Neu im Plattenschrank: Juni 2014

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Fatboy Slim – Fatboy Slim presents Bem Brasil

Label: Decca VÖ: 2014

Jennifer Lopez macht es mit Claudia Leitte und Pitbull, Stefan Raab macht es gleich dreimal in unterschiedlichen Versionen und Dschungel-Königin Melanie Müller macht es – naja – irgendwie auch. Wovon ist die Rede? Natürlich von den alle vier Jahre wiederkehrenden Songs zur Fußball-Weltmeisterschaft. Und damit wären nur ein paar Künstler aufgezählt, die eine mehr oder meist weniger gelungene Hymne zum globalen Megasportereignis des Jahres abgeliefert haben. Pünktlich zur Fußball-WM in Brasilien hat sich auch Fatboy Slim zurückgemeldet. Auf seinem Sampler „Fatboy Slim presents Bem Brazil” hat der Erfinder des Big Beat, Norman Cook, zahlreiche Freunde und geschätzte Kollegen aus der internationalen Dance-Szene wie Carl Cox und John Digweed vereint und mit ihnen Remixe brasilianischer Musik, aber auch brandneues Material kompiliert. Auf dem Doppelalbum finden sich auch einige interessante Acts aus Brasilien wie Bonde do Rolê, Felguk und DJ Marky. Auf der ersten CD „Para Noite/Night Time“ ist der Sound des brasilianischen Nachtlebens zu hören. Der zweite Teil „Para Dia/Day Time“ repräsentiert die entspannte Atmosphäre, die Rio tagsüber genießt. Damit hat Fatboy Slim – trotz des Veröffentlichungstermins – ein zeitloses Album geschaffen, das im Gegensatz zu den offiziellen und inoffiziellen FIFA-Songs auch noch weit nach der Fußball-WM Bestand und Relevanz haben wird.

Fazit: Der inoffizielle Soundtrack für diesen Sommer.

Anspieltipps: Samba Do Mundo, Celebration Suite, Stuttgart, Samba Creola

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Ingrid Michaelson – Lights Out

Label: Cabin 24 Records VÖ: 2014

Auf „Lights Out“ macht Michaelson gleichzeitig einen Schritt zurück und einen nach vorn: Sie kehrt zurück zu den Piano-Klängen ihrer Frühphase und wendet sich damit etwas vom Sound von „Human Again“ ab. Ingrid spielt auf Sicherheit, könnte man sagen. Es sei ihr persönlichstes Album bislang, gab sie jüngst zu Protokoll. Dennoch hat sie die Songs nicht allein geschrieben, sondern sich Co-Writer besorgt. Und so wirkten an den 14 Tracks 15 (!) Co-Autoren und Produzenten mit, allen voran Singer-Songwriter Trent Dabbs sowie ihr Bassist Chris Kuffner. „Getting in a room with someone else, it’s like a date, a conversation. I ended up just being able to tap into things I wouldn’t have without these other people. I had some sessions that didn’t go well, that just weren’t magical, but then I had a few of those magical sessions, and that’s what made it onto the record. It was hard, but it was so much fun“, erzählte sie dazu dem US-amerikanischen Billboard-Magazin. Viele der Songs waren von schweren Zeiten in Michaelsons Leben inspiriert. Die Sängerin hatte – ebenso wie ihre Eltern – mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

Ansonsten ist man froh, dass sich Michaelson relativ treu bleibt. Sie ist nicht über-produziert wie ihre Kolleginnen Lady Gaga oder Katy Perry, sie biedert sich trotz ihrer Poppiness nicht so schamlos dem Mainstream-Radio an wie Rihanna – und sie ist emotional ohne übertrieben zu wirken wie Taylor Swift.

Fazit: Difficult to dislike. Vor allem auch wegen ein paar schöner Duette.

Anspieltipps: Wonderful Unknown, You Got Me, Girls Chase Boys, Time Machine

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Smoke Fairies – Smoke Fairies

Label: Full Time Hobby VÖ: 2014

Als mir das erste Mal ein Song der beiden Britinnen vorgespielt wurde, dachte ich zunächst, es würde sich um ein neues Projekt von Siobhan Fahey handeln, der Sängerin von Shakespear’s Sister. Dem war natürlich nicht so, wie ich bei näherer Betrachtung feststellen konnte. Bei den Smoke Fairies handelt es sich um Jessica Davies und Katherine Blamire, und die Tatsache, dass ich hier nun ihr viertes Album in den Händen halten kann, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Band stand nämlich kurz vor dem Aus. „Jessica plagten Zweifel“, heißt es da kryptisch in der Presseinfo. Auf jeden Fall tat ihr das dann leid, sie schrieb eine rührende Entschuldigung, die es als Opener „We’ve seen Birds“ auf das Album geschafft hat und sich dort nun zu elf weiteren Songs gesellt, die sich zwischen Folk, Candy-Pop, Blues und Sixty-Avantgarde bewegen. Ein Album von atmosphärischer, düsterer Schönheit, das übrigens mit einer Instrumental-Bonus-CD daherkommt.

Fazit: Spooky chic!

Anspieltipps: We’ve seen BirdsEclipse Them All, Shadow Inversions

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Anathema – Distant Satellites

Label: KScope Music VÖ: 2014

Lange haben Anathema nicht auf sich warten lassen. Nur zwei Jahre ist es her, dass ihr vielumjubeltes Vorgängeralbum „Weather Systems“ erschienen ist. Nun haben die Brüder Cavanagh mit ihrem neuesten Geniestreich „Distant Satellites“ einen weiteren Meilenstein in die Musikwelt gesetzt. Dabei meiden die Briten weiterhin jegliche musikalische Kategorisierung. „Man muss bereit sein, Fans zu verlieren, um frei und kreativ zu sein“, hat Gitarrist Daniel Cavanagh im Vorfeld der Veröffentlichung des zehnten Studio-Albums von Anathema erklärt. Wer die Entwicklung von Anathema von Beginn an verfolgt hat, kann dieser Aussage nur zustimmen. Selten hat eine Band in der Musikgeschichte so konsequent ihren musikalischen Ausgangspfad verlassen. Angefangen mit atmosphärischen Doom- und Gothikmetal haben die Liverpooler recht zügig den progressiven Rock-Weg mit ausreichend Pop-Appeal eingeschlagen. „Distant Satellites“ dürfte der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung sein. Zuckersüße Gitarrenparts werden von Klavier und dezent orchestralen Momenten getragen. Dazu kommt die wundervolle Stimme von Sängerin Lee Douglas, die hervorragend mit der von Sänger Vincent Cavanagh harmoniert. Einziger Kritikpunkt: Die Stücke ähneln sich zu sehr im Aufbau. Fast alle Songs steigern sich in ihrer melodischen Intensität, die kurz vor dem Ende tonal zu explodieren scheint. Trotzdem bleibt „Distant Satellites“ eine der schönsten Veröffentlichung des Jahres.

Fazit: Kaufpflicht für Freunde epischer und einzigartiger Musik.

Anspieltipps: The Lost Song (Part2), Ariel, Anathema

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Mastodon – Once More ‚Round The Sun

Label: Reprise Records VÖ: 2014

Die Zeit der Konzeptalben scheint bei den Herren von Mastodon endgültig vorbei zu sein. Das Konzept hinter dem 2009er Meisterwerk „Crack The Skye“ (irgendwas mit Astralreisen, Wurmlöchern und der russischen Zarenfamilie) dürfte sich allerdings ohnehin nur einem kleinen Teil der Anhängerschaft erschlossen haben. Auf „Once More ‚Round The Sun“ stehen ebenso wie auf dem Vorgänger „The Hunter“ die einzelnen Songs für sich. Stilistisch bewegt sich der Vierer aus Atlanta dabei zwar immer noch irgendwo zwischen Sludge und Progressive Metal, legt aber offenbar mittlerweile größeren Wert darauf, eingängige Melodien zu schreiben und schnell auf den Punkt zu kommen. Zum Glück bleiben immer noch genügend Ecken und Kanten, und einen bunten Strauß an höchst effektiven Riffs haben Mastodon auch im Gepäck. Die emotionale Tiefe von „Crack The Skye“ bleibt allerdings unerreicht.

Fazit: So muss Metal 2014 klingen (und nicht wie Sabaton oder Powerwolf).

Anspieltipps: The Motherload, Halloween

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Linkin Park – The Hunting Party

Label: Warner VÖ: 2014

Eins vorweg: Mit ihrem neuen Longplayer „The Hunting Party“ sind Linkin Park sicher nicht wieder bei ihren Wurzeln angekommen. Dafür fehlen die typischen und dominant elektronischen Elemente und die Nu-Metal-artigen Gitarrenriffs der ersten Alben „Hybrid Theory“ und „Meteora“. Doch nach ihren zuletzt eher schwächeren Werken „Living Things“ und „Recharged“ wirken die Mannen um Frontmann Chester Bennington nun wieder voller Energie und Angriffslust, ohne dabei ihr Gefühl für großartige Melodien verloren zu haben. Musikalisch bewegen sich Linkin Park irgendwo zwischen Posthardcore-Punk und Emo-Rock. Durchweg hohes Tempo bestimmt „The Hunting Party“. Dafür sorgen auch die bockstarken Gastauftritte von Helmet-Sänger Page Hamilton (All For Nothing) oder Rapper Rakim (Guilty All The Same). Besonders sticht aber das Stück „Rebellion“ mit Gitarrist Daron Malakian hervor. Deutlich ist hier der typische Sound seiner Band System Of The Down herauszuhören. Ganz untypisch ist dafür das Stück „Drawbar“ mit Tom Morello (Rage Against The Machine). Wer in dem ruhigen Experimentalstück auf funkige Gitarrenriffs wartet, der wartet vergebens. Einzig der Song „Until It’s Gone“ und mit Abstrichen „Final Masquarade“ erinnern noch ein wenig an alte Tage. Linkin Park liefern ein Album ohne große Schwächen ab und dürften mit „The Hunting Party“ auch die Kritiker ihrer letzten Veröffentlichungen wieder versöhnlich stimmen.

Fazit: Waidmannsheil

Anspieltipps: All For Nothing, Rebellion, Until It’s Gone

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David Gray – Mutineers/Cascade

Label: Kobalt VÖ: 2014

Auch alte Hasen können noch neue Wege gehen, oder besser gesagt: hoppeln. Singer/Songwriter David Gray gehört unbestritten zu den ganz Großen seiner Zunft. Das dürfte wohl spätestens seit seinem Platin-veredelten Album „White Ladder“ (1998) klar sein, von dem rund sieben Millionen Exemplare über die Ladentheke wanderten. Der Musiker aus Manchester schwimmt sich auf „Mutineers“, seinem zehnten Studioalbum in 21 Jahren, nun aber frei. Lässt der Kreativität freien Lauf, gönnt sich fast meditative, mantra-artige Passagen. Sein raues – an Rea Garvey erinnerndes – Timbre setzt er dabei wie immer perfekt in Szene.
„I didn’t want to just write about being a vaguely unhappy sort of middle-aged person. I wanted to say ‘hallelujah’ in a new way. But how do you make that leap? How does the lightning suddenly come out of the sky? I had to rebuild from the ground up. That person had to lie down and die. I called the album Mutineers because I had to throw myself overboard. I had to dismantle everything“, erklärte Gray im Interview mit „ft.com“. Ist ihm gelungen.

Fazit: Kaufempfehlung.

Anspieltipps: Back in the World, Snow in Vegas

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WIZO – Punk gibt’s nicht umsonst! (Teil III)

Label: Hulk Räckorz VÖ: 2014

Heimlich, aber bestimmt nicht still und leise haben WIZO ihr neues Album „Punk gibt’s nicht umsonst! (Teil III)“ veröffentlicht – ohne großes Tamtam und Vorabveröffentlichungen. Vor genau zehn Jahren erschien ihr letztes Album „Anderster“. Nur ein Jahr später trennte sich die Punkband aus Sindelfingen. 2009 dann die Rückkehr. Schon damals kreisten Gerüchte von einem neuen Album durch die Szene. Fünf Jahre später ist es nun endlich so weit. Musikalische und textliche Veränderungen gibt es kaum im Hause WIZO. So beziehen die Alt-Punks weiterhin Stellung „Ganz klar gegen Nazis“ und zeichnen sich auch auf den 20 weiteren Songs nicht unbedingt durch falsche Zurückhaltung auf. Ob bei „Wenn ich mal sterb“ zum Thema Organspende oder im Dialekt bei „Unpoliddisch“. Direkt auf den Punkt mit bissigen Texten, absurden Ideen und dämonischen Wutausbrüchen, das war schon immer die Stärker von WIZO. Dazu gibt es die typischen Melodien, die jedem Ohrwurm Freude bereiten, aber auch etwas ruppige Kompositionen. WIZO haben sich nach langer Pause eindrucksvoll zurückgemeldet. Im Herbst ist eine Tour geplant, um die Songs dann live präsentieren.

Fazit: Punk‘s not dead!

Anspieltipps: Ganz klar gegen Nazis, Unpoliddisch, Meine Wut

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The Felice Brothers – Favorite Waitress

Label: Dualtone VÖ: 2014

The Felice Brothers, das sind augenscheinlich richtige Arbeitstiere. „Favorite Waitress“ ist das nunmehr neunte Album (wenn auch erst das fünfte offizielle) der Jungs aus den Catskill Mountains – in nur zehn Jahren. In der Vergangenheit durfte da durchaus mal experimentiert werden. Jetzt kehrt die Gruppe jedoch glücklicherweise jedweden elektronischen Sperenzchen den Rücken und konzentriert sich auf das, was sie kann: rumpeliger, folkiger Roots-Rock, dessen dunkle Schönheit sich dem Rezipienten erst nach mehrmaligem Hören erschließt. Gesangstechnisch sind durchaus Parallelen zu Bob Dylan auszumachen. Die dreizehn Kompositionen, aus denen „Favorite Waitress“ besteht, sind übrigens im Studio von Conor Oberst im Omaha, Nebraska aufgenommen worden. Special Guest: ein bellender Hund.

Fazit: Geht ab.

Anspieltipps: Bird on Broken Wing, Cherry Licorice, Lion, Constituents

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The Moons – Mindwaves

Label: Schnitzel Records VÖ: 2014

The Moons sind die Kopfgeburt von Sänger/Gitarrist/Songwriter Andy Crofts. Zwei Alben hat die im Jahr 2000 gegründete Combo bereits veröffentlicht, „Life On Earth“ (2010) und „Fables of History“ (2012), jetzt legen sie mit „Mindwaves“ nach. Futuristischer Cosmic Rock, so lässt sich das wohl am ehesten beschreiben, was die Kapelle da fabriziert. Dafür bürgen Titel wie „Body Snatchers“ und Stampfer wie „Society“. Klingt teils ein bisschen, als hätten sich die Beatles, Adam Ant und Muse zu einer Jam-Session getroffen. Gekonnt bewegen sich die Jungs zwischen 60s, 70s und Moderne. Kann man so lassen. Im Herbst kommen die Briten übrigens auf Kontinental-Europa-Tournee.

Fazit: Der Brit-Pop lebt.

Anspieltipps: Body Snatchers, Fever, On The Moon

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Jonah Tolchin – Clover Lane

Label: YEP Records VÖ: 2014

Benannt nach der Straße, in der er aufwuchs, ist Jonah Tolchins neuestes Album „Clover Lane“ ein sehr Blues-lastiges geworden. Für die Aufnahmen in Nashville hat sich der Barde ein beeindruckendes Team zusammengestellt: Unter anderem werkelten Chris Scruggs, Steve Berlin (Los Lobos), John McCauley (Deer Tick) und Mickey Raphael (Willie Nelson) an der Platte mit. Herausgekommen ist ein Werk, dass die Geister Guthries, Cashs und Nelsons (jaja, der lebt noch!) weckt und zu dem man am liebsten mit einem kühlen Bier draußen auf der Veranda sitzt und den Blick in die Natur schweifen lässt. Vor allem wenn gerade das langsamere „Diamond Mind“ läuft.

Fazit: Erfrischend altmodisch.

Anspieltipps: Diamond Mind, 21st Century Girl

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Tiken Jah Fakoly – Dernier Appel

Label: Wrasse Records VÖ: 2014

In Afrika gehört Tiken Jah Fakoly zu den führenden Reggae-Künstlern. Politische und soziale Probleme, das sind die beherrschenden Themen des Sängers von der Elfenbeinküste. Den schwarzen Kontinent hat der Musiker mit fünf exklusiv dort erschienenen Alben bereits erobert, auch in Frankreich hat sich Tiken Jah Fakoly bereits einen Namen gemacht. Der mittlerweile nach Paris emigrierte Reggae-Spezialist ist mittlerweile auch in Amerika und dem Rest Europas auf einem guten Weg, populär zu werden. Und den Weg wird er wohl mit seinem neusten – seinem achten – Album „Dernier Appel“ weitergehen. Alpha Blondy, Nneka und Patrice geben sich auf dem Silberling übrigens auch die Ehre.

Fazit: Tiken Jah Fakoly in Top-Form.

Anspieltipps: Diaspora, Human Thing

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Anushka – Broken Circuit

Label: Brownswood Recordings VÖ: 2014

„Broken Circuit“ ist das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Max Wheeler und Victoria Port alias Anushka. Das Duo aus Brighton legt hier eine Dance-Platte vor, die Anleihen aus Funk, Jazz, Pop und Soul nimmt. Richtiges Sommer-Feeling versprüht dabei der Titeltrack „Broken Circuit“ mit seiner catchy hook, seinem Garage Sound und den zuckersüßen Vocals von Victoria Port. Klingt zum Teil etwas nach Lorde. Und das ist mit Sicherheit nichts Verwerfliches.

Fazit: Broken Circuit

Anspieltipps: Atom Bombs, Kisses

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Mister and Mississippi – Mister and Mississippi

Label: V2 Benelux VÖ: 2013

Popakademien stand ich bisher immer skeptisch gegenüber. Ist für mich wie mit den Schauspielschulen. Die ganz großen Genies waren nie auf einer. Die niederländische Band Mister and Mississippi hat mich unlängst aber eines Besseren belehrt. Tom Broshuis, Danny van Tiggele, Maxime Barlag und Samgar Lemuël Jacobs aus Utrecht haben sich auf der Herman Brood Academie kennengelernt, wo sie den Auftrag erhielten, drei Lieder gemeinsam zu schreiben.Für die Indie-Folk-Songs, die sie ablieferten, bekamen sie schließlich die Note eins. Und so entschlossen sich die Musiker, als Band zusammenzubleiben. Und da sie offenbar von der ganz schnellen Truppe sind, spielten sie der Legende nach ihr Debüt innerhalb von nur einer Woche live in einer Kirche ein. Entstanden sind so elf Songs, die durch ihre Vielschichtigkeit glänzen und sich im Spannungsfeld zwischen Crosby, Stills, Nash & Young, Bon Iver und Sigur Ros bewegen.

Fazit: Bestnote!

Anspieltipps: Follow the Sun, See Me, Northern Sky

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PS I Love You – For Those Who Stay

Label: Paper Bag Records VÖ: 2014

Balls to the wall – möglicherweise lässt sich „For Those Who Stay“, das nunmehr dritte Album des kanadischen Rock-Duos PS I Love You  wohl am besten umschreiben. Das neue Machwerk, das Paul Saulnier und Benjamin Nelson da vorlegen, klingt etwas intensiver, experimenteller als der Vorgänger, das 2012 erschienene Death Dreams. Hat vielleicht etwas mit der Location zu tun, in denen das Ding aufgenommen wurde: dem Bathhouse in Kingston, Ontario, Kanada – erstmals gingen PS I Love You nämlich für die Arbeit an einem Album in ein „proper studio“, wie es heißt. Titletrack und absolutes Highlight des Albums ist die Sechs-Minuten-Hymne „For Those Who Stay“ mit ihren fantastischen Gitarrensoli. Produzent Teen Daze (Vancouver) hat dazu übrigens einen netten Dance-Remix gemacht.

Fazit: Opulent.

Anspieltipps: For those who stay, Hoarders

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Revere – My Mirror, Your Target

Label: V2 Benelux VÖ: 2014

Ebenso wie die Niederländer in die Partie gegen Mexiko muss man auch in dieses Album erstmal reinkommen. Allerdings dauert das glücklicherweise nicht 70 Minuten, hier ist allein der Opener ein wenig sperrig. Dahinter verbirgt sich jedoch ein gelungenes, ja, ungewöhnliches Indie-Rock-Album. Traditioneller Gitarren-Rock trifft hier auf Violine, Cello, Piano, Synthesizer und ja, sogar eine Bergwerks-Blaskapelle. Gekonnt schalten die sieben Musiker zwischen ausgefeilten Balladen und New-Wave-Hymnen hin und her – und steigern sich dabei von Track zu Track.

Fazit: Geduld zahlt sich hier aus

Anspieltipps: Tadoma, What If I am not even Dust, Maybe We Should Step Outside

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Camper Van Beethoven – El Camino Real

Label: 429 Records VÖ: 2014

Schlappe neun Jahre mussten die Fans von Camper Van Beethoven warten, ehe sich die Band geziemte, „La Costa Perdida“ unters Volk zu bringen. Diesmal haben sie ihre Anhänger nicht so gequält, diesmal hat die Arbeit an dem neuen Album nur ein Jahr gedauert. Und so fällt es uns auch nicht schwer, den Zusammenhang zwischen den beiden Werken zu erkennen. „La Costa Perdida“ handelte von Nord-Kaliforniens geheimnisvoller „Lost Coast“. Auf „El Camino Real“ nehmen sich die US-Indie-Rock-Pioniere der 1980er Jahre nun dem kalifornischen Süden an. Die Lyrics, die Stories, die erzählt werden und von Arbeit, Freude, Paranoia und Frieden handeln, sind großartig.

Fazit: Die Jungs sind erwachsen geworden.

Anspieltipps: It Was Like That When We Got Here, I Live in LA

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Clean Bandit – New Eyes

Label: Warner VÖ: 2014

„So you think electronic music is boring? You think it’s stupid? You think it’s repetitive? Well, it’s repetitive.“ Möglicherweise eines der besten Intros zu einem Song ever. Und es gehört zu „Mozart’s House“, jenem Song, mit dem Clean Bandit im vergangenen Jahr erstmals für Aufsehen sorgten. Mit „New Eyes“ haben sie nun ihr lang erwartetes Debüt hingelegt. Der Clou: Die Combo mixt Klassik mit elektronischen Sounds. Klingt abwegig, hört sich aber sehr interessant an. Ein gutes Beispiel für die gelungene Melange ist der Hit „Rather Be“, der Violine und Cello mit Garage Beats mixt. Fun fact: Die vierköpfige Band, die sich in den altehrwürdigen Hallen der Cambridge University fand, besteht aus einem Brüderpaar, einem Liebespaar und zwei Kindergartenfreunden. Do the math.

Fazit: Ist mal was anderes.

Anspieltipps: Mozart’s House, Rather Be

Text: Benjamin Fiege, Christian Rüger & Timo Leszinski

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