Neu im Bücherregal: Stephen King – Basar der bösen Träume

Das Cover (foto: random house)

Der Altmeister ist zurück: Stephen King hat mit „Basar der bösen Träume“ eine neue Geschichten-Sammlung vorgelegt. Darin enthalten: 20 Stories, zwischen Horror und Suspense schwankend, die die Themen Sünde und Moral, Schwäche und Schuld, das Jenseits, den Tod und menschliche Abgründe behandeln.

Die Novelle hat es ja nicht leicht. Meist ist sie zu lang, um in Zeitungen und Magazinen abgedruckt zu werden, aber auch wiederum zu kurz, um sich solo in den Buchläden dieser Welt zu behaupten. Stephen King war immer ein Verfechter dieser Kunstform, einer, der diese Gattung am Leben hielt.

Auch in „Basar der bösen Träume“, seiner nunmehr sechsten Kurzgeschichten-Sammlung“, räumt King dieser Form ihren verdienten Platz ein. Und, was soll man sagen: Die Novelle „UR“ ist sogar eines der Glanzlichter  dieser Kollektion. Die Geschichte handelt von Englisch-Professor Wesley Smith, der sich einen E-Book-Reader kauft (Amazon war ursprünglich der Auftraggeber der Geschichte, die zunächst exklusiv über Amazons Kindle vertrieben wurde), um in den Augen seiner Ex nicht mehr als altmodischer Zausel dazustehen. Doch Wesleys Kindle ist seltsamerweise anders: Es ist pink – dabei gibt es das Gerät eigentlich nur in weiß. Zudem hat es ein seltsames Feature, die „UR Funktion“. Schnell findet Wesley heraus: Sein Kindle kann sich in parallele Welten einloggen und dort Werke aufspüren, die hier, in unserer Welt, nie verfasst wurden. So etwa stolpert er über einen Hemingway-Roman, der in einem Universum verfasst wurde, in dem der Schriftsteller länger lebte als in unserem. Nach der Begeisterung weicht Wesleys Faszination jedoch Bestürzung, als ihm klar wird, dass sein Kindle noch mehr kann: Es verfügt über Zeitungsartikel aus der Zukunft – und plötzlich findet sich Wesley auf einer Mission, um das Leben seiner Verflossenen zu retten … Klingt natürlich verrückt – hey, aber das waren der Clown im Abwasserkanal oder das Dämonen-Auto doch auch, oder?  King schafft es hier aber mal wieder, die Zweifel des Lesers wegzuwischen. „Suspension of disbelief“ nennt der Kenner das, und King ist ein Meister dieses Kniffs.

King wird dann und wann auch ein wenig nostalgisch. Bei „Raststätte Mile 81“ etwa werden Erinnerungen an „Christine“ wach. Das sollte man aber nicht falsch verstehen: Die Tatsache, dass der gute Stephen auch mal bei sich selbst klaut, heißt nicht, dass er seinen Zauber verloren hat. Was immer noch in ihm steckt, zeigt er etwa in „Moral“, dass sich um eine unmoralische Offerte dreht: Die sich in finanziellen Nöten befindliche Krankenschwester Nora bekommt von einem unheimlichen alten Pfarrer das Angebot, für etwas Cash zu sündigen. Macht sie’s – oder macht sie’s nicht? Eine von mehreren Geschichten, in denen Kings Charaktere in eine psychische Extremsituation geraten – und die den Leser nachdenklich bis verstört zurücklassen. Großes Kino.

Für alle, die gerne tiefer in die Materie einsteigen: Wie schon in anderen Sammlungen werden die Geschichten auch hier wieder jeweils kommentiert. King geht darauf ein, wie er die Idee zu der Geschichte bekam, oder welche Motive er in der Geschichte verarbeitet hatte.

 

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