Neu im Plattenschrank: Dezember 2014

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Eminem & Various – ShadyXV

Label: Universal VÖ: 2014

15 Jahre Shady Records – was war das für eine Zeit. Unglaublicher Erfolg (Eminem, 50 Cent), verpasste Chancen (Abgang Obie Trice). Ein unglaubliches Auf und Ab, eine Achterbahnfahrt, eine wilde Zeit.  Klar, dass die gefeiert werden muss. Und Eminem tut dies angemessen, indem er mit „ShadyXV“ den treuen Fans des Labels nicht nur die größten Hits aus dieser Ära kredenzt (etwa 50 Cents „In Da Club“), sondern auch mehr als ein Dutzend brandneuer Tracks. Einen kleinen Vorboten bekam der geneigte Hörer bereits mit „Guts Over Fear“ (feat. Sia), das im Spätsommer international die Charts stürmte. Eminem selbst steuert überdies Songs wie „ShadyXV“, „Right For Me“, „Die Alone“ (feat. Kobe) und „Fine Line“ bei, ist als Gast aus bisher unveröffentlichten Stücken von Slaughterhouse, Yelawolf und Skylar Grey zu hören. Auch mit seinem Bad-Meets-Evil-Projekt ist der erfolgreichste Rapper der letzten Dekade mit einem Song vertreten („Vegas“). Fleißig, fleißig, auch wenn der Gute mittlerweile an Aggressivität und Energie eingebüßt zu haben scheint. Sieht er offensichtlich auch selbst so: „There’s no more emotion for me to pull from/Just a bunch of playful songs that I make for fun / So to the break of dawn I recylce the same old songs“).

Fazit: Trotz der erwähnten Schwächen ein beeindruckender Querschnitt aus dem Wirken von Shady Records.

Anspieltipps: Detroit vs Everybody, Wanna Know, The Setup

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John Grant – With the BBC Philharmonic Orchestra: Live in Concert

Label: Bella Union/PIAS Coop. VÖ: 2014

Großartige Kunst entsteht aus großem Schmerz. Und ja, der Schmerz ist ein ständiger Begleiter im Leben des John Grant gewesen. Da waren die homphobischen Anfeindungen, die er in jungen Jahren in Colorado über sich ergehen lassen musste. Die Alkohol- und Drogensucht. Und 2011 schlug das Schicksal in Form einer HIV-Diagnose so richtig zu. Dinge, die einen Menschen umhauen können; Dinge, die auch John Grant umgehauen haben. Dinge, die Grant aber in große Kunst zu übersetzen weiß. Das weiß man seit seiner Zeit mit den Czars, spätestens aber seit seinem Solo-Debüt „Queen of Denmark“. Zwei Solo-Alben hat der amerikanische Singer-Songwriter bislang veröffentlicht. Aus „With the BBC Philharmonic Orchestra: Live in Concert“ übersetzt der Gute Titel aus eben jenen Werken in ein symphonisches Gewand. 60 Musiker halfen ihm dabei. Die Übersetzung mag dann und wann eine Herkules-Aufgabe gewesen zu sein (etwa bei „Pale Green Ghosts“), die der mittlerweile in Island lebende Musiker aber meistert. Besonders gut gelingt ihm das bei „Greatest Motherfucker“. Doof nur, dass Grant mit diesem Sound nicht auf Tournee gehen wird. Hätte was. So bleibt uns nur die Tonaufnahme. Immerhin.

Fazit: Grant goes philharmonic. Wir gehen mit.

Anspieltipps: GMF, You Don’t Have To


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D’Angelo and the Vanguard – Black Messiah

Label: RCA/Sony VÖ: 2014

Der Musikkritiker Robert Christgau nannte ihn einst den „R&B Jesus“, jetzt ist D’Angelo wieder auferstanden. Ein kleines Weihnachtswunder, wenn man so will. 14 Jahre lang war ja von dem Guten kein neues (eigenes) Material mehr zu hören, jetzt serviert er uns überraschend „Black Messiah“. Ein shocking Comeback, das so niemand auf dem Zettel hatte, obwohl das Album – beinahe chinese-democracy-mäßig ja seit Ewigkeiten angeteast wurde. Waren keine erfreulichen Jahre, die da hinter dem einstigen Sex-Symbol liegen. Da schien einer seine Gottesgabe zu verschwenden: Drogen, Gewalt, Verkehrsunfälle, Gefängnis. Umso schöner, dass es nun ein musikalisch erfolgreiches Comeback geworden ist. Eigentlich, so heißt es, wollte D’Angelo das Werk erst im Laufe des Jahres veröffentlichen, die Geschehnisse in Ferguson „zwangen“ ihn allerdings, den Release vorzuziehen. Songs wie „1000 Deaths“, „The Charade“ und „Prayer“ sind durchaus sozialkritisch und behandeln Themen wie Krieg, Rassismus oder Religion. Ja, es hat 14 Jahre gedauert, aber es scheint. D’Angelo ist gerade rechtzeitig gekommen.

Fazit: Was wohl Kanye West dazu sagt, dass ihm einer den Black-Jesus-Titel abspenstig machen möchte? Feine Scheibe.

Anspieltipps: 1000 Deaths, The Charade, Sugah Daddy, Prayer

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Hanni El Kathib – Moonlight

Label: Innovative Leisure VÖ: 2015

Mit guten Referenzen lässt sich wuchern. Der Garage-Rocker Hanni El Khatib hat bei seinem letzten Album, „Head in the Dirt“, nicht nur mit einem der ganz Großen (Dan Auerbach) zusammengearbeitet, sondern dafür sogar von noch viel Größeren ein dickes Lob eingeheimst: Elton John und Morrissey. Lässt sich doch sehen, oder? Für sein drittes Album hat sich der Sänger philippinischer und palästinensischer Abstammung 30 Tage in Los Angeles weggeschlossen. Totale Isolation, die der Künstler zum Experimentieren nutzte. Das Resultat nennt sich jetzt „Moonlight“, von dem die Plattenfirma verspricht, dass es sich anhört, als seien Iggy Pop, Tom Waits und RZA gemeinsam ins Studio gegangen. Joa, kann man so stehen lassen, auch wenn der Musiker auf dem Ding fast alles selbst eingespielt hat. El Khatib selbst nennt seine Musik übrigens „Messerkampf-Musik“. Made „for anyone who has ever been shot or hit by a train“.

Fazit: Schlägt ein wie ein Blitz.

Anspieltipps: Moonlight, The Teeth

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J. Cole – 2014 Forest Hills Drive

Label: Roc Nation/Columbia VÖ: 2014

Großes Promo-Tamtam, nein, das hat J. Cole nicht nötig. Weder eine Single-Vorabauskopplung gab’s, auch keinen ausgebufften Markting-Plan oder irgendwelche ollen Guest-Features. Nichts dergleichen. Und was war das Ergebnis? „2014 Forest Hills Drive“  ist nicht nur das dritte Album des Rappers, sondern auch sein drittes, das Spitze der Billboard-Charts erklimmt und das dritte, das Gold-Status erreicht hat. Kann man mal so machen. Ein bisschen stolz kann man hierzulande übrigens auch sein, den J. Cole ist in Frankfurt geboren! Hip Hop made in Germany also. Gut, ja, zugegeben, er ist bereits mit acht Monaten mit seinen Eltern in die USA gezogen und musiziert deswegen nun auf der anderen Seite des großen Teichs. Aber was soll’s! Nun aber ernsthaft: Ist schon ein tolles Teil geworden. Vor allem, weil es ohne diese nervigen Club-Twerking-Beats auskommt, erfrischend unaufgeregt daher kommt und die Texte einen gewissen Tiefsinn mitbringen. Schön, dass er etwas Soul und Funk miteinfließen lässt.

Fazit: Talentierter Mann. So klingt Hip Hop 2014/15.

Anspieltipps: Fire Squad, January 28th

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Ewian – Good Old Underground

Label: Timezone VÖ: 2014

Speaking of alles alleine machen. Auch der Bonner Ewian Christensen ist einer, der dem Do-It-Yourself-Gedanken verfallen ist. Gesang, Piano, Soundkomposition und ein Großteil des Songwritings hat der Mann zum Debüt-Album „Good Old Underground“ seiner 2013 gegründeten Kapelle Ewian beigesteuert. Den Rest besorgten Post-Rocker James Hrabak, die chinesischstämmige Elektro-Künstlerin Fifi Rong, Dark-Pop-Produzent Clemens Engert und Gitarrist Benjamin Lachance. Herausgekommen sind zehn Tracks, die sich zwischen schwärzester Melancholie und hellster Euphorie bewegen, und dabei wie das Ergebnis einer Kooperation von Sigur Ros, The Verve, Placebo und Radiohead klingen. Da treffen Streicher-Passagen und Piano-Klänge auf geile Gitarren. Ein gelungener Mix aus Shoegaze, Brit-Pop und Indie-Rock. Ewian nennen das „Dream Noise“. Kurzum: ein bockstarker Erstling mit vielen Glanzlichtern.

Fazit: Gern mehr davon.

Anspieltipps: The Last Poem, When I Was Dead

 

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Oum – Soul of Morocco

Label: Lof Music VÖ: 2014

Das Bild, das viele von der arabischen Welt haben, ist vorurteilsbeladen. Tausende, durch die Straßen Ostdeutschlands ziehender Ignoranten beweisen das derzeit. Da kommt Oum mit ihrem Album „Soul of Morocco“ gerade recht. Darin gewährt die marokkanische Sängerin nämlich nicht nur einen Blick in ihre Seele, sondern zeigt auch, wie offen, wie liberal diese junge arabische Generation ist – trotz aller traditioneller Verbundenheit. Das drückt sich schon in den Einflüssen aus, die Oum in ihre Musik fließen lässt: Da hört man Bossa Nova raus, kubanische Rhythmen, aber auch französischen Jazz. Zur Hand gegangen sind Oum dabei der marokkanische Percussionist Adhil Mirghani, der Out-Virtuose Yassir Rami sowie zahlreiche französische Jazz-Musiker. Entstanden ist so ein modernes Album einer selbstbewussten Frau, ein ebenso interessanter wie eklektischer Mix aus marokkanischer und universeller Musik. „Soul of Morocco“ ist übrigens bereits das dritte Album von Oum El Ghait Benessahraoui – aber das erste international erscheinende.

Fazit: Erfrischend.

Anspieltipps: Taragalte

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David Hope – Scarecrow

Label: Deepdive Records VÖ: 2015

Der irische Troubadour mit dem keltischen Grollen in der Stimme hat mal wieder einen rausgehauen: „Scarecrow“ ist das nunmehr zweite Album von David Hope, das ihn als vielseitigen Folk-Rocker und Bluesmann zeigt. Zehn Songs kredenzt uns der Mann mit der Reibeisenstimme, der beginnt, sich fernab der Grünen Insel einen Namen zu machen – und damit natürlich auch Vergleiche provoziert. Ein bisschen Springsteen hört man bei ihm raus, auch etwas Tom Waits oder Ray LaMontagne. Storytelling spielt bei Hope eine tragende Rolle. Und er scheut sich nicht, heiße Eisen anzupacken. Tabuthemen. So handelt etwa „Someone Else’s Mind“ von einem Freund, der unter Depressionen litt und am Ende Suizid beging. Nur mit seiner Gitarre führt uns Hope durch dieses dunkle Sujet: „It’s as common here as rain, so much confusion, hurt and shame, but still carries on.“

Fazit: Haunting!

Anspieltipps: Scarecrow, Someone Else’s Mind

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Wilco – What’s Your 20: Essential Tracks

Label: Warner VÖ: 2014

In den vergangenen 20 Jahren haben sich Jeff Tweedy und seine Band Wilco zur erfolgreichsten Kapelle im Folk/Americana/Alternative-Sektor gemausert. In den USA füllt die Combo Stadien, auch hierzulande hat sie eine treue Fanbase. Denen schenken Wilco nun zwei Compilations, die es in sich haben. Auf „Alpha Mike Foxtrot“ finden sich allerlei Raritäten aus den vergangenen beiden Jahrzehnten, dazu gesellen sich seltene Live-Aufnahmen. Auf dem uns vorliegenden „What’s Your 20“ hat die Band ein Best Of zusammengestellt. Übrigens das erste der Gruppe. Und so finden sich dort Tracks aus allen acht Studioalben der Band sowie zwei Titel aus den Mermaid-Avenue-Alben, auf denen sich Wilco mit Billy Bragg den Texten aus dem Nachlass von Woodie Guthrie widmeten und diese mit eigener Musik versahen.

Fazit: Gut für Wilco-Einsteiger.

Anspieltipps: Jesus, etc., Heavy Metal Drummer

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RodStewartGasolineAlley

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Rod_Stewart-Never_a_Dull_Moment_(album_cover)

Smiler_(Rod_Stewart)

Rod Stewart – An Old Raincoat Won’t Ever Let You Down, Gasoline Alley, Every Picture Tells a Story, Never a Dull Moment, Smiler

Label: Mercury/Universal VÖ: 2014

Zusätzliches Weihnachtsgeschenk für alle Rod-Stewart-Fans: Erstmals werden die Alben, die der Schotte mit der Reibeisenstimme zwischen 1969 und 1974 aufgenommen hat, in einem LP-Box-Set veröffentlicht. Inklusive Original-Artwork. Das Box-Set enthält die Alben „An Old Raincoat Won’t Ever Let You Down“ (1969), „Gasoline Alley“ (1970), „Every Picture Tells a Story“ (1971), „Never a Dull Moment“ (1972) und „Smiler“ (1974). Darauf zu finden: der Grundstein von Stewarts illustrer Karriere, inklusive großer Hits, netten Duetts (etwa mit Elton John) sowie teils aufregenden (aber auch teils schalen) Cover-Versionen (Bob Dylan musste da des öfteren herhalten). Mit „Every Picture Tells a Story“ aber auch eines der arguably größten Alben aller Zeiten – auch dank Songs wie „Maggie May“.

Fazit: Für Fans.

Anspieltipps: