Neu im Bücherregal: James A. Mitchell – Das Walross und die Elefanten.

Das Cover (foto: verlag)

John Lennon gehört zweifellos zu den Personen, über die schon alles geschrieben scheint. Kann man da überhaupt noch etwas Gehaltvolles hinzufügen? Man kann. James A. Mitchell ist es mit „Das Walross und die Elefanten. John Lennons revolutionäre Jahre“ gelungen. In diesem Buch beschäftigt sich der Autor auf rund 200 Seiten mit der New Yorker Phase des Ex-Beatle und seinem Impact auf die amerikanische Gesellschaft der Siebziger Jahre.

Nein, lange dauerte die revolutionären Phase John Lennons nicht gerade an. Dafür war das Leben dieses genialen Songwriters schließlich viel zu kurz. Im Grunde geht es um zwei Jahre: Geschwängert vom Geist der Hippie-Bewegung zogen John Lennon und Yoko Ono 1971 von Großbritannien nach New York, mit einer Vision globalen Friedens im geistigen Gepäck. Give peace a chance – Lennon wollte die Welt ein zweites Mal revolutionieren, nachdem ihm das ja bereits mit den Beatles schon einmal geglückt war.

In New York empfing man den Musiker auch mit offenen Armen, die men in charge in Washington taten dies jedoch nicht. Präsident Richard Nixon hatte die Wiederwahl im Blick und eine Liste von Feinden erstellt, die ihm bei diesem Vorhaben gefährlich werden konnten. Lennon kletterte auf dieser Liste ziemlich schnell nach oben, nachdem er es sich als Ziel gesetzt hatte, den White-Panthers-Leader John Sinclair aus dem Gefängnis rauszuboxen.

Der Aktivist aus Detroit saß gerade das zweite Jahr einer zehnjährigen Haftstrafe ab, nachdem er zwei Undercover-Cops Joints andrehen wollte. Tage nachdem Lennon aber seine Sinclar-Freedom-Kampagne startete, wurde er entlassen. Gut, das lag nicht nur an Lennon, sondern auch an der Tatsache, dass der Supreme Court just festgestellt hatte, dass die Marihuana-Gesetze des Staates nicht verfassungskonform waren, aber immerhin.

Die Yippie-Anführer Abbie Hoffman und Jerry Rubin waren guter Hoffnung, Lennon würde zum Posterboy einer Bewegung, die Anklang im ganzen Land finden würde. Aber weil Lennon keine Green Card bekam, blieben diese Überlegungen in der Planungsphase stecken. Dennoch wurden Lennons Songs in Folge immer politischer, weshalb die Authorities ihm immer auf den Fersen blieben.

Lennon wurde laut Mitchell massiv überwacht und eingeschüchtert. Offensichtlich waren seine Überwacher und Bullys aber nicht die hellsten Kerze auf der Torte, denn Grund genug, ihn dingfest zu machen, gab er ihnen unentwegt. Der Marihuana-Konsum Lennons hätte für eine Verhaftung gereicht und seinen Green-Card-Ambitionen ein jähes Ende bereitet. Eine meiner liebsten Geschichten im Buch: Die Gesetzeshüter brachten ein Poster in Umlauf, in der Hoffnung, jemand würde Lennon verpfeifen. Das Poster enthielt viele persönliche Informationen zu Lennon – aber ein falsches Foto. Nämlich das von David Peel, einem Musiker, der vor allem durch sein „The Pope Smokes Dope“-Album bekannt wurde. Peinlich, peinlich.

Gut, die Story „Lennon und die USA“ ist nicht neu, Mitchell bewegt sich auf bekanntem Terrain, aber er tut dies mit einem Detailreichtum, der Eindruck schindet. Gut recherchiert, gut aufgearbeitet. Den Input, den er dafür benötigte, bekam er von vielen Wegbegleitern Lennons. Auch von Mitgliedern von Elephant’s Memory, einer politisch engagierten Bar-Band, mit der der gute John des Öfteren mal abhing und das Album „Some Time in New York City“ aufnahm.

Zwar endet das Buch mit der Einbürgerung Lennons 1976,  seine revolutionäre Zeit war aber eigentlich schon im Oktober 1973 vorbei, als sich Lennon in sein „Lost Weekend“ verabschiedete, für 15 Monate getrennt von Yoko Ono in Los Angeles lebte und sich dem Alkohol widmete.

Lesezeichen:

James A. Mitchell: „Das Walross und die Elefanten“, Edition Nautilus, übersetzt von Robert Gutberlet, Hardcover, 978-3-89401-816-0, 24,90 €.