My Soundtrack: Theo Luft

Theo Luft (foto: k-klangtraeger)

Laut eigener Aussage kann Theo Luft nicht mal Triangel spielen. Was er ganz gut kann: Songs komponieren, die sich soundtechnisch irgendwo zwischen Post Punk und Electro Pop bewegen. Überzeugen kann man sich davon auf dem Debütalbum seiner nach ihm benannten Band: „Wo ist der Feind wenn man ihn braucht“ ist im September erschienen. Für uns nahm sich der Gute Zeit für unsere „My Soundtrack“-Rubrik und nannte uns fünf Songs, die in seinem Leben eine zentrale Rolle spielen.

 

Radiohead – Karma Police

Fernsehsender, die ganztägig Musikvideos abgespielten, sind nun längst Gesichte. Das ist nicht weiter tragisch, haben doch die meisten von ihnen Maschinengewehrsalven nervigster Fast-Food-Pop-Songs auf meine Ohren und Augen abgefeuert. Viva Zwei allerdings fand ich toll. Das lag an der Zielgruppe: Menschen, die sich tatsächlich für Musik interessieren. So etwas wie „Indie-Musik“ kannte ich vorher gar nicht – für mich eine Offenbarung. In bin halt in einer typisch deutschprovinziellen 3000-Einwohner-Stadt aufgewachsen. Wer wie ich Charts-Musik und Kirmes-Techno verabscheute, hörte die klassischen Ausweichmanöver Metal und Promille-Punk. Als VIVA Zwei Mitte der 90er Jahre auf Sendung ging, drang erstmals die Erkenntnis in meinen ästhetisch abgeschirmten Kultur-Kosmos, dass Musik weder laut, schnell noch aggressiv sein muss, sondern einfach nur gut. Besonders der Clip zu „Karma Police“ von Radiohead hatte es mir angetan. Das zugehörige Album wurde natürlich gekauft und die Plattensammlung nach und nach aufgefrischt. VIVA Zwei existierte gerade mal sieben Jahre, doch dieser Sender und meine erste Radiohead-Platte haben meinen Musik-Geschmack renoviert.

 

Patti Smith – Land

Während meines Design-Studiums hielt ich einen Vortrag über den New Yorker Fotografen Robert Mappelthorpe, der berühmt ist für seine überstilisierten homoerotischen Schwarzweiß-Fotografien. Einige Bilder sind recht heftig, womit ich bei manchen Kommilitonen aneckte, die in abgelichteten Geschlechtsteilen keine Kunst sehen wollten, sondern lediglich schnöde Pornografie. Mappelthorpe, der 1989 starb, war ein sehr guter Freund von Patti Smith. Von ihm stammt das ikonografische Cover-Foto für „Horses“, dem ersten Patti Smith-Album. Aus Neugier habe ich in diesen Klassiker reingehört, der es sehr schnell in die Top 5 meiner Lieblings-Platten geschafft hat. Am stärksten finde ich den vorletzten Song des Albums: „Land“. Patti Smith beginnt zurückhaltend zu sprechen, geht aber schnell dazu über, trotzig zu predigen. Dazu wird sehr reduziert Gitarre gespielt, ein Off-Beat rollt in die Szene, ihre Stimme erhebt sich – und Peng, das Lied verwandelt sich in eine saucoole Rock ’n’ Roll-Nummer. Am meisten beeindruckt mich ihre ausdrucksstarke Performance. Sie wechselt zwischen Singen und Erzählen hin und her – mal lässig, mal rotzig.

 

Fehlfarben – Militürk


Fehlfarben – Militürk von p9p8p7

„Hey, das klingt wie Neue Deutsche Welle“, lautete oft die verbale Reaktion auf unsere ersten Stücke. So lautet sie immer noch. Nun war es nie unsere Absicht, dieses Genre wiederzubeleben. Der Klang unserer Musik hat sich mit der Zeit aus der Summe der Zutaten eben so ergeben. Insofern war dieses Feedback von außen sehr interessant. Ich hörte mir darauf hin einige deutschsprachige Bands der frühen 80er an, denen das Etikett „NDW“ verpasst worden ist, bevor dieser Begriff zu sehr mit Klamauk und Schlager in Verbindung gebracht werden konnte. Neben Abwärts, DAF, Ideal und Grauzone bin ich vor allem auf Fehlfarben hängen geblieben. „Monarchie und Alltag“ ist für mich vielleicht sogar das beste deutschsprachige Album überhaupt. „Militürk“ ist ein perfekter Auszug daraus. Hier werden Punk und Funk atmosphärisch dicht verwoben. Der Text ist großartig und Peter Heins Nicht-Gesang anbetungswürdig.

 

Late Of The Pier – Space And The Woods

Space And The Woods von Late of the Pier auf tape.tv.

2008 erschienen Late Of The Pier auf meinem Radar und ich schlug Alarm. Sie vermischten Elektro völlig unbekümmert mit Punk und Glamrock – wild, verspielt, melodiös, tanzbar und hitsicher. Das inspirierte mich, ebenfalls Songs zu komponieren und ich, der kein Instrument beherrscht, setzte mich erstmals mit Musik-Software auseinander. Late Of The Pier waren der Startschuss für Theo Luft. Besonders hervorheben möchte ich ihren Track „Space And The Woods“. Der Keyboard-Refrain hat es mir angetan. Dieser klaut sich herrlich dreist das Intro von A-Ha’s „Talke On Me“, ändert aber ab der Mitte dessen Melodie, färbt sie wesentlich dunkler und reichert sie mit ordentlich Druck an.

 

Burt Bacharach / Dionne Warwick – Walk On By

Ich habe früher ziemlich oft in Bars und Clubs aufgelegt. Wenn mir die Ehre erwiesen wurde, den letzten Song zu spielen, tat ich „Walk On By“ auf den Plattenteller. Da passt es sehr gut, dass ich diesen als letzten in dieser Liste aufführe. Es ist einer meiner Lieblingslieder. Ich mag je elegante Musik und diese Nummer ist die eleganteste überhaupt. Burt Bacharach ist ein großartiger Komponist, Dionne Warwick wohl seine beste Interpretin. Wie ein Bach fließt dieses Liedchen dahin und wird genial unterbrochen durch einen Klavier-Part. „Don’t Stop“ singt an dieser Stelle der Background-Chor. Leider ignoriert das Lied diese Bitte. Nach rund drei Minuten ist schon Schluss.