Neu im Bücherregal: John Niven – Old School

Old School von John Niven (foto: verlag)

John Niven gilt als böser Bube der Literatur-Szene. Auch in seinem aktuellen Roman „Old School“ lässt es der Schriftsteller krachen. Hier schickt er eine Bande älterer britischer Damen um die 60 nach einem Bankraub auf eine groteske Reise durch Frankreich.

Susan Frobisher und Julie Wickam, die gerade beide ihr 60. Wiegenfest gefeiert haben, leben in einem kleinen Dorf im Süden Englands und sind bereits seit ihrer Schulzeit befreundet. Susan führt ein bürgerliches Hausfrauendasein, Julie haust in einer Sozialwohnung und arbeitet als Aushilfe in einem Pflegeheim. Irgendwie hat sich das Leben nicht so entwickelt, wie die beiden sich das mal ausgemalt hatten. Als Susans sexsüchtiger Ehemann Barry tot bei einer Prostituierten aufgefunden wird, offenbart sich, dass er ein surreales Doppelleben führte und Susan einen finanziellen Scherbenhaufen hinterlassen hat. Um nicht in die Altersarmut abzurutschen, greifen die alten Damen – verstärkt durch die 90-jährige, im Rollstuhl sitzende, rauchende und stets fluchende Ethel – zu einer radikalen Lösung. Ein Bankraub! Auf diesen folgt eine Verfolgungsjagd durch die Grande Nation, eine Shoppingtour der bunten Truppe durch Cannes und ein Showdown in der Villa eines russischen Obergangsters.

Skurril, witzig, schwarz-humorig – es ist ein grandioser Krimi, den Niven hier abgeliefert hat. Noch dazu einer mit rasiermesserscharfem sozialkritischem Unterton. Niven macht sich in „Old School“, seinem nunmehr siebten Roman, Gedanken übers Älterwerden, über den Umgang einer Gesellschaft mit ihren Senioren. Denn für diese – und das gilt auch für Politik und Wirtschaft – sind diese praktisch nicht existent. Man ignoriert sie. Ein Zustand, den Niven nicht hinnehmen mag: Und so hauen die Alten hier noch mal kräftig auf die Pauke. Das macht das Buch nicht nur bitterböse komisch, sondern auch warmherzig.

Niven wäre aber nicht Niven, wenn er auf Referenzen zu erigierten Penissen, viel Gefluche und Exkremente verzichten würde.  Profan und human gleichzeitig zu sein – das ist schon ein Kunststück.

Lesezeichen

John Niven. Old School. Heyne Verlag. 400 Seiten.