Nachruf: Gedanken zum Tod von Robin Williams

Robin Williams (foto: wikipedia/steve jurvetson)

Mit Robin Williams verliert die Welt einen echten Ausnahmekünstler. Rund vier Jahrzehnte umfasste die Karriere des Comedians, Schauspielers und Musikers. Eine glanzvolle Karriere, deren Rasanz Williams immer wieder an den Rand des Abgrunds führte, in den er letztlich stürzen sollte.

Es gibt da dieses Klischee des traurigen Clowns, das ich an dieser Stelle nur ungern bemühen möchte, weil es wahrscheinlich zig andere Medien an diesem Tag auch machen werden. Und doch greift dieses Bild bei Williams wie bei kaum einem anderen. Mich hat Robin Williams immer ein wenig an Patch Adams erinnert, jenen innerlich zerrissenen Arzt aus dem gleichnamigen Film (1998), der seinen Lebensinhalt darin sah, seinen Patienten ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Die Rolle, obwohl auf einem wahren Charakter basierend, war Williams auf den Leib geschrieben. Williams war der Arzt, wir die Patienten.

Der Stern des Robin Williams, er begann im Jahr 1977 zu leuchten. Damals hatte er gerade als John-Houseman-Stipendiat die Juilliard School für Darstellende Künste durchlaufen und sich in der New Yorker Clubszene einen Namen als Komiker erworben. Da winkte plötzlich eine Nebenrolle in der beliebten TV-Serie „Happy Days. Einen Außerirdischen sollte er dort spielen.

Es war ein Auftritt, der haften blieb. Sein Durchbruch. Ein Jahr später wurde für diese Figur extra ein Spin-Off geschrieben, als „Mork vom Ork“ spielte sich Williams fortan in die Herzen der Zuschauer. Das Improvisationstalent des Mimen war schon damals bekannt, die Autoren der Serie ließen ihm entsprechend Platz in den Skripten für spontane Einlagen. Offenbar mit Erfolg: Für „Mork“ gab’s direkt den Golden Globe. Eine Auszeichnung, die Williams später auch noch für „Good Morning, Vietnam“, „König der Fischer“, „Aladdin“ oder  „Mrs. Doubtfire“ einsacken sollte.

Die komischen Figuren mit tragischem Hintergrund, sie waren Williams‘ Paraderolle. Er spielte den Radiomoderator Adrian Cronauer in „Good Morning, Vietnam“ (1987), den Lehrer John Keating in „Der Club der toten Dichter“ (1989), einen Obdachlosen  in „König der Fischer“ (1991) und Peter Pan in „Hook“ (1991). Als man begann, ihn in eine Schublade zu stecken, wechselte Williams erfolgreich ins ernste Fach. Dass er auch Thriller kann, bewies er als Stalker in „One Hour Photo“ (2002) oder als Mörder in „Insomnia“ (2002). Und für seine Rolle des Psychologen Sean Maguire in „Good Will Hunting“ gewann der Schauspieler sogar einen Oscar als bester Nebendarsteller.

Williams konnte aber weder mit seinen Siegen noch mit seinen Niederlagen umgehen. Vor allem die Taktung, in der sich Erfolge und Misserfolge abwechselten, setzten dem Mann aus Chicago immer wieder zu. Seine CBS-Serie „The Crazy Ones“ wurde kürzlich nach nur einer Staffel abgesetzt. Ein schwerer Schlag für einen wie Williams.

Robin Williams hat nie einen Hehl aus seinen Suchtproblemen gemacht. Nach seinem gewaltigen Erfolg als TV-Komiker Ende der 1970er Jahre habe er Kokain und Alkohol konsumiert, gestand er dereinst in einem Interview. Den Kickstart dafür gab auch gewisser John Belushi, der Williams in Hollywoods Party-Szene einführte. Dessen früher Tod sowie die Geburt von Williams‘  Sohn Zach im Jahre 1983 ließ Williams zwar die Finger von den Drogen nehmen, doch der Dämon Alkohol sollte sein erbitterter Feind bis zum Schluss bleiben.

Jahrelang blieb der Schauspieler zwar trocken, 2003 jedoch hatte er seinen ersten Rückfall, bei Dreharbeiten in Alaska. Die Einsamkeit, die Isolation ließen Williams wieder zum Glas greifen. Seither hat der Komiker immer wieder gegen die Sucht angekämpft. Im Oktober 2006 sagte er nach einem Entzug: „Du stehst am Rand einer Klippe und siehst hinunter. Es gibt diese Stimme, eine kleine und leise Stimme, die sagt: ,Spring!‘.

Erst im Juli ließ sich Williams erneut in einer Entzugsklinik behandeln. Vergeblich.

Gestern Morgen hat sich der Schauspieler das Leben genommen, offenbar litt er unter schweren Depressionen. Seine Frau Susan Schneider veröffentlichte dazu folgendes Statement: „This morning, I lost my husband and my best friend, while the world lost one of its most beloved artists and beautiful human beings. I am utterly heartbroken.On behalf of Robin’s family, we are asking for privacy during our time of profound grief. As he is remembered, it is our hope the focus will not be on Robin’s death, but on the countless moments of joy and laughter he gave to millions.“

Als ich über einen passenden Schluss zu diesem Nachruf nachdachte, fiel mir die Frage eines Internet-User in einem der unzähligen R.I.P-Threads aus der vergangenen Nacht ein: „Warum bringt sich ein 63-Jähriger um, der in seinem Leben alles erreicht hat? Der eine Familie hat? Und finanziell ausgesorgt?“ Und während darüber grübelte, lieferten Michael Stipe und R.E.M. im Radio die passende Antwort:

„Cos everybody hurts … sometimes.“

Text: Benjamin Fiege

Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person von Depressionen betroffen sind, wenden Sie sich an die Telefon-Seelsorge unter der Rufnummer: 0800 111 0 111.