Neu im Bücherregal: Montage of Heck

Das Cover (foto: verlag)

Auch 20 Jahre nach seinem Tod ist der Stern von Kurt Cobain nicht erloschen. In diesem Jahr sorgte die Dokumentation „Montage of Heck“ von Brett Morgen für großes Aufsehen. Immerhin war es die erste autorisierte. Kurts Tochter Frances gab ihren Segen zu dem Projekt, der Regisseur bekam so die einmalige Gelegenheit, das umfangreiche Privatarchiv des legendären Sängers, Songwriters und Gitarristen zu sichten und mit Menschen zu sprechen, die Kurt vermeintlich nahe standen. Aus der Fülle an Material, dass Morgen zusammentragen konnte, entstand dieses Buch.

Wer den Film bereits gesehen hat, wird in dem Buch nicht wahnsinnig viel Neues finden. Es begleitet, ergänzt aber nicht. Das Werk enthält beispielsweise die ausführlichen Exklusiv-Interviews, die Morgen unter anderem mit Kurts Ehefrau Courtney Love, dem Nirvana-Bassisten Krist Novoselic, Kurts Mutter Wendy O’Connor und anderen Familienmitgliedern führte. Ergänzt wird das Ganze durch Illustrationen aus dem Film, seltene Fotos sowie Bildern und Kunstwerken aus Kurt Cobains persönlichem Archiv.

Schön wäre ein schmuckes Coffee-Table-Format gewesen, aber man kann nicht alles haben. Das, was Morgen da gezaubert hat, hat es aber trotzdem in sich, ist gleichermaßen naturalistisch wie aggressiv konstruiert. Film und Buch gewähren einen dermaßen intimen Einblick in das Cobain’sche Dasein, dass man sich ab und an voyeuristisch vorkommt. Interessant auch, wie wenig jene, die Kurt nahe standen, ihn tatsächlich gekannt zu haben scheinen. Einige Aussagen, die Morgen da zusammengetragen hat, widersprechen sich dann doch. Überraschend ist das aber nicht, hat Cobain doch selbst immer wieder in Interviews bestätigt, wie fern ihm doch immer die eigene Familie war.

Courtney Love, die für viele Fans immer die Yoko Ono zu Cobain’s Lennon war, kommt in dem Film/Buch einigermaßen positiv weg. Das wird viele Verschwörungstheoretiker ärgern. Zwar gibt die Hole-Sängerin zu, während ihrer Schwangerschaft Heroin gedrückt zu haben, schafft es dabei aber trotzdem, am Ende als die Vernünftigere in der Beziehung dazustehen. Das sagt einiges aus. Wie akkurat, wie ehrlich eine Doku ist, die von Hinterbliebenen gesteuert/ermöglicht wurde, das ist natürlich zu hinterfragen.

Ein spannendes Werk ist es allemal.

Lesezeichen

Morgen, Brett & Bienstock, Richard: Montage of Heck, 176 Seiten, Hannibal Verlag (Edition Koch).