der Stimme Wingenfelders. Tolle Klargesangstimme zwar, den irischen Whiskey hört man bei ihm allerdings nicht raus. Das stört bei dem einen oder anderen eher traditionell gehaltenen Song wie „Baltic Sea Child“, bei anderen wiederum – „Long Stony Way To Paradise“ beispielsweise – ist’s eher von Vorteil. Den Anspruch, irischer als die Iren zu sein, erheben Wingenfelder und Co. allerdings auch nicht. Von daher macht das Album schon Spaß, zumal hier nicht schäl nachgefidelt wird, sondern die Songs allesamt aus eigener Feder stammen. Elton John’s „Rocket Man“ mal ausgenommen.

Fazit: Darauf ein Guinness.

Anspieltipps: Hand in Hand, Long Stony Way to Paradise

 

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Rae Morris – Unguarded

Label: Warner VÖ: 2015

Es gibt heutzutage gefühlt immer weniger Musiker, die die Ochsentour wählen, um ihren Bekanntheitsgrad Stück für Stück zu erhöhen. Die noch wie Rattenfänger Hörer um Hörer hinter sich scharen, bei jedem noch so kleinen Gig in irgendeiner klitzekleinen Spelunke einen mehr. Stattdessen scheint es heute lukrativer, sich bei irgendwelchen Casting-Shows anzumelden oder bei YouTube und Konsorten Clips hochzuladen. Warum in die Ferne schweifen, wenn ich auch im eigenen Wohnzimmer entdeckt werden, reich und berühmt werden kann? Rae Morris gehört glücklicherweise zu der immer seltener werdenden Spezies, die das Ganze eher old school angehen. Seit rund vier Jahren tritt sie öffentlich auf, begleitet sich selbst am Klavier und spielt und spielt und spielt sich die Finger wund. Und das so gut, dass mit Atlantic alsbald ein Major Label zuschlug. Ein Paukenschlag im Leben der 21-Jährigen, die immer noch zu Hause bei ihrer Familie in der nordwestenglischen Küstenstadt Blackpool lebt. Nun veröffentlicht Morris also ihr Debütalbum, dessen Songs sich vor allem um Liebe und Verlust drehen. Selbst komponiert, versteht sich, wie es sich für eine echte Singer-Songwriterin gehört.

Fazit: Rae Morris ist eines der größten Versprechen, die das noch so junge Jahr 2015 bereithält.

Anspieltipps: Under the Shadows, Cold

 

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Jonathan Jeremiah – Oh Desire

Label: BMG VÖ: 2015

13 Songs voller Soul, Folk und Country hat Jonathan Jeremiah auf sein zweites Solo-Album „Oh Desire“ gepackt. 13 Songs, die von Flucht, Eskapismus, Liebe, Verlust, Verzweiflung und, klar, Verlangen erzählen. Eigentlich hatte Jeremiah für die Aufnahmen nur drei Wochen eingeplant, am Ende sind es dann doch sechs Monate geworden, die er und seine Musiker in den Kronk Studios nördlich von London verbrachten. „Wir haben auf analogen Two-Inch-Tapes zahlreiche Live-Sessions aufgenommen. Doch wenn Du nur drei Wochen Zeit dafür hast, denkst Du vorher nicht darüber nach, woher Du überhaupt solche Aufnahmegeräte bekommst – oder wie Du sie synchronisierst“, sagt Jeremiah. Erstmals arbeitete der Sänger, der sowohl als Songschreiber als auch als Produzent fungierte, mit einer festen Band im Studio. Das eröffnete ihm völlig neue Möglichkeiten. Möglichkeiten, an die er vorher nicht mal im Traum dachte. Das Ergebnis kann sich hören lassen. Und führt den Hörer unweigerlich in das Versteck des Teufels. Was, werden Sie sich jetzt fragen, wie meinen? Ja, richtig gelesen. In „The Devil’s Hillside“ singt Jeremiah über seine Mutter, die ihm früher vom sogenannten „Teufelsbiss“ erzählte: einem Berg in ihrer Heimat Count Tipperary in Irland, dem ein Stück Fels fehlt, das der Legende nach vom Teufel höchstpersönlich abgebissen wurde. Und dieser spie, böse wie er eben ist, das Teil über dem Ort Cashel wieder aus.

Fazit: Teuflisch gut.

Anspieltipps: Walking Air, Oh Desire, The Devil’s Hillside

 

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Eivør- Bridges

Label: Tutl/Cargo Records VÖ: 2015

Vom Brücken-GAU ist dieser Tage ja immer mal wieder hierzulande die Rede, von Tausenden von Brücken, die marode sein sollen. Es ist aber nicht die deutsche Verkehrssituation, die Eivør auf ihrem neuen Album „Bridges“ besingt, auch wenn sich das aktuell angeboten hätte. Auch von den Brücken, die die 18 Inseln ihrer färöischen Heimat miteinander verbinden, ist weniger die Rede. Nein, vielmehr handelt es sich bei den Verbindungselementen, die Eivør da in den Fokus rückt, um jene zwischen den Menschen. Mentale Brücken sozusagen. Gut, von Orten ist auch die Rede, aber da geht’s um Heimat und Ferne. Es ist ein klassisches Singer-Songwriter-Album geworden, das den für Eivør  so typischen Folktronica-Sound aufweist, aber seine Wurzeln auch im Pop der Sechziger Jahre verankert. Akustische Gitarren versus Drumcomputer, dazu Eivørs facettenreiches Organ. Geschrieben hat sie die Tracks zwar auf Tournee, aufgenommen hat  sie sie aber im heimischen Tórshavn. Schon technisch gesehen sind die Songs also ein Brückenschlag zwischen Heimat und Ferne … Ein Album, bei dem man dick eingemummelt in Schal, Mütze und Winterjacke an irgendeinem nordischen Strand stehen und aufs wilde Wasser hinausblicken möchte.

Fazit: Atmosphärisch schön.

Anspieltipps: Remember Me, Tides

 

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Tropics – Rapture

Label: Innovative Leisure VÖ: 2015

So richtig hatte Chris Ward seinen Sound auf seinem 2011er Debüt „Parodia Flare“ nicht gefunden. Wo wollte Ward aka Sänger/Produzent Tropics hin mit seinem Soundmix aus Chillwave, Shoegaze, Acid Jazz und R&B? Man wusste es nicht so genau. Auf dem von Liebeskummer des Künstlers stark geprägten „Rapture“ wird die Sache nun deutlicher. Zurückgenommer Jazz mit melancholischen Ambient-Sound-Sphären  ist das, was Ward da produziert hat, und diesmal steht seine Stimme auch mehr im Vordergrund als noch beim Vorgänger. Musik, die man sich gut in Bars, Cafés und Shops in unaufdringlicher Dauerschleife vorstellen könnte. Der Multi-Instrumentalist hat gelernt, dass weniger oft mehr ist.

Fazit: Die zwei Jahre Arbeit an dem Album haben sich gelohnt.

Anspieltipps: Blame, Kwiat, Rapture

 

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MissinCat – Wirewalker

Label: Revolver Distribution Service : 2015

Die Erzeugnisse der italischenischen Singer-Songwriterin MissinCat waren ja bisher für ihre Pastellfarbenhaftigkeit bekannt. Mädchenhafter Charme zeichnete sie aus, zarter Gesang, fast spielzeughafte Instrumente. Letztere sind zwar geblieben, aber MissinCat wirkt auf ihrem dritten Album „Wirewalker“ doch deutlich forscher und fordernder, der Sound kommt beinahe orchestral daher. Caterina Barbieri aka MissinCat kommentiert das folgendermaßen: „Mir wurde bewusst, dass ich irgendwann nicht mehr dieses Mädchen sein konnte. Es wurde Zeit, den Vorhang zu lüften und alle weiteren Facetten zu zeigen. Vieles davon war selbst mir neu. Selbst meine Stimme hat sich mit den neuen musikalischen Perspektiven mit entwickelt.“ Die aus Mailand stammende Künstlerin lebt übrigens mittlerweile in Berlin. Und ja, der Wohnortwechsel hat durchaus auch einen musikalischen Wandel mit sich gebracht:  „Wichtig war für mich zu lernen, die Kontrolle zu verlieren. Ich habe losgelassen, um zu sehen was passiert. Denn gerade im kreativen Prozess muss man sich sein eigenes Bild immer wieder aus der Distanz ansehen. Im Studio heißt das, mit verschieden arrangierten Versionen herauszufinden, welche Entwicklungen innerhalb der Songs möglich sind. Eigentlich war ich bei den ersten zwei Alben viel eher der ‚Wirewalker‘, gerade weil mir Veränderung heute gar nicht mehr die Angst macht, die ein gefährlicher Drahtseilakt auslösen würde.“

Fazit: Empfehlenswert. Die Katze ist mit dem dritten Album auf den Füßen gelandet.

Anspieltipps: TenLines, All I Needed

 

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Of Montreal – Aureate Gloom

Label: Polyvinyl Rec/ADA Global VÖ: 2015

Was soll man von einem Album erwarten, von dem der eigene Schöpfer sagt, es sei „musically all over the place“? Nun, genau das. Of-Montreal-Mastermind Kevin Barnes hat sich auf dem 13. Longplayer der Band wieder mächtig ausgetobt. Bestes Beispiel? Der Opener, „Bassem Sabry“. Möglicherweise eines der politischsten Stücke, die Barnes je geschrieben hat. Der Opener also steigt mit Black-Sabbath-esken E-Gitarren ein, um dann, öhm, in einen Disco-Track zu münden. Was sonst? Der Song dient als Blaupause für das restliche Album. Kein Song, der nicht einen abgedrehten Tweak, keinen unerwarteten Turn oder Twist bereithält. Ein Album, das für das eher mau rezipierte „Lousy with Sylvianbriar“ entschädigt.

Fazit: Muss man mehrfach anhören, damit es sich einem erschließt.

Anspieltipps: Bassem Sabry, Last Rites at the Jane Hotel, Aluminium Crown

 

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Evi Vine – Give Your Heart to the Hawks

Label: Solemn Wave Records VÖ: 2015

Es ist vor allem Evi Vines Stimme, die einem bei der Musik des gleichnamigen Londoner Duos (bestehend aus Vine und Songwriter Steven Hill) direkt unter die Haut geht. Hell, scharf, farbenreich, potent. Wie geschaffen für genau diese Art von Musik, die sich auf dem zweiten Album der beiden findet. Acht wunderbar ruhige, schmerzschwangere, tiefschwarze Songs offerieren uns die Briten hier, aufgenommen in den düsteren Wäldern des Großraums Berlin. Themen: die dunkle Natur des menschlichen Herzens, die Umwelt und die Postapokalyse. Wohl nichts, was jetzt unbedingt im Radio gespielt werden würde, zumal die typische Standout-Single fehlt (was aber hier eher ein Qualitätsmerkmal ist) und die Songs vielmehr fließend ineinander überzugehen scheinen. Das Album wirkt wie ein 45 Minuten langer Track, perfekt passend zur Februar-Tristesse. Beim Entstehungsprozess waren Percussionist Martyn Baker (Goldfrapp), Tom Moth (Florence + The Machine), Tatia Starkey (My Vitriol), Peter Yates (Fields of the Nephilim) und Billy Cote (Madder Rose) beteiligt, produziert wurde das Ganze von Richard Formby (Mogwai, Wild Beasts) und Phil Brown (Beth Gibbons, Talk Talk).

Fazit: Wunderschön.

Anspieltipps: Porcelain

 

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Kid Ink – Full Speed

Label: RCA VÖ: 2015

Ach, Kid Ink. Wir erinnern uns. 2013 schaffte der Rapper aus Los Angeles den Durchbruch, an der Seite von Chris Brown und DJ Mustard. Nun ist der Hip-Hop-Artist mit seinem zweiten Longplayer zurück. Mit einem Album, das bei uns nicht so recht zünden will und thematisch eher flach daher kommt. It’s generic und spreizt die Beine für den Mainstream. Klar, auch andere Rapper versteifen sich auf stereotype Topics wie Money und Ladies und haben damit Erfolg, aber die machen das dann halt am Ende ein wenig geschickter (Jay-Z, I am looking at you).  Da helfen Kid Ink dann am Ende auch illustre Namen wie Usher oder Chris Brown als Unterstützer auf dem Silberling nicht weiter. Trotzdem ist zu erwarten, dass sich das Teil gut verkaufen wird. Diese Art von Pop-Rap geht derzeit einfach gut.

Fazit: Not our cup of tea.

Anspieltipps: Hotel, Body Language

 

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Chris Brown & Tyga – Fan of a Fan: The Album

Label: RCA VÖ: 2015

Chris Brown und Tyga, da finden sich auf Anhieb mehrere Gemeinsamkeiten, die eine Zusammenarbeit fast logisch erscheinen lassen: In den letzten Jahren haben die beiden nicht unbedingt für die allerbesten Schlagzeilen gesorgt. Brown fand sich regelmäßig in den Boulevard-Blättern, weil er gerade mal wieder jemandem eine verpasst hatte. Und Tyga? Der stand wegen seiner Beziehung zu Reality-TV-Star Kylie Jenner in der Kritik. Entsprechend niederschmetternd waren für die beiden die niedrigen Verkaufszahlen ihrer letzten Veröffentlichungen. Was liegt da näher, als sich zusammenzutun und es denen da draußen zu zeigen? Gesagt, getan. Man kollaborierte und so entstand das Mixtape „Fan of a Fan: The Album“. Das Jahr ist noch jung, trotzdem eine der besseren Rap-Releases 2015 so far. Ohne genial oder das Potenzial zu haben, langlebig zu sein.

Fazit: Absolut hörbar, macht die beiden aber trotzdem nicht sympathischer.

Anspieltipps: D.G.I.F.U., Ayo

 

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Live Foyn Friis – Running Heart

Label: Curling Legs VÖ: 2015

Innovativ und abwechslungsreich, ja, und irgendwie schon abgefahren: Die in Dänemark lebende norwegische Jazz-Sängerin Live Foyn Friis – das nennt man dann wohl pan-skandinavisch – schafft auf ihrem neuen Longplayer „Running Heart“ ihren ganz eigenen, vom Rock beeinflussten Indie-Jazz Sound. Eigen, ja, auch wenn ihre Stimme dann und wann stark an die isländische Musiklegende Björk erinnert. Was aber nicht schlimm ist, ganz im Gegenteil. Hat was. Catchy und haunting sind die Tracks geworden, ein bisschen elektroniklastiger als die des Vorgänger-Albums auch. Ab und an wirkt das Ganze aber überfrachtet und etwas kopflastig.

Fazit: Sophisticated Amusement.

Anspieltipps: Running Heart

 

 

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Dawa – Psithurisma

Label: Las Vegas Records VÖ: 2015

Psithu-was? Psithudingsbums? Ja, man kann schon sagen, der Albumtitel der Wiener Band Dawa ist ein Albtraum eines jeden A&R-Managers. Kommt schon etwas sperrig daher. Dabei bezeichnet das Wort durchaus etwas sehr Schönes: das Rauschen der Blätter nämlich. Ein Rauschen im Blätterwald – sagt man das im digitalen Zeitalter noch? – hat die Band dereinst mit ihrem von Kritikern hochgelobten Debüt „This Should Work“ verursacht.  Die Combo mit ihrer Singer/Songwriter-Musik galt in Good Ol‘ Austria als Entdeckung des Jahres 2013. Und stand mit „Psithurisma“ nun vor der schwierigen Aufgabe „Zweites Album nachlegen, das dem Vergleich zum ersten standhält“. Um diese Aufgabe zu meistern, hat sich Dawa ins steirische Schrattenberg zurückgezogen, wo über mehrere Wochen hinweg der Longplayer live eingespielt wurde. „Acousticcellofolksoulpop“ nennt die Band das, was dabei herausgekommen ist. Gearbeitet wurde sowohl mit analogen Instrumenten (Shruti-Box, Waschbrett, Ukulele, Akkordeon) und elektronischen Elementen. Die Stimmung ist ruhig, intim und nachdenklich, teils sogar so ruhig, dass man den Lautstärkeregler nach oben drehen muss.

Fazit: Kopfhörermusik.

Anspieltipps: On the Run

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Joe Pug – Windfall

Label: Loose Music VÖ: 2015

Der Texaner und Indie-Folk/Americana-Musiker Joe Pug ist keiner, der sich gerne in eine Schublade quetschen lässt. Keiner, der gerne berechenbar ist. Und so ist die erste Überraschung, die „Windfall“, das dritte Album Pugs, überhaupt erscheint. Nach vier Jahren knochenharten (aber erfolgreichen) Herumtourens hatte Pug nämlich die Schnauze von der Musikindustrie gehörig voll und hätte die Brocken am liebsten komplett hingeschmissen. Hat er dann zumindest zeitweise auch, um wieder mit seiner alten Flamme zu re-connecten, gesünder zu essen und Live-Musik aus der Fan-Perspektive zu genießen. All das führte schließlich dazu, dass der Mann mit der Gitarre wieder Spaß an der Musik fand. Und so nistete er sich vergangenes Jahr in Lexington/Kentucky im Studio ein und nahm neue Songs auf. Eine Mühe, die sich gelohnt hat. Zehn Tracks kredenzt uns der Gute auf „Windfall“, minimal produziert, sehr back to basics. Eine Platte, die zwischen düsteren Untertönen sowie Spiel- und Lebensfreude mäandert.

Fazit: Gut, dass er nicht aufgehört hat. Darf gerne weitermachen.

Anspieltipps: Bright Beginnings, Veteran Fighter, O My Chesapeake

 

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The Noise – The Noise

Label: Rookie Records VÖ: 2015

The Ramones, The MC5, The Clash, Iggy Pop – die Presse geizt nicht, ebenso hochgreifende wie griffige Vergleiche zu ziehen, wenn es darum geht, den Sound von The Noise zu beschreiben. Tatsächlich wurde die Kapelle von den lauten und überfüllten Straßen New Yorks musikalisch beeinflusst, wie sie verlauten lässt. Die Mitglieder? Keine Anfänger. Frontmann Arthur King war früher Schlagzeuger bei den Misfits, Gitarrist Brian Gross der Kopf der CBGB’s Records Band. Bassist George Musa ist ein Urgestein der New Yorker Musikszene, Drummer Dave Blackshire war zehn Jahre lang Manager des Kultklubs Lit Lounge. Textlich beschäftigt sich die Combo mit dem ungerechten Alltag und dem vom System vorgegebenen Schubladendenken. Das Ziel von The Noise: die Hörerschaft zum freien Denken anregen. Musikalisch verpacken sie ihre Message in ein Punk-Gewand („East of First“ und „Leave My City“ sind echte Punk-Hymnen), ab und an tauchen sie auch in NYC Psychedelic und Garage Rock ein. Das klingt energetisch, laut und kraftvoll. Kurz: das bumst.

Fazit: Punk’s not dead.

Anspieltipps: East of First

 

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Genepool – Komplex

Label: Rookie Records VÖ: 2015

Es ist das Album Nummer eins nach dem Ausstieg von Bassist Guido Lucas (2012), in dessen Studio die bisherigen Genepool-Platten allesamt entstanden sind. Leaving Thilo Schenk als einziges Gründungsmitglied der heuer sechsköpfigen Gruppe. Und so beschreitet die Band nun mal wieder gezwungenermaßen neue Wege. Das ging natürlich mit der Wahl des Studios los. Kurt Ebelhäuser (Blackmail) gewährte Genepool schließlich musikalischen Unterschlupf. Das Resultat: Eine Symbiose aus Wave und Post Punk tischen uns die Jungs von Genepool mit ihrem sechsten Album „Komplex“ auf. Das kommt nun statt mit doppeltem Schlagzeug mit Keyboards und anderem elektronischem Klimbim daher. Mit diesem Instrumentarium erzeugt die Kapelle eine spannungsgeladene, kühle, ja, beinahe hypnotische Atmosphäre. Ach, übrigens: Die Kölner vermarkten „Komplex“ vor allem als Liebhaberstück. Neben der Download-Möglichkeit erscheint das Ding nämlich in einer limitierten Vinyl-Auflage von 300 Stück, wobei die einzelnen Bandmitglieder die Cover eigenhändig bepinseln.

Fazit: Runde Sache.

Anspieltipps: Submission Pt. 2, Giants, Rope

 

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file4Texas – Texas 25

Label: PIAS VÖ: 2015

Wieder so eine Veröffentlichung, bei der einem die eigene Sterblichkeit gnadenlos vor Augen geführt wird: Texas feiern 25-jähriges Bandjubiläum! 25 Jahre! Damnit. Ich werde alt. Werde es aber an dieser Stelle verraten: Texas gehören seit jeher zu meinen liebsten Pop-Acts. Kein Wunder, hat die Band doch einen Klassiker nach dem anderen abgeliefert: „Inner Smile“, „Summer Son“, „I Don’t Want A Lover“, „Black Eyed Boy“. You name it. Eine dieser Radio-Bands (im positiven Sinne), von denen man immer mehr Songs kennt, als man aus dem Stehgreif nennen könnte („Ach, das ist auch von denen?“). Es ehrt die Band um Frontfrau Sharleen Spiteri und Johnny McElhone, dass sie nicht den einfachen Weg gegangen sind und zum Jubiläum schlicht das x-te Best-Of-Album auf den Markt gerotzt haben. Nein, Texas haben nicht nur vier neue Tracks geschaffen, sondern ihre alten komplett neu überarbeitet und neu aufgenommen. Herausgekommen ist dabei die bockstarke „Truth & Soul Session“, die den Kauf der CD rechtfertigt. Wer gerne die alten Hits zusätzlich in ihrer Original-Version hören möchte, greift zur Deluxe-Version.

Fazit: Absolute Kaufempfehlung!

Anspieltipps: Start A Family, Say What You Want, Supafly Boy, …

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