Nachruf: Der Herr der Alpträume – Zum Tod von HR Giger

HR Giger (foto: wikipedia/Matthias Belz)

HR Giger (foto: wikipedia/Matthias Belz)

 

 

Kein Künstler übte je so viel Einfluss auf dermaßen zahlreiche Elemente der Popkultur aus wie der am 12. Mai verstorbene Schweizer HR Giger. Mit seinen surrealen Werken, die meist in schwarz/weiß/grau gehalten sind und deren Motive er selbst gerne als „biomechanoid“ beschrieb, inspirierte Giger nicht nur die Filmindustrie, sondern auch die Musikszene, Spieleentwickler, Comiczeichner, Tattookünstler, ja ganze Jugendkulturen – was wären wohl die Gothic- oder Steampunkanhänger ohne ihn?

In seiner Kindheit diente Giger das Zeichnen dazu, Herr seiner Alpträume zu werden, später erschuf Giger sie bewusst; seinen Zeichenblock soll er stets neben dem Bett aufbewahrt haben, um seine Phantasien sofort nach dem Erwachen auf Papier bannen zu können. Er schuf wundervolle Werke, die den Betrachter einfach nicht mehr loslassen. Sein Stil vereint Sexualität und Abscheu, wodurch Giger Themen transportiert, die im 20. Jahrhundert stetig an Bedeutung gewannen, nämlich die Verschmelzung von Mensch und Maschine und apokalyptische Visionen.

Insgesamt erschienen mehr als 20 Bände seiner Kunst, darunter das 1977 veröffentlichte „H.R. Giger’s Necronomicon“, das ein Jahr später seinen Weg zu Ridley Scott fand. Scott beauftragte Giger damit, das Monster für seinen Film „Alien“ (Arbeitstitel war zu diesem Zeitpunkt noch „Star Beast“) zu kreieren. Auch wenn Giger nie vollkommen zufrieden mit dem filmischen Ergebnis war, was unter anderem damit zusammenhängt, dass er seine Entwürfe nur auf Papier festhalten konnte und die Entwicklungen nicht persönlich mitansehen konnte (er litt unter Flugangst und faxte seine Skizzen), gewann „Alien“ 1980 einen Oscar in der Kategorie „Beste Spezialeffekte“. Eine Auszeichnung, die Giger nicht in dem Maße anerkannte, wie man denken würde, tatsächlich schrieb er ihr relativ wenig Bedeutung zu.

Wichtiger war es Giger, für seine Zeichnungen Anerkennung zu finden, was hinsichtlich seines Stils und seinen speziellen Techniken – so war er beispielsweise einer der ersten Künstler, der mit Airbrush experimentierte und dies auch perfektionierte – zumindest in der Hochkultur eher selten der Fall war. Zu schwer fällt es, Giger neben anderen zeitgenössischen Künstlern zu positionieren. Er selbst eröffnete 1998 ein eigenes Museum, in dem er seine Bilder und Skulpturen sowie Möbel ausstellt, neben Stücken aus seiner Sammlung von Künstlern, die er verehrte.

Gigers Wunsch ist es immer gewesen, eine Biennale-Ausstellung zu bekommen. Bleibt abzuwarten, ob diese Ehre ihm postum noch zuteil wird.

Text: Lin Franca Brylla

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