My Soundtrack: Melanie Raabe

Melanie Raabe (foto: christian faustus)

Die wunderbare Krimi-Autorin Melanie Raabe schickt sich gerade an, mit ihrem Thriller „Die Falle“ den ganz großen Durchbruch zu schaffen, das Werk begeistert Kritiker und Leser gleichermaßen. In dieser Folge unserer My-Soundtrack-Reihe verrät sie uns, welche fünf Songs sie zum Schluchzen bringen und welchen sie gerne ein letztes Mal hören würde, wenn sie kurz vor der Exekution stünde. Now that’s a first.

 

1) Tocotronic – Letztes Jahr im Sommer

Ich bin in einer Kleinstadt in NRW aufgewachsen. Bilder wie aus einem klassischen Coming-of-Age-Film: Tagsüber lernten wir Mathe und Latein auf unserem behüteten kleinen Gymnasium, abends brachen wir ins örtliche Schwimmbad ein, fuhren mit unseren Gebrauchtwagen zum nächsten McDonalds und spielten uns gegenseitig die Mixtapes vor, die wir für einander gemacht hatten. Immer dabei: Tocotronic. „Letztes Jahr im Sommer“ habe ich damals nicht nur rauf und runter gehört – es spiegelt diese Zeit auch einfach perfekt. Einerseits war alles großartig und schön, andererseits hat uns die Enge der Kleinstadt auch bedrückt, und wir wollten nur weg. Dirk von Lowtzows nörgelnder Gesang gab dem perfekt Ausdruck.

 

2) Kaizers Orchestra – Ompa til du dør

Ich habe keine Band so oft live gesehen, wie die grandiosen norwegischen Rocker von Kaizers Orchestra. Zehn mal? Zwölf, vierzehn mal? Ich weiß es nicht mehr genau, ich weiß nur, dass die Jungs und ihre Musik – diese seltsame Mischung aus skandinavischer Düsternis, osteuropäischen Melodien, irrsinnigem industrialartigem auf Ölfässernrumgekloppe und einer ordentlichen Prise Tom Waits – in meinen Zwanzigern eine regelrechte Sucht für mich waren. Irgendwann, nach einem Konzert in Köln, bin ich noch mit der Band um die Häuser gezogen. Kölschkneipen, Tischkicker und Rock’n’Roll mit meiner liebsten Rockband? War ’ne ziemlich gute Nacht.

 

3) Arcade Fire – Wake Up

Sollte ich jemals kurz vor der Exekution stehen und gefragt werden, ob ich einen letzten Wunsch habe, dann werde ich mir keine verdammte Zigarette wünschen, sondern ich werde mir wünschen, noch einmal „Wake Up“ von Arcade Fire hören zu dürfen. Dieser Song begleitet mich schon lange – und wird mich immer begleiten. Ich bin froh, die Nummer schon live gehört zu haben; und mein Freund hat den Song einst in einem Theaterstück verwendet, das er inszeniert hat – der ultimative Gänsehautmoment.

 

4) Lady Gaga – Born This Way

Ein Augenblick reinen, unverfälschten Glücks: In einem kleinen Kölner Kellerclub, auf meiner liebsten, schwulen Party, meine Freunde um mich herum, ein paar in Jeans, ein paar in Drag, und Lady Gagas „Born This Way“ kommt aus den Boxen. Liebe.

 

5) Devotchka – How It Ends

Bringt mich jedes Mal zum Heulen: als ich’s 2004 zum ersten Mal gehört habe, als ich es live gehört habe, wenn ich’s daheim auflege, heute, gut zehn Jahre später. Ich weiß nicht, was es ist, aber wenn Nick Urata loslegt mit „Hold your grandmother’s bible to your breast“, dann kann ich einfach nicht mehr. Dieser Song macht mich vollkommen fertig. Diese Schönheit, diese Traurigkeit, diese weinende Violine – oh Mann. Hey, darf ich meinen letzten Wunsch vorm Erschießungskommando noch mal revidieren? „How It Ends“ bitte. Devotchka. Vielen Dank.