Neu im Bücherregal: Springsteen – Retrospektive

In der jüngsten Vergangenheit sind ja so einige fantastische Nachschlagewerke zum Thema Bruce Springsteen erschienen. Braucht es da überhaupt noch ein weiteres? Ja, vor allem, wenn es so nett aufgemacht ist wie Ryan Whites „Springsteen Retrospektive“.

„I’m the president. But he’s the Boss“ (Barack Obama über Bruche Springsteen).

Man kann sich des Gefühls nicht erwehren: Irgendwie wurde über den Mann in seiner knapp 40-jährigen Karriere eigentlich doch schon alles gesagt. Alleine in den USA hat die Rock-Legende mehr als 60 Millionen Alben verkauft, weltweit waren es – inklusive DVDs – rund 130 Millionen. Klar, dass so ein kulturelles und wirtschaftliches Phänomen wie der Barde aus New Jersey schon von allen Seiten durchleuchtet wurde. Immer und immer wieder. Da bedarf es schon großer cojones, um da jetzt mit einem weiteren Werk um die Ecke zu kommen. Gewartet hat da ja niemand drauf.

Der Journalist Ryan White hat sich aber trotzdem getraut und – trotz der Fülle an Konkurrenzwerken – hier einen großformatigen Bildband vorgelegt, der die Zeit zwischen den Springsteen-Alben „Greetings from Asbury Park, N.J.“ und „High Hopes“ abdeckt. Das macht er ganz gut, mit 250, teils unveröffentlichten Fotos. White dokumentiert dabei die Genese eines jeden der 17 Studio-Alben und lässt Zeitzeugen sowie Mitstreiter Springsteens zu Wort kommen. Der Fokus liegt ganz klar auf dem Musiker, der öffentlichen Person, weniger auf dem Privatmann Bruce Springsteen. Das Ganze wird garniert mit einer biografischen Skizze Springsteens aus der Feder von Boss-Biograf Peter Ames Carlin (der die einzige autorisierte Springsteen-Biografie verfasst hat), einer Timeline und einer ausführlichen Diskografie.

Aber machen wir uns nichts vor: Inhaltlich bietet der Band jetzt nicht wirklich viel Neues, auch wenn uns der Autor seine ganz eigene Perspektive hinsichtlich der Alben nicht vorenthält und das Ding durchaus unterhaltsam geschrieben ist. Aber es sind vor allem die spektakulären Bilder, die den Kauf des Buchs rechtfertigen. Besonders gefallen die Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Eric Meola, der den Boss 1977 bei einer Autofahrt durch Nevada begleitete und diesen vor dieser apokalyptischen Kulisse für die Ewigkeit festhielt. Einige dieser speziellen Bilder mag der eine oder andere bei „The Promise“ bereits entdeckt haben. Auch die frühen Bilder der mittlerweile doch stark dezimierten E-Street-Band: fast schon herzzereissend.

Ein Buch, das jeden Coffee-Table ziert. Für Fans ein absolutes Muss.

Lesezeichen: Ryan White. Springsteen Retrospektive. Edel Books, 288 Seiten, 29.95 Euro.

Text: Benjamin Fiege