Neu im Bücherregal: „Birth.School.Metallica.Death“

In den vergangenen Jahren sind eine Menge Musiker-Märchen zwischen zwei Buchdeckel gepresst worden. Nur wenige mussten auf zwei Bände verteilt werden. Die britischen Musikjournalisten Paul Brannigan und Ian Winwood taten es Peter Guralnick und seiner Elvis-Saga gleich und beleuchteten in „Birth. School. Metallica. Death“ den Werdegang von Metallica in zwei Büchern. Die deutsche Edition fasst beide Werke nun in einer Ausgabe zusammen.

Authorisiert ist dieses Werk nur indirekt: Brannigan und Winwood konnten zwar nicht auf eine direkte Mitarbeit der Metal-Legenden bauen, allerdings konnten sie zu Recherche-Zwecken auf ein ganzes Sammelsurium an tiefgründigen Interviews zurückgreifen, die sie selbst mit der Band in ihrer Eigenschaft als Redakteure der britischen Metal-Postille „Kerrang!“ geführt haben. Die Jungs hatten in den vergangenen Jahrzehnten offenbar einen sehr guten Zugang zur Gruppe – und auch eine nicht zu verleugnende Affinität.

Der Fokus des Buchs liegt eindeutig auf Frontmann James Hetfield und Drummer Lars Ulrich. Gitarrist Kirk Hammett, der 1983 Dave Mustaine ersetzte, verkommt zur Randfigur. Auch die Bassisten der Band – Ron McGovney, Jason Newsted und Robert Trujillo – tauchen in diesem Werk mehr als Fußnoten auf. Nur Cliff Burton, dessen Unfalltod 1986 die Band in eine Depression stürzte,  wird mehr Platz eingeräumt. Auch, weil Burton für den Sound Metallicas eine tragende Rolle spielte.

Obwohl die Beziehung zur Band eine gute ist, heißt das nicht, dass die beiden Autoren Metallica auf den vorliegenden rund 700 Seiten in Watte packen. Es ist eine schonungslose Geschichte voller Höhen und Tiefen, die da erzählt wird, eine von großen Triumphen und tiefen Krisen, von magischen Momenten und solchen, in denen die Gruppe ihre hässliche Fratze zeigte. Hetfield hat demnach anger issues und Lars Ulrich kommt auch wie ein Arsch rüber. Jason Newsted wird davon wohl ein Lied singen können.


Ulrich ist aber auch die treibende Kraft hinter dem Aufstieg Metallicas. Als 17-jähriger Drummer aus Dänemark gekommen war er es, der den Stein ins Rollen brachte. Mit einer tollkühnen Aktion wohlgemerkt: Ulrich erkämpfte sich einen Spot für ein Musikstück auf einem geplanten Metal-Sampler. Ohne überhaupt eine Band oder Komposition zu haben. Seine Suche nach Mitstreitern ließ ihn – via Zeitungsannonce – auf den Sänger und Gitarristen James Hetfield treffen. Einer, der im Grunde das genaue Gegenteil zu Ulrich verkörperte: Hier der forsche Däne aus bürgerlichem Elternhaus (der Vater war ein Tennis-Star), dort der eher zurückhaltende US-Teen aus kaputten Verhältnissen. Ein Kontrast, der sich als Kreativitätsquelle entpuppen sollte. Der Rest ist Geschichte, die man auf den vorliegenden 700 Seiten nun nachlesen kann.

Trotz dieses epischen Länge ist das Buch keinesfalls langweilig, sondern vielmehr süffig, teilweise sogar spannend zu lesen. Sex, Drugs & Rock’n’Roll, das funktioniert immer. Im Privaten wühlen die Autoren dabei aber auffällig wenig. Eigentlich nur, wenn das Private in direktem Zusammenhang zur Band steht. Hetfields Alkoholsucht ist so ein Fall, der 2001 fast zur Auflösung Metallicas geführt hätte.

Nicht nur für Fans ein absolutes Muß, sondern für jeden, der sich für Musik und Musikgeschichte interessiert.

Lesezeichen

Paul Branniga, Ian Winwood: „Birth. School. Metallica. Death“; Verlag Droemer; 696 Seiten; 32 Euro (limitierte Sonderausgabe: 98 Euro).

Text: Benjamin Fiege