Nachruf: Roger Willemsen ist tot

Roger Willemsen (foto: wikimedia/sharon nathan)

Roger Willemsen ist tot. Krebs. Der nächste ganz Große, der 2016 das Zeitliche segnet. Ein Twitter-User brachte es am besten auf den Punkt: Gott hat offenbar vor, uns mit den ganzen Idioten alleine zu lassen.

„Das Leben kann man nicht verlängern, aber wir können es verdichten.“ (Roger Willemsen)

Bowie, Lemmy, Rickman, Cole: Die Guten werden langsam abgezogen. Nach Angaben seines Büros in Hamburg und seines Frankfurter Verlags S. Fischer starb der Publizist und frühere TV-Moderator Willemsen am Sonntag im Alter von nur 60 Jahren in seinem Haus in Wentorf bei Hamburg. Im Sommer 2015 hatte er seine Krebserkrankung, von der er offenbar kurz nach seinem Geburtstag erfuhr, öffentlich gemacht und sich danach zurückgezogen.

Willemsen gehörte zweifellos zu den bekanntesten deutschen Intellektuellen. Bekannt wurde vor allem mit essayistischen Reisebüchern. 2010 veröffentlichte er das Buch „Die Enden der Welt“. Darin berichtete er von 22 seiner aufregenden, teils gefährlichen Trips. Zuletzt landete er mit „Das Hohe Haus“ (2014) einen Bestseller. Für dieses Werk hatte er ein Jahr lang als Zuhörer das Geschehen im Bundestag begleitet.

Aufgewachsen ist Willemsen, der in der Nähe von Bonn geboren wurde, auf einem Schloss im Rheinland. Als ebenso märchenhaft wie melancholisch habe er seine Kindheit empfunden, erzählte er mal bei Sarah Kuttner. Immerhin tummelte sich auf dem Schloss nicht nur ein Fürst mit seinen sieben Töchtern, sondern auch Konrad Adenauer schaute das eine ums andere Mal vorbei. In der Schule lief’s dafür nicht so dolle. Gleich zweimal blieb der Gute sitzen. Das Abi bekam er dennoch hin. Danach studierte er Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte. 1984 promovierte er mit einer Doktorarbeit über Robert Musil und arbeitete dann als Assistent an der Uni München sowie als freier Autor und Übersetzer. Später zog es ihn ins Fernsehen. Der Durchbruch gelang ihm dort 1991, als er vom Pay-TV-Sender Premiere als Moderator für das Interviewmagazin „0137“ angeheuert wurde. Hier stellten sich Promis wie Yoko Ono oder Audrey Hepburn seinen klugen Fragen. Oder auch Menschenfresser und Bankräuber. Dafür heimste Willemsen 1993 den Grimme-Preis ein.

1994 folgte dann die fantastische ZDF-Talkshow „Willemsens Woche“ (legendär: sein Interview mit Helmut Markwort) und der „Literaturclub“ im Schweizer Fernsehen.

Willemsen galt auch als ausgewiesener Jazz-Experte. Beim NDR hatte er die Wochensendung“Roger Willemsen legt auf – Klassik trifft Jazz“ am Start, bei der er jeweils ein Stück aus der Klassik und ein Stück aus dem Jazz einander gegenüberstellte.

Roger Willemsen wird fehlen.