Nachruf: Zum Tod von Joan Rivers

Joan Rivers (foto: wikipedia/express yourself)

„My job is to make people laugh“ – das war das Selbstverständnis der legendären US-Komikerin Joan Rivers. Fast 50 Jahre stand die New Yorkerin auf der Bühne; mit 81 Jahren ist sie nun gestorben.

Nach dem Selbstmord ihres Ehemanns sei sie mit ihrer Tochter essen gewesen, so beginnt ein Rivers-Witz: „Ich habe zu ihr gesagt, wenn Daddy diese Preise gesehen hätte, hätte er sich noch mal umgebracht.“ In Joans Welt war eben nichts heilig. Vor allem nicht andere Prominente, ihre Lieblingsopfer. Die dürre Victoria Beckham, die Haut von Donatella Versace, die Adoptivkinder von Angelina Jolie – alles nahm sie ins Visier. Und zuallererst sich selbst.

Das Gesicht war durch zahlreiche Operationen seit Jahren zur Maske erstarrt. „Erst war ich die Anwältin für Plastische Chirurgie, dann das Postergirl und jetzt der Witz“, sagte sie über ihre öffentliche Wahrnehmung. Jede erkennbar operierte Frau, die ihre Eingriffe abstritt, haute sie gnadenlos in die Pfanne. Geschmackvolle Witze über der Gürtellinie – nicht Joans Stil. Den Tod ihres Mannes, fehlendes Selbstbewusstsein, mangelnde Anerkennung, körperlicher Verfall – all dem versuchte sie, mit Humor den Schrecken zu nehmen.

Denn nichts anderes war das Lachen für sie: Ein Mittel, das Leben zu ertragen, ihrem Publikum, einen Ausweg aus Schmerz, Leid oder dem grauen Alltag zu geben. Mit ihren derben Witzen machte sie sich in Amerika nicht nur Freunde. Einmal, so erzählte sie, habe Jack Lemmon bei ihrem Auftritt den Saal verlassen. Ihre Witze fand er nicht angebracht. Noch bis zum Schluss provozierte sie ihr Publikum gern. Sie war Rollenvorbild für nahezu alle weiblichen Komikerinnen, die ihr folgten. War sie doch lange die einzige Frau im Geschäft. Sie schaffte es sogar zur eigenen Late Night Show.

Ihre schlimmste Krise hatte sie in den 80er-Jahren, als ihr Ehemann sich das Leben nahm. Rivers blieb mit ihrer einzigen Tochter Melissa traumatisiert zurück, kämpft sich zurück ins Leben. „Wo wären wir heute, wenn wir nach dem 11. September nicht mehr gelacht hätten“, sagte sie, als ihr wieder mal einer die Grenzen von Humor aufzeigen wollte. Für ihre Witze entschuldigte sie sich nicht. „Ich habe keine Wahl“, sagte sie über ihren Beruf, in dem sie arbeitete wie ein Tier: „Ich zeige euch Angst“, sagte sie in einer Film-Dokumentation aus dem Jahr 2010 und hielt eine leere Seite ihres Terminkalenders in die Kamera. „A piece of work“ heißt die sehenswerte Doku, die die Künstlerin vor allem als eines zeigt: einen besessenen Workaholic: Auf QVC hat sie Schmuck und Kleider verkauft, in einem Fernsehfilm ihre Lebensgeschichte nachgespielt. Bei Donald Trump gewann sie mit Mitte 70 „Celebrity Apprentice“.

Warum sie diesen Trash mitmachte? Er lief zur Prime Time. Nur nicht aufhören, nur nicht in Vergessenheit geraten, nur nicht milde werden. Das hat sie geschafft. Auszug aus ihrem Buch „I Hate Everyone . . . Starting with Me“ (2012):

 „When I die (and yes, Melissa, that day will come; and yes, Melissa, everything’s in your name), I want my funeral to be a huge showbiz affair with lights, cameras, action . . . . I want craft services, I want paparazzi and I want publicists making a scene! I want it to be Hollywood all the way. I don’t want some rabbi rambling on; I want Meryl Streep crying, in five different accents. I don’t want a eulogy; I want Bobby Vinton to pick up my head and sing “Mr. Lonely.” I want to look gorgeous, better dead than I do alive. I want to be buried in a Valentino gown and I want Harry Winston to make me a toe tag. And I want a wind machine so that even in the casket my hair is blowing just like Beyoncé’s.“

Text: Julia Plantz