Nachruf: Prince ist tot

Trauer um eine Pop-Ikone: Prince ist tot. Der 57-jährige Musiker wurde laut Polizei tot in seinem Anwesen in Carver County in Minnesota aufgefunden. Die Todesursache ist bislang unklar. Erst vor wenigen Tagen wurde Prince auf dem Rückweg von einem Konzert in Atlanta wegen einer Grippe in einem Krankenhaus in Illinois behandelt. Nach Angaben seines Sprechers musste der Flieger wegen ernster Beschwerden des Künstlers dort notlanden. Ein Konzert sagte er daraufhin ab, Tage später stand er jedoch wieder auf der Bühne.

Seine künstlerische Bedeutung für den modernen Pop, Funk und R&B lässt sich kaum in Worte fassen. Prince galt als einer vielseitigsten Künstler der Pop-Geschichte, war stark von James Brown, den Beatles und Jimi Hendrix beeinflusst. Von Hendrix adaptierte er etwa seinen Gitarrenstil, beim Gesang wechselte er zwischen Nasalem und erotischem Falsett. Ein einzigartiger Stil.

Geboren wurde Prince Roger Nelson am 7. Juni 1958 in Minneapolis. In seiner Jugend galt er als Eigenbrötler. Auch zu Hause lief es nicht rund. Prince, der ohne Vater aufwuchs, riss mehrmals von zu Hause aus. Mit zwölf Jahren brachte ihn seine Mutter bei der Familie Anderson unter, deren Sohn André den jungen Prince musikalisch förderte. Offenbar mit Erfolg. Ein Jahr später war er bereits Multi-Instrumentalist, spielte Gitarre, Schlagzeug und Klavier. Mit André und dem Schlagzeuger Morris Day gründete er denn auch direkt seine erste Band, die zunächst Cover spielte, später aber auch Prince-Eigenkompositionen.

Mit 19 unterschrieb Prince dann einen dicken Plattenvertrag bei Warner. Sein Debütalbum „For You“ spielte er im Alleingang ein, was später ein bewährtes Muster werden sollte. Der große Durchbruch kam jedoch erst mit seinem dritten Album „Dirty Mind“, das auch die Blaupause für den versexten Prince-Sound darstellt. Hier singt der Mann aus Minneapolis über Oralsex oder Inzest zu Elektro-Funk.

Mit dem Soundtrack zum Film „Purple Rain“ (1984) wurde er schließlich zum Weltstar. Die Scheibe enthielt mit „When Doves Cry“ seinen ersten Nummer-eins-Hit. Und über den Titelsong  „Purple Rain“ muss wohl nicht viel gesagt werden. Ein moderner Klassiker. Mit „Kiss“ konnte Prince musikalisch noch einen großen Hit nachlegen, auf der Leinwand blieb der Erfolg danach aber aus: „Under The Cherry Moon“, bei dem er auch Regie führte, floppte. Dafür glänzte er jedoch als Songwriter, schrieb für die Bangles 1986 den Riesenhit „Manic Monday“. Auch „Nothing Compares 2 U“, gesungen von Sinéad O’Connor, ist ein Prince-Song.

Ein weiteres Glanzlicht in der Karriere des Musikers sollte das Doppelalbum „Sign ‚O‘ The Times“ (1987) werden. Hier rührt Prince eine Mixtur aus Gospel- und Soul, modernem R&B und Funkrock an. Kurz darauf gelang ihm mit seinem „Black Album“ ein echter Marketing-Coup. Prince haute das Ding zunächst in kleinster Auflage raus – und zog es dann Ende 1987 zurück. Prince ließ etwa 400.000 bereits gepresste Alben vernichten. Künstliche Verknappung. Originale gibt es heute kaum noch, eines der wenigen kam bei einer Auktion für 13.500 Dollar unter den Hammer.

Dennoch: Danach glich Princes Karriere einer Achterbahnfahrt. Einer kleinen Karriere-Delle folgte 1992 das ganz okaye Album „Love Symbol“, danach wurde es aber wieder turbulent. Auch, weil sich Prince mit seiner Plattenfirma verkrachte. Wie ein Löwe kämpfte er für das Recht am eigenen geistigen Eigentum. Im Frühjahr 1994 überwarf sich Prince mit Warner, schrieb sich das Wort „Slave“ auf die Stirn und ersetzte seinen Namen durch ein Symbol. Ladies and gentleman, introducing „The Artist Formerly Known As Prince“ (TAFKAP). Grund für den ganzen Zinnober: Die Plattenfirma lehnte die Veröffentlichung seiner Single „The Most Beautiful Girl In The World“ ab. War eine doofe Idee, denn das Ding wurde ein Riesenhit. gelehnt – dank Prince‘ Alleingang wurde das Lied ein großer Erfolg.

Danach funktionierte bei Prince vor allem der Alben-Verkauf, die ganz fetten Hits gab es nicht mehr. Völlig verdient wurde er dennoch 2003 in die „Rock And Roll Hall Of Fame“ eingeführt. Mit Warner hatte er sich vor einiger Zeit wieder ausgesöhnt und einen neuen Vertrag geschlossen. Zuletzt veröffentlichte er im vergangenen Jahr das Doppelalbum „HitnRun Phase One“ und „HitnRun Phase Two“.

Erst vor wenigen Wochen hatte Prince verkündet, im nächsten Jahr seine Biographie veröffentlichen zu wollen. Dazu soll es nun nicht mehr kommen. Am Samstag, einen Tag nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, betrat Prince laut „Rolling Stone“ die Bühne einer Party in der Nähe seines Anwesens und soll dabei – als Anspielung auf seinen Gesundheitszustand – gesagt haben: „Wartet bitte noch ein paar Tage, bevor ihr eure Gebete verschwendet“.

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