Neu im Plattenschrank: Dezember 2015

coldplayColdplay – A Head Full of Dreams

Label: Warner VÖ: 2015

„Ghost Stories“, das nach Chris Martins Trennung von Gwyneth Paltrow entstanden ist, war noch in Musik gegossene Jammerei. Kam bei den Coldplay-Fans nur so mittel an. Und so beschreitet die Band auf ihrem neuen – dem mittlerweile siebten –  Studioalbum wieder einen anderen Weg. Die Laune wird wieder besser, woo-o-ooh. Bunte Pop-Hits kredenzen Coldplay ihren Fans hier, auf denen namhafte Gäste wie Noel Gallagher, Beyoncé, Tove Lo und Merry Clayton ihre Aufwartung machen. Aich Barack Obama wird gesampelt. Kann aber alles über die Beliebigkeit der doch recht uninspirierten Tracks nicht hinwegtäuschen. Mit Songwriting hat das nicht mehr viel am Hut, den Texten fehlt jegliche Tiefe. Auffällig oft flüchtet sich die Combo in irgendwelche dadaistischen Gesangsschnipsel wie „Di Fa Da“ („Adventure Of A Lifetime“) oder „Du Bi Dub Dub Du Bi Dub“ („Army Of One“). Einzig „Everglow“, „Amazing Day“ sowie „Up & Up“ lösen kein stärkeres Ohrenbluten aus. Ein Album, das den Eindruck erweckt, dass Coldplay ihre beste Zeit bereits hinter sich haben. Schade, wenn man an „Parachutes“ und Konsorten zurückdenkt. Scheint aber leider, als würde man in Sachen Substanzlosigkeit und Beinebreitmachen für den Mainstream den Bon-Jovi-Weg gehen wollen. Woo-o-ooh.

Fazit: Dürftig.

Anspieltipps: Everglow, Amazing Day, Up & Up

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The Who – Live in Hyde Park

Label: Universal VÖ: 2015

Als sie 1965 auf der Bildflächee auftauchten, da waren The Who die legtimen Bad Boys des Musikbiz. Mit „My Generation“ machten die sie die Fronten klar: Es ging ihnen um Konfrontation. Den Konflikt der Generationen. „Hope I die before I get old“. Zetrümmerte Instrumente inklusive. Gefährlich waren sie. So gefährlich, dass die Briten den Verkauf des vorliegenden Konzertmitschnitts nur an Personen jenseits der 15 erlaubt. Der Gig fand anlässlich des 50. Bühnenjubiläums von The Who am 26. Juni 2015 in Londons berühmten Hyde Park statt. The Who klotzten und spielten Klassiker wie „My Generation“, „Pinball Wizard“, „Baba O’Riley“, „Pictures Of Lily“, „I Can’t Explain“, „You Better You Bet“, „Who Are You“, „Won’t Get Fooled Again“, „Join Together“, „The Kids Are Alright“ oder auch „I Can See For Miles“. Pete Townshend und Sänger Roger Daltrey bewiesen – spätestens an diesem Abend – vor 65.000 Zuschauern, dass sie trotz fortgeschrittenen Alters immer noch nicht zum alten Eisen gehören. Townshend haut immer noch rein, Daltreys Stimme hat von ihrer Kraft nichts eingebüßt. Ein gelungener Auftritt der Alt-Rocker, der glücklicherweise auch auf DVD/BluRay dokumentiert wurde. Bleibt dem Käufer nur die Qual der Wahl: Erhältlich ist „Live In Hyde Park“ als DVD, Blu-ray, CD, Vinyl und in diversen Format-Kombinationen.

Fazit: Happy Birthday!

Anspieltipps: My Generation, Baba O’Riley

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Sophie – Product

Label: Numbers VÖ: 2015

Musik kann eine sinnliche Angelegenheit sein. Dass sie auch mehr Sinne als das Hören ansprechen kann, dachte sich wohl auch der britische Electro-Künstler Sophie, der zu einer bestimmten Edition seines neuen Albums „Product“ einen Doppeldildo beilegen ließ (wahlweise auch eine Dauen-Jacke oder Plateau-Schuhe). Klingt nach einer beinahe Warhol’schen Verbindung von Kommerz und Kunst. So bringt man sich zumindest ins Gespräch. Und die Musik? Eine Sammlung von bereits erschienenen Singles und neuen Tracks. Club Music aus der Kunstschule. Hyper Dance Pop. Ein Sounddesign, das an Aphex Twin erinnert. Stark gepitchte Stimmen. Stimmung: Fröhlich. Aufgedreht. Wahnsinnig.

Fazit: Grell.

Anspieltipps: Lemonade

 

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Twin Bandit – For You

Label: Nettwerk VÖ: 2015

Die Legende von der Gründung von Twin Bandit geht so: Eine kleine Küche in der St. James Musikakademie in Vancouver, vor zwei Jahren. In dieser gemeinnützigen Einrichtung, in der die Bäuche der bedürftigen Nachbarschaftskinder mit Essen und die Köpfe mit Musik gefüllt werden, verzweifelte Köchin Hannah Walker an der Aufgabe, hunderte Quesadillas vorzubereiten und gleichzeitig eine ungelernte, freiwillige Helferin anweisen zu müssen. In diesem Neuling, Jamie Elliot, fand sie denn aber nicht nur eine formidable Küchenhilfe, sondern auch ihren musikalischen soulmate. Die beiden gründeten kurz darauf das Folk-Americana-Duo Twin Bandit und legen mit „For You“ nun den ersten großen Arbeitsnachweis vor. Dieser besteht aus sieben eigenen Songs und ein paar Coverversionen. Es ist ein sehr intimes Album geworden, man hat beinahe das Gefühl, diese Schwestern im Geiste zu belauschen. Wunderbar, wie ihre Stimmen verschmelzen. Das trägt zwar noch nicht über ein ganzes Album, aber gute Ansätze sind durchaus da.

Fazit: Im Auge behalten.

Anspieltipps: Rosalyn, Crown

 

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Battle – Symptoms

Label: Big Oil/Soulfood VÖ: 2015

Bei Battle handelt es sich um ein dänisches Rock-Quartett, dessen Musik sich so anhört, als hätte jemand den typischen Sound einer dänischen Bodega für die ganz große Bühne aufgemotzt. Ungestüm. Wild. Mitreißend. Dringlich. Eine Melange aus Garage Rock vom Feinsten, Jazz und Sixties Pop. Inhaltlich geht’s ans Eingemachte: In ihren Liedern geht es um Liebe und Verrücktheit, um geistige Gesundheit, Einsamkeit, Träume und Erwartungen. Themen, die teilweise immer noch tabuisiert werden und nicht gerade typisches Debütalbum-Material sind. Ambitioniert. Unerwartet. Und gerade deswegen ungemein erfrischend.

Fazit: Überraschend anders, überraschend gut.

Anspieltipps: Life in Mono, Symptoms, You Said It

 

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The Last Fight – Ave

Label: Be True Music/SPV VÖ: 2015

The Last Fight, jenes Quartett um Bandgründer und Bandleader James Dini gibt es seit 2010. Damals saßen Dini und Drummer Gigi Colombo abends in ihrer Lieblingskneipe in Nord-Italien und beschlossen, dass es zu wenig gute Rockmusik auf der Welt gibt, die auch radiotauglich ist. Wie auch immer sie auf diesen Gedanken gekommen sind, ist unklar. Klar ist aber: So wurde der Grundstein gelegt. Fünf Jahre später und um zwei Bandmitglieder reicher, nämlich Leon Cohnen aus Köln an der Leadgitarre und Yaroslav Bebko aus Lutsk am Bass, präsentieren die vier Jungs nun ihren ersten Long-Player. Auf dem Album, das den Namen „Ave“ trägt, feuern The Last Fight aus allen Kanonen und lassen erahnen, warum sie es bereits ins Vorprogramm von Bands wie Coldplay oder We Are Scientists geschafft haben. Elf Songs, die es ordentlich und old-fashioned krachen lassen. Elf Songs, die aber auch nicht wirklich formatradio-tauglich sein dürften. Der große Hit ist hier nämlich nicht dabei.

Fazit: Bumst.

Anspieltipps: Morning Sun, Apple of Your Eye

 

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Linda Gail Lewis – Hard Rockin‘ Woman

Label: Lanark Records/Membran/Sony VÖ: 2015

Musik liegt hier in der Familie: Linda Gail ist die jüngere Schwester von Rock’n’Roll-Legende Jerry Lee Lewis. Und wie ihr großer Bruder wurde auch Linda Gail Lewis von den Hillbilly Sounds und dem Rhythm and Blues Louisianas geprägt. Von Jerry Lee schaute sich die Gute zwischenzeitlich offenbar auch noch etwas ab, wenn man sich ihr Piano-Spiel so anhört. In den vergangenen 15 Jahren tourte die Dame vor allem und spielte bei vielen großen Rock-Festivals, ließ sich aber Anfang 2015 überreden, mal wieder ein neues Album aufzunehmen. Das tat Linda Gail denn auch. Im Lanark Studio entstanden im Februar zwölf Songs, darunter auch ein paar Cover, die sich im Spannungsfeld zwischen Rock´n´Roll, Country, Boogie Woogie und Blues bewegen. Dabei klingt das Ganze nie verzweifelt modern oder prätentiös. Stattdessen werden hier ganz retromäßig Ärsche gekickt. Linda Gail Lewis is der Female Killer. Macht Laune. Vor allem weil so etwas doch heute eigentlich gar nicht mehr hergestellt wird. Tolle Sache.

Fazit: Das Album wird seinem Titel gerecht.

Anspieltipps: Hard Rockin‘ Man, Spell Bound, Rockin‘ My Life Away

 

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Blue – Colours

Label: 25 Media/ Rough Trade VÖ: 2015

Die große Zeit der Boybands ist vorbei. In den 90er und 00er Jahren überschwemmten diese zusammengecasteten Formationen weltweit noch die Charts, mittlerweile scheint das Konzept aber überholt. Einzig One Direction halten sich noch recht tapfer. Auch Blue fingen damals, im Jahr 2000, als Boyband an. Das Quartett feierte schnell einige Erfolge, das Debütalbum „All Rise“ erklomm Platz 1 der UK-Charts und verkaufte sich weit über eine Million Mal. Auch die Nachfolger „One Love“ und „Guilty“ erreichten den Spitzenplatz im Königreich. Danach legte die Gruppe eine Pause ein, seit sechs Jahren gibt es sie aber nun wieder. Aus dem Boyband-Alter sind die Mitglieder mittlerweile rausgewachsen, weshalb sie sich nun gern als R&B-Popband versteht. Der Sound auf dem neuen Album „Colours“ weist denn aber dennoch deutliche Boyband-Bezüge auf. Ursprünglich sollte das Ding ein reines Cover-Album werden, dann aber landeten doch vor allem eigene Songs auf dem Longplayer. Mit „King of the World“ ist den Jungs auch ein ganz passabler Ohrwurm gelungen. Der Rest ist eher vernachlässligbar. Vier Cover hat die Band aber dann doch irgendwie untergebracht:   das von Simply Red bekannt gemachte „If You Don’t Know Me By Now“ von Harold Melvin & The Blue Notes oder das unkaputtbare „I Don’t Wanna Talk About It“ von Rod Stewart, beide im neuen Gewand. Hätte nicht sein müssen, an die Vorbilder reichen die Versionen nicht ran.

Fazit: Noch zu sehr im Boyband-Stil festgefahren.

Anspieltipps: King of the World, Home

 

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The Neighbourhood – Wiped Out!

Label: Sony Music VÖ: 2015

Auch schon wieder drei Jahre ist bereits her, dass die kalifornische Popband The Nighbourhood mit ihrer Doppelplatin-Single „Sweater Weather“  und dem Debütalbum „I Love You“ die US Billboard Charts rockten. Nun legt die Band um Sänger Jesse Rutherford das Follow-Up-Album „Wiped Out!” nach, das unter anderem die Single „R.I.P. 2 My Youth” enthält. Das atmosphärische Schwarz-Weiß-Video mag der eine oder andere schon gesehen haben. Musikalisch fehlt „Wiped Out!“ etwas die Wärme des Vorgängers, The Neighbourhood sind deutlich kühler unterwegs. Hat nicht mehr viel von sunny California. Wirkt etwas melancholisch. Warum das energetische „R.I.P. 2 My Youth“ das Album schließt und nicht eröffnet, bleibt das Geheimnis der Band. Hätte einen gelungen Opener abgegeben. Wäre aber auch irreführend gewesen, wenn man den Rest des Albums so betrachtet.

Fazit: Der Vorgänger war besser.

Anspieltipps: R.I.P. 2 My Youth

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Hugo Race & The True Spirit – False Idols

Label: Glitterhouse/Indigo VÖ: 2015

Hugo Race ist eine australische Underground-Legende. Der Ex-Bad Seeds-Member ist längst solo unterwegs und legte zuletzt im Sommer das gelobte „The Spirit“-Album vor. Nun gibt’s einen Nachschlag. Fünf neue Songs, auf einer auf 1000 Exemplare limitierten 10″ (plus CD) zusammengefasst, die dort weitermachen, wo „The Spirit“ aufhörte. Es bleibt düster. Race selbst beschreibt die EP als „wilden Ritt“. Der Stil? Eklektisch. Beispiele gefällig? Im gleichen Studio in Melbourne wie das Album aufgenommen, geht der Song „Poor Boy“ auf Races Kollaboration mit dem Jeffrey Lee Pierce Sessions Project zurück und basiert auf einem nie fertig gestellten Gun-Club-Songfragment.  „Hematite“ mit seinem Sahara-beeinflussten Rhythmus wurde mit Don Rogall geschrieben, auf der düstere Delta-Blues-Nummer „Magnetic Girl“ hört man Patrick Brown (The Hellhounds) an der Gitarre.

Fazit: Musik für die Freunde der Nacht.

Anspieltipps: Poor Boy, Hematite, Magnetic Girl

 

BACKKATALOG

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Bruce Springsteen – The Ties that Bind: The River Collection

Label: Columbia/Sony VÖ: 2015

„The River“ hat unter all den Alben, die Bruce Spring­steen im Laufe seiner imposanten Karriere veröffentlicht hat, eine Sonderstellung inne. Ein Klassiker zwar, aber einer, bei dem man immer das Gefühl hatte, dass da weniger mehr gewesen wäre. Das Doppelalbum kam einem – trotz der vielen Hits – irgendwie immer zu lang vor. Dabei sollte das Ding ursprünglich auf zehn Songs beschränkt sein, „The Ties that bind“ heißen, aber der Boss war wie im Schreib-Rausch und konnte einfach nicht an sich halten. Und mit jedem neuen Song, den er schrieb, verwässerte der ursprüngliche Gedanke, der das Album tragen sollte. Mehr als 30 Jahre konnten sich Fans nur anhand von Bootlegs die Frage „Was wäre wenn“ einigermaßen beantworten. Einige Songs wurden auf „Tracks“ veröffentlicht, andere als B-Seiten, manche schenkte Springsteen Gary U.S. Bonds, ein Lied seinem Freund Warren Zevon. „Hungry Heart“ hatte Springsteen ursprünglich für die Ra­mones konzipiert, bevor Jon Landau ihm jedoch noch ins Gewissen redete. Dank der nun vorliegenden „River Collection“ kann man aber nun „The Ties That Bind“ hören, wie es hätte sein sollen. Macht einen fast wehmütig, so gut ist beispielsweise die grandiose Fassung von „Stolen Car“. „The Ties that Bind“ ist besser als „The River“, hat einen gewissen 60s-Ring to it – und auch die Outtakes sind hörenswert. Nach solchen Tracks würden sich die meisten anderen Künstler die Finger lecken, dem Boss waren sie allerdings mal nicht gut genug. Dazu gibt’s noch ein paar DVDs inklusive einer äußerst gelungenen Doku. Thom Zimnys  Film rückt den Boss himself als Experten in eigener Sache in den Vordergrund. Obendrein bietet das Boxset den Mitschnitt des Konzerts in Tempe/Arizona vom 5. November 1980. Springsteen in Top-Form.

Fazit: Großartige Sammlung. Für Fans ein Muss.

Anspieltipps: Hungry Heart, The River, Stolen Car

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Ed Sheeran – X (Wembley Edition)

Label: Warner VÖ: 2015

Pünktlich zur Weihnachtszeit legt Ed Sheeran eine erweiterte Version seines aktuellen Bestseller-Album „X“ vor. Die neue Variante enthält neben sämtlichen Songs der Standard-Ausgabe einige neue Tracks, darunter  „Lay It All On Me“ von Rudimental, dem Ed Sheeran seine Stimme leiht, sowie den Felix-Jaehn-Remix seiner Single „Photograph“. Neu sind auch „English Rose“, „Touch and Go“ und „New York“, die – ebenso wie schon das Album „x“ – rund um die Welt aufgenommen wurden, von Los Angeles über New York bis nach London. Musikalisch hält sich Sheeran an das Erfolgsrezept, das sein zweites Studioalbum zum meistverkauften Album des Jahres 2014 machte. Seichter Singer-Songwriter-Pop, allerdings etwas urbaner als der Vorgänger. Als Produzenten wählte Sheeran Jake Gosling, Rick Rubin (Eminem, Jay-Z, & Red Hot Chili Peppers) wirkte bei „Touch and Go“ mit, Emile Haynie (Bruno Mars, Eminem, Lana Del Rey) bei „New York“. Die Ausgabe kommt mit einer DVD daher: „Jumpers For Goalposts Live at Wembley Stadium“ (Regie: Paul Dugdale) enthält  Film-Aufnahmen vom Sommer, als Sheeran in London als erster Solo-Künstler überhaupt an drei aufeinanderfolgenden Tagen das Wembley-Stadion ausverkaufte. Bonbon: Ein Gastauftritt von Sir Elton John. Neben den Live-Performances ermöglicht „Jumpers For Goalposts Live at Wembley Stadium“ einen Einblick in Eds Leben „on the road“.

Fazit: Lohnt wegen der sehenswerten DVD.

Anspieltipps: I See Fire, Sing

 

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Saltatio Mortis – Zirkus Zeitgeist: Ohne Strom und Stecker

Label: Universal VÖ: 2015

Mit „Zirkus Zeitgeist“ schossen die acht süddeutschen Musiker von Saltatio Mortis in diesem Jahr auf Platz eins der deutschen Album-Charts. Einem gefälligen Mix aus Rock, Punk und Mittelalter-Klängen mit Texten, die klarer und gradliniger in ihrer Gesellschaftskritik waren als alles, was die Band davor zustande gebracht hatte. Klar, dass die Kapelle da direkt nachlegen wollte. Und so zog sie sich direkt ins Studio zurück, um an neuen Aufnahmen zu arbeiten. Die Idee: zurück zu den Anfängen der Band. Zurück in eine Zeit, in der die Spielleute noch „ohne Strom und Stecker“ an der Straßenecke und auf kleinen Bretterbühnen aufspielten. Saltatio Mortis kleideten die Songs aus „Zirkus Zeitgeist“, einer knackigen Rockproduktion, in ein akustisches Gewand. In der limitierten Deluxe-Edition gibt es überdies noch eine Bonus-CD mit Weihnachssongs im Zeichen vom Dudelsack, E-Gitarre und bissigen Texten.

Fazit: Längst nicht mehr nur reiner Mittelalter-Rock.

Anspieltipps: Wo sind die Clowns, Des Bänkers neue Kleider, Willkommen in der Weihnachtszeit

 

Frank Sinatra – Ultimate Sinatra

Label: Universal VÖ: 2015

Frank Sinatra gehört zweifellos zu den großen Stimmen des 20. Jahrhunderts. Und zu den langlebigsten: Seine Studiokarriere dauerte unglaubliche sechs Jahrzehnte an: 1939 sang er seinen ersten Song ein und seine letzten Aufnahmen machte er im Jahr 1993 für sein weltweit gefeiertes, mehrfach mit Platin ausgezeichnetes Album „Duets“ und „Duets II“. Am 12. Dezember 2015 wäre Frank Sinatra 100 Jahre alt geworden. Klar, das ist eine Marke, die es zu feiern gilt. Anlässlich des 100. Wiegenfests von Ol‘ Blue Eyes erschien dieser Tage eine die komplette Karriere des legendären Entertainers umspannende Collection seiner Musik. „Ultimate Sinatra“ gibt es als 25 Track-CD, 26 Track-Download, 24 Track-180g Vinyl Doppel-LP oder als limitierte 101 Track Deluxe 4CD- und Download-Version und vereint erstmals die wichtigsten Columbia-, Capitol- und Reprise-Aufnahmen in einem Paket. Alle Formate enthalten bisher unveröffentlichte Aufnahmen von Sinatra und die 4CD-Deluxe, bzw. 2LP-Vinyl Versionen enthalten zusätzlich Download-Codes für weitere Bonustracks. Die uns vorliegende 1CD-Version bietet einen guten Querschnitt durch Sinatras Karriere, alle wichtigen Hits sind in guter Qualität drauf – ideal für Einsteiger.

Fazit: Würdiges Best-Of.

Anspieltipps: Love and Marriage; New York, New York, My Way, Fly me to the Moon, Strangers in the Night

 

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The White Birch – Star Is Just A Sun

Label: Glitterhouse VÖ: 2015

2002 war das Jahr von The White Birch. Die Türme in New York waren gerade gefallen, die White Stripes, The Strokes und The Libertines hauchten dem Gitarrenspiel neues Leben ein – und die norwegische Slowcore-Combo The White Birch veröffentlichten mit „Star is Just A Sun“ ihr prägendstes Werk. Vier Jahre Arbeit steckte das Trio in dieses kleine Meisterwerk. Vier Jahre Arbeit, die sich gelohnt hatten: Keyboard-Flächen, Piano-Melodien, Soundwände, ein langsam pulsierender Bass, Ola Flottums warme Stimme und der verhuschte Nachklang des Schlagwerks machten den Sound der Band aus, zu der auch Hans Christian Almendingen und Ulf Rodge gehörten, aus. Sechs Jahre lang war dieses gefeierte Machwerk nicht mehr erhältlich, nun liegt es remastered und restauriert wieder vor. Erstmals auch auf Vinyl. Schade, dass es die Combo nicht mehr in dieser Form gibt. Flottum ist allerdings unter diesem Namen noch solo unterwegs.

Fazit: The (modern) Sound of Silence.

Anspieltipps: Gesamtkunstwerk.