Neu im DVD-Regal: Dezember 2015

MOVIES

image004-1

Gefühlt Mitte Zwanzig

Verleih: Universum VÖ: 2015

Fourty-Somethings: Während all ihre Freunde bereits Kinder haben oder gerade kriegen, genießen Josh (Ben Stiller) und Cornelia (Naomi Watts) die Freiheiten, die ihnen ihre traute Zweisamkeit ermöglicht. Sie wohnen in Brooklyn, sind eigentlich glücklich in ihren 40ern – werden aber irgendwie das Gefühl nicht los, dass das wahre Leben an ihnen vorbei zieht. Als sie schließlich Jamie (Adam Driver) und Darby (Amanda Seyfried) kennen lernen, ein junges Hipster-Paar Mitte Zwanzig, ist es Freundschaft auf den ersten Blick. Die beiden begegnen Josh und Cornelia mit einer Offenheit, die sie fasziniert und selbst wieder ein Stück jünger fühlen lässt. Immer mehr werfen sie die zur Gewohnheit gewordenen Spießigkeiten ihres Alters über Bord und schmeißen sich mitten hinein in das Leben von Jamie und Darby. Zur Verwunderung ihrer gleichaltrigen Freunde „verjüngen“ sie plötzlich ihren Kleidungsstil, entdecken Hip Hop für sich oder besuchen gemeinsam spirituelle Sitzungen. Zwar sind Josh und Cornelia selbst etwas überrascht von sich und ihrer plötzlichen „Frischzellenkur“, aber hey, man ist nur einmal, öhm, wieder jung. Doch während die beiden Paare sich einander immer näher kommen, wird auch immer deutlicher, was sie voneinander trennt …

Noah Baumbach can’t do no wrong: Mit „Gefühlt Mitte Zwanzig“ hat der Woody Allen der Neuzeit eine urkomische Komödie vorgelegt. Die Geschichte ist gut, die Dialoge ausgefeilt, das Ganze hat Tiefgang. Obwohl der Ton, den Regisseur Baumbach hier anschlägt, deutlich leichter ist als in seinen jüngsten, oft sehr verkopften Filmen. Der spiegelt sich beispielsweise im – für Baumbachsche Verhältnisse – körperbetonteren Humor. Hat mir nicht nur ein lautes Lachen entlockt.

 

image001-2

Bus 657

Verleih: Ascot VÖ: 2015

Ein Mann in Geldnot: Vaughn braucht dringend 300.000 Dollar, um eine lebensrettende Operation für seine Tochter zu bezahlen. Sonst wird die Klinik die Behandlung seines kleinen Mädchens einfach abbrechen. Aber wie soll er, der er doch nur am Black-Jack-Tisch arbeitet und kaum Kröten hat, in der Kürze der Zeit so viel Geld auftreiben? Von seinem Boss vielleicht? Nö. Der herzlose Casinoboss Frank schmeißt ihn vielmehr hochkant raus, als er ihn um Hilfe bittet. Da macht sich Cox vom Sicherheitsdienst an Frank heran. Der gut gefüllte Casinotresor lockt ihn. Vaughn wollte eigentlich nie mehr krumme Dinger drehen, aber für sein Kind … Der hastig geplante Job läuft gewaltig aus dem Ruder und die Männer finden sich mit der Beute und einer Handvoll Geiseln in einem öffentlichen Bus wieder. Eine Jagd beginnt, bei der wirklich alles anders kommt als erwartet …

Dass Altmeister Robert De Niro den Fiesling im Repertoire hat? Wissen wir. Sein Katalog an Arbeitsnachweisen? Sucht seinesgleichen. Und dennoch: Ab und an hat De Niro dann doch wieder Filme gedreht, bei denen man sich dachte: Was ist da nur in diesen Schauspieler gefahren? Warum tut er sich das an? „Heist“, oder: „Bus 657“, ist einer dieser Streifen, die eigentlich unter De Niros Würde liegen sollten.  Der Gute legt hier mal wieder die dicke Goldkette an und steigt in die Maßschuhe des „ehrenwerten“ Casinobosses. Das Rennen und Schießen überläßt er, der er ja auch nicht mehr der Jüngste ist, inzwischen aber seinen Kollegen. So richtig zu glänzen vermag er in dieser durchschnittlichen Cast auch nicht. Schade, ist der Plot im Ansatz eigentlich ganz passabel. Leider packt Regisseur Scott Mann aber zu oft den Holzhammer aus, um seine Botschaften an den Mann zu bringen. Subtil geht anders.

 

image001-3

Life Partners

Verleih: Ascot VÖ: 2015

Sasha und Paige sind eine verschworene Einheit. Seit der Teenagerzeit haben sie sich über jedweden Liebeskummer und andere Krisen hinweg geholfen und vor allem eins dabei gehabt – viel Spaß. Dass Sasha lesbisch ist und Paige hetero? Kein Thema zwischen den beiden. Aber jetzt taucht langsam eine echte Bedrohung am Horizont auf: die böse 30! Ein Anlass, mal das eigene Leben zu reflektieren. Und da sieht es in Liebesdingen gar nicht gut aus. Keine von beiden hat bisher einen Partner fürs Leben gefunden. Also wird eine Dating-Offensive gestartet und da landet Paige doch tatsächlich einen Treffer. Plötzlich liegen Heirat, Haus und Familiengründung in der Luft. Und weniger Zeit für die geliebten Rituale der Freundschaft. Eine schwierige Herausforderung für die beiden besten Feundinnen …

Eine Komödie, die um eine Frauenfreundschaft kreist und dabei würdevoll daher kommt und nicht wie eine billige Karikatur? Geht nicht? Gibt’s nicht? Geht doch. „Life Partners“ tritt diesen Beweis an, weil hier immer Glaubwürdigkeit mitschwingt. Hier geht’s, dieser Eindruck drängt sich auf, um echte Menschen mit echten Beziehungen. Liegt natürlich auch an den tollen Schauspielerinnen. Aber: Da ist Regisseurin Susanna Fogel und ihrer Co-Autorin Joni Lefkowitz storytechnisch ein kleines Kunststück gelungen. Liegt möglicherweise auch daran, dass den beiden die Thematik nicht fremd ist: Sie sind dem Vernehmen nach seit Jahren beste Freundinnen und gingen durch eine ähnliche Krise wie ihre Protagonistinnen, als Lefkowitz ihre zukünftige Ehefrau kennenlernte. Die beiden Frauen sind außerdem ein eingespieltes Team, haben sie doch gemeinsam die TV-Serie „Chasing Life“ entwickelt, die auch in Deutschland ausgestrahlt wird. Sie nutzten eine Arbeitspause an der Serie, um ihr Theaterstück „Life Partners“ zu einem Film umzuarbeiten. Gott sei Dank. Hat sich gelohnt.

image003-5

Self/Less

Verleih: Concorde Home Entertainment VÖ: 2015

Wie heißt es im Volksmund? Mitnehmen kann man am Ende nix. Die Erfahrung macht auch der millardenschwere Unternehmer Damian (Ben Kingsley). Sein Reichtum, sein Erfolg? Wertlos, als er erfährt, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist. Er begibt sich daraufhin in die Hände einer geheimen Organisation unter der Leitung eines gewissen Albright (Matthew Goode). Um seine Lebenszeit zu verlängern, lässt er sein Bewusstsein in einen anderen, jüngeren Körper übertragen. „Shedding“ nennt sich das ebenso geheime wie teure Verfahren. Das Experiment glückt und der wieder junge Damian beginnt unter seiner neuen Identität „Edward“ (Ryan Reynolds) und in einer anderen Stadt, die gewonnene Zeit in vollen Zügen zu genießen. Doch die neue Welt bekommt Risse, als er von wirren Träumen geplagt wird – Erinnerungen an ein Leben, das nicht sein eigenes ist. Als Damian diesen Visionen auf den Grund geht, muss er erneut um sein Leben fürchten, denn Albright und seine Organisation sind nicht bereit, ihr lukratives Geheimnis kampflos aufzugeben …

Ryan Reynolds ist derzeit unheimlich produktiv. Gefühlt jeden Monat rezensieren wir an dieser Stelle einen Film, in dem der Gute in der Cast auftaucht. Im Gegensatz zu „The Voices“ oder „Dirty Trip“ war sein Händchen bei der Filmauswahl hier nur so lala. Die hinter dem Streifen stehende Grundsatzfrage ist ja eigentlich eine gute, geradezu philosophische: Was macht den Menschen aus? Ist er mehr als nur Haut und Knochen? Hat er eine Seele? Weil der Film es aber nicht schafft, diese Fragen kreativ zu beantworten, sich geradezu dem Versuch einer Beantwortung verweigert, enttäuscht er. Da hatte man von Filmemacher Tarsem Singh irgendwie mehr erwartet. Kann auch ein schauspielerisch wieder mal gut aufgelegter Reynolds nicht retten.

 

desaster

Desaster

Verleih: Studiocanal VÖ: 2015

Der Schweizer Anwalt Dr. Jürg Würsch (Stefan Kurt) ist nach Südfrankreich gereist. Gegen Belohnung soll er dem skrupellosen Gangsterboss Mischa (Milan Peschel) Justizgeheimnisse verraten. Und obendrein erhofft sich Würsch ein kleines Schäferstündchen mit Mischas attraktiver Gattin Lydia (Anna Loos). Der Haken? Würsch weiß nicht, dass Lydia ein doppeltes Spiel spielt. Mischa und Lydia wiederum wissen nicht, dass der Anwalt ebenfalls eigene Pläne verfolgt und genau deshalb zu seinem Schutz die beiden Profikiller Ed (Justus von Dohnányi) und Mace (Jan Josef Liefers) angeheuert hat. Dumm nur, dass sich Ed als penetranter Macho-Proll herausstellt und den Plan von Würsch durch sein dämliches Verhalten völlig durcheinander bringt …

Der deutsche Spielfilm und Humor – nicht immer passt das gut zusammen. „Desaster“ (schon der Titel!) ist allerdings in der Tat eine gelungene Gangster-Groteske (mit unheimlich hohem Body Count), bei der einem das Lachen nicht peinlich sein muss. Sehr böse, sehr wild, sehr überdreht, sehr schwarz – das gefällt. Zugegebenermaßen trifft der teils primitive Humor eher den Geschmack des jungen, männlichen Zuschauers.

 

image001-4

The Vatican Tapes

Verleih: Universum VÖ: 2015

Angela Holmes (Olivia Taylor Dudley) führt eigentlich ein glückliches und ruhiges Leben. Nach einer vermeintlich harmlosen Verletzung ändert sich dies jedoch: Das Verhalten der jungen Frau wird zusehends unberechenbar und sie scheint jeden in Gefahr zu bringen, der ihr zu nahe kommt. Seltsame Unfälle geschehen, Menschen verletzen sich oder sterben. Nachdem Ärzte nicht helfen können, wendet sich der örtliche Priester, Pater Lozano (Michael Peña), der überzeugt ist, Angela sei von einem Dämon besessen, in letzter Hoffnung an den Vatikan. Dort nehmen sich Vikar Imani (Djimon Hounsou) und Kardinal Bruun (Peter Andersson) des seltsamen Falls an. Schon bald stellt der erfahrene Exorzist Bruun fest, dass sie es mit einer deutlich mächtigeren satanischen Gewalt zu tun haben, als sie zunächst dachten. Ein Kräftemessen zwischen Himmel und Hölle beginnt …

Nein, mit den klassischen Exorzist-Filmen kann dieser Streifen hier natürlich nicht mithalten. Dieser Horrorfilm, bei dem Mark Neveldine („Crank“) Regie führte, hat zwar durchaus so seine Momente, letztlich verfällt er aber in dasselbe Muster wie so viele Rip-Offs des großen Originals und ist daher insgesamt dann doch sehr vorhersehbar. Sehenswert macht diesen Film einzig die Performance von Olivia Taylor Dudley. Ein Lichtblick in der Dunkelheit.

SERIEN

image002-2

Marco Polo

Verleih: Ascot VÖ: 2015

Im 13. Jahrhundert beherrscht Kublai Khan die Mongolei. Doch das genügt seinem unersättlichen Machthunger längst nicht. Seine Eroberungslust richtet sich auf China. Das Imperium, das der mächtige Khan (Benedict Wong) beherrscht, wird bei seinem Tod das flächenmäßig größte Reich der Weltgeschichte sein. Der junge Venezianer Marco Polo (Lorenzo Richelmy) gerät mitten hinein in diese fremde Welt voller Gier, Ausschweifung, Intrigen und Machtstreben. Von seinem Vater als lebendes Pfand am mongolischen Hof zurückgelassen, erringt Marco durch seine Intelligenz und Wortgewandtheit das Interesse und auch das Wohlwollen des mächtigen Herrschers. Als Abgesandter des Großkhans erlebt Marco Polo das größte Abenteuer seines Lebens.

Schon sehr opulent und bildgewaltig geraten, das Ganze. Optisch spektakulär. Da sieht man die 90 Millionen Dollar, die Netflix in die Produktion von „Marco Polo“ investiert und damit eine der teuersten Serien aller Zeiten geschaffen hat. Die großen Schlachten sind toll inszeniert, die Landschaften atemberaubend. Schade jedoch, dass die Serie nicht an den chinesischen Originalschauplätzen gedreht werden konnte. Und schade, dass nicht noch mehr Geld in die Ausarbeitung der Dialoge geflossen ist. Da hätte man noch ab und zu geben können. Wer aber Action, historische Dramen und „Game of Thrones“ mag, der ist hier gut aufgehoben. Marco Polos Reiseberichte sind ja nun auch nicht die schlechteste Prämisse. Heimlicher Star: Benedict Wong. Richelmy alias Marco Polo bleibt im Vergleich blass.