Neu im DVD-Regal: März 2016

MUSIK

image003-12

Michael Jackson – Off The Wall

Studio: Sony Legacy VÖ: 2016

Mit „Off The Wall“ ist Michael Jackson 1979 tatsächlich ein ganz großes Ding gelungen. Der „Rolling Stone“ ging sogar so weit, zu postulieren, dass der damals gerade mal 20 Jahre alte Jackson mit diesem Album „die moderne Popmusik, wie wir sie kennen“ neu definiert, ja, sogar erfunden habe. Fakt ist: Mit „Off the Wall“ übertraf der spätere King of Pop sämtliche damals bestehenden Verkaufsrekorde afroamerikanischer Musiker und konnte mit seinem Crossover aus R&B und Pop nie dagewesene Bestmarken in Sachen Airplay, Chart-Performance, Marketing und Absatzzahlen setzen. Der Longplayer war eine perfekte Blaupause für viele seiner schwarzen Musikerkollegen, die damals, am Ende der 1970er, immer noch für gebührende soziale Anerkennun kämpften. Der Erfolg von „Off The Wall“ gab ihnen eine Perspektive. Musiker wie Beyoncé, Pharrel Williams, Kendrick Lamar oder The Weeknd wurden durch die LP entscheidend beeinflusst; sie diente ihnen als Inspiration.

Spike Lee hat ein Händchen dafür, als Regisseur in Wunden afro-amerikanischer Geschichten zu bohren und ein neues Licht auf Ereignisse zu werfen, die uns bereits allzu bekannt vorkommen. In „4 Little Girls“ beleuchtet er den rassistisch motivierten Bombenanschlag auf eine Kirche in Atlanta, in „When the Levees Broke“ verhandelt er den Hurricane Katrina und den Umgang der damaligen Regierung damit. Nun hat Spike Lee also Jacko ins Visier genommen und erzählt in „Michael Jackson’s Journey from Motown to Off the Wall“ seine Geschichte, von dessen Anfängen bei den Jackson 5 bis hin zu seinem Start als Solo-Künstler. Lee nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise durch Michaels early days. Von seinen Jahren bei Motown, wo alles begann, über seine Vertragsunterzeichnung bei CBS bis hin zur kongenialen Partnerschaft mit Produzenten-Legende Quincy Jones. Das verwendete Archivmaterial wird dem einen oder anderen Fan sicherlich ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Lee lässt die Geschichte durch einige talking heads erzählen, darunter David Byrne, Rosie Perez, die Produzenten Gamble and Huff, Kobe Bryant und John Legend. Es ist die Geschichte eines Kinderstars, dem man zu diesem Zeitpunkt, Ende der 70er Jahre, eine Solo-Karriere nicht zutraute. Spike Lee feiert Jackson euphorisch – und verpasst es dabei, eigentlich untypisch für ihn, hinter das Schweinwerferlicht zu blicken und auch die dunklen Kapitel der Story zu erzählen. Die Misshandlungen der Kinder durch Joseph Jackson bleiben unerwähnt. Die Prämisse der Doku will es auch, dass die Entwicklung zum globalen Megastar und die dunklen späten Jahre außen vor bleiben. Schade. Fühlt sich letztlich wie ein Film an, der nur gedreht wurde, um mit einem Album-Re-Release veröffentlicht zu werden. Das liegt nämlich der DVD bei.

 

FILM

KYF_DVD_Cover

Kill Your Friends

Verleih: Ascot VÖ: 2016

Steven Stelfox ist eine große Nummer im Musik-Biz. Sein Wille macht aus unbekannten Musikern Bands mit Plattenvertrag. Dabei interessiert sich Steven gar nicht für Musik. Steven interessiert sich für Profit. Das Ziel ist immer der nächste große Hit, der die Kassen seines Musiklabels füllt.
Und Steven Stelfox ist ein Riesen-Arschloch! Skrupellos, krank vor Ehrgeiz und zynisch bis zum Abwinken kokst und vögelt sich der junge A&R-Manager durch die Britpop-Szene der 90er Jahre. Aber der Erfolgsdruck steigt. Als Stelfox bei einer Beförderung übergangen wird, greift er zum Baseballschläger und erledigt seinen Rivalen für immer. Zunächst mit Erfolg. Doch neue Hindernisse fordern drastische Maßnahmen und die Blutspuren auf Stevens Karriereleiter werden immer länger …

Schriftsteller John Niven landete mit „Kill Your Friends“, dieser bitterbösen ätzenden Satire, einen, no pun intended, Riesen-Hit. Das Ding war ein Bestseller. Mal abgesehen von Stelfox‘ mörderischem Ehrgeiz hat sich Niven hier seine realen Erfahrungen als A&R-Manager vom Leib geschrieben. Nun folgt also zwangsläufig die filmische Umsetzung des Stoffs, der sicherlich nichts für zarte Gemüter ist. Klar ist: Vergleicht man den Film nur mit dem Buch, dann verliert der Streifen natürlich. Dafür bedient er einfach zu viele Klischees und verpasst es, die böse Komik des Buchs angemessen auf die Leinwand zu übertragen. Nimmt man den Film aber für sich und löst sich von der Vorlage, dann funktioniert er. Hauptdarsteller Nicholas Hoult. bekannt aus „Skins“, spielt hier mit viel Freude eine skrupellosere Variante seines „Tony Stonem“, die aber nicht nur auf der Gewinner, sondern auch mal auf der Verlierer-Seite steht. Das kommt Hoult zupass, der sich hier äußerst vielschichtig zeigen darf.  Klar, „Kill Your Friends“ erinnert manchmal an „American Psycho“, jedoch wirkt die Figur des Steven Stelfox etwas realistischer und plastischer als die des Psychopathen Patrick Bateman. Insgesamt: gute, bitterböse Unterhaltung. Mit einem wunderbaren 90er-Jahre-Soundtrack by the way.

 

image001-11

Umrika

Verleih: Ascot VÖ: 2016

Umrika ist Hindi und bedeutet Amerika. Es ist ein Sehnsuchtsort, selbst für Menschen in irgendeinem abgelegenen, indischen Bergdorf. Ein junger Mann, Udai, zieht Mitte der 80er Jahre aus, um in den Vereinigten Staaten sein Glück zu finden. Sein Heimatdorf ist stolz wie Bolle. Zuverlässig schickt er Briefe an die Daheimgebliebenen, um ihnen detailiert seine Eindrücke zu schildern. Doch eines Tages kommen auf einmal keine Briefe mehr an und niemand weiß warum. Der kleine Bruder des Verschwundenen, Rama (Suraj Sharma, bekannt aus „The Life of Pi“), und dessen bester Freund Lalu (Tony Revolori) machen sich gemeinsam auf den Weg, um die Spur von Ramas Bruder nachzuverfolgen und ihn wiederzufinden ..

In „Umrika“ verhandelt das Regisseur Prashant Nair das Thema Emigration. Der Mann weiß, wovon er spricht, lebte und wirkte er doch selbst bereits in Indien, der Schweiz, Österreich, Afrika und den USA, zuletzt Tschechien und Deutschland. Dabei geht es ihm vor allem um die Hoffnungen, die sich mit dem Emigrieren verbinden und um die Brechung dieser an der Realität. Nair setzt das sehr gut um. In der ersten Hälfte des Streifens zeichnet er den indischen Dorfalltag  warm-verklärt, mit Hilfe einer 16-Millimeter-Kamera – und kontrastiert diesen mit der kalten, furchteinflößenden und verbrecherischen Großstadt. Später wird’s zwar etwas verschachtelt, aber das kann den positiven Gesamteindruck nicht entscheidend trüben.

 

image003-10

Thief – Der Einzelgänger

Studio: MGM VÖ: 2016

Der Profi-Einbrecher und Juwelendieb Frank (James Caan) hat eine lange Gefängnis-Strafe hinter sich, die offenbar Wirkung gezeigt hat: Frank möchte ein normales Leben führen. In der Kellnerin Jessie (Tuesday Weld) glaubt er, die richtige Frau gefunden zu haben, um mit ihr eine Familie zu gründen. Für den Wechsel in ein normales Leben braucht Frank allerdings die nötige Kohle. Gangsterboss Leo scheint im ersten Moment der richtige Mann zu sein, der Frank die notwendigen lukrativen Aufträge verschafft. Doch nicht nur die Polizei ist Frank stets auf den Fersen und wartet auf den kleinsten Fehler, auch der Deal mit Leo entpuppt sich als schwerwiegende Fehlentscheidung mit fatalen Konsequenzen…

Bonbon für Cineasten: Michael Manns Kultklassiker „Thief“ ist als limitierte und nummerierte Sonderauflage auf 2 Blu-rays und 3 DVDs erschienen, inklusive Director’s Cut und sämtlichem Pipapo. Jener Film also, mit dem Regisseur Michael Mann 1981 sein großes Leinwand-Debüt feierte, nachdem er sich zuvor eher in Dokumentationen, Werbeclips und Krimi-Serien versucht hatte. Das Ding war damals zwar kein Box-Office-Hit, aber es brachte Mann zumindest Kritiker-Meriten ein und ermöglichte ihm, später Hits wie „Manhunter“, „Heat“, „Collateral“, „Public Enemies“ oder „Miami Vice“ zu landen. „Thief“, angesiedelt in Chicago, findet vor allem nachts und bei Regen statt (zu Musik von Tangerine Dream) und ist in einem Genre angesiedelt, das man später Neo-Noir nennen sollte. Augenscheinlich hat Mann beim französischen Krimi genau hingeschaut, vor allem bei jenen Streifen von Jean-Pierre Melville.

 

image002-6

Zipper

Verleih: Ascot VÖ: 2016

Ein einziges Treffen mit einem Luxus-Callgirl genügt, um in Sam Ellis eine Lawine loszutreten. Der erfolgreiche Staatsanwalt verliert sich zusehends in Sexabenteuern mit Professionellen. Dabei hat er eine sehr hübsche Frau, die für den kleinen Sohn ihre eigene Karriere auf Eis gelegt hat. Es gibt auch keinen Mangel an gutem Sex in Ellis‘ Leben, aber die teuren Nummern in irgendwelchen Hotelzimmern füllen eine Lücke, die er selbst nicht benennen kann. Er kann einfach nicht damit aufhören. Nicht einmal, als ein Aufstieg in den US-Senat winkt, kann er seine Sexsucht beherrschen. Als das FBI den Escort-Ring aushebt, bei dem auch Ellis Kunde war, droht seine gesamte Zukunft an einem Sexskandal zu scheitern. Sam Ellis muss das mit allen Mitteln verhindern…

Warum riskiert ein erfolgreicher und etablierter Mann auf dem Weg nach oben alles, nur um seine Sucht zu befriedigen? Dieser Frage spürt Regisseurin und Drehbuchautorin Mora Stephens in ihrem neuen Polit-Thriller nach. Ein gut aufgelegter Hauptdarsteller Patrick Wilson liefert hier eine facettenreiche Charakterstudio über Besessenheit und Begehren. Ähnlichkeiten mit skandalbehafteten Politgrößen wie Ex-US-Präsident Bill Clinten und dem New Yorker Gouverneur Eliot Spitzer sind sicherlich beabsichtigt. Wilson ist eine gute Wahl, hat er doch in seiner Karriere doch schon ein ums andere Mal Charaktere gespielt, die vordergründig wie glatte All-American-Americans wirken, hinter der Fassade aber in einem tiefen moralischen Konflikt stecken. Das kann er also. Die Cast – zu der unter anderem auch Lena Headey, Ray Winstone und Richard Dreyfuss gehören – besticht.

 

image003-13

Standoff – Die einzige Zeugin

Verleih: Universum VÖ: 2016

Kriegsveteran Carter Greene (Thomas Jane) lebt zurückgezogen und von Schuldgefühlen zerfressen auf einer abgelegenen Farm, wo er um seinen toten Sohn und seine zerbrochene Ehe trauert. Ganz in der Nähe besucht die 12-jährige Waise Bird auf dem Friedhof das Grab ihrer Eltern an ihrem Todestag, als sie mitansehen muss, wie ein eiskalter Auftragskiller nach und nach alle Gäste einer Beerdigung erschießt. Völlig verängstigt und mit ihrer Kamera bewaffnet flieht sie in die Wälder und findet schließlich Zuflucht im Haus von Carter, der schwört, sie mit seinem Leben zu beschützen. Als der Killer ihr dorthin folgt, sitzen sie und Carter in einer tödlichen Falle. Ein actiongeladenes Duell entspinnt sich zwischen Auftragsmörder und Kriegsveteran, das nur einer von beiden überleben kann.

Trotz der einigermaßen namhaften Cast um Laurence Fishburne („Matrix, „Boyz n the Hood“, „CSI: Las Vegas“) will das Ganze hier nicht recht zünden.  Das Regiedebüt von Adam Alleca, der auch für das Skript verantwortlich zeichnet, gerät eher lauwarm. Das Katz- und Maus-Spiel zwischen Jane und Fishburne ist letztlich einfach nur ermüdend und unglaubwürdig, die Dialoge fad und klischeebeladen – so wie der ganze Film, der hauptsächlich in einer Location spielt.

 

image001-12

Little Dead Rotting Hood

Verleih: Edel VÖ: 2016

Oma Winfield (Marina Sirtis) ist vertraut mit Flüchen und Hexenkünsten. Da sich eine Werwolfsippe in ihrem kleine amerikanischen Ort auszubreiten droht, sieht sie nur eine Möglichkeit, alle zu retten: Sie verwandelt ihre Enkelin Samantha (Bianca A. Santos) in eine mörderische Untote, in Little Dead Rotting Hood. Zusammen mit Sheriff Adam (Eric Balfour) macht diese sich auf, die Werwolfbrut zu vernichten.

Rotkäppchen? Kennt man. Aber wahrscheinlich nicht so. Zwar ist schon das Märchen der Gebrüder Grimm einigermaßen brutal, diese Verfilmung setzt aber nochmal einen drauf. Gibt schon ein paar krasse Szenen. Geeignet natürlich eher für Trash-Fans, die auch gerne mal das Hirn ausschalten, um sich für ein paar Minuten unterhalten zu lassen. Die Besetzung ist ganz okay, sogar vergleichsweise namhaft. Die Qualität der Szenen ist aber ziemlich schwankend. Mal ganz liebevoll gedreht, dann wieder sehr holprig und amateurhaft. Auch das Hauptmonster entlockt einem am Ende eher ein „Naja“.

 

image007

The Hallow

Verleih: MFA Hardcore VÖ: 2016

Sie wollen das Baby. Die mysteriösen Wesen, die Adam und seine Frau Clare in dem einsamen Haus mitten im Wald angreifen. Gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn Finn haben die beiden es erst vor kurzem bezogen. Adam, ein Wissenschaftler, soll sich dort um die alten Bäume kümmern. Die Warnungen der Einheimischen schießt er in den Wind. Doch etwas lauert in den alten irischen Wäldern. Und es will den kleinen Finn …

Die Story mag nicht so wahnsinnig einfallsreich sein, die Umsetzung ist jedoch durchaus gelungen. Das ist einfach gut gemachter Fantasy-Horror, gruselig, ohne viel Schnickschnack und ohne größere Albern- beziehungsweise Peinlichkeiten. Dafür mit sehr schönen, fast schon märchenhaften Bildern. Hat ein bisschen etwas von „The Evil Dead“. Auch schön: die in der irischen Mythologie beheimateten Monster. Die Effekte sind überdies nahezu alle handgemacht, fast schon liebevoll. Auch schauspielerisch ist der Streifen durchaus solide. Kann man sich durchaus ansehen.

 

SERIEN

image001-13

Dominion – Staffel 2

Studio: Universal VÖ: 2016

Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Nachdem erst im vergangenen Monat die erste Staffel von „Dominion“ veröffentlicht wurde, folgt nun schon Season two. Wir erinnern uns nochmal: 2010 lief der Horror-Action-B-Movie „Legion“ in den deutschen Kinos. Kommerziell einigermaßen erfolgreich, sodass man sich entschloss, eine Fortsetzung in Serien-Form zu schaffen. Die Story setzt 25 Jahre nach „Legion“ an: Gott ist verschwunden. Mit Hilfe des Erzengels Michael erwachen vier wehrhafte Städte aus der Asche des vergangenen Krieges. Die Überlebenden halten einen jungen, rebellischen Krieger (Christopher Egan) für den auserwählten Erlöser, was erneut eine Schlacht zwischen Himmel und Erde entfacht. Die Engel in dieser postapokalyptischen Welt sind nicht nur real, sondern auch erbitterte Todfeinde des Menschen.

Man muss es so hart sagen: Die Luft war in Staffel 2 irgendwie raus. Das machte sich auch in den Zuschauerzahlen bemerkbar, die in den Vereinigten Staaten um fast die Hälfte zurückgingen. Ein Todesurteil, das Todesurteil für die Serie. Auftraggeber Syfy zog letztlich den Stecker, eine Staffel drei wird es nicht mehr geben.

 

2 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.