Neu im DVD-Regal: Januar 2016

FILME

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Kill The Messenger

Verleih: Universal VÖ: 2016

Durch einen Tipp stößt Journalist Gary Webb (Jeremy Renner) auf eine brisante Geschichte: US-Geheimdienste sollen in 1980er Jahren mit einem der größten Drogenkartelle Mittelamerikas kooperiert haben. Tonnen von Crack seien dabei unter den Augen der CIA und zur Finanzierung der Contra-Rebellen in Nicaragua ungehindert ins Land geschmuggelt worden. Webbs Recherchen in den Vereinigten Staaten und bei einem inhaftierten Drogenboss in Nicaragua (Andy Garcia) liefern handfeste Beweise. Seine Artikelserie „Dark Alliance“ über diesen Skandal schlägt hohe Wellen im ganzen Land. Doch damit wird es endgültig ungemütlich für den aufstrebenden Journalisten – eine Schmutzkampagne wird gestartet und aus vermeintlich gut gemeinten Ratschlägen werden konkrete Drohungen…

Mit dem Polit-Thriller „Kill The Messenger“ ist Regisseur Michael Cuesta (Homeland) ein spannendes, schonungsloses Biopic gelungen. Biopic? Ja, die Story fußt auf der wahren Geschichte des Pulitzer-Preisträgers und Investigativjournalisten Gary Webb. Renner liefert hier eine hervorragende Performance ab und verleiht Webb eine gewisse Verletzlichkeit, was den Film allein schon sehenswert macht. Mit Medienkritik wird hier auch nicht gespart. Die wohl verstörendste Botschaft des Films handelt von den Nachrichten, die man bekommt – und denen, die man eben nicht bekommt. Denn: „Manche Geschichten sind einfach zu wahr, um sie zu erzählen.“

 

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Knight of Cups

Verleih: Studiocanal VÖ: 2016

Hollywood – die Stadt der Träume: Mittendrin der erfolgreiche Autor Rick (Christian Bale), auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und der wahren Liebe. Rick hat sich verloren in einer Welt des Scheins, stürzt sich in ausschweifende Partys und lässt sich mit verschiedenen Frauen ein – immer in der Hoffnung, diese mögen ihm einen Zugang zum Kern der Dinge verschaffen, der ihm selbst verschlossen bleibt. Seitdem seine Ehe mit der Ärztin Nancy (Cate Blanchett) scheiterte, sucht er in Affären und Liebschaften die ersehnte Erfüllung. So trifft er auf das Model Helen (Freida Pinto), deren Schönheit ihn gefangen nimmt, die verheiratete Elizabeth (Natalie Portman), die von ihm schwanger wird und auf Stripperin Karen (Teresa Palmer), die erfolglos versucht, ihn aufzuhalten. Und schließlich auf Isabel (Isabel Lucas), die ihn der Wahrheit vielleicht ein Stück näher bringen könnte.

Terrence Malick gilt für viele als einer der letzten großen Poeten der Traumfabrik. Für Christian Bale beispielsweise. Dem Vernehmen nach sagte der Schauspieler nach Malicks Anfrage blind für den Film zu, ohne je ein Drehbuch gesehen zu haben. Zugesagt hat er letztlich für einen Monolog auf Spielfilmlänge, für einen grandios inszenierten Zirkus der Eitel- und Oberflächlichkeit, dem bei allem Glitzer und Glamour eine gewisse Düsternis zugrunde liegt: Alles nur Schein. Ab und an sieht man Bale mit sorgenvoller Miene in der Wüste stehen. Das wahre Hollywood? Ein Wasteland. Und übrigt bleibt die Frage, ob einen die Traumfabrik nicht vielleicht selbst schon eingelullt hat. MVP des Films: Kamermann Emmanuel Lubezkis, der den Zuschauer einen wahren Rausch an Farben und Bewegungen durchleben lässt.

 

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Shrew’s Nest

Verleih: OFDb Filmworks VÖ: 2016

Spanien in den 1950er Jahren: Die streng religiöse Schneiderin Montse (Macarena Gomez) leidet an Agoraphobie, der Angst vor öffentlichen Plätzen. Bereits der Flur des Hauses ist für sie dadurch unerreichbar, so dass ihre gesamte Welt nur aus ihrer Wohnung besteht. Einzig ihre jüngere Schwester (Nadia de Santiago), um die sie sich zwar mit Hingabe, aber auch mit einer gewissen Strenge kümmert, ist Teil ihres tristen Lebens. Auch die Schwester darf sich nicht in der vermeintlich gefährlichen Außenwelt aufhalten, schon ein Gespräch mit einem Nachbarn lässt Montse rasend vor Wut werden. Der immergleiche und ereignisarme Alltag wird jäh unterbrochen, als der im oberen Stockwerk wohnende Nachbar Carlos die Treppe herunterstürzt und schwer verletzt vor Montses Tür liegen bleibt. Montse, getrieben von ihrer christlichen Nächstenliebe, kann sich trotz ihrer Ängste nicht davor verschließen, dem Verletzten zu helfen. Doch was als Gesundpflegen beginnt, entwickelt sich allmählich zu einer Obsession. Als Montse merkt, dass sich Carlos offenbar stärker zu ihrer Schwester hingezogen fühlt, sieht sie sich mit bislang unbekannten Gefühlen konfrontiert, die unaufhaltsam in eine Spirale der Gewalt führen.

Den beiden Regisseuren Juanfer Andrés und Esteban Roel ist in ihrem Debütfilm ein beklemmendes Melodrama gelungen, bei dem ab und an Erinnerungen an Stephen Kings „Misery“ wach werden. Das Ganze geht zwar ein bisschen zäh los, nimmt aber Fahrt auf, als Carlos buchstäblich in die Szene stolpert. Da wird erst ein bisschen mit Situationskomik gespielt, ehe dann der Wahnsinn in die klaustrophobische Enge des Films Einzug hält. Ein cleverer Schachzug. Am Ende geht’s in Richtung Splatter, da ist dann auch die Handschrift von Produzent Alex de Iglesias erkennbar. Sehenswert.

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Unknown User

Verleih: Universal VÖ: 2016

Ein Jahr ist es her, seit sich High-School-Schönheit Laura (Heather Sossaman) auf der Party eines Mitschülers bis auf die Knochen blamierte. Ein Jahr, seit das Video ihres peinlichen Fehltrittes ins Internet gestellt wurde und Lauras Ruf auf einen Schlag ruinierte. Ein Jahr, seit sich Laura auf tragische Weise das Leben genommen hat. Heute Nacht versammeln sich sechs ihrer Mitschüler auf Skype, um über Lauras Tod zu reden. Bis sich eine unbekannte siebte Person mit Lauras Konto einloggt und alle Anwesenden warnt: Wer versucht, den Chat zu verlassen – stirbt. Wer sich weigert, zu reden – stirbt. Wer die Wahrheit über die Ereignisse im vergangenen Jahr verschweigt – stirbt. Ist Lauras Geist zurückkehrt, um Rache zu nehmen? Oder spielt jemand den sechs Freunden einen grausamen Streich?

„Blair Witch Project 2.0“ für die Internetgeneration – so wird der Horrofilm, den Produzent Timur Bekmambetow und Regisseur Levan Gabriadze da auf die Beine gestellt haben, vollmundig angekündigt. Der Impact, den „Blair Witch Project“ hatte, war aber bedeutend größer, als der, den „Unknown User“ hinterlassen hat. Jedoch: Mit den Themen Cyber-Bullying, Social-Media-Wahn, FOMO und Always-On-Mentalität bildet „Unknown User“ perfekt den Zeitgeist ab, liefert somit eine Identifikationsgrundlage und damit nicht die schlechteste Voraussetzung für einen guten Horrorfilm. Auf der Leinwand ist während der 80 Minuten nur ein Computerbildschirm zu sehen. Interaktion findet über die Chat-Fenster und Skype statt. Man hat als Zuschauer das Gefühl, selbst am Computer zu sitzen und Teil des Chats zu sein. Eine gute, wenn auch sperrige Idee, die leider von den allenfalls durchschnittlichen Schauspielern nur bedingt mit Leben gefüllt wird.

 

SERIEN

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Hemlock Grove – Season 2

Verleih: Concorde VÖ: 2016

Nachdem seine Mutter bei einem Familienfest verhaftet wird, beschließt Peter, nach Hemlock Grove zurückzukehren. Er braucht Geld für Lindas Kaution und die Anwältin, die Destiny und er engagiert haben, und nimmt einen Job als Abschleppwagen-Fahrer an. Außerdem verkauft er eine angebliche Designer-Droge, „Sebzilla“. Um die Wirksamkeit der Droge zu unterstreichen, verwandelt er sich vor dem Augen der Dealer in einen Werwolf. Damit geht er ein Risiko ein, denn außerhalb des Vollmonds geht die Metamorphose mit lebensgefährlichen Nebenwirkungen einher. Das Wiedersehen mit seinem Kumpel Roman fällt frostig aus. Roman fühlt sich von Peter, der nach dem Tod von Letha fluchtartig die Stadt verlassen hatte, im Stich gelassen. Peter ahnt noch nicht, in welcher Situation Roman sich befindet. Die Folgen seiner neuen Natur machen ihm zu schaffen, verzweifelt kämpft er gegen die Gier des Upirs nach Blut, die ihm den Schlaf raubt. Mit seiner Mutter, die sich nach einer Behandlung bei Dr. Pryce im weißen Turm auf dem Wege der Besserung befindet, hat er nur den allernötigsten Kontakt. Lethas Tochter, die die Geburt überlebt hat, wächst streng von der Außenwelt abgeschirmt bei ihm auf. Doch es gelingt ihm nicht, das namelose Baby ins Herz zu schließen.
Kurz nach Roman strandet Miranda Cates in Hemlock Grove und bittet Roman um Hilfe. Auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ex wurde sie von einem Unbekannten von der Straße gedrängt. Ihr Auto ist kaputt, sie hat kein Geld. Widerwillig gewährt er ihr für eine Nacht Obdach. Tags darauf lernt sie in der Werkstatt Peter kennen, der sie genauso fasziniert und anzieht wie Roman. Peter wird wieder von wirren Träumen heimgesucht. Eine Sekte begeht darin brutale Morde. Peter ist überzeugt davon, dass sie eine tiefere Bedeutung haben und er die Möglichkeit hat, die brutalen Ereignisse in seinen Träumen in der Realität zu verhindern. Wieder teilt er seine Träume mit Roman. So sehr sich die beiden auch wehren: Ihre geheimnisvolle Verbindung lässt sich nicht länger leugnen. Mit dem Bruder der unter nach wie vor ungeklärten Umständen ermordeten Dr. Chasseur, der in Hemlock Grove als Sheriff angeheuert hat, ist ein weiterer Schatten aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit aufgetaucht.
Doch wie hängen ihre Träume, die kaltblütig mordenden Masken-Männer, das namenlose Baby, Miranda, die beim Anblick von Lethas Tochter zu laktieren beginnt und sich zu Roman ebenso hingezogen fühlt wie zu Peter, zusammen? Welche Geheimnisse verbergen Dr. Pryce und seine skrupellose Assistentin im weißen Turm, wo inzwischen auch Shelley behandelt wird? Als Peter und Roman bemerken, dass auch Miranda ihre Träume teilt, beschließen sie, den Vorgängen um Hemlock Grove auf den Grund zu gehen und begeben sich damit selbst in tödliche Gefahr.

Dunkel, abgedreht, komplex – die erste Staffel der Netflix-Serie Hemlock Grove hat uns noch ganz gut gefallen. Auch, weil die eine oder andere Anleihe bei David Lynchs „Twin Peaks“ offensichtlich war und etwas „True Blood“ miteinfloss. Die zweite Staffel ist immer noch in Ordnung, aber nicht mehr so stark wie die erste. Der Plot ist nicht mehr ganz so packend. Dennoch ist Hemlock Grove nach wie vor wunderbar weird. Hat man selten. Mal sehen, was die dritte und finale Staffel noch bringt.