Neu im DVD-Regal: Mai 2015

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A Curious Life – The Story of the Levellers

Label: India Media/Rough Trade VÖ: 2015

Politisch, kritisch, subversiv, auch mal anarchistisch – Eigenschaften, die den Sound und die Texte der Levellers seit mehr als 25 Jahren prägen. Und das muss wohl auch so, wenn man sich schon solch einen Bandnamen verpasst. Denn zu Zeiten des englischen Bürgerkriegs (1642-1648) waren die sogenannten Levellers eine königs- und gentryfeindliche Agitationsgruppe, die totale bürgerliche und religiöse Freiheit forderten. Gut, nun ist die Band, die heute unter dem Namen Levellers firmiert, nicht ganz so radikal wie die Gefolgschaft von Oliver Cromwell, gesellschaftskritisch aber sind sie allemal. Eine Band mit Ecken und Kanten – und einer Geschichte, die jetzt pünktlich zur aktuellen Tour auf DVD gepresst wurde: „A Curious Life – The Story of the Levellers“, eine 78-minütige Doku (2014), entstanden unter der Regie von Dunstan Bruce, dem ehemaligen Sänger der Band Chumbawamba, die wie die Levellers mit ähnlich anarchistischem Temperament zu Werke ging. Bruce wählt einen warmen Erzählstil, der wie geschaffen ist, der komplexen Bandgeschichte auf den Grund zu gehen: Aus der Perspektive des chaotisch-liebenswürdigen Bassisten Jeremy Cunningham schildert der Film den Aufstieg der Levellers von der Geburt 1988 bis zu ihren massiven Erfolgen der 1990er, als in der Musikindustrie für Bands wie diese eigentlich kein Platz schien. Cunningham, der Exzentriker mit den wirren Dreadlocks und der Vorliebe für guten Whisky, erzählt mit Humor und mittels zahlreicher Anekdoten von den Überlebenskämpfen seiner stets gegen den Strom schwimmenden Anarcho-Folk-Punk-Kapelle. Die restlichen Bandmitglieder kommen natürlich auch selbst zu Wort – und sind dabei erfrischend selbstkritisch. So werden auch die negativen Seiten der Levellers-Historie nicht ausgespart: Cunninghams Kampf mit der Heroinsucht, der Split mit China Records, der Knatsch mit dem Glastonbury-Gründer Michael Evis. You name it, it’s all there. Ein herzerwärmendes, wunderbares Rockmärchen über 25 Jahre Dysfunktionalität.

Die DVD enthält neben dem vorgenannten Film umfangreiches Bonus-Material. Zu einer Reihe nicht verwendeter Filmszenen werden Highlights aus der Bühnenkarriere der Levellers geboten. Unter dem Titel „A Curious Archive“ gibt es Ausschnitte aus dem 1988er „Beat The Blues“-Benefizkonzert, das die Gruppe im The Gloucester in Brighton gab, aus einem weiteren Heimspiel in Brighton im The Richmond im September 1989 sowie von ihrem legendären Glastonbury-Auftritt aus dem Jahr 1992 vor 90.000 Fans. Die im Paket enthaltene CD enthält ein komplettes Akustikkonzert, das die Levellers im Januar dieses Jahres in der St. Patrick’s Cathedral in Dublin gaben.

 

fitzCall Me Fitz (Season 1)

Verleih: Rough Trade VÖ: 2015

In der Serie „Call me Fitz“ geht es um den skrupellosen Gebrauchtwagenhändler Richard Fitzpatrick (Jason Priestley), der mit schmutzigen Methoden sein Geld verdient. Ein Spieler, Frauenheld und Schürzenjäger, der jede Situation zu seinem Vorteil auszunutzen weiß. Als „Fitz“ bei einer Probefahrt seine Kundin ins Koma befördert, wird ihm ein neuer Kollege zur Seite gestellt. Larry ist das genaue Gegenteil von Priestleys Charakter, soll dem Gewissenlosen ein Gewissen sein.

Jason Priestley war schon lange reif für ein Comeback. Wir erinnern uns: In den Neunziger Jahren war der Gute als moralinsaurer Brandon Walsh in „Beverly Hills 90210“ eines der populärsten TV-Gesichter überhaupt. Mit Kollege Luke Perry lieferte er sich einen Wettstreit darin, wer in den Medien am häufigsten als neuer James Dean gehandelt wurde. Nach dem Aus der Serie wurde es um den Kanadier dann allerdings still. Gut, ein paar Gastauftritte hier und da gab es, aber niemand schien dem einstigen 90210-Beau eine größere Plattform geben zu wollen. Das geschieht nun endlich in der vorliegenden kanadischen Comedy-Serie aus der Feder von Sheri Elwood, in der Priestley sozusagen einen Charlie-Sheen-Charakter spielt – ohne dessen finanziellen Möglichkeiten. Politisch unkorrekte, teils schwarzhumorige, aber sehr smarte Dirtbag-Comedy, die in Kanada zu Recht mit vielen Preisen überhäuft wurde und es immerhin auf vier Staffeln gebracht hat.

 

image003-5Outcast – Die letzten Tempelritter

Verleih: Universum VÖ: 2015

Von den Schrecken der Kreuzzüge gezeichnet, verschlägt es den jungen Ritter Jacob (Hayden Christensen) ins ferne, mittelalterliche China. Dort wird er zum Beschützer des kleinen Thronfolgers Zhao, dessen Bruder ihm nach dem Leben trachtet. Hilfe erhofft sich Jacob von seinem alten Kampfgefährten Gallain (Nicolas Cage), der in abgelegenen Höhlen als Geächteter lebt.

So richtig rund läuft es in den vergangenen Jahren für den einstigen Hollywood-A-Lister Nicolas Cage ja nun nicht mehr. Und, sind wir ehrlich, daran wird „Outcast“ mit Sicherheit nichts ändern. Im Gegenteil. Der Plot ist dünn, die Kostüme ebenfalls so lala, Cages Frise wirkt, als hätte er abseits des Drehs noch als Gene-Simmons-Double gearbeitet. Der Streifen ist klischeebeladen. Detailverliebt waren die Filmemacher nicht gerade. Bestes Beispiel: Eine Schlacht zu Beginn des Films wird vage mit „12th Century“, „The Middle East“ untertitelt. Irgendwo, irgendwann. Who cares? Die Filmemacher offenbar nicht. Hieße der Protagonist nicht Jacob, sondern Wayne, man würde sich nicht wundern. Leider reißen es Christensen und Cage mit ihren Performances auch nicht raus. Positiv bleibt wenigstens die Photography in Erinnerung, für die Joel Ransom verantwortlich zeichnete.

 

image013Reclaim

Verleih: Universum VÖ: 2015

Um das haitianische Waisen-Mädchen Nina zu adoptieren, reist das junge Paar Steven (Ryan Phillippe) und Shannon (Rachelle Lefevre) nach Puerto Rico. Alles scheint perfekt und die frischgebackenen Eltern warten nur noch auf die Ausreisedokumente ihrer neuen Tochter. Doch dann verschwindet Nina spurlos nachts aus ihrem Bett und auch das Adoptionsbüro existiert plötzlich nicht mehr. Allmählich begreifen die beiden, dass auch der Fremde Benjamin (John Cusack), der dem Paar scheinbar zufällig am Strand begegnet ist, seine Finger im Spiel hat. Schnell entwickelt sich die Suche für alle Beteiligten zu einem Kampf ums Überleben. Um die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen und Nina wiederzufinden, sind Steven und Shannon bereit, alles zu riskieren…

Wo wir es zuvor von ehemaligen Hollywood-A-Listern hatten, die sich derzeit eher in B-Movies tummeln: Ja, auch John Cusack ist so einer. Einst ein gefeierter Charakterdarsteller, heute oft in Direct-to-DVD-Filmen zu sehen. Wie „Reclaim“. Unterschied zu Nicolas Cage in „Outcast“? Cusack nails it. Das gilt auch für Ryan Phillippe und Rachelle Lefevre, die beide gute Leistungen abliefern. Und das tröstet etwas über das schwache Drehbuch hinweg. Allerdings nur etwas. Am Ende ärgert man sich doch über die Vorhersehbarkeiten, Unglaubwürdigkeiten und Unsinnigkeiten, die diesen Thriller wie einen roten Faden durchziehen. Und bleibt mit dem Gefühl zurück, dass bei dieser Crew deutlich mehr drin gewesen wäre.

 

image004-2 My Old Lady

Verleih: Ascot VÖ: 2015

Der aus einer reichen Familie stammende New Yorker Mathias Gold (Kevin Kline) hat ein Problem: Er hat ein Apartment in Paris geerbt, das er liebend gerne verkaufen würde, doch dort haust die 90 Jahre alte Mathilde Girard (Maggie Smith), die nicht vor ihrem Tod aus ihrem Zuhause ausziehen will. Mit ihr wohnt auch noch ihre Tochter Chloé (Kristin Scott Thomas) dort. Als Mathias eine Weile bei den Beiden lebt, um die Verhandlungen zu einem Abschluss zu bringen, merkt er, dass er sich dort eigentlich ganz wohl fühlt.

Regisseur Israel Horovitz hat mit „My Old Lady“ ein durchdachtes, emotionales Drama geschaffen, das zwar hier und da etwas sentimental gerät, in sich aber stimmig ist. Auch wenn geübten Kinogängern schnell klar ist, worauf das Ganze hinausläuft, gibt es im Handlungsverlauf doch ein paar nette Twists und Turns. Und dass Kevin Kline, Maggie Smith und Kristin Scott Thomas ihren Namen gerecht werden, schadet dem Film auch nicht.