Nachruf: Philip Seymour Hoffman – Abschied von Hollywoods Musterschüler

Philip Seymour Hoffman (foto: wikipedia/Georges Biard)


Als am 2. Februar bekannt wurde, dass der 46-jährige Philip Seymour Hoffman nicht mehr am Leben sei, dachten viele an einen makabren Scherz. Denn erst drei Tage zuvor ließ eine Internetseite schon seinen Tod verlauten. Entsetzen machte sich unter seinen Kollegen und Fans breit, als klar wurde: Diesmal ist die Nachricht wahr.

„Irgendwo habe ich den doch schon mal gesehen …“, grübeln die meisten, die Hoffman in einem Film erspähen. Aber das Grübeln soll nicht bedeuten, dass er kein einprägsamer Schauspieler war, ganz im Gegenteil. Nur wenigen Mimen gelingt es, derart ausdrucksstark, präzise und nuanciert zu spielen wie Hoffman es tat. Aber er war ein Chamäleon und er legte sich auf keine Rolle fest, er veränderte Kopf- und Gesichtsbehaarung sowie Körpergewicht, Sprachstil und Auftreten derart, dass er häufig kaum wiederzuerkennen war. Charaktere, die nicht sofort einzuordnen waren, sei es äußerlich oder moralisch, waren wie geschaffen für Hoffman. Gleichbleibend ist die Reaktion des Zuschauers auf seine Darbietungen: „Ich dürfte diesen Menschen nicht mögen, aber hassen kann ich ihn auch nicht.“ Er ließ uns ständig unsere Sympathien und Antipathien hinterfragen.

Die Disziplin, mit der er sich mit seinen Parts beschäftigte, ließ ihn Herausragendes in Filmen und Theaterstücken leisten. Und so sind es Details, die der Zuschauer oft nur unterschwellig wahrnimmt, die aber sein Spiel zu etwas Besonderem machten. Das hatte er etwa mit Anthony Hopkins gemein, dem es gelang, seiner Rolle als Hannibal Lecter noch mehr Bedrohlichkeit einzuhauchen, indem er nicht blinzelt – kaum auffällig, aber doch so wirkungsvoll.
In der Tragikomödie „Love Liza“ (2002), in der Hoffman einen Mann spielt, der den Suizid seiner Frau verkraften muss, aufgrund seines Benzinschnüffelns halluziniert und ständig kurz vor dem Zusammenbruch steht, gelang es ihm, sicher auf dem schmalen Grat zwischen Manie und Depression zu wandeln. Es scheint, man könne an seinem Blick alleine erkennen, in welcher Verfassung er ist.

Ein Jahr später war Hoffman in „Owning Mahowny“ zu sehen, einem Drama um das Doppelleben eines Bankangestellten, der der Spielsucht verfällt. Hier kreuzt sein Blick kaum je dem eines anderen Schauspielers, er sieht ständig nach unten, als würde er in Gedanken unentwegt an einem Spieltisch sitzen.
Rollen, in denen Hoffmans Charakter sich langsam selbst verliert, sei es in seinen Emotionen, in einer Sucht, oder in seiner Gedankenwelt, lagen ihm. Ihm gelang es immer wieder, solche Prozesse glaubhaft darzustellen. Auch, weil er ein Perfektionist war der ständig an sich arbeitete. Filmen, das war für ihn wie „Gewichte mit Geisteskraft die Treppe hochschleppen“. Seit seines ersten großen Streifens, „Der Duft der Frauen“ (1992) an der Seite von Al Pacino, hat er immer weiter an sich gearbeitet, um seinen Ansprüchen gerecht zu werden.

Philip Seymour Hoffman, im Jahr 2006. Mit nur 38 Jahren hält der Schauspieler den Oscar für seine Hauptrolle in „Capote“, für die er insgesamt 23 Auszeichnungen gewann, in den Händen. Er bittet die Anwesenden, seiner Mutter zu gratulieren, die ihn und seine drei Geschwister alleine großgezogen hat. Jetzt hinterlässt Hoffman selbst drei Kinder.

Text: Lin Franca Brylla

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