Neu im DVD-Regal: April 2015

Chuck Norris gefällt diese Review-Ausgabe. (foto: vollkontakt)

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Verleih: Concorde Home Entertainment VÖ: 2015

Dass der Beruf des Journalisten bei manchen Leuten einen schlechten Ruf genießt, das liegt vor allem an so speziellen „Kollegen“ wie Lou (Jake Gyllenhaal). Lou ist eigentlich ein Gelegenheitsgauner, der sich mit Diebstählen und Betrügereien über Wasser hält. Auf der vergeblichen Suche nach einem Job wird er Zeuge eines Unfalls, den ein Paparazzo für einen Nachrichtensender filmt. Lou wittert das große Geld, erlernt schnell das schmutzige Handwerk und leckt im wahrsten Sinne des Wortes Blut. Denn: Jedes Opfer bedeutet bares Geld – If it bleeds, it leads. Je blutiger, desto besser. Die sensationsgeile Nachrichtenchefin Nina (Rene Russo) ist vom Einsatz ihres neuen Freelancers begeistert. Doch sie ahnt nicht, wie weit dieser bereit ist zu gehen…

Das Thema Sensationsjournalismus ist immer aktuell und stand ja gerade erst durch den Germanwings-Absturz erneut in der Kritik. Viele Medien haben sich bei der Berichterstattung eher mit Blut denn mit Ruhm bekleckert. Mit „Nightcrawler“ ist Dan Gilroy nicht nur eine creepy, bitterböse Mediensatire, sondern auch ein überzeugendes Regie-Debüt gelungen. Vor allem Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal glänzt in der Rolle des überambitionierten, unheimlichen und eiskalten Soziopathen Lou. Auch Rene Russo weiß als Sender-Hexe zu überzeugen. Das Ding war zu Recht Oscar-nominiert.

 

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Son of a Gun

Verleih: Ascot VÖ: 2015

Der neunzehnjährige JR (Brenton Thwaites) ist von Fortuna geküsst, dass er gleich am Anfang seiner halbjährigen Gefängnisstrafe Gangster-Schwergewicht Brandon Lynch (Ewan McGregor) positiv auffällt. Sonst hätte er wie sein Zellengenosse als Sexgespiele der schweren Jungs enden können. Lynch stellt JR unter seinen persönlichen Schutz. Doch keine gute Tat ist umsonst: Der Junge muss so einiges für den Boss organisieren, wenn er wieder draußen ist. Denn der hat keineswegs vor, die nächsten 20 Jahre hinter schwedischen Gardinen zu verbringen. Er will ausbrechen und dafür kann er JRs Hilfe brauchen. Draußen wartet nämlich fette Beute …

Der Waschzettel nimmt den Mund ja ganz schön voll und verspricht eine Mischung aus „Prison Break“ und „Heist“. Was aber bekommen wir tatsächlich? Einen temporeichen, brutalen Action-Thriller made in Down Under, der mit einer Überraschung aufwartet: die überzeugende Darstellung eines Fieslings von Ewan McGregor. Absoluter Comeback-Moment für den guten Mann. Ansonsten fehlt es dem Film etwas an überraschenden Elementen, der Plot ist etwas mau, vieles wirkt bekannt. Gepunktet wird dagegen vor allem optisch. Regisseur Julias Avery schafft es, die eine oder andere Szene gut in selbige zu setzen.

 

image002The Dead Lands

Verleih: Ascot VÖ: 2015

Ist Te Tupua, der Wächter des toten Landes, ein Mythos, ein Geist oder ein Mann aus Fleisch und Blut? Der junge Hongi muss es herausfinden, denn nur „das Monster“, wie der unbesiegbare Krieger wegen seines Appetits auf Menschenfleisch genannt wird, kann ihm helfen. Wirepa und seine Männer haben nämlich die Grenzen des verbotenen Gebietes überschritten und wollen den Kopf von Hongis Vater heimbringen, um sich für die Auslöschung des Chiefs und seines Stammes feiern zu lassen. Nur Hongi hat überlebt und jetzt liegt es an ihm, seinen getöteten Vater und die aufgebrachten Ahnen wieder zu versöhnen. Doch allein ist der gerade mal 16jährige viel zu schwach. Ein starker Verbündeter muss her, so unbesiegbar wie Te Tupua …

Aotearoa, das präkoloniale Maoriland, ist der Schauplatz dieses Actionstreifens. Die Ureinwohner Neuseelands sind ein kriegerisches Volk und Mau rākau, die von ihnen entwickelte Kampfkunst, ist nicht für harmlose Scharmützel gemacht. Das mal auf der Leinwand beziehungsweise auf dem Fernsehschirm zu sehen, ist alleine schon ein Erlebnis für jeden Martial-Arts-Fan. Hier wird mit einem Arsenal ausgefeilter Nahkampfwaffen auf akrobatische Weise gekämpft. Es wird viel Blut vergossen. Deshalb ist auch der Film nichts für Zartbesaitete.

Die Charaktere sind gut gezeichnet, die Bilder grandios, das Schauspiel glaubwürdig. Regisseur Toa Fraser tappt nicht in die gleiche Falle wie dereinst Mel Gibson mit seinem Maya-Drama „Apocalypto“, das vor allem durch seine historischen Ungenauigkeiten auffiel. Er verortet das Ganze einfach in eine weit entfernte, pre-koloniale Zeit. Try to prove him wrong.

Gedreht wurde ausschließlich in Te Reo Māori, der Sprache der Maori, und wer möchte, kann den Streifen in der untertitelten Originalfassung ansehen und in diese fremde Welt mit der rauen, kriegerischen Sprachmelodie ihrer Bewohner eintauchen.

 

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Electric Boogalou

Verleih: Ascot VÖ: 2015

Ach, ich bin ja ein Kind der Achtziger Jahre. Und wie alle Menschen, die in diesem fantastischen Jahrzehnt geboren sind und ebendann ihre ersten popkulturellen Erfahrungen machten, bekomme ich ein bisschen feuchte Augen, wenn von „Cannon Films“ die Rede ist. Eine verrückte Filmfirma, die mit Trash- und Action-Gold  vor allem Videotheken-Kunden versorgte. Verantwortlich: die Cousins Menahem Golan und Yoram Globus aus Israel. In ihrem Heimatland verdienten sie mit ihren „Eis am Stiel“-Produktionen viel Geld, und eroberten daraufhin Amerika. In Hollywood produzierten sie im Akkordtempo Filme, hemmungslos auf das zugeschnitten, was sie für den Publikumsgeschmack hielten: Action und Sex. Ihre Stars hießen Chuck Norris, Van Damme und Charles Bronson, Michael Dudikoff, Franco Nero und Dolph Lundgren. Bo Derek und Sylvia Kristel sorgten für Erotik. The inmates ran the asylum: Wer für Cannon Films arbeitete, saß in einem Irrenhaus und hat viel zu erzählen. Und das machen auch die Interviewpartner in dieser Doku über die Cousins mit der großen Liebe zum Kino, aber ohne Geschmack.

Was kommt raus, wenn man eine Doku über eine Filmfirma produziert, die fast ausschließlich für absoluten Schund steht? Für Filme, die selbst Chuck Norris nicht retten konnte (!!!einseinself). Richtig, absolutes Gold. Diese Doku ist so unfassbar witzig, die Anekdoten zu unglaublich skurril, dass es eine wahre Freude ist. Man wäre manchmal gerne dabei gewesen … Und alleine für Dolph Lundgren als He-Man auf dem Cover würde es 10 von 10 Punkten geben. Wenn wir denn welche verteilen würden.

SPORTS

 

Royal_Rumble_2015

WWE Royal Rumble 2015

Verleih: WWE Home Video VÖ: 2015

Die Road to Wrestlemania, der wichtigsten Veranstaltung des Jahres im WWE-Kalender, beginnt traditionell beim Royal Rumble. Diesmal fand der PPV in Philadelphia/Pennsylvania statt. Und wie auch im Vorjahr waren die Fans eher unzufrieden mit dem Ausgang des Main Events, der 30-Mann-Battle-Royal. Es gab sogar Sitzblockaden. Nachdem 2014 Sieger Batista aus der Halle gepfiffen wurde, traf es diesmal Gewinner Roman Reigns, der seit Monaten stark gepusht und für den Wrestlemania-Main-Event aufgebaut werden sollte. Da half auch der Support von seinem sichtlich irritierten Cousin The Rock nicht viel. Wie vor zwölf Monaten hätten die Fans lieber Daniel Bryan als Sieger gesehen. Bekamen sie aber nicht. Stattdessen wurde der Fan-Liebling relativ unspektakulär und belanglos eliminiert.

Was sonst vom Rumble bleibt? Ein paar nette Überraschungen (The Rock, Diamond Dallas Page, Bubba Ray Dudley, The Boogeyman) und ein gutes Triple-Threat-Match zwischen Brock Lesnar, Seth Rollins und John Cena sowie jede Menge Filler-Stuff. Für Sammler natürlich trotzdem unabdingbar.