Neu im DVD-Regal: Januar 2015

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Wacken – der Film

Studio: Warner Home Video VÖ: 2014

Selbst wer mit Heavy Metal nichts am Hut hat, kommt mittlerweile am Wacken Open Air nicht mehr vorbei. Jahr für Jahr berichten auch die Mainstream-Medien über das Festival in der schleswig-holsteinischen Provinz, zu dem regelmäßig rund 85.000 Musikfans aus aller Welt pilgern. Anders als die 2006 erschienene Dokumentation „Full Metal Village“, bei dem die Einwohner des 1800-Seelen-Dorfs im Mittelpunkt standen, konzentriert sich „Wacken – der Film“ ganz auf das Festival an sich, das die Filmemacher um Regisseur Norbert Heitker im Jahr 2013 begleitet haben. Musiker wie Scott Ian (Anthrax), Mikkey Dee (Motörhead), Jeff Waters (Annihilator) oder Henry Rollins kommen dabei zu Wort und beschreiben, was für sie den Mythos Wacken ausmacht. Daneben gibt es unter anderem Ausschnitte aus den Gigs von Deep Purple, Rammstein, Alice Cooper oder Sabaton zu sehen. Und natürlich kommen zwischen den erwartbaren Bildern vom Wahnsinn auf dem Festivalgelände immer wieder Fans zu Wort, beispielsweise eine junge Frau aus Taiwan, die zum dritten Mal beim Wacken Open Air dabei ist und ihren Eltern erzählt hat, sie sei auf Geschäftsreise.

Am stärksten ist „Wacken – der Film“ immer dann, wenn die völkerverbindende Kraft der Musik deutlich wird, zum Beispiel bei der ersten English-for-runaways-Kontaktaufnahme der Taiwanesin mit ihrem deutschen Nachbarn auf dem Campingplatz. Oder beim Wacken-Metal-Battle, wenn Amateur-Bands aus der Mongolei, Rumänien und Uruguay, die sich in nationalen Ausscheidungen für einen Auftritt auf dem Festival qualifiziert haben, aufeinander treffen. Schade, dass sich die Filmemacher nicht stärker auf diesen Aspekt konzentriert haben und sie ihre „Protagonisten“ immer wieder aus den Augen verlieren. So bleibt die Dokumentation doch sehr an der Oberfläche und lässt den roten Faden ein wenig vermissen. (tz)

 

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Die große Versuchung

Studio: Universum VÖ: 2014

In einem kleinen Küstenstädtchen auf einer winzigen kanadischen Insel haben die Einheimischen ein dickes Problem: Sie haben keine Arbeit mehr, seit das mit der Fischerei nicht mehr so läuft. Als da ein Öl-Konzern eine Fabrik auf der Insel eröffnen will, schöpfen die Insulaner neue Hoffnung. Aber es gibt ein Problem. Der Öl-Konzern knüpft seine Zusage an Bedingungen: Die ärztliche Versorgung muss gewährleistet sein. Heißt: Ein niedergelassener Arzt muss her. Der kommt in Form eines jungen Großstadtarztes (Taylor Kitsch) nach Tickle Cove. Der junge Mediziner wurde nämlich am Zoll mit Kokain erwischt – und zwar vom ehemaligen Bürgermeister der Insel, der mittlerweile als Kontrolleur sein Geld verdient. Um einer Anzeige zu entgehen, willigt der Arzt ein, einen Monat Dienst auf der idyllischen Insel zu tun. Die Insulaner, angeführt von Ortsvorsteher Murray French (Brendan Gleeson), haben also vier Wochen Zeit, den Mann davon zu überzeugen, sich dort niederzulassen.

Ja, zugegeben, ein bisschen hat die Geschichte etwas von „Doc Hollywood“ (mit Michael J. Fox) und ist natürlich etwas vorhersehbar. Das stört aber nicht weiter, dafür ist der Film (Regie: Don McKellar) mit seinen beeindruckenden Landschaftsbildern viel zu unterhaltsam, dafür hat diese liebenswerte Komödie zu viel Charme. Und das liegt natürlich vor allem an Brendan Gleeson („The Guard“), der den bärbeissigen, kauzigen Murray mit viel Witz und Verletzlichkeit spielt.

 

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The Captive

Studio: Ascot Home Entertainment VÖ: 2015

Ein paar Augenblicke reichen, um das Leben von Matthew (Ryan Reynolds) gründlich auf den Kopf zu stellen. Eigentlich wollte er nur mal eben in eine Bäckerei springen, doch als er wieder aus dem Geschäft kommt, ist seine zehnjährige Tochter Cassandra, die im Wagen gewartet hatte, spurlos verschwunden. Acht Jahre vergehen. Acht Jahre, in denen sich Matthew und seine Frau (Mireille Enos) immer weiter voneinander entfremden. Acht Jahre, in denen die Ermittler Dunlop und Cornwall (Rosario Dawson, Scott Speedman) völlig im Dunkeln tappen. Bis eines Tages Cassandras Bild im Internet auftaucht. Sie lebt und befindet sich immer noch in der Gewalt des perversen Entführers (Kevin Durand), der sein Psycho-Spiel aber nicht nur mit der Heranwachsenden spielt, sondern auch mit den verzweifelten Eltern und den Polizisten.

In Cannes wurde der Film, der hier Direct-to-BluRay erscheint, regelrecht vom Publikum zerrissen. Es gab laute Buh-Rufe. Ein schlechtes Zeichen? Nicht unbedingt, das ist auch schon Klassikern wie „Crash“ und „Taxi Driver“ passiert. In der Tat handelt es sich nämlich hier um einen unter die Haut gehenden, herzzereissenden Thriller, mit einem starken Ryan Reynolds in der Hauptrolle. Mit der Thematik kann nicht jeder umgehen. Offenbar hat Regisseur Atom Egoyan einen Nerv getroffen.

 

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Eyjafjallajökull – Der unaussprechliche Vulkanfilm

Studio: Universum Film VÖ: 2014

Als im Frühjahr 2010 der isländische Vulkan Eyjafjallajökull Feuer spuckte, saß der Autor dieser Zeilen in einem Hotelzimmer auf Bali und hoffte inständig, dass unter den vielen gestrichenen Flügen nicht auch seiner sein würde. Das Pecht hatten nämlich Alain (Dany Boon) und Valérie (Valérie Bonneton), die seit 20 Jahren geschieden und immer noch voller Hass füreinander sind. Beide sitzen dummerweise im selben Flieger auf dem Weg zur Hochzeit ihrer Tochter in Griechenland. Als der Vulkan ausbricht, muss das Flugzeug in München notlanden – und Alain und Valérie müssen die verbleibenden 2100 Kilometer gemeinsam im einzigen Mietwagen verbringen, der noch aufzutreiben war. Klar, dass dieser Road-Trip nicht harmonisch verlaufen wird. Rosenkrieg auf Französisch.

In Sachen Komödie haben es die Franzosen echt drauf, das weiß man nicht erst seit dem Film „Wilkommen bei den Sch’tis“, bei dem übrigens auch Dany Boon dabei war. Und so tritt man denn auch „Eyjafjallajökull“ wohlwollend gegenüber – alleine schon des Namens wegen. Der Film hat zwar auch seine witzigen Momente, allerdings ist der Beziehungskrieg zwischen Alain und seiner früheren Herzdame viel zu überdreht, sehr klamaukig, teilweise absurd. Das Feinsinnige, das französische Komödien sonst auszeichnet, fehlt hier völlig.

 

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The Pact 2

Studio: Ascot Home Entertainment VÖ: 2014

Eigentlich dachte Annie Barlow, dass der Albtraum vorbei sei, nachdem der berüchtigte Judas-Killer Charles Barlow vernichtet wurde. Doch wieder geschieht ein Mord, der die Handschrift des Irren trägt. Das FBI glaubt an einen Nachahmungstäter, der sich Opfer sucht, die mit dem ersten Fall zu tun hatten. June Abbott (Camilla Luddington) versteht zunächst nicht, warum sie auf der Liste des Killers stehen soll. Das ändert sich aber schlagartig, als sie herausfindet, dass ihre richtige Mutter Jenny Glick war – das erste Opfer des Mörders. June beginnt, in ihrer Vergangenheit zu graben. Könnte der Judas-Killer gar ihr Vater sein?

Das Grauen geht weiter. Buchstäblich. Die Fortsetzung von The Pact ist eine Mischung aus Haunted-House-Horror, Psycho-Thriller und Serienkiller-Gore. Ob’s die aber gebraucht hätte? Schon der erste Teil war relativ dünn. Der zweite ist jetzt sogar recht plump. Das Acting ist zwar vergleichsweise solide (für dieses Genre), die Logik-Löcher nerven aber. Dem Judas-Killer fehlt zudem ein Gimmick, nichts lässt ihn unverwechselbar erscheinen. Michael Myers, Freddy Krueger und Jason können da nur müde mit den Schultern zucken.

 

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Mr. Hoppys Geheimnis

Studio: Ascot Elite VÖ: 2014

Mr. Hoppy (Dustin Hoffman), ein kleiner stiller Herr, liebt die lebenslustige Mrs. Silver (Judi Dench). Am liebsten würde er sie einfach heiraten. Doch leider beschränken sich ihre Treffen auf ein paar nachbarschaftliche Worte im Aufzug oder von Balkon zu Balkon. Eines Tages erzählt sie ihm, wie traurig sie ist, dass ihre geliebte Schildkröte Alfie einfach nicht wachsen will. Da fasst Mr. Hoppy einen Plan: Er will Alfie zum wachsen bringen, und so Mrs. Silvers Herz gewinnen.  Dazu benötigt Mr. Hoppy 100 Schildkröten, ein Zaubergedicht aus Nordafrika, viel Geschick und ein wenig echte Magie …

Es ist eine liebenswerte Geschichte, die Roald Dahl („Charlie und die Schokoladenfabrik“), der Meister der skurrilen Charaktere, da geschrieben hat. Diesmal kommt er ganz ohne die makabren Untertöne aus, die man sonst in vielen seiner Kinderbücher finden kann. Und so ist es eine schräge Stoy mit viel Zuckerguss geworden, die aber dennoch nie Gefahr läuft, zu kitschig zu werden. Dafür sorgen mit Dustin Hoffman und Judi Dench natürlich auch zwei ausgewiesene Könner ihres Fachs. Botschaft: Egal wie alt man ist, für die Liebe ist es nie zu spät.

Texte: Benjamin Fiege, Timo Leszinski