Neu im DVD-Regal: Juni 2015

Kurt Cobain (foto: wikipedia/p.b. rage)

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Kurt Cobain – Tod einer Ikone

Studio: Ascot Elite VÖ: 2015

Die Stimme einer ganzen Generation verstummte im April 1994. Kurt Cobain hatte den schnellen Ruhm mit Nirvana nie wirklich verkraftet. Drogen verschafften ihm trügerische Erleichterung. 1994 flüchtete er aus einer Entzugsklinik und schoss sich, vollgepumpt mit Heroin, in den Kopf. Selbstmord, so lautete die offizielle Version. Enter Tom Grant. Der Privatermittler behauptet, ganz nah dran gewesen zu sein an den Ereignissen jenes schicksalhaften Aprils. Denn Courtney Love, Cobains Ehefrau, habe ihn beauftragt, den verschwundenen Rockstar zu finden. Von Anfang an konnte Grant das Urteil der Polizei nicht nachvollziehen. Zu viele Ungereimtheiten, für seinen Geschmack. Grant ermittelte auf eigene Faust und ist heute überzeugt, dass Cobain Opfer eines Mordkomplotts wurde …

Klar, wenn ein Rock-Idol wie Kurt Cobain plötzlich aus dem Leben scheidet, dann brodelt die Gerüchteküche schnell und Verschwörungstheoretiker treten mit wilden Theorien auf den Plan. War bei Elvis so, bei Michael Jackson auch – und ebenso bei Kurt Cobain. Gehört Tom Grant dazu? Ein Absolvent der Polizeiakademie, Detective und ein Privatermittler, dem Hollywood-Stars vertrauen? Irgendwie schon. Auch wenn er für diese Mischung aus Doku und Spielfilm (Regie: Benjamin Statler), die die Ereignisse zwischen dem 1. und dem 8. April 1994 nachzeichnet, allerlei Experten an Land gezogen hat, die seine These zu stützen scheinen. Wahnsinnig seriös wirkt das Ganze aber schon aufgrund der thriller-haften Sequenzen und der sichtlich geskripteten Aussagen nicht. Und aufgrund der Einseitigkeit, mit der Grant an die Dinge rangeht. Nicht sehr journalistisch. Ein radikales Gegenstück zu dem von Cobains Familie autorisierten Doku-Film „Montage of Heck“, bei dem der Fokus auf Leben und Werk des Nirvana-Frontmanns steht.

 

 

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Jacky

Studio: Pandastorm VÖ: 2015

In der Volksrepublik Bubunne herrschen die Frauen, während Männer Schleier tragen, sich um den Haushalt kümmern und vor allem gut aussehen sollen. Pferde sind heilig und das Essen von Pflanzen verboten. Der schöne 20-Jährige Jacky (Vincent Lacoste) sieht in seinem weinroten Schleier ganz besonders gut aus. Er lebt in einer kleinen Trabantenstadt und hat sich unsterblich in die zukünftige Diktatorin Bubunne XVII. (Charlotte Gainsbourg) verliebt. Eines Tages scheint für Jacky die Chance nah, die strenge Schöne für sich zu gewinnen. Denn deren Mutter kündigt einen großen Ball an, auf dem sich alle Jünglinge des Landes als Heiratskandidaten präsentieren sollen. Jacky setzt alles in Bewegung, um bei diesem Ball die liebste Herrscherin ins Herz zu treffen. Doch sein Onkel Julin (Michel Hazanavicius) ist davon gar nicht begeistert, er kämpft im Untergrund für die Revolution und die Rechte aller Männer…

Eine politische Satire made in Frankreich, politisch herrlich unkorrekt. Das traditionelle, verstaubte Rollenbild komplett auf links gedreht. Lustig. Aber nur so lange, bis man merkt, dass die Szenen nur herrlich schräg wirken, weil sie eben auf links gedreht sind. Auf rechts gedreht leider Alltag für Milliarden von Frauen. Mag auf den ersten Blick eine Persiflage auf islamentalistischen Fundamentalismus und das islamistische Genderverständnis sein, funktioniert aber auf den zweiten Blick tatsächlich religions- und nationenübergreifend. Sexismus gibt es überall.

 

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Good Kill – Tod aus der Luft

Studio: Ascot VÖ: 2015

Tagsüber den Feind töten, abends die Ehefrau küssen und die Kinder ins Bett bringen. Drohnenpilot Tommy Egans lebt mit extremen Gegensätzen. Gerade die eigene Sicherheit, während er wie in einem Videospiel das todbringende Knöpfchen drückt, macht dem Ex-Kampfpiloten schwer zu schaffen. Der wortkarge Mann, der nach Aussagen seiner Frau stiller wird, wenn er wütend ist, igelt sich immer weiter ein. Die Grenzen zwischen Krieg und Zivilleben verschwimmen. Da kommt die CIA und ändert die Spielregeln. Menschen werden getötet, weil ihr Verhalten einem errechneten Schema entspricht, nicht weil man klare Beweise hat, dass sie Terroristen sind. Kollateralschäden? Bedauerlich, aber unvermeidbar. Und Major Tommy Egan wird immer stiller …

In „Good Kill“ liefert Autor und Regisseur Andrew Niccol das spannende Psychogramm eines US-Drohnenpiloten und verhandelt die Illusion eines sauberen Krieges. Ist ein Krieg, der auf Monitoren und mit Joysticks geführt wird, der Gipfel der Perversion? Die Dissoziation zwischen dem Akt des Knöpfchendrückens und dem Töten; durch die ständige Wiederholung dieses Szenarios in diesem modernen Kriegsstreifen fühlt der Zuschauer irgendwann die selbe Distanz zu dem Handeln wie der Drohnenkrieger selbst. Das ist von Andrew Niccol, der bei diesem Drama einen fantastischen Job macht, durchaus so gewollt. Nur die romantische Nebenstory, die sich zwischen den Charakteren von Ethan Hawke,   Zoë Kravitz und January Jones abspielt, hätte es nicht unbedingt gebraucht.