Neu im DVD-Regal: Mai 2016

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The Hateful 8

Verleih: Universum VÖ: 2016

Wyoming, einige Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg: Eine Kutsche bahnt sich mühsam ihren Weg durch den Schnee in Richtung der Stadt Red Rock. An Bord befinden sich der Kopfgeldjäger John „Der Henker“ Ruth (Kurt Russell), dessen Gefangene Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) sowie der Anhalter Major Marquis Warren (Samuel L. Jackson), der früher Soldat war und nun ebenfalls als Kopfgeldjäger sein Geld verdient, und Chris Mannix (Walton Goggins), ein Deserteur aus den Südstaaten, der behauptet, der neue Sheriff der Stadt zu sein. Ein Schneesturm zwingt die Gruppe zu einem Zwischenstopp in Minnies Kleinwarenladen. Sie treffen dort zwar nicht auf Minnie, aber dafür auf den mysteriösen Mexikaner Bon (Demian Bichir), auf den verschwiegenen Cowboy Joe Gage (Michael Madsen), auf den Konföderierten-General Sandford Smithers (Bruce Dern) sowie auf Oswaldo Mobray (Tim Roth). Während der Sturm draußen immer heftiger tobt, begreifen die acht Fremden, dass ihr Zusammentreffen vielleicht gar nicht so zufällig ist und sie Red Rock möglicherweise nie erreichen werden…

Quentin Tarantino hat einen Narren am Western-Genre gefunden. Und hier zieht der Meister alle Register. Den Soundtrack lieferte der Western-Maestro Ennio Morricone. Gefilmt wurde überdies mit antiken Kameralinsen im 70-Millimeter-Breitwandformat. So bekommt das Ganze das Ambiente eines klaustrophobischen Kammerspiels ohne Helden, Tarantino rückt das Theaterhafte, das seinen Filmen schon immer innewohnte, in den Mittelpunkt. Politisch wird es obendrein, Tarantino verhandelt hier die rassistischen Strömungen, den Nord-Süd-Konflikt, aus denen sich die amerikanische Gesellschaft entwickelt hat. Das gelingt ihm durchaus unterhaltsam, auch wenn der eine oder andere Dialog doch etwas langatmig geraten ist. Blutig wird’s natürlich auch, auch wenn die tarantino-typischen Splatter-Szenen hier mehr Pflichterfüllung und Selbtzitat sind.

 

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Jane Got A Gun

Verleih: Universum VÖ: 2016

Der Traum von einem freien und sorglosen neuen Leben in New Mexico währt für Jane (Natalie Portman) nur kurz. Sieben Jahre nachdem sie mit ihrem Mann Bill „Ham“ Hammond (Noah Emmerich) aus den Fängen der ruchlosen Verbrecherbande der „Bishop Boys“ floh und eine Familie fernab der Zivilisation gründete, holen die alten Dämonen sie wieder ein. Die gefürchtete Bande rund um ihren brutalen Anführer John Bishop (Ewan McGregor) hat das Paar aufgespürt und sinnt auf Vergeltung, denn Ham war einst selbst einer von ihnen. Doch Jane ist fest entschlossen, ihr neues Leben und ihre Tochter mit allen Mitteln zu verteidigen und mit den „Bishop Boys“ abzurechnen. Nachdem Ham von der Bande gefasst wurde und mit acht Kugeln im Rücken schwerverletzt um sein Leben ringt, bleibt Jane nur eine Wahl: Sie ruft ihren einstigen Verlobten Dan Frost (Joel Edgerton) zu Hilfe – wohlwissend, dass ihre gemeinsame Vergangenheit zwischen ihnen steht. Zusammen wappnen sie sich auf der Ranch für den großen Showdown…

Ohne sexistisch sein zu wollen: Aber Western mit Frauen in der Hauptrolle sind immer so eine Sache. Hat bisher selten funktioniert, sieht man mal von „Spiel Mir Das Lied Vom Tod“ mit Claudia Cardinale ab. Der zierlichen, stets wie aus dem Ei gepellten Natalie Portman die toughe Westernheldin abzunehmen, ist nicht ganz so einfach. Auch Ewan McGregors Bad Boy bleibt mehr Behauptung. Passt zu einem Film, dessen Story doch recht simpel ist und über das genretypische Rächer-Klischee – inklusive Western-Romanze – nicht hinauskommt. Bissken zäh.

 

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Solace – Die Vorsehung

Verleih: Concorde VÖ: 2016

Eine Serie von bizarren Morden hält den FBI-Veteranen Joe Merriwether (Jeffrey Dean Morgan) und seine ambitionierte Partnerin Katherine Cowles (Abbie Cornish) auf Trab. Am Ende ihrer Weisheit angekommen, bitten sie den einsiedlerischen Psychoanalytiker Dr. Clancy (Anthony Hopkins) um Hilfe und hoffen, dessen intuitive Kräfte für sich nutzen zu können. Clancys aufrüttelnde Visionen führen zwar auf die Spur des Serienkillers (Colin Farrell), doch er muss einsehen, dass all seine übernatürlichen Begabungen kaum ausreichen, um den Mörder zu stoppen. Denn dieser hat eine tödliche Mission…

Bei der Besetzung läuft einem ja direkt das Wasser im Munde zusammen: Anthony Hopkins, Colin Farrell. Wahnsinn. Schade nur, dass inhaltlich dann doch eher Stangenware geboten wird. Business as usual, könnte von der Machart aus den 90er Jahren stammen. Die Figuren dürfen zwar atmen, das Schauspiel ist stimmig, aber dann und wann geht’s doch etwas vorhersehbar zu. Im Allgemeinen aber dennoch einigermaßen spannend. Erfrischend, dass das Motiv – welches sei hier noch nicht verraten – einigermaßen originell ausgesucht ist. Auch die Rückblenden und Visionen sind eindrucksvoll, manchmal gar verstörend, inszeniert.

 

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Love Me Like You Do

Verleih: Ascot VÖ: 2016

Jackie Laurel (Katherine Heigl) und Ryan Brenner (Ben Barnes) kämpfen beide mit Problemen. Während die ehemalige Country-Sängerin und alleinerziehende Mutter für das Sorgerecht ihrer Tochter kämpft und vor ihrer Vergangenheit am liebsten davonlaufen würde, bereist Ryan als Vagabund und Straßenmusiker das Land. Bei einem Autounfall lernen sich die beiden kennen. Der Sänger bringt Jackie nach Hause und darf zum Essen bleiben. Aus der zufälligen Bekanntschaft entwickelt sich eine vorsichtige Beziehung, in der die beiden nicht nur die Sorgen und Probleme des anderen kennenlernen, sondern auch ihre geteilte Begeisterung für Musik entdecken. Gegenseitig helfen sie sich in ihren misslichen Lagen und gewinnen im Kampf für ihre Interessen neue Stärke.

Wir haben an dieser Stelle ja schon einige Male die schlechten deutschen Namen für amerikanische Filme erwähnt und beweint, hier machen aber weder Original- noch deutscher Vertriebstitel wirklich Lust auf den Film. „Love Me Like You Do“ heißt über’m Teich „Jackie & Ryan“. Und genauso generic und uninspiriert wie es der Titel vermuten lässt, geht es in dem Streifen auch zu. Alles wirkt arg vorhersehbar, gehetzt, unterentwickelt. Vieles bleibt Behauptung, nichts geht in die Tiefe. Und Katherine Heigl? Die ist eigentlich dafür bekannt, eher starke Frauen zu verkörpern, muss sich in diesem Nicholas-Sparks-Abklatsch aber eine Rolle spielen, wie man sie seit jeher aus Hollywood kennt: Gebrochene Frau braucht starken Mann, um wieder auf Kurs zu kommen. Meh. Insgesamt Film gewordener Durchschnitt.

 

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Legend

Verleih: Studiocanal VÖ: 2016

Reggie Kray (Tom Hardy) hat die Unterwelt im Londoner East End fest im Griff. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Ron (ebenfalls Tom Hardy), den er kürzlich aus der Psychiatrie holen konnte, erpressen die beiden Schutzgelder, schmieden Allianzen und zwingen jeden ihrer Gegner in die Knie. Schnell florieren die Geschäfte; Politiker und Prominente gehen in den Clubs der Krays ein und aus. Obendrein findet Reggie in Francis (Emily Browning) die Liebe seines Lebens. Doch als er für sechs Monate im Gefängnis einsitzt, treibt Ron die Bars und das eigene Casino in den Ruin. Und während Ron immer mehr außer Kontrolle gerät, sieht Francis bald nur noch einen Ausweg, um ihrem Leben als vernachlässigte Ehefrau zu entfliehen. Das Imperium der Kray-Zwillinge droht zu zerbrechen und Reggie setzt alles daran, um ihren Niedergang abzuwenden.

„Legend“ beruht auf einer wahren Begebenheit. Die Sixties-Gangster gab’s tatsächlich. Berüchtigt waren sie. Ihre Story ist allerdings in Peter Medaks „Die Krays“ realitätsnäher dargstellt. „Legend“ funktioniert mehr als Satire, als Dr. Jekyll-und-Mr.Hyde-Geschichte. Wunderbar: Tom Hardy in einer Doppelrolle. Der Mann zeigt hier sein ganzes Können und macht allein durch seine Performance den Film sehenswert. Schade ist, dass sich der Film zu sehr auf den Ruhm der Protagonisten bezieht und inhaltlich an der Oberfläche kratzt und das Phänomen der organisierten Kriminalität nur unzureichend beleuchtet.

 

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Synchronicity

Verleih: Pandastorm VÖ: 2016

Der Physiker Jim Beale (Chad McKnight) erfindet eine Maschine, die die Grenzen von Zeit und Raum überwinden kann. Bei einer Testrunde taucht eine seltene Blume, eine Dahlie, aus der Zukunft auf. Nun muss er das passende Pendant der Blume aus der Gegenwart finden, um zu beweisen, dass seine Erfindung funktioniert. Die Blume findet er in den Händen einer mysteriösen Frau namens Abby (Brianne Davis), die ihn verführt, um ihm Informationen zu seiner Zeitmaschine zu entlocken. Als Jim realisiert, dass er der Femme Fatale zum Opfer gefallen ist und sie ihm wichtige Dinge über seine streng geheime Erfindung entlockt hat, reist er zurück in die Vergangenheit, um sie zu stoppen, bevor er erneut sein Wissen ausplaudern kann. Doch zurück in der Vergangenheit findet Jim ein paar überraschende Dinge über sich, seine Maschine und Abby heraus, die sein Leben für immer verändern könnten…

“Synchronicity” ist ein Sci-Fi-Noir-Streifen mit komplexer Story und so etwas wie eine Low-Budget-Version von „Blade Runner“, mit der Indie-Writer und Regisseur Jacob Gentry ein Nachweis seiner Klasse gelungen ist. Der Mann macht das Beste aus seinem geringen Spielraum, beginnend bei der Ausstattung und endend bei der schmalen Main Cast (nur fünf größere Rollen). Beeindruckend kreativ.

 

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Deadly Home

Verleih: EuroVideo Medien GmbH VÖ: 2016

Anna Rook (Beth Riesgraf) leidet an einer extremen Form von Agoraphobie – einer Angststörung, die es ihr unmöglich macht, sich an öffentlichen Plätzen aufzuhalten. Abgeschottet von der Gesellschaft lebt sie in einem abgelegenen viktorianischen Haus und ihr einziger sozialer Kontakt beschränkt sich auf ihren todkranken Bruder (Timothy McKinney) und den charmanten Dan (Rory Culkin). Als eines Tages ein Trio Kleinkrimineller bei ihr einbricht, wird ihr Rückzugsort plötzlich zu einer tödlichen Falle. Da sie wegen ihrer Angststörung das eigene Haus nicht verlassen kann, muss sie um das eigene Überleben kämpfe. Doch schon bald zeigt sich, dass Agoraphobie nicht ihr einziges dunkles Geheimnis ist …

Macht Spaß. Ein bitterböses Katz-und-Maus-Spiel, das mehr Thriller als Horror ist. Die Atmosphäre stimmt, die Schauspieler sind in Ordnung und gut gecastet, der Plot ist spannend. Weil eben nicht jeder Twist and Turn vorhersehbar ist. Was will man mehr? Da fällt auch nicht weiter ins Gewicht, dass die Macher ihre Phantasie manchmal arg haben ausschweifen lassen.

 

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Ride

Verleih: EuroVideo Medien VÖ: 2016

Jackie Durning (Helen Hunt) ist eine erfolgreiche Lektorin, aber eben auch eine recht verkrampfte Mutter. Sie lebt mit Sohn Angelo (Brenton Thwaites) alleinerziehend in New York. Zwischen Mutter und Sohn herrscht ein angespanntes Verhältnis, da Jackie sehr dominant ist. Angelo möchte Schriftsteller werden und ist bereits bei einer Hochschule für Literatur angemeldet. Kurz vor Beginn des Studiums besucht er seinen Vater in Los Angeles, der mit seiner neuen Familie ein unbeschwertes Leben am Meer lebt. Kurz entschlossen, und weil er das Leben mit Jackie in New York satt hat, lässt Angelo alles hinter sich und geht nach L.A. zu seinem Dad. Endlich fühlt er sich frei und kann seiner Leidenschaft, dem Wellenreiten, nachgehen. Es dauert nicht lange, bis Jackie die Distanz nicht mehr erträgt und ihm folgt. Sie möchte ihm nah sein und sehen, was er dort treibt und entwickelt sich zur Stalkerin ihres Sohnes. Es kommt es zum Eklat. Als sich herausstellt, warum sie nicht loslassen kann, beginnt ein Lernprozess für sie und Angelo. Jackie entschließt sich eine Weile in Venice zu bleiben und Surfen zu lernen. Hierbei lernt sie Ian (Luke Wilson) kennen, der sie davon überzeugt, dass sie Angelo seine eigenen Lebenserfahrungen machen lassen muss.

Bei „Ride“ gibt es die doppelte Helen Hunt: Die Dame ist gleichzeitig Hauptdarstellerin und Regisseurin von „Ride“, dieser Coming-of-Age-Surfer-Tragikkomödie. Die geht los wie eine dieser typischen Familienkomödien, überrascht dann aber ziemlich und wird am Ende doch realer, düsterer und schmerzvoller, als man es zu Beginn des Films erwartet hätte. Das ist schon sehr gut und einfühlsam komponiert, was die gute Helen uns da auftischt. Und deswegen sehr sehenswert. Hunt beweist hier, dass sie eine außergewöhnliche Filmemacherin ist.

 

SERIEN

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The Shannara Chronicles

Verleih: Concorde VÖ: 2016

Tausende von Jahren nach der Zerstörung unserer Zivilisation ist die Erde aufgeteilt in die sogenannten Vier Lande. Die Bewohner sind eine Mischung verschiedener Rassen, darunter Elfen, Zwerge, Trolle, Gnome und Menschen. Im Zentrum steht die Shannara-Familie, deren Nachkommen über uralte magische Kräfte verfügen und deren Abenteuer immer wieder die Zukunft der Welt entscheidend verändern. Eine weitere abenteuerliche Geschichte beginnt, als dunkle Mächte, die auf Jahre als verbannt galten, aus ihrem Gefängnis entkommen. Wil, der letzte Nachfahre der Shannara-Familie, die junge Elfen-Prinzessin Amberle und Eretria, ein menschliches Zigeunermädchen, finden heraus, dass nur sie über die Kräfte verfügen, um das Böse aufzuhalten und schließen daher eine ungewöhnliche Allianz. Ihre scheinbar unmögliche Aufgabe, die Welt zu retten, wird zu einer Reise der Selbstfindung, bei der sie lernen müssen, Zweifel und Angst zu überwinden und ihr Schicksal anzunehmen.

Basierend auf der 26-teiligen Buchreihe von Terry Brooks erzählt diese Serie die monumentale Geschichte einer Elfen-Prinzessin, einer Diebin und eines Halb-Elfen, deren Aufgabe es ist, das Ende der Welt abzuwenden. Kreiert von Alfred Gough und Miles Millar („Smallville“), die, ebenso wie „Iron Man“-Regisseur Jon Favreau auch als Ausführende Produzenten fungieren, wurde die Reihe vor der beeindruckenden Kulisse Neuseelands gedreht. Sorgt schon mal für wunderbare Bilder. Überhaupt ist das ganze Ding top produziert. Das geht bei der Ausstattung los und hört bei der gut ausgesuchten Cast auf. Man ist doch recht schnell drin in der unterhaltsamen Story. Am Erzähltempo muss man jedoch noch feilen. Mal plätschert es etwas zu sehr, mal ist es zu hastig – da fehlt noch die Feinjustierung. Aber: Die Zielgruppe ist hier etwas jünger, so düster wie „Herr der Ringe “ ist „Shannara“ nicht.

 

BOX SETS

 

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Tom Hardy Edition

Verleih: Studiocanal VÖ: 2016

Bronson (2008)

Michael Peterson ist gerade mal 22 Jahre alt, als er mit einer abgesägten Schrotflinte ein Postamt in Little Sutton überfällt. Seine Beute: knapp 27 Pfund und sieben Jahre Knast. Aufgrund verschiedenster Vorfälle innerhalb der Gefängnismauern – darunter Wärtermisshandlungen, Entführungen und Anstiftung zum Gefängnisaufstand – wird seine Strafe fortdauernd verlängert. Von den folgenden 35 Jahren Zuchthaus verbringt er 30 in Isolationshaft. Erst hier vollendet sich Petersons kompromisslose Persönlichkeit. Erst hier wird aus dem Problem-Teenager „Charles Bronson“, die lebende Legende: der gewalttätigste Sträfling Großbritanniens, der bis heute einsitzt.

Es ist eine außergewöhnliche Erzählweise, die „Pusher“-Regisseur Nicolas Winding Refn für „Bronson“ wählt. Immer wieder unterbricht er die Geschichte, um Bronson direkt zum Zuschauer sprechen zu lassen. Oder er pflanzt ihn auf eine Theaterbühne, auf der er – mit Clown-Schminke – sein Leben kommentiert. Kann mal so machen, zumal das Ganze hier nicht angestrengt originell wirkt, sondern einfach passt und das Bizarrotum dieses Mannes unterstreicht (ebenso wie die klassische Mucke, die unter die drastischen Prügelszenen gelegt wurde). Erinnert in seiner Beschaffenheit dann und wann an Stanley Kubricks „Uhrwerk Orange“. Tom Hardy setzte in dieser Rolle eines seiner ersten großen Ausrufezeichen.

Dame, König, As, Spion (2011)

Wir befinden uns im London zu Beginn der Siebziger Jahre. Kalter Krieg. Sowjetunion und Westmächte befinden sich im Clinch, man versucht sich nach allen Regeln der Kunst auszuleuchten und auszutricksen. Inmitten dieses Tohubawohus muss der Chef des britischen Geheimdienstes zurücktreten. Die Mission, einen Überlaufer aus Budapest herauszuholen, ist gescheitert. Offenbar hat der KBG einen Maulwurf installiert. Daher wird der sich eigentlich schon in Rente befindliche George Smiley reaktiviert. Der frühere Top-Spion soll den Spitzel finden. Einer seiner Ex-Kollegen mpss der Verräter sein.

Tomas Alfredson ist hier eine perfekte Visualisierung des Kalten Kriegs gelungen. Alles ist grau, die Atmosphäre beklemmend, alles, auch Smiley, ist undurchsichtig und trüb. Immer schwingt die Frage nach Wahrheit und Lüge mit. Auch deshalb – aber vor allem ob Gary Oldmans Top-Performance – ist das Ganze ein würdiges Remake der gleichnamigen britischen Miniserie (mit Alec Guinness) aus dem Jahre 1979.

No Turning Back (2013)

Ivan Locke, ein hingebungsvoller Ehemann, Vater und hart arbeitender Leiter einer Großbaustelle, steht vor der größten Herausforderung seiner Laufbahn. Doch dann droht ein kleiner, für ihn untypischer Fehltritt alles zu zerstören: seine Karriere, seine Familie, sein Selbstverständnis. Ivan setzt sich ins Auto, beginnt eine Wettfahrt gegen die Zeit und Tempolimits und versucht in einer Serie von Telefongesprächen, das Fundament seines Lebens vor dem Kollaps zu retten.

Es ist eine simple Geschichte, die in „No Turning Back“ erzählt wird. Aber eine eindringliche. Ein moralisches Dilemma, mit dem man sich identifizieren kann. Gedreht wurde der Streifen binnen von fünf Tagen, weil der gute Tom offenbar schwer beschäftigt war. Trotz der Hektik, in der das Ganze abgedreht wurde, ist der Film überzeugend geworden. Das liegt an der beklemmenden Stimmung, an der spürbaren Isolation Hardys in seinem Fahrzeug und seinem Mienenspiel. Hätten wohl nicht viele Schauspieler geschafft, so einen Film komplett auf ihren Schultern zu tragen. Hardy und Regisseur Steven Knight sind das Risiko eingegangen. Zum Glück. Was für eine One-Man-Show!

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