Neu im DVD-Regal: April 2016

MUSIK

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Saltatio Mortis – Zirkus Zeitgeist: Live aus der Großen Freiheit

Verleih: Universal VÖ: 2016

Zum 15-jährigen Bandjubiläum machten sich Saltatio Mortis selbst ein Geschenk. Mit ihrem Nummer-Eins-Album „Zirkus Zeitgeist“ gastierte die Band auf St. Pauli und guckte sich die prestigeträchtige, sagenumwobene Große Freiheit aus, um dort eine Live-DVD einzuspielen. Passiert nicht alle Tage. Die letzte Video-Aufzeichnung einer Saltatio-Mortis-Rockshow liegt schon ein halbes Jahrzehnt zurück. „10 Jahre wild und frei“ hieß das Ding damals und ist in der historischen Stadthalle Wuppertal entstanden. Nun also die Reeperbahn. Und was soll man sagen: Da hat alles gepasst. Die Atmosphäre war super, der Club pickepackevoll, die Show großartig, die Band gut drauf. Die Songs des neuen Albums dominieren klar, auch wenn sich der eine oder andere Klassiker in die 23 Tracks starke Setlist gemogelt hat. Spaß macht oft die Kameraführung, auch der Sound ist bombe. Wem schon das Album gut gefallen hat, der kann hier bedenkenlos zugreifen.

 

FILME

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Familienbande

Vertrieb: Pandora Film VÖ: 2016

Shit happens: Das Leben ist kein Wunschkonzert. Das weiß die elfjährige Stacey nur zu gut. Auch ihr Onkel Will hat bisher nicht gerade wahnsinnig viel Glück gehabt. Doch als er vorzeitig aus seiner Haftstrafe entlassen wird, weil er sich um seine Nichte kümmern muss, ist das für beide die Chance zum Neuanfang. Will tauscht die Gefängniszelle gegen einen Wohnwagen in der irischen Einöde und versucht dort ein Zuhause für sich und die vorlaute Stacey zu schaffen. Aber damit der Neustart wirklich gelingt und die beiden zu einer Familie werden, muss das ungleiche Paar die Vergangenheit hinter sich lassen…

Mit „Familienbande“ legt Regisseur und Drehbuchautor Mark Noonan sein Spielfilmdebüt hin. Und das gleich sehr eindrucksvoll. Ein schönes, unaufgeregtes Drama, bittersüß und mit trockenem irischem Humor erzählt. Überzeugend: die beiden Hauptdarsteller Lauren Kinsella und Aiden Gillen, der vor allem durch seine Rolle in der HBO Serie „Game of Thrones“ bekannt wurde, in ihren bissigen Dialogen. Ärgerlich ist hier nur mal wieder die misslungene Eindeutschung des Filmtitels: Der Streifen lief im Februar 2015 bei der Berlinale noch unter dem Original-Titel „Your’e ugly too“. Schon der damalige deutsche Untertitel „So wie ich bin“ war kein Burner, aber „Familienbande“ klingt dann doch noch mal abtörnender. Hat der wirklich gute Film nicht verdient. 

 

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Das Leben ist ein Kinderspiel

Verleih: Eurovideo VÖ: 2016

Um seiner Frau Mama Nan (Fionnula Flanagan) eine Freude zu machen, entrümpeln Colm (Pat Shortt) und seine Geschwister ihr Haus und verpassen ihm neue Möbel. Mit Erfolg! Als Nan das Ergebnis sieht, hält sich ihre Freude jedoch in Grenzen, denn auch ihre Matratze ist der spontanen Aufräumaktion zum Opfer gefallen – inklusive ihrer gesamten Ersparnisse. Die Suche beginnt, und jeder in der Familie hilft mit, um die Matratze wiederzufinden. Dummerweise setzt Colm im Radio einen Finderlohn auf die „1-Million-Euro Matratze“ aus und augenblicklich ist ganz Irland auf der Suche nach dem wertvollen Stück, das auf unzähligen Müllkippen gefunden werden will. Doch die Matratze scheint unauffindbar zu sein, und schon bald denken alle, die Million gäbe es nur in der Einbildung einer alten Dame. Aber Nans Enkelin Emma (Kelly Thornton) glaubt der Geschichte ihrer Oma und macht sich noch einmal auf die Suche…

Ins irisches Kino habe ich mich in den vergangenen Jahren verliebt, ausschlaggebend war ein Trip auf die Grüne Insel und der Film „The Guard“. Selten haben mich Filme aus Irland enttäuscht – und auch dieser hier ist sehenswert. Eine nette, leichte Familienkomödie mit fantastischen Bildern, die irgendwie zwischen Slapstick und Realismus mäandert, mit einer wie immer starken Fionnula Flanagan. Auch Thornton weiß zu überzeugen.

 

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Dark Places

Verleih: Concorde VÖ: 2016

Libby Day ist eine verbitterte, einsame Frau, die in einer abgefuckten Wohnung haust und deren Leben eigentlich gar keines mehr ist. Der Grund: Als kleines Mädchen musste sie mitansehen wie ihre Mutter und Schwestern brutal ermordet wurden – nur sie und ihr Bruder, der schuldig gesprochen wurde, überlebten. Doch inzwischen gibt es eine Gruppe von Menschen, die an der Schuld ihres Bruders zweifelt. Libby muss noch einmal ihre Vergangenheit aufrollen: Was hat sie in jener verhängnisvollen Nacht wirklich gesehen? Ihre Erinnerungen bringen sie in Lebensgefahr – so wie damals.

Charlize Theron kann das eigentlich: zerrüttete Frauen spielen. Man erinnere sich an „Monster“ (2003), der ihr immerhin einen Oscar einbrachte. In „Dark Places“, das nach einer Romangrundlage von Gillian Flynn verfilmt wurde, kann die südafrikanische Schauspielerin allerdings nicht glänzen. Das mag am Stoff liegen, der Film nimmt irgendwie nie so richtig Fahrt auf. Spannung? Fehlanzeige. Und das ist ebenso verwunderlich wie schade, waren doch hier eigentlich alle Voraussetzungen gegeben. Die Cast liest sich gut (Charlize Theron, Christina Hendricks, Tye Sheridan, Nicholas Hoult, Chloë Grace Moretz, Corey Stoll), der Vorlagen-Stifter hat bereits einen der spannendsten Thriller der letzten Jahre geschrieben („Gone Girl“) und die Prämisse ist doch eigentlich auch in Ordnung. Man hat aber nichts draus gemacht. Der Libby-Charakter ist unsympathisch, macht keine wirkliche Entwicklung durch und bleibt oberflächlich. Das ist natürlich schlecht für einen Film, der ein Charakterporträt zeichnen will.

 

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The Dressmaker

Verleih: Ascot VÖ: 2016

Nach Jahren als Schneiderin für die exklusivsten Modehäuser von London, Mailand und Paris kehrt die stilsichere Schönheit Myrtle „Tilly“ Dunnage (Kate Winslet) in ihre australische Heimat zurück, aus der sie als Jugendliche einst vertrieben wurde. Willkommen im Städtchen Dungatar – irgendwo im Nirgendwo. Mit einer Nähmaschine bewaffnet, räumt das glamouröse Ausnahmetalent mit ihrer Vergangenheit auf und begibt sich auf einen süßen Rachefeldzug. Schlagfertig legt sie den alten Zwist mit ihrer Mutter „Mad“ Molly (Judy Davis) beiseite, gewinnt durch ihre Handwerkskunst die Gunst der misstrauischen Dorfbewohner – und scheint bei Teddy (Liam Hemsworth), einem Adonis von Mann, weiche Knie zu bekommen.

Na, so richtig überzeugend ist das viel zu lange Ding hier leider nicht geworden. Da holpert’s doch sehr: Ein kruder, antiquiert wirkender Mix aus Comedy und Tragedy, der „Chocolat“ sein will, aber in sich nicht so richtig stimmig ist. Sich sehr oft sehr falsch anfühlt. Da kann auch die bemühte Kate Winslet nicht viel dran ändern. Der offensichtliche, aber unkommentierte Altersunterschied zwischen den beiden Lovebirds Winslet und Hemsworth ist auch wenig hilfreich. Vielleicht doch lieber an Rosalie Hams Buch halten, das als Grundlage diente.

 

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The Trust

Verleih: Ascot VÖ: 2016

Nein, so richtig weit haben es David Waters (Elijah Wood) und Jim Stone (Nicolas Cage) nicht gebracht. Entsprechend weit unten angesiedelt in der Gehalts-Skala sind die beiden Cops. Und so nehmen es die zwei korrupten Las-Vegas-Polizisten auch nicht so genau mit dem Gesetz. Mit Hehlerei bessert das Duo sein kümmerliches Salär auf. Als die beiden Polizisten einen von Gangstern geklauten Safe mit wertvollem Inhalt entdecken, wollen sie sich damit aus dem Staub machen. Kurzerhand geraten sie in einen Strudel aus Gewalt und Korruption.

Elijah Wood und Nicolas Cage in einem Film – das lässt sich doch direkt mal gut an. Vielversprechend. Und tatsächlich, das Spielfilm-Debüt der Regisseure Ben and Alex Brewer, die sonst vor allem durch Musik-Videos bekannt wurden, ist durchaus gelungen. Cage macht in der Rolle des durchgeknallten Stone Spaß und hebt damit den Film, der sozusagen eine Low-Budget-Version von „Ocean’s Eleven“ ist, auf ein höheres Level. Mal wieder eine stärke Rolle des Guten, der ja in den vergangenen Jahren drauf und dran war, seinen wohlklingenden Namen mit kruder Rollen-Auswahl aufs Spiel zu setzen.

 

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The Invitation

Verleih: Pandastorm VÖ: 2016

Seltsame Dinner-Party. Irgendetwas stimmt hier nicht. Alle verhalten sich so übertrieben freundlich. Will (Logan Marshall-Green) trifft auf dieser Party seine Ex-Frau wieder. Leute verschwinden spurlos, Medizin wird heimlich geschluckt und zum Nachtisch wird ein sehr unpassendes Video gezeigt. Bildet sich Will die Bedrohung einfach nur ein, oder lauert hinter der schönen Fassade tatsächlich der Vorhof zur Hölle?

Mit „The Invitation“ ist Regisseurin Karyn Kusama beim Fantasy Filmfest 2015 ein großer Überraschungserfolg gelungen. Der Streifen gewann zudem den Hauptpreis des Sitges Fantastic Film Fest als „Bester Film“. Und womit? Mit Recht. Der Film ist spannend, unvorhersehbar und voller Überraschungen. Es gibt bei dieser Party jede Menge Irritationsmomente, wunderliche Details, Ungereimtheiten, kleine Dinge, die nicht ins Bild passen wollen. Lange weiß man nicht woran man ist. Man spürt nur eine Verlogenheit, die hinter der Fassade durchschimmert. Mehr wollen wir aus Spoiler-Gründen nicht verraten. Ein hintersinniges Meisterwek von Karyn Kusama. Ebenfalls überzeugend: Hauptdarsteller Logan Marshall-Green.

 

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Houses of Terror

Verleih: Ascot VÖ: 2016

Clowns mit Reißzähnen, Zombies in der Dunkelheit, Monster, die aus Wänden kommen und Sargdeckel, die sich unwiderruflich über dir schließen – zur Halloweenzeit konkurrieren Hunderte von Horror-Attraktionen um den grausigsten Auftritt. Doch die Brüder Bobby und Mikey und ihre Freunde suchen den einen besonderen Ort, der weiter geht als alle anderen. Mit einfachen Masken in Spukhaus-Attraktionen kann man ihnen schon lange nicht mehr kommen. Die fünf Freunde suchen den ultimativen Kick. Um den einen authentischen Schock zu erleben, reisen sie los. Auf der Suche nach dem Ort, der ihnen das Blut in den Adern gerinnen lässt. Nie hätten sie erwartet, dass das Grauen stattdessen sie suchen und finden würde. Dass ihre tiefsten Ängste zum Leben erwachen und aus dem Grusel-Spiel ein mörderisches Labyrinth ohne Notausgang werden könnte …

Geisterhäuser sind ein beliebtes Motiv in Horrorfilmen. Und in den USA gibt es solche Spukhäuser tatsächlich. Sie bieten oft ein aufwändiges Set, um ihren Besuchern Schauer über den Rücken zu jagen. Jährlich besuchen um die 30 Millionen Horrorfans diese Orte, um sich mal so richtig erschrecken zu lassen. Die fünf alten Highschool-Freunde Bobby, Mikey, Brandy, Zack und Jeff haben wirklich an diesen Spukorten gedreht und Interviews geführt. Die Begegnung mit Betreibern und Darstellern der Horror-Attraktionen offenbarte auch die dunkle Seite der Grusel-Industrie. Der Blick in die Köpfe der Horror-Profis brachte Düsteres ans Licht: Darsteller, die sich zu sehr in ihre Rolle hineinsteigern, Betreiber, die in ihrem Ehrgeiz Grenzen überschreiten, Gerüchte über die Verwendung von echten Leichenteilen, über Unfälle und Verletzungen. Es lag nahe, für die Filmstory diese Gerüchte konsequent zu Ende zu denken und die Fünf einer extremen Gruppierung auszuliefern, die alle Grenzen überschreitet. Das gelingt im Großen und Ganzen auch ganz gut. Da kann man es beinahe verschmerzen, dass das Ding wieder in Found-Footage-Manier gedreht wurde. Ein Genre, mit dem ich sonst nicht so warm werde, weil die Bildqualität oft den Spaß an der Sache nimmt. Auch hier ist das Bild gewollt schlecht: Schwache Kontraste, matte Farben, viel Korn. Ein Umstand, der nervt, aber letztlich die Freude an dem spannenden Film nicht nimmt.  Man sollte jedoch die deutsche Synchro ignorieren und den Film lieber im Original schauen.

 

brüssel

Das brandneue Testament

Verleih: Eurovideo VÖ: 2016

Gott existiert. Er lebt in Brüssel. Doch der Allmächtige (Benoît Poelvoorde) ist kein weiser Weltenlenker, sondern ein Tyrann, der frustriert im Bademantel durch die Wohnung schlurft und Frau (Yolande Moreau) und Tochter Éa (Pili Groyne) schlecht behandelt. Ansonsten hockt Gott vor seinem Computer und tüftelt mit diebischer Freude neue, fiese Gebote aus. Das will Éa nicht länger mit ansehen, sie hackt sich in Gottes Computer und schickt jedem Menschen per SMS dessen Todesdatum. Plötzlich ist auf der Welt und in den sozialen Netzwerken die am häufigsten gestellte Frage: Wie verbringen wir den Rest unseres Lebens? Éa bricht fluchtartig auf, um auf der Erde sechs neue Apostel zu suchen und ein brandneues Testament zu schreiben. Doch Gott ist der Meinung, dass er inmitten des menschlichen Chaos auch noch ein gewaltiges Wort mitzureden hat.

Leben wie Gott in Belgien. „Das brandneue Testament“ ist ein ebenso respektloser, aber auch sehr ergreifender Film. Denn die Botschaft ist klar: Viele Menschen verschwenden ihr Leben und tun nicht das, was sie wirklich begehren. Klingt nach Kitsch, wenn aber Catherine Deneuve dann mit einem Gorilla ins Bett hüpft, wird der Kitsch-Verdacht dann doch recht schnell zertreut. Regisseur Jaco van Dormael ist hier ein echter, teils sehr grob-humoriger Knüller gelungen. Ein fantasievoller Film, der Kult-Potenzial hat.

 

COMEDY

 

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Moritz Neumeier – Kein scheiß Regenbogen

Verleih: WVG Medien VÖ: 2016

Über was darf man lachen? Wie weit darf Witz, darf Satire gehen? Fragen, die die deutsche Medienlandschaft seit Ende März umtreiben. Moritz Neumeier hat die Antworten darauf für sich längst gefunden. Der Humor des Stand-Up-Comedians, der seit 2008 auf der Bühne steht, ist schwarz wie seine Lunge. Witze über Frauen, Behinderte, Minderheiten – hat er alles in seinem Portfolio. Ob einem das zu weit geht, das muss jeder für sich von Witz zu Witz selbst entscheiden. Ist auf jeden Fall erfrischend unverfroren. Die vorliegende DVD dokumentiert Neumeiers erstes Bühnenprogramm „Kein scheiß Regenbogen“. Darin verarbeitet der Kabarettist die Wut und Ratlosigkeit, die einen Jeden befallen muss, der sich die moderne Welt vergegenwärtigt. Verpackt in kleine Alltagsgeschichten, kurze Episoden und manchmal verwirrende Monologe schlägt Neumeiers schwarzer Humor immer wieder zu, lässt das Publikum an Stellen lachen, die direkt ein schlechtes Gewissen bereiten – und eben dadurch nachdenklich machen.

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