Neu im DVD-Regal: November 2015

MUSIK

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Grönemeyer – Dauernd Jetzt Live

Verleih: Universal VÖ: 2015

Muss man nach 40 Jahren auf der Bühne auch erst mal schaffen: Die aus 28 Konzerten bestehende „Dauernd Jetzt“-Tour zum gleichnamigen Nummer-eins-Album, die Herbert Grönemeyer durch Deutschland, Österreich und die Niederlande führte, war eine der erfolgreichsten des Künstlers überhaupt. Mehr als eine halbe Million Menschen wollten Good Ol‘ Herbert zwischen Mai und Juni 2015 live sehen und hören. Ein Konzert dieser Reihe, vom 16. Juni in der Wiener Stadthalle vor 16.000 Besuchern, wurde für die nun vorliegende DVD/BluRay dokumentiert. In rund zwei Stunden sind 25 Songs zu hören, von den aktuellen Hits wie „Wunderbare Leere“ und „Fang mich an“ über Klassiker à la „Bochum“ und „Mensch“ bis zu Raritäten wie „Ich hab dich lieb“. Ein paar ältere Stücke erlebt man überdies in neuem Gewand: „Flugzeuge im Bauch“ als federnden Nachtclub-Jazz beispielsweise. Oder„Kinder an die Macht“ als Motown-ähnlichen Soul-Stomp.

Sound und Bild sind überzeugend, die Stimmung in der Halle ist auch fantastisch. Schon mal gute Voraussetzungen. Auch Grönemeyer war an diesem Abend in guter Form und man würde sich dieselbe Klasse im Umgang mit der Presse wünschen. Da lassen er und sein Management in letzter Zeit zu wünschen übrig. Die Rede ist von Zensur, von Versuchen, die Berichterstattung über seine Tour – die im Mai und Juni 2016 weitergehen soll – zu kontrollieren. Sollte er eigentlich nicht nötig haben. Und führt nun dazu, dass sich einige Medienhäuser nun weigern, über die Grönemeyer’schen Auftritte zu berichten. Verständlicherweise. Unverständlich hingegen: Warum auf der BR im Jahr 2015 jegliches Bonus-Material fehlt – und warum das Konzert nicht vollständig erscheint.

 

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Roger Waters – The Wall

Verleih: Universal VÖ: 2015

„The Wall“? Kennt man. Eines der 15 Studio-Alben von Pink Floyd, vielleicht das legendärste, und bekannt für Titel wie „Another Brick in the Wall“ oder „Run Like Hell“. Mehr als 33 Millionen Mal hat sich das Ding bis heute verkauft. Die gleichnamige Show wurde 1981 an nur vier Orten live aufgeführt. Nach dem Fall der Berliner Mauer veranstaltete Waters das Konzert „The Wall – Live in Berlin“ (1990) mit einigen prominenten Gastmusikern, bevor er mit dem Solo-Projekt „The Wall Live Tour“ einen weiteren Meilenstein seiner Karriere setzt.  Und genau dieses Live-Spektakel haben Waters und Regisseur Sean Evans als Konzert-Dokumentation inszeniert: Der hier vorliegende Film wurde während der ausverkauften „The Wall Live Tour“ zwischen 2010 und 2013 gedreht. Die Show, die vor mehr als 4 Millionen Fans in 219 Konzerten drei Jahre lang gezeigt wurde, war laut Angaben der Filmemacher die größte Konzerttour, die von einem Solokünstler je realisiert wurde. Dabei entfaltet sich der Film auf mehreren Ebenen – als allumfassendes Konzertereignis des Albumklassikers von Pink Floyd, als Roadmovie, bei dem Roger Waters eine Reise in die eigene Vergangenheit unternimmt, und als berührender Antikriegsfilm, der vor allem die menschlichen Verluste in den Vordergrund stellt. Stadionspektakel trifft History Channel sozusagen. Zu hören sind unter anderem die Hits „Another Brick in the Wall Part 2“, „Comfortably Numb“ und „Run Like Hell“.

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Katy Perry – Prismatic World Tour Live

Verleih: Capitol VÖ: 2015

Musikalisch nicht my cup of tea, aber eines muss man Katy Perry dann doch lassen: Die große Show hat sie drauf. Überzeugen kann man sich davon auf der BluRay zur „The Prismatic World Tour Live“, die zwischen Mai 2014 und Oktober 2015 Perry über 151 Konzerte auf fünf Kontinenten auf Trab hielt. Mehr als 2 Millionen Fans jubelten der Dame zu, wie sie Smash-Hits wie „Roar“, „Firework“, „I Kissed A Girl“, „Dark Horse“, „California Gurls“ oder auch „Hot N Cold“ performte, die auch allesamt auf dem vorliegenden Medium zu finden sind. Gedreht worden ist der Film im Dezember 2014 in Sydney. Hier wird der Beweis angetreten, dass man durchaus zu jedem Song ein neues Kostüm tragen kann. Visuell ist dieser von Baz Halpin konzipierte Streifen aber in der Tat durchaus beeindruckend geraten. Regie führte Russell Thomas. 30 Minuten Bonusmaterial gibt’s obendrein.

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Johannes Oerding – Alles brennt: Live in Hamburg

Verleih: Sony VÖ: 2015

Johannes Oerding ist einer, der es liebt, auf der Bühne zu stehen. Zu performen. Und so überrascht es, dass der Mann bislang nicht auf die Idee kam, eine Live-DVD zu veröffentlichen. Holt er nun mit „Alles brennt: Live in Hamburg“ nach. Mehr als 250 zum großen Teil ausverkaufte Shows hat Oerding in den vergangenen zwei Jahren gespielt, eines davon wurde nun für die Ewigkeit festgehalten.

Der Zeitpunkt ist nicht ungeschickt gewählt. „Alles brennt“, das vierte Studio-Album des Barden, ist auch sein bisher erfolgreichstes. Die 22 Songs, die er im Juni in der vollbesetzten Hamburger Sporthalle mit dem Team von Jetpack Film aufgenommen hat, umfassen fast das gesamte Erfolgsalbum (inklusive der gleichnamigen Single) und Klassiker wie „Nichts geht mehr“ und „Engel“. Als Bonus bietet der Streifen einen 32-minütigen, intimen Blick in den Backstage-Bereich einer Oerding-Show.

FILM

image002-5Trash

Verleih: Universal VÖ: 2015

Gut, dass es das Geruchsfernsehen noch nicht gibt: „Trash“ spielt nämlich auf einer brasilianischen Mülldeponie. Die ist gleichzeitig der Wohnsitz des armen Raphael (Rickson Tevez). Die Tage verbringen der 14-Jährige und seine Kumpels Gardo (Eduardo Luis) und Rato (Gabriel Weinstein) damit, durch Berge von dampfendem, stinkendem Unrat zu waten. Sie sichten, sortieren, atmen und leben den Abfall. Eines Tages verändert sich ihre Welt schlagartig: Raphael findet ein Portemonnaie. Eine kleine Ledertasche mit versteckten Hinweisen und voller Gefahr, die nicht nur sein Leben verändern wird. Bald befinden sich Raphael, Gardo und Rato in einem Wettlauf gegen einen schier übermächtigen Feind. Mit ihrer schnellen Auffassungsgabe und ihrem unerschütterlichen Glauben, das Richtige zu tun, stürzen sich die Freunde in ein atemloses und lebensgefährliches Abenteuer …

Man müsste lügen, wenn man nicht zugibt, dass hier ein wenig der Geist von „Slumdog Millionaire“ durch den Streifen weht. „Trash“ basiert auf dem gleichnamigen, gefeierten Roman von Andy Mulligan, der vom harten und erbarmungslosen Leben dreier Freunde erzählt. Richard Curtis („Gefährten“, „Notting Hill“, „Alles eine Frage der Zeit“) hat das Drehbuch dazu entwickelt, Regisseur Stephen Daldry („Billy Elliot“, „The Hours – Von Ewigkeit zu Ewigkeit“, „Der Vorleser“) war für die Inszenierung zuständig. Hat einen ganz passablen Job gemacht, der Gute. Man fühlt sich 114 Minuten lang durchaus unterhalten. Gerne hätte man jedoch auch mehr über die Hintegründe und den Alltag der Protagonisten erfahren, hier wird leider nur die Oberfläche angekratzt. Auch das ernste Thema Polizeigewalt/korruption wird hier nur des Schockeffekts wegen gestreift. Die kleinen Hauptdarsteller überzeugen aber. Spoiler: Für ein bisschen Starpower sorgt Martin Sheen.

 

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Dirty Trip (Mississippi Grind)

Verleih: Ascot VÖ: 2015

Gerry (Ben Mendelsohn) ist kein Glückspilz, sondern vielmehr ein notorischer Spieler und ständig pleite. Um von seinem mittlerweile riesigen Schuldenberg herunterzukommen, will alles auf eine Karte setzen. Um seinen Plan in die Tat umzusetzen, benötigt er 25.000 US-Dollar. Mit dem Geld will er sich in das große Pokergame in New Orleans einzukaufen. Als er den charmanten Herumtreiber Curtis (Ryan Reynolds) kennenlernt, glaubt Gerry, dass er endlich einen Fleisch gewordenen Talisman gefunden hat, der ihn auf die Gewinnerstraße führt. Gemeinsam ziehen die beiden den Mississippi hinunter Richtung New Orleans. Provinzrennbahnen, schäbige Casinos und rauchige Hinterzimmer sind auf diesem Trip ihre Stationen. Ein Weg zwischen Hoffnung, Illusionen und Enttäuschung.

Dem Regie-Duo Anna Boden und Ryan Fleck ist hier ein ganz außergewöhnlicher Gambling-Roadmovie gelungen. Erfrischend, dass nicht das glitzernde Las Vegas in diesem Spieler-Film im Mittelpunkt steht, sondern die Hinterhöfe entlang des Mississippi. Das bringt starke, unverbrauchte Bilder. Doch nicht nur die gut inszenierte Story, sondern auch die beiden Hauptdarsteller sorgen dafür, dass dieser Film ein echter Seh-Genuss ist: Ben Mendelsohn und Ryan Reynolds befinden sich hier in absoluter Top-Form. Das gilt vor allem für Mendelsohn, der es schafft, seinem Charakter mit wenigen Gesten eine glaubwürdige Vielschichtigkeit zu verleihen. Fun fact: Eigentlich sollte Jake Gyllenhaal die Rolle des Curtis spielen; er sagte aber wegen Terminschwierigkeiten letztlich ab.

 

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Survivor

Verleih: Universal VÖ: 2015

Ein Film, der durch die Ereignisse von Paris natürlich ganz aktuell ist, und deswegen beim Ansehen auch ein bisschen Bauchschmerzen verursacht: Kate Abbott (Milla Jovovich) ist Top-Agentin der Homeland Security und in der US-Botschaft in London stationiert. Dort soll sie Terroristen aufspüren, die versuchen, unerkannt in die Vereinigten Staaten einzureisen. Als ein maltesischer Staatsbürger beim Versuch, mit gefälschten Papieren einzureisen, ums Leben kommt, schöpft Kate Verdacht. Nachforschungen bringen sie auf die Spur von vier Wissenschaftlern, alle auf explosive Chemikalien spezialisiert, die bereits Visa für die Einreise in die USA beantragt haben. Doch bevor Kate ihre Ermittlungsergebnisse den Behörden mitteilen kann, kommt es zu einem Bombenattentat, dem alle ihre Kollegen zum Opfer fallen. Kates Welt steht Kopf: Als einzige Überlebende wird sie nämlich von den Behörden für den Anschlag verantwortlich gemacht und ist nun selbst zum Abschuss freigeben. Außerdem ist ihr ein mysteriöse Auftragskiller (Pierce Brosnan) auf den Fersen. Auf der Flucht vor ihren neuen Feinden folgt Kate den Spuren der Terroristen nach New York. Ein Wettlauf gegen die Zeit und um ihr Leben beginnt, als Kate das Ziel für den geplanten Anschlag herausfindet: die Neujahrsfeier auf dem Times Square …

Das Drehbuch für die in London und Bulgarien gedrehte 20 Mio.-US-Dollar-Produktion lieferte Philip Shelby („Mechanic: Resurrection“), der bisweilen vorrangig als Buchautor („Der Schlüssel zur Macht“, „Ein Netz aus Träumen“) bekannt ist. Und offenbar hat er eine fast spitzbübische Freude daran, Milla Jovovich nicht zur Ruhe kommen zu lassen. Die Gute ist nämlich beinahe den ganzen Film über hektisch unterwegs, immer auf der Flucht vor diversen Bösewichten. Ansonsten ist der Streifen zwar inspiriert von Klassikern wie „Der Unsichtbare Dritte“ und „Auf der Flucht“, in einem Atemzug mit ihnen wird der Streifen, den „V wie Vendetta“-Regisseur James McTeigue fabriziert hat, dann aber wohl doch nicht genannt werden. Dafür fehlt’s den Figuren dann einfach an Hintergrund und dem Plot ab und an an Logik. Wer das ausblenden kann, bekommt mit „Survivor“ aber einen leidlich unterhaltsamen Spionagethriller. Übrigens auch mit dabei: Dylan McDermott („Olympus Has Fallen“) als Milla Jovovichs Verbündeter.