The Burning House. Oder: Was würdest du aus den Flammen retten?

Was würdest du aus den Flammen retten? 

Im Internet-Blog „The Burning House” geht es um eine Frage, die viel über den Antwortenden aussagt.

Und plötzlich stand das Haus in Flammen. Dabei hatte er die Küche nur kurz verlassen. Doch diese kleine Unachtsamkeit reichte aus, das Fett in der Pfanne fing Feuer, dann der Vorhang und kurz darauf das gesamte Haus. Am Ende blieb nur noch Schutt und Asche übrig. Verletzt wurde niemand, doch alles, was die Familie je besessen hatte, war weg. Einfach verbrannt. Die Frage, was sie den Flammen noch eben am liebsten entrissen hätten, stellte sich nicht mehr.

Doch was ist, wenn man diese Wahl noch hat? Wenn man sich noch entscheiden kann, welche wichtigen Habseligkeiten man aus dem Feuer retten will, wenn man auf die Schnelle das Haus verlassen muss?  Mit dieser Frage beschäftigt sich die Internetseite „The Burning House”. Sie fordert dazu auf, jene Gegenstände, die man unbedingt retten will, zu fotografieren und aufzulisten. Herausgekommen ist eine Sammlung von Bildern und Geschichten, die viel über den jeweiligen Eigentümer aussagen. Denn letztlich geht es bei der Auswahl der Gegenstände um den Konflikt zwischen Dingen, die praktischen, materiellen oder sentimentalen Wert haben. „Was du auswählst, reflektiert deine Interessen, deinen Hintergrund und Prioritäten. Es ist wie ein Interview, zusammengefasst in einer einzigen Frage”, heißt es auf der Webseite. 

Auffallend: Das Notebook oder die externe Festplatte – ohne sie scheint heute gar nichts mehr zu gehen. Viele der Befragten listen wenigstens einen dieser Gegenstände auf. Beliebt sind auch Familienfotos, Postkarten oder Geschenke, die persönlichen Charakter haben.  Foster Huntington heißt der Mann, der hinter dem Blog-Projekt steht. „Die Idee kam mir während einer Dinner-Party, bei der über Online-Dating gesprochen wurde. Die Gäste unterhielten sich, welche Fragen sie stellen würden, um herauszufinden, wie eine Person drauf ist, bevor man sie tatsächlich trifft”, erinnert sich der New Yorker in einem Interview mit AsYouAreMagazine.Com. Da sei ihm die Frage mit dem brennenden Haus eingefallen, woraus sich ein stundenlanges Gespräch entwickelt habe. 

Der Rest ist Geschichte. Seit Mai 2011, dem Start des Projekts, tummeln sich alle möglichen Menschen auf der Seite, aus vielen Ländern, aus allen sozialen Schichten. „Ich würde gerne an den Punkt kommen, an dem ich den Beitrag von David Byrne neben dem eines 75-jährigen, pensionierten Sheriffs aus West Texas zeigen kann”, formuliert Huntington die Ziele, die er mit „Burning House” hat. Ein Buch ist in der Mache und soll im Juli erscheinen.  Während die meisten Umfragen-Teilnehmer eine ellenlange Liste an Dingen runterbeten, die auf jeden Fall unter allen Umständen unersetzbar sind, hält sich der Milanese Maurizio Zorat denkbar knapp: Sein Handy, seine Kamera und ein Spielzeug-Auto – mehr braucht der 51-jährige Art Director offenbar nicht. Zumindest behauptet er das.  Und dann war da noch Jon Gaffney. Der 27 Jahre alte Marketing-Stratege aus Boston (USA) denkt da praktischer: „Meine Mitbewohner. Leute kann man nicht ersetzen.” Auch eine Idee. Der 30-jährige Bremer Dennis will die schwangere Frau und die einäugige Katze auf jeden Fall den Flammen entreißen. Ach ja, und sein Deo.

Internet: www.theburninghouse.com 

 

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