Neu im Bücherregal: Björk. Archives

Björks Albumcover zu "Biophilia". (foto: inez van lamsweerde & vinoodh matadin/courtesy Schirmer/Mosel)

„It’s Oh So Quiet“ brachte der isländischen Sängerin, Komponistin, Produzentin und Schauspielerin Björk den großen Durchbruch. Seither verzaubert die Künstlerin Fans und Kritiker gleichermaßen. Das Museum of Modern Art (MoMA) in New York widmete der Guten in diesem Jahr eine große, spektakuläre Retrospektive. Wer sie verpasst hat, hat nun die Gelegenheit, das Ganze in Buchform in „Björk: Archives“ ein Stück weit nachvollziehen zu können. Auch wenn in dem Band nicht 1:1 die Ausstellung verhandelt wird. 

Eine große Soloschau im New Yorker Museum of Modern Art? Müsste sich doch eigentlich jeder Künstler die Finger nach lecken. MoMA-Chefkurator Klaus Biesenbach musste sich dem Vernehmen nach allerdings in Engelsgeduld üben und lange Überzeugungsarbeit leisten, um Björk für die Idee zu begeistern. 15 Jahre, um genau zu sein. 15 Jahre, in denen er die Isländerin förmlich bekniet hat. Björk erklärt ihre Zurückhaltung so: „Ich habe viel über Klaus‘ Angebot nachgedacht, aber es gab auch eine funktionale Seite in mir, die mich davon abhielt. Schließlich kann man einen Song nicht einfach an die Wand heften, Musik auszustellen ist kompliziert.“ Ein paar Songnotizen oder alte Shirts in Glaskästen wie in einem Hard Rock Café, dafür hätte sich die Dame nie hergegeben. Letztlich ist es wohl dem britischen Sänger Antony Hegarty, einem guten Freund Björks, zu verdanken, dass es sich die Dame doch noch anders überlegt hat. Der fand, dass sie doch unbedingt mitmachen müsse, da es viel zu wenige Einzelausstellungen von Frauen in großen Museen gibt.

Das tat sie dann auch, glücklicherweise. Denn wie kaum ein Künstler sonst bietet sich die Werkschau Björks für ein solches Projekt an. Für ihre bis dato sieben Alben erfand sie jeweils eine neue, facettenreiche Kunstfigur. Mit ihrem Konzept der visuellen Umsetzung ihrer Musik und ihrer Texte durch die Kooperation mit Fotografen, Film- und Videokünstlern, Designern und Architekten gelang (und gelingt) der Isländerin die kreative Verschmelzung von Kunst und Populärkultur. Das lässt sich doch in einem Museum prima veranschaulichen.

Begleitet wurde die Ausstellung durch eine aufwendig produzierte Buchpublikation, die hierzulande bei Schirmer/Mosel erschienen ist. Fünf Booklets im eleganten schwarzen Schuber mit Essays, Gesprächen, poetischen Texten und einer Fülle an Bildmaterial werden uns da kredenzt. Neben einer allgemeinen (und leider etwas trockenen) Einleitung von Klaus Biesenbach finden sich in der Publikation beispielsweise ein lesenswerter Essay über Björks innovative Auflösung musikalischer und ästhetischer Grenzen aus der Feder des Musikkritikers Alex Ross, oder ein Artikel von Nicola Dibben über Björks Kreativität und Kooperation mit anderen Künstlern sowie ein magisch anmutendes, philosophisches E-Mail-Gespräch zwischen Björk und dem Autor Timothy Morton. Fantastische, gut geschriebene Texte; ein Muss für jeden, der sich einen Musikfan schimpft.

Der Hauptteil des Werks, ein Buch mit dem Titel „The Triumph of the Heart“, enthält neben einem poetischen Text des isländischen Dichters Sjón sehenswerte Bilder der Künstlerin von Star-Fotografen wie Nan Goldin, Juergen Teller, Stéphane Sédnaoui, Inez van Lamsweerde & Vinoodh Matadin oder Stills aus Musikvideos von Michael Gondry, Chris Cunningham und Spike Jonze.

Dazu gibt’s ein Poster mit selbstaufklebenden Miniaturen ihrer Musikcover.

Ein Kunstwerk in itself sozusagen, gestaltet von den Pariser Stardesignern M+M; ein informativer Prachtband, der sich unheimlich gut auf dem Coffee table macht, Björks Musik und Kunst zwar zu erklären versucht, ohne aber ihre Mystik dabei zu zerstören.

Lesezeichen

Der Katalog „Björk: Archives“ erscheint bei Schirmer/Mosel, 192 Seiten, 49,80 Euro