Neu im Bücherregal: Frank Schätzings „Breaking News“

Frank Schätzing (Foto: Wikipedia/Xanathon)

Frank Schätzing (Foto: Wikipedia/Xanathon)

Frank Schätzing ist zurück. Der Bestseller-Autor („Der Schwarm“) legt nach rund vier Jahren mit dem Nahost-Thriller „Breaking News“ einen neuen Roman vor, dessen Grundidee zwar gut ist, der mit mehr als 900 Seiten aber dann doch etwas zu lang geraten ist und am Ende mehr einer Geschichtsstunde gleicht.Für „Breaking News“ hat sich der Autor tief in die Recherche gestürzt – und ging damit etwas anders vor, als bei seinen großen Erfolgen „Limit“ und „Der Schwarm“. „Der Weltraum ist komplex, die Tiefsee ist komplex. Aber die Zusammenhänge konnte ich mir bei diesen Büchern selbst zurechtlegen. ,Breaking News’ dagegen ist ein Buch über Fakten.“ Die Vorarbeit zu dem Buch sei daher aufwendig gewesen. „Ich kann gar nicht genug Informationen kriegen. Doch am Ende muss man aufpassen, dass man nicht nur Recherche verarbeitet“, sagte Schätzing zur „Frankfurter Allgemeinen“.

Am Ende ist aber dann doch genau das irgendwie passiert. Die Geschichte schreitet etwas mühsam voran. Es wirkt, als wolle Schätzing in seinem Roman den kompletten Hintergrund des arabisch-jüdischen Konflikts aufrollen. Mehr Geschichtsstunde denn Roman. Das macht die Lektüre etwas mühsam, fast dem Lesen eines Sachbuchs gleich.

Was jetzt aber nicht mit einem „Finger weg“ gleichzusetzen ist. Wer es gern komplex hat, darf hier durchaus zugreifen. Der Autor startet den Versuch, einen Polit-Thriller mit einer Familiengeschichte zu verweben. Schätzing spannt  zwei Handlungsfäden, die das Buch in zwei Hälften teilen und sich schließlich treffen. In der einen Hälfte dreht es sich um eine Familiensaga, es geht um in Palästina geborene Kinder jüdischer Pioniere zu Zeiten des Beginns des Nahost-Konflikts. Im Mittelpunkt: Ariel Scharon. Schätzing folgt dem Schicksal dieser Familien in mehreren Zeitsprüngen.

In der anderen Hälfte geht es um Tom Hagen, einen unzimperlichen, machohaften Krisenberichterstatter mit Ellenbogen, der nicht zaghaft ist, wenn es um ein gute Story geht. Vor allem der Nahe Osten ist sein Terrain, von dort liefert er seine  gefeierten Reportagen – Berichte aus der Hölle. Doch dann das: Hagen verschuldet den Tod von vier Menschen, wird vom Beobachter zum Akteur. Er verliert alles, seinen Ruf, sein Einkommen und den Respekt vor sich selbst. Hagen stürzt ab. Als ihm CDs mit geheimen Daten des israelischen Inland-Geheimdienstes angeboten werden, wittert er die Chance, seine Karriere wieder in Schwung zu bringen – und peppt die Story mit einer Lüge auf: einem angeblichen Mord-Komplott gegen Ariel Scharon. Dumm nur, dass sich herausstellt, dass in der Lüge zufällig viel Wahres steckt. Hagen hat die Verschwörer aufgescheucht.

Schätzing beweist mit dem Thema durchaus Mut. Es ist kein harmloser Stoff, den er da anpackt, zumal als Deutscher, der dann auch noch Fakt und Fantasie munter miteinander vermischt – in einem Gebiet, in dem über „Gut“ und „Böse“ seit Jahrzehnten gestritten wird. Ein Minenfeld. Mit Ariel Scharon pickt sich der Autor dann auch noch eine Hauptfigur mit reichlich Zündstoff heraus. Scharon-Kritiker und Befürworter werden gleichermaßen verbal auf Schätzing einprügeln. Der Schriftsteller entscheidet sich in dem Buch für die jüdische Perspektive und ergreift damit ein Stück weit, gewollt oder ungewollt, Partei. Auch wenn er nicht müde wird zu betonen, dass keine Botschaft mitschwinge.

Aber  seit dem in 27 Sprachen übersetzten „Schwarm“ (2004) ist jeder neue Schätzing ein Selbstläufer. Der Verlag  hat für die erste Auflage gleich 500.000 Exemplare drucken lassen. Platz eins in der Bestseller-Liste folgte.

– Frank Schätzing: „Breaking News“; Roman; Kiepenheuer & Witsch; 976 Seiten;   26,99 Euro.

Text: Benjamin Fiege

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