My Soundtrack: Paul Florian Müller

Paul Florian Müller (foto: paul florian müller/camino filmverleih)

Bisher kannte man Paul Florian Müller vor allem als Drehbuchautor: Er war unter anderem für mehrere Spielfilm- und Serienprojekte tätig und schrieb mit Paul Salisbury die NDR-Komödie „Vorstadtrocker“. Mit „Sex & Crime“ (Kinostart: 24. März) inszeniert er nun sein Langfilmdebüt: Eine blutige Beziehungskomödie mit allerlei schrägen Charakteren. Die Hauptrollen sind namhaft besetzt mit Wotan Wilke Möhring, Fabian Busch, Claudia Eisinger und Pheline Roggan. Wird also eine aufregende Woche für den Regisseur. Trotzdem hat er sich die Zeit für unsere „My Soundtrack“-Reihe genommen und uns jene fünf Songs verraten, die in seinem Leben eine zentrale Rolle spielen.

 

The Ramones – Baby, I Love You

Mein Film sollte sich anfühlen wie ein kurzer, eingängiger Popsong. Einer, der Spaß macht und leicht ins Ohr geht. Den man sich immer wieder anhören und dabei dann auch neue Dinge entdecken kann. Und diese Version von „Baby, I Love You“ kam mir als Referenz dafür in den Kopf. Die größte Punk-Band covert einen R&B-Hit der Ronettes aus den 60ern – wie sollte dabei nicht mindestens was Interessantes entstehen? Und tatsächlich ist das Ergebnis toll (diese Streicher!) – und bei maximaler Lautstärke ein verlässliches Mittel gegen schlechte Laune.

 

Jarvis Cocker – Cunts Are Still Running The World

Dieser zum G8-Gipfel 2005 entstandene und ein Jahr später veröffentlichte Song ist zwar schon zehn Jahre alt, aber immer noch – und wahrscheinlich auf ewig – der aktuelle Soundtrack zur weltpolitischen Lage. Endlich brachte es mal einer ganz simpel, aber mit aller Wut und Verzweiflung auf den Punkt. Und dann auch noch musikalisch und gesanglich so charmant und stilsicher, dass es damals nach der Trennung der geliebten Band Pulp zusätzlich wie Balsam für die Seele war. Vielleicht sollte es davon mal eine Band-Aid-Neuauflage geben…?

 

Eins Zwo – Hand auf’s Herz

Nach wie vor und immer wieder dient mir dieser raffinierte und originelle Umgang mit Worten als Inspiration fürs Schreiben. Klug, gewitzt, persönlich und dabei mit einer Coolness und Beiläufigkeit, die vermeintlich relevanten Bildungsbürger-Lieblingen in der Regel völlig abgeht. Warum gibt’s denn dafür nicht mal einen Literaturpreis? Allein eine Textzeile wie „Auf die Bühnen der Jugendzentren und Dorfdiskos, bring ich Dirty Dancing und postpubertären Zwangsvulgarismus“ ist doch einfach nur noch sensationell!

 

Radiohead – Paranoid Android

Damals für mich als Teenager eine Offenbarung. Quasi eine Art Mini-Oper, bestehend aus drei verschiedenen Songs, die zu einem zusammengepackt wurden. Passte in keine mir bekannte Schublade und was Thom Yorke da sang, ergab beim besten Willen keinen Sinn. Und trotzdem war es Popmusik! Trotzdem war es bewegend und groß! Und trotzdem machte irgendwie einfach alles Sinn! Aus heutiger Sicht wirkt der Song (und das gesamte Album „OK Computer“) sogar fast schon in jeder Hinsicht vorausahnend und prophetisch.

 

R.E.M. – It’s The End Of The World As We Know It (And I Feel Fine)

Neulich in der vollen Berliner U-Bahn stieg auf einmal R.E.M.-Sänger Michael Stipe dazu und stellte sich neben mich. Ernsthaft. Mit langem Rauschebart, Nasen-Piercing und schriller lila Mütze war er sozusagen hiding in plain sight. Als Fan, der die Band auch einige Male live gesehen hat (und wo der genannte Song immer als Rausschmeißer diente), war ich natürlich sofort extrem aufgeregt. Die Begegnung, die gar keine war, dauerte dann aber nur sechs kurze, ereignislose Stationen lang. Aber wer weiß, vielleicht trifft man sich ja mal wieder. Im Bus oder so.