Neu im Bücherregal: Thees Uhlmann – Sophia, der Tod und ich

Das Cover (foto: verlag)

Unter Pop-Musikern ist es derzeit en vogue, unter die Schriftsteller zu gehen. Sven Regener ist der wohl erfolgreichste von ihnen, mittlerweile haben sich aber auch schon Morrissey oder Jochen Distelmeyer in diesem Gewerbe versucht. Nun hat auch Thees Uhlmann, den die meisten als Kopf der Band Tomte und als Solo-Künstler kennen dürften, seinen ersten Roman vorgelegt: „Sophia, der Tod und ich“, ein ebenso spektakulärer wie morbider Roadtrip – und ein äußerst gelungenes Erstlingswerk.

Nein, Ideen habe er in den Büchern der Musiker-Kollegen nicht gesucht, so Uhlmann zum „Spiegel“: „Ich habe im vergangenen Jahr kein Buch gelesen. Ich wollte mich nirgendwo inspirieren lassen.“ Das Verfassen eines Buchs unterscheide sich auch nicht wesentlich vom Schreiben eines Songs. „Ich laufe durch die Gegend, und wenn mir bei Budni an der Kasse eine Frau mit besonderen Fingernägeln auffällt, kann ich daraus etwas machen.“ Bei einem Song würde alles nur ungleich schneller gehen: „Da bist du morgens Schülerband und abends ein Held.“

Stichwort Held. Protagonist des Romans ist ein grübelnder Verlierer-Typ. Fußball, Alkohol, viel mehr ist da nicht. Irgendwann steht ein Mann vor der Tür, der ihm ähnlich sieht, behauptet, er sei der Tod und dass er ihn mitnehmen wolle. Der Mann habe nur noch drei Minuten zu leben. Zwischen den beiden entwickelt sich eine witzige Diskussion, in der es um Kopf und Kragen, die Insel Juist, den Lakritzgeschmack von Asphalt und die traurige Job-Beschreibung des Todes geht. Es gelingt dem Tod nicht, den Mann sterben zu lassen. Und so beginnt ein spektakulärer Roadtrip. Zusammen mit seiner Ex Sophia und dem Tod macht sich der Held auf den Weg zu seiner Mutter und zu seinem siebenjährigen Sohn, den er bereits seit langer Zeit nicht gesehen hat, dem er aber täglich eine Postkarte schickt. Doch da lauert auch noch der böse, schmerzvolle Tod …

Dass Uhlmann ein unheimlich geschickter Erzähler ist, weiß man, wenn man mit den Songs des Mannes vertraut ist. Umso schöner ist es zu sehen, dass der Gute es auch geschafft hat, seinen schnoddrigen, fast beiläufig wirkenden Plauderton auch auf Papier zu bringen. Liest sich ganz süffig. Der Roman lebt dabei vor allem von seinen Dialogen, die oft lakonisch, mit Wortwitz und Tempo vorgetragen werden. Der Plot gleicht einem Roadmovie, er ist aberwitzig-versponnen, der Humor reicht von schwarz bis platt, ab und an wird’s gar philosophisch. Ein Buch über den Tod, aber eigentlich eine Verbeugung vor dem Leben.

Lesezeichen
Uhlmann, Thees. Sophie, der Tod und ich. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 320 Seiten.