Neu im Bücherregal: Stephen King – „Finderlohn“

Das Cover (Foto: Verlag)

Ein Mord aus Leidenschaft –  der Literatur wegen? Als Thema eines Stephen-King-Buchs? Klingt verdächtig nach „Misery“, geht aber tatsächlich um „Finderlohn“, den neusten Roman des Grusel-Altmeisters, mit dem er nicht nur eine Fortsetzung von „Mr. Mercedes“, sondern auch seiner amerikanischen Chronik liefert.

So ein bisschen hat Stephen King ja in den vergangenen Jahren seinen inneren Springsteen entdeckt. Kontinuierlich arbeitete sich der Schriftsteller zuletzt an der Dekonstruktion des amerikanischen Traums und gesellschaftskritischen Themen ab. In „Finderlohn“ klingt das dann so: „Versager, die auf Versagerehen und Versagerjobs zusteuerten. Anschließend würden sie Versagerbälger aufziehen und Versagerenkel auf den Knien schaukeln, bevor sie in Krankenhäusern oder Pflegeheimen endgültig versagten und in die Finsternis stürzten, in dem Glauben, sie hätten den American Dream gelebt…“ Man könnte sagen, King widmet sich vermehrt dem real existierenden Grauen. Sprich: Finanzkrise, kleinstädtische Ödnis mit ihren Leerständen und Depressionen, Eheproblemen et cetera.

Ansonsten leiht sich King diesmal tatsächlich eine Prämisse aus „Misery“. Stichwort: fanatischer Fan. Der böse, wahnsinnige Leser  – eines der Lieblingssujets Stephen Kings. Weil es eben die Frage nach der Beziehung zwischen Realität und Fiktion, Leben und Literatur, Autor und Leser aufwirft. Perfekt umgesetzt wurde das Thema dereinst in „Misery“ („Sie“), in dem eine irre Krankenschwester einen Schriftsteller ans Bett fesselt und ihn um diverse Körperteile erleichtert, um ihn dazu zu inspirieren, seinen im letzten Roman verstorbenen Protagonisten wieder zum Leben zu erwecken.  Und immer war der fanatische Fan bei King auch eine Metapher für Sucht und Besessenheit.

In „Finderlohn“ geht das dann so: Der cholerische junge Hilfsarbeiter Morris Bellamy erschießt 1978 seinen Lieblingsautoren John Rothstein, weil dieser in seinem jüngsten Roman den coolen Protagonisten in einen lahmen Spießer verwandelt hat. Strafe muss ja schließlich sein. Dabei erbeutet er auch noch 20.000 Dollar und 150 Notizbücher, die er in einem Koffer versteckt, den wiederum knapp 30 Jahre später ein 13-jähriger Junge entdeckt. Es folgt eine fiese, top inszenierte Kette von Vorkommnissen, Irrtümern und Rache-Trips. Dem bösen Buben auf den Fersen: der pensionierte Cop Bill Hodges, den der treue King-Leser natürlich noch aus „Mr. Mercedes“ kennt.

Klar, manchmal ist das Ganze an der Grenze zum Kitsch, mitunter auch banal, aber trotzdem immer spannend.

 

Lesezeichen

Stephen King: Finderlohn. Originaltitel: Finders Keepers (Scribner). Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt. 544 Seiten, Heyne-Verlag.